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Thema: Tod meines geliebten Bruder

  1. #1
    Neuling
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    Standard Tod meines geliebten Bruder

    Liebes Forum,

    vor etwas weniger als 3 monaten ist mein Bruder gestorben was sehr überraschend für alle kam. Ich möchte euch ein bisschen über ihn und seine Rolle in meinem Leben erzählen..
    Ich bin 16 und mein Bruder ist nur 23 geworden. Zu dem Zeitpunkt seines Todes habe ich ein Auslandsjahr in Amerika gemacht und ihn fast 8 monate nicht mehr gesehen. Es war Sonntag als der plötzliche Anruf meiner Mutter kam. Schon an ihrer Stimme habe ich erkannt das irgendetwas nicht stimmt.. Die Nachricht war wie ein Schlag ins Gesicht und ich brach zusammen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl das sich tief in meiner Magengrube bildete und mir schmerzen zufügte. Die Tränen schossen aus meinen Augen und mir schossen tausend fragen durch den kopf. Dann setzte das bittere Gefühl der Leere ein. Plötzlich fühlte ich nichts mehr und es war nichts mehr da, nichts aus dieser Leere die meinen kompletten Körper füllte. Dazu musste ich noch irgendwie einen Weg finden aus den Staaten nach Hause zu fliegen um an der Beerdigung teilzunehmen doch in diesem Moment war ich nicht im Stande mir darüber Gedanken zu machen. Ich lag die ganze Nacht wach und erinnerte mich an die unzähligen Momente die ich mit meinem Bruder teilen konnte. Mein Bruder hat seit seiner Geburt unter vielen Allergien, Neurodermitis und Asthma gelitten die ihm mit den Jahren immer mehr zu schaffen gemacht haben. Durch die zunehmende Einnahme von Kortison und anderen Medikamenten traten nebenwirkungen wie Übergewicht, Schlaflosigkeit und stark geschädigte Haut, ein. Sein Zustand war nicht gut, aber es war lange nicht so schlimm das es zum Tod führen könnte. Doch auch die Psyche spielte eine große Rolle.. Er schämte sich für seine Haut und sein Übergewicht und die Augenringe die er hatte durch die zahllosen Schlaflosen Nächte und wollte nicht mehr rausgehen, hat kaum mehr etwas mit freunden unternommen und sich nur noch in sein zimmer gesperrt. Meiner Familie, mir und freunden gegenüber war er trotzdem immer der humorvolle, liebevolle typ der alle aufheitert auch wenns ihm selbst richtig dreckig geht, doch ich glaube das war nur eine Fassade, eine Wand hinter der sich eine ganz andere Seite von ihm verbirgt hat. Mein Bruder war ein toller Künstler, er hatte großes Talent im Malen und fing jedes mal an zu zeichnen wenn es ihm Schlecht ging. Er zeichnete viele Comics und Cartoons, hatte immer witzige Ideen auf Lager und setzte diese um, jedoch malte er nicht nur solche Bilder.. er hörte gerne Metal und war immer schwarz angezogen und so malte er viele düstere Bilder mit skiletten und dem Tod. Er ging irgendwann in Therapie bei einer Heilpraktikerin und seine Haut wurde langsam besser. Er wohnte jedoch bei meinem Opa, 2 stunden von hier weil dort die Praxis war. Es ging psychisch sehr bergab mit ihm da er von seinen freunden weg war, kaum mehr jemanden zu gesicht bekam und seine schwester vermisste, denn ich war ja in Amerika um dort das beste Jahr meines lebens zu genießen und konnte ihm auch nicht bei seite stehen .. Er hatte sich letztendlich schon selber aufgeben, obwohl die haut besser wurde, aber es ging ihm alles einfach zu langsam und er war der meinung er würde nicht mehr gesund.. Eine woche vor seinem Tod schrieb er mir eine sms in der er sagte wie sehr er mich liebte und mich vermisste und sich freute mich bald wieder in den Armen zu halten. Doch es kam nicht dazu und ich glaube das wusste er zu diesem Zeitpunkt. Eine Woche später ging es ihm richtig schlecht er lag im bett und wollte auch nicht mehr aufstehen. Aber ins krankenhaus wollte er auch nicht und mehr als es ihm zu zu reden kann man bei einem 23 jährigen auch nicht! Ich denke er wollte sterben denn er hatte zu viel gelitten.. Am 3. tag an dem er sich nicht mehr aus dem bett bewegte wars auch so weit.. er war nicht mehr bei bewusst sein und blut kam aus seinem mund.. meine mutter rief den krankenwagen doch bis er im krankenhaus war war es eigentlich schon zu spät auf dem weg dahin hatte er schon einen herzstillstand und im krankenhaus konnten sie ihn auch nicht mehr retten. Er starb am 15.4.2011 an einer Lungenembulie. Ich vermisse ihn so schrecklich. Kein tag geht vorbei an dem ich keine träne vergieße und an ihn denke. Er war das beste für mich. Meine Eltern haben schon immer viel gearbeitet und waren selten zu hause, so dass er mich sozusagen großgezogen hat da wir fast immer alleine zu hause waren. Er hat mir alles beigebracht, hat mir alles gelehrt was ich im leben brauche und mich für die zukunft gerüstet. Durch ihn bin ich so geworden wie ich bin. Er hat mir kraft gegeben und stand mir immer zur seite. Er war mein großer beschützer der auf seine kleine schwester aufgepasst hat wie ein Wachhund, dass kein kratzer an mich rankommt. Er war der perfekte große bruder, ich hätte mir niemals einen besseren vorstellen können und ich bin so unendlich dankbar für alles was er für mich getan hat. Ich liebe ihn so unendlich. Ich bin sehr traurig über seinen tod es frisst mich quasi von innen auf, jedoch ist es immernoch schwer es zu realisieren. Mir klar zu machen das er mein restliches leben nicht mehr da sein wird.. Nicht mehr sehen wird wie ich heirate, kinder kriege und all die Momente, die ich so gerne mit ihm teilen würde. Es ist hart das alles zu realisieren zu mal ich ihn so lange nicht gesehen habe vor seinem tod.. ich konnte mich nicht verabschieden ihm nicht sagen wie sehr ich ihn liebe und immer lieben werde. Für mich ist das alles wie eine geschichte die mir erzählt wurde, denn ich habe die letzten monate seines lebens nicht miterlebt. An seiner beerdigung waren sehr viele menschen.. familie, freunde, lehrer von früher und andere bekannte. Das hat mir kraft gegeben, denn es hat mir bestätigt das mein bruder trotz seiner krankheiten sehr beliebt war bei den leuten und von vielen geliebt wurde. Ich werde ihn in der besten erinnerung behalten mit all den hammer geilen momenten die ich mit ihm teilen konnte, denn er war der beste mensch in meinem leben. Andererseits habe ich angst vor dem moment an dem das alles mich einholt.. an dem mir klar wird das er nie mehr zurück kommt und einfach nicht mehr da ist.. an dem moment wo ich einfach in ein schwarzes loch der depression falle und ich alleine nicht mehr rauskomme. Ich habe Angst .. große Angst! Doch auch wenn ich ihn nicht sehe.. er ist immer im zimmer neben an und passt auf mich auf!
    Nur die Besten Sterben jung, du warst der Beste.
    Ruhe in Frieden.
    Ich liebe dich, Fabi.. für immer!
    Deine Schwester




    [Ich musste das alles mal loswerden.. einfach aufschreiben .. einfach erzählen.. es ist ein bisschen lang geworden aber ich hab das gebraucht.. und es ist cool wenn ihr das bis zum ende gelesen habt.. vielleicht hattet ihr ja den gleichen schicksalsschlag und wollt auch eure geschichte teilen! Danke fürs lesen. ]

  2. #2
    katha
    Gast

    Standard

    Hallo misskriss,

    mein herzliches Beileid.
    Ich habe deine Geschichte gelesen und mir ging es sehr zu Herzen, wie liebevoll du deinen Bruder umschreibst...
    Und du packst soviel Gefühl in dein Schreiben, dass mir echt die Tränen gekommen sind...es tut mir einfach so leid für dich und deine Familie.

    Ich glaube dein Bruder war ein ganz toller Mensch...die Beschreibung deines Bruders erinnert mich in einigen Punkten an meinen kleinen Bruder(der glaub ich leider auch einige probleme hat)...bestimmt auch ein Grund warum mich die Geschichte zu Tränen gerührt hat...
    (das verrückte ist mein Bruder hat am 15.4 Geburtstag)

    Ich kann verstehen, dass du Angst hast...Angst das du in ein Loch fällst und vielleicht wäre es gut, wenn du dich jetzt schon nach jemandem umschaust mit dem du die Zeit in dem Loch gemeinsam durchstehst und überwindest...
    Ich weiß nicht ob das nötig ist, aber wenn ich mir vorstell, dass es dir schlecht geht und du mit einem psychologen oder so reden willst und die sagen dir dann du musst 3monate (oder länger) auf den nächsten termin warten...das stell ich mir grausam vor....
    naja vielleicht würde es dir einfach gut tun jemanden "neutrales" zu haben mit dem du reden kannst und diesen weg gemeinsam gehen kannst.... du kannst dich ja mal umschauen wen es in deiner umgebung gibt...



    "Sei wie dieses verrückte Kind, das losrennt, das Leben zu umarmen, das hinfällt, aufsteht und weiterläuft, wenn auch mit aufgeschlagenem Knie.
    Dieses Kind heißt "Hoffnung"...es glaubt an Wunder, Glück und Liebe.

    Behaltet dieses Kind in deinem Herzen...denn es ist das, was unser Leben aufrecht hält!"


    Ich wünsche dir und deiner Familie ganz viel Kraft und Zuversicht. Und eben dieses "Kind"...Hoffnung...die Hoffnung und den Glauben an euer Leben..an Besserung, Glück und Wunder

  3. #3
    Schreibkraft
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    Standard

    Hallo misskriss, ich habe deinen Beitrag intensiv gelesen. Es ist schön, wie du deine Beziehung zu deinem Bruder beschreibst, er muß ein toller, liebenswerter Mensch gewesen sein. Er hat dir viel für dein Leben mitgegeben. Du wirst ganz bestimmt noch längere Zeit um ihn trauern, das ist auch in Ordnung so. Ein Teil von ihm wird dich immer begleiten, das ist schön. Ich wünsch dir viel Kraft für die kommende Zeit, mit all den notwendigen Tränen, aber auch mit dem Lächeln, das du in der Erinnerung an eure gemeinsamen Zeiten haben wirst.

  4. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Suppenhuhn für den sinnvollen Beitrag:


  5. #4
    Sophia-Charlotte
    Gast

    Standard

    Hallo Misskriss,

    ich weiß, dass Worte nichts besser machen, dass sie den Schmerz nicht nehmen, aber mir persönlich hilft es manchmal zu wissen, dass es anderen ähnlich geht. Dass diese gefühlte Einsamkeit nicht so ausweglos ist, wie sie sich zeitweise anfühlt. Ich empfinde Trauer zurzeit noch oft als stummes Gefühl, es lähmt mich, doch auch wenn es sich in meinem Inneren anfühlt, als könne ich nur schreien, bleibe ich still.
    Da ist das Schreiben ein guter Weg, diese Stummheit zu wandeln, wieder etwas aktiv tun zu können. Außerdem kann ich mich manchen Tag an den Worten festhalten. Sie bleiben stehen, wenn alles einzustürzen beginnt. Sie bleiben klar, wenn ich mich in meinem eigenen Chaos verliere. Vielleicht geht es dir ähnlich?

    Gibt es irgendeine Tätigkeit, die dich mit deinem Bruder verbindet? Meine Schwester liebte Musik und immer wenn ich mich ans Klavier setze, fühlt es sich an, als sei sie mir wieder näher. Als würden WIR es spielen. Es mag sich seltsam anhören, aber das Gefühl ist stark.
    Kurz nach ihrer Beerdigung besuchte mich ihre beste Freundin. Sie schenkte mir ein kleines Pappschächtelchen und um ehrlich zu sein, ist es momentan einer meiner wertvollsten Schätze. Es ist gefüllt mir Erinnerungen. Bildern, Muscheln aus dem Urlaub, ihr Lieblingsspruch, eine CD mit ihren Lieblingsliedern, ihr Glücksbringer, ihre Ohrringe, die sie so gerne trug, eine nebenbei geschriebene Notiz aus ihren Arbeitsbüchern... es ist, als könnte ich sie mitnehmen, wenn ich gehe. Sie ist greifbarer, wenn ich die Schachtel öffne, nicht nur in meinen Gedanken, sondern auch in meinen Händen.
    Was erinnert dich denn an deinen Bruder? Gibt es einen Gegenstand, einen Ort, der dich besonders intensiv an ihn erinnert, mit denen die Erinnerung lebendiger wird?

    Ich wünsche dir viel Kraft für dein weiteres Leben.

    Liebe Grüße,
    Sophia
    Geändert von Sophia-Charlotte (14.07.2011 um 13:57 Uhr)

  6. #5
    Gast9035
    Gast

    Standard

    Hallo misskriss,

    ich habe Deinen Beitrag auch gelesen, und es hat mich sehr gerührt.
    Ich wünsche Dir viel Kraft bei Deiner Trauer.
    Und auch Kraft, irgendwann wieder nach vorne schauen zu können.
    Ich finde es auch sehr schön, dass du viele schöne Errinnerungen an ihn hast.

    lg
    das Meer

  7. #6
    Wunderlampe
    Gast

    Standard in den Arm nehmen

    Hallo misskriss

    ich möchte dich einfach in die Arme nehmen und dich trösten.

    Es ist schwer einen geliebten Menschen zu verlieren, es tut einfach nur weh. Gerade der Buder ist eines der Menschen, der einem am Nächsten steht, schließlich teilt man mit ihm Mutter und Vater und ein halbes Leben.

    Ich kann dich nur ermutigen deinen Schmerz mit deiner Familie zu teilen. Reden, weinen, reden weinen, und sich gemeinsam an ihn erinnern.
    Ich wünsch dir viel Kraft.



    Schade finde ich, dass es hier 24 Anklicks gab und keiner es für nötig gefunden hat eine Zeile der Anteilnahme zu schreiben. Das erschüttert mich wirklich.

  8. #7
    Sophia-Charlotte
    Gast

    Standard

    @Wunderlampe: Liegt wohl daran, dass es diesen Thread doppelt gibt und es sehr wohl Antworten gibt, nur in der anderen Version. Leider hat misskriss sich aber in keinem der beiden wieder gemeldet.

    http://www.psychologieforum.de/tod-m...der-10954.html

    Wollte ich auch nur gesagt haben. Könnte deine Empörung nämlich gut verstehen, wenn es so wäre...

    Liebe Grüße,
    Sophia

  9. #8
    Wunderlampe
    Gast

    Standard

    danke dir Sophia Charlotte

    ich war nicht empört, sondern erschüttert. Aber deine Beitrag erklärt einiges, danke.

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