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Thema: Touren für Genesung aller Art

  1. #1
    Gast784
    Gast

    Standard Touren für Genesung aller Art

    Hi Gemeinde,

    ich komme gerade von einer 5-tägigen Radtour am Alpenrand entlang zurück. Und mir kam dabei öfter der Gedanke, dass dies - oder eine mehrtägige Wanderung (Pilgerweg etc) vll bei psychischen Störungen erstmal gemacht werden sollten, bevor man zu Pillchen greift. Sehr provokativ, ich weiss
    Aber ich meine es tatsächlich ernst.

    Für mich war es zumindest in einer Beziehung so was wie der immer wieder herbeigesehnte "Resetknopf". Ich war in den letzten Wochen sehr angespannt aufgrund einer gesundheitlichen Unklarheit, hatte einige Untersuchungen und immer wieder warten... Dazu kamen noch Dinge, die mich emotional erschüttert haben.

    Ich hab kurz vor dem Urlaub zum Glück noch eine gesundheitliche Entwarnung bekommen und das strampeln half mir, zumindest diese Sache aus dem Kopf zu kriegen. Vorher wurde der Alltag doch immer mehr gefärbt davon. Man überlegt sich praktisch jede Entscheidung, weil man nicht weiss, was auf einen noch zukommt.

    Die essentiellen Fragen, die diese Krankheitsgeschichte aufgeworfen haben (es ging letztlich um Krebs), bin ich dadurch natürlich nicht los geworden. Aber das ist auch gut so. Ich habe aber wieder eine neue Kraft durch die kurze Auszeit gekriegt und stelle fest, dass ich auf manches dadurch etwas anders blicken kann. Das gleiche mit der grossen inneren Einsamkeit, mit der ich in letzter Zeit massiver als sonst konfrontiert war. Ihr steht jetzt auch wieder ein stück mehr innere Kraft entgegen. Es geht wohl immer nur um die Balance.

    Diese Tour war mehr als das allabendliche sich-das-Hirn-raus-sporteln. Denn die Natur trägt und nährt. Und die Nachhaltigkeit und Kontinuität haben eine andere Wirkung als kurzes knackiges Auspowern. Die Sinne und der Blick werden wieder weit, das Zeitgefühl verändert sich, ich finde dabei wieder so was wie eine schlichte elementare Zufriedenheit oder gar Glücksmomente.

    Und es ist für jeden machbar, der sich halbwegs bewegen kann. In dieser Form für Hartzempfänger eher nicht finanzierbar, ist trotzdem jeder in der Lage von seiner Haustür ab loszulaufen, ein paar Tage, mit Zelt oder eben einfachster Ausstattung.

    Und wir leben in einem Land, wo man bzw. frau sich das ruhig allein trauen kann. Das gilt auch nicht als Ausrede. Ich habe immer wieder die gleichen Leute getroffen, die in etwa die selben Etappenlängen wie ich gewählt haben. Man tauscht sich aus, geht vll auch mal miteinander essen usw. Ich fand es daher viel besser, so was alleine zu machen. Denn am Berg kämpf ich sowieso lieber ohne Zeugen

    Wir lesen hier oft von Leuten, die sich nicht sicher sind, ob sie schon Depressionen oder Angststörungen haben. Ich könnte mir vorstellen, dass sie mehr darüber und über sich herausfinden, wenn sie sich eine solch aktive Auszeit nehmen. Man muss sich bei der Planung mit sich schon auseinandersetzen: wieviel brauche ich wirklich, wie hoch ist mein Sicherheitsbedürfnis, was sind meine finanziellen und gesundheitlichen Möglichkeiten und was kann ich daraus machen (man kann aus allem was machen). Und während der Tour passiert gedanklich viel von allein, schaltet ab, regeneriert sich oder klärt sich. Aber man lernt auch seine Grenzen kennen und wie man damit umgeht, ob und wie man kämpft. Im positiven Sinne.

    5 Tage sind eigentlich zu wenig, aber besser als nix. Und ich habe von Leuten ähnliche Erfahrungen gehört, die pilgerten (muss man nicht unbedingt für die Religion, kann man auch für ganz andere Sachen machen ) Und sicher bin ich dadurch kein anderer Mensch geworden. So eine Tour kostet zwar so viel wie eine Woche Malle, aber ich hab mich wesentlich besser dabei erholt, als ich das als tote Eidechse am Stand könnte. Eben weil sich der Kopp neu sortiert.

    Da ich nicht so lange am Stück Auszeiten nehmen kann, werde ich es dafür regelmäßiger machen. Im Juni hab ich wieder ne Woche

    Mir sind zum Glück die schlimmsten Entscheidungen erspart geblieben, wo ich schon dachte, ich müsste die Tour dafür nutzen. Und emotionale Probleme kuriert manchmal einfach nur die Zeit. Diese Tour hat es aber vll ein bisschen verkürzt, weil ich mich wieder zu mir selbst und zu meiner Art der Spiritualität zurückkoppeln konnte.

    Ich will nur einfach mut machen, dass manche Mittel näher liegen als man denkt und sich einfach umsetzen lassen. Wenn jemand Lust gekriegt hat und nicht genau weiss, wie er es anpacken soll, oder noch ein paar Mutworte braucht - schreibt mich einfach per PN an

    Und vll gibts ja noch ein paar Rad-/ Wanderer hier, die ähnliches erlebt haben.

    lg Gaby
    Geändert von Gast784 (24.05.2009 um 09:21 Uhr)

  2. #2
    Wunderlampe
    Gast

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    Hallo Gaby hallo ihrs

    Nun bin ich ja eher der faule Typ, der sich eher motorisiert auf den Weg macht, als mit eigener Körperkraft.

    Wir haben uns vor einigen Jahren als Familie mit dem Wohnmobil auf den Weg gemacht das Nordcap zu erreichen. Es sind für uns so ca 4000 km einfach.

    Je weiter wir von zu Huase weg waren, um so mehr waren wir auf aufeinander angewiesen. Alles was nicht mit dem weiterkommen und den essentiellen Bedürfnissen wie essen und schlafen zu tun hatten, ließen wir hinter uns. Es war einfach nur befreiend.

    Ich glaube es waren eine der besten Tage meines Lebens. Weg vom Alltag, weg von den selbstauferlegten Zwängen.
    Leider war der Schock der Zivilisation groß, als wir uns nach Tagen der Einsamkeit und der Weite des Nordlandes wieder in stärker besiedeltes Gebiet kamen. Auch die vergessenen Alltagssorgen holten uns sehr schnell wieder ein.

    Was mir niemand nehmen kann sind die Erkenntnisse, die ich aus der Reise gezogen habe. Für uns als Familie war es reinste Therapie.

  3. #3
    Schreibkraft Avatar von Pure
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    Das klingt alles sehr schön.

    Freut mich, dass es euch geholfen hat.

    Ich könnte mir vorstellen, dass das was Wunderlampe gesagt hat

    "Alles was nicht mit dem weiterkommen und den essentiellen Bedürfnissen wie essen und schlafen zu tun hatten, ließen wir hinter uns."

    genau der Punkt ist.

    Wir sind vielleicht in unserem Alltag viel mehr mit anderen Dingen beschäftigt, als mit den Grundbedürfnissen (Essen, Energie (Schlafen), Soziales Umfeld usw.).
    Mit so einer Auszeit erfährt man wieder, wie gut man diese Grundbedürfnisse erreichen kann. Wie gut es tut, wenn man sie tatsächlich erfüllen kann. Man wird vielleciht wieder mehr aufs wesentliche gelenkt, anstatt darüber nachzudenken, wieviel der Sprit heute wieder kostet. Oder was man am Abend zum Ausgehen anziehen will.

    Dazu kommt noch, dass man sich wieder mehr mit der Natur verbunden fühlt.

    Die Abschließende Frage ist nur, wie kann man erreichen, dass der Effekt nicht all zuschnell wieder abnimmt oder es gar ein Gegenpendeln gibt, wie es Wunderlampe mit "Leider war der Schock der Zivilisation groß..." ausdrückte?

  4. #4
    Gast784
    Gast

    Standard

    Zitat Zitat von Pure Beitrag anzeigen
    Die Abschließende Frage ist nur, wie kann man erreichen, dass der Effekt nicht all zuschnell wieder abnimmt oder es gar ein Gegenpendeln gibt, wie es Wunderlampe mit "Leider war der Schock der Zivilisation groß..." ausdrückte?
    Ich versuche es dadurch, indem ich mir immer wieder kleine Auszeiten kreiere. Also zumindest in der warmen Jahreszeit möglichst viel raus (bin nicht der Winterfan). Oder auch mal daheim diverse Dinge aufs Wesentliche reduzieren -Fastentage, egal ob von Essen, von Medien oder sonst was.

    Und regelmässig ausmisten, sich von allem trennen, was überflüssig ist. Man gewöhnt es sich dann schon langsam an, zu entscheiden, was ist für mich denn wirklich wichtig und was ist nur Ballast.

    Den Schock von der Rückkehr aus der Wildnis kann man vll wirklich nur mit "Nachurlaub" mildern.

  5. #5
    Schreibkraft Avatar von Pure
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    Ja, ich fange auch immer öfter an, auszumisten, aufzuräumen, mehr ordnung zu schaffen. Das gibt mir einfach das Gefühl klarer Leben zu können.

    Leider bin ich seit meiner Jugend ziemlich unordentlich und chaotisch und muss erstmal lernen immer Ordnung zu halten.

  6. #6
    Wunderlampe
    Gast

    Standard

    Hallo zusammen

    Ausmisten ist ein gutes Stichwort. Sich von unnützen Ballast trennen. Nicht nur von sachlichen Dinge sondern auch von Aufgaben, die einem mehr drücken als stützen. Oder von Menschen fern halten, die versuchen ihren Ballast auf die Schulter zu legen. Da hilft mir viel das Hinterfragen, was ist meins, und was gehört mir gar nicht.

    Wenn man mal diese Erfahrung gemacht hat, dass das Glück nur wenig braucht, dann kann man sich auch an kleinen Dingen erfreuen.
    Und raus in die Natur und Dankbar für all das Schöne zu sein, ist immer ein kleiner Urlaub wert. Und wenn es nur wenige Minuten sind, die man sich auf seiner einsamen Insel gönnt. Ich kann z.B die Augen schließen und mich an Orte bringen, die ich verankert habe. Ich mache diese Ankern auch sehr bewußt mit Orten wo ich während meiner 5 Minuten-Urlaube gerne sein würde.

    Nun hat das zu Fuß laufen oder mit dem Rad zu fahren den großen Vorteil oder Nachteil, je nachdem wie man es sehen will, dass die Menge an Gepäck begrenzt ist. Man muß sich schon genau überlegen,was man wirklich braucht. An unnützem Zeug trägt man nur schwer oder es hat schon gar keinen Platz.
    Nimmst du das Falsche mit, dann wirst du es irgendwann selber büsen müssen. Man wird aber auch merken, dass man das was man wirklich braucht überall kaufen kann.

  7. #7
    Gast5559
    Gast

    Standard

    Dieser schon etwas ältere Thread gefällt mir.

    Schon in früheren Generationen hieß es für die, die es sich leisten konnten, bei Kummer auf Reisen, auf Pilgerfahrt oder auch in die Einsamkeit zu gehen, sei der beste Weg zur seelischen Heilung.

    Ich habs für mich selbst so erfahren: Eine neue Umgebung, die Natur, körperliche Anstrengung, ein Hobby wie die Malerei, Musik, aber auch Meditation, Ruhe für mich selbst und wahlweise Gesellschaft anderer Menschen ... bedeuten Besinnung und Ablenkung und haben immer einen guten Einfluss auf mich gehabt, auch bei Stress; alles Faktoren, die unmittelbar gut tun und aus dem Tunnelblick, den Kummer und Stress bedeuten, herausholen können.

  8. #8
    Gast784
    Gast

    Standard

    Hallo Biggi,

    Danke für die Ergänzung. Ja ich mache deshalb auch in kürzeren Abständen als früher WE-oder Tagestouren. Die Regelmäßigkeit machts

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