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Ich sitze hier grad und kommen ins Nachdenken...
Mein Opa verstarb heute vor einer Woche. Als ich die Nachricht bekam, hat es erstmal 2 Stunden gedauert, bis ich es begriffen hab. Dann habe ich ihn Abend besucht, als er tot in seinem Zimmer lag um mich verabschieden zu können.
Nun komme ich zu meinem eigenen Problem.
Ich bin zur Zeit total im Schulstress. 3 Tage nach der Nachricht musste ich eine 6-stündige Klausur schreiben. Bin zur Zeit im Vorabistress. Ich schreibe in den nächsten 2 Wochen noch 3 wichtige Klausuren. 2 davon sind nochmal 6-stündig. Ich tue eigentlich nix anderes zur Zeit als zu lernen.
Das heißt ich komme nicht dazu richtig zu trauern, bzw. habe das irgendwie das so mit mir vereinbart, dass ich das solange aufschiebe, bis ich die Klausuren hinter mir hab. Teilweise klappt das auch, aber es gibt Momente, da würde ich am liebsten alles raus lassen, aber ich reiße mich dann zusammen, weil ich weiß, dass es nun nicht angebracht ist, weil es durcheinanderbringen würde und ich mich nicht auf die Klausuren konzentrieren kann.
Nun mache ich mir Gedanken, ob das so gut ist?!
Bzw. habe ich auch Angst davor, dass ich nach den Klausuren sowas wie einen "kleinen Zusammenbruch" erleiden könnte, weil ich sich alles so angestaut hat.
Hat irgendwer schon mal sowas ähnliches getan, also bewusst?
Oder was sind eure Gedanken dazu?
also erstmal will ich dir sagen, das mit deinem opa tut mir leid für dich.
Eine gewisse Form der "abdeckelns" oder verdrängens ist normal und ein ganz natürlicher Schutzmechanismus des Körpers.
Ich denke wo du aufpassen musst, ist wirklich, wenn du merkst das es eigentlich zeit zum bearbeiten ist, du dir das aber aus lernstress verbietest, ist es nur eine Frage der zeit bis das kippt. Wie lange das dein körper und deine seele halt durch- und mitmachen.
Die sache an sich ist schon makaber genug, sich verbieten zu trauern. aber in der heutigen zeit oder bestimmten situationen einfach nötig.
Kannst du dir nicht so ne art Trauerzeit einrichten neben dem lernen?
Zeit in der u dich bewusst mit deinem opa, deinem abschied und deiner trauer beschäftigst. Das darf sein und ist i.O. und auch wichtig.
Nimm dir z.B. Abends vor dem Schlafen gehen ne stunde zeit, oder auch einfach mal ein paar stunden am wochenende. Hör eine Musik die du magst und gedenke deinem opa. oder geh raus und denke an ihn. Besuch ihn an seinem grab und erzähl ihm von deinen Problemen die du mit seinem tod hast.
Lass ein bißchen was sein dürfen und verbiete es dir nicht! Nur so kannst du es bis zur richtigen Zeit (nach deinem Prüfungsstress) unter kontrolle halten.
Kann man sich vorstellen, wie einen Topf der übersprudelt, wenn man den deckel nicht immer mal runternimmt und bißchen zurückdreht.
Wenn Du Dir Deine Trauer als Besucher vorstellst, der plötzlich an die Tür klopft, während Du mit einer wichtigen Sache beschäftigt bist: wie gehst Du momentan mit ihm um?
Schickst Du ihn weg, mit der Aufforderung, dass er später noch einaml kommen soll/darf?
Oder sagst Du ihm, dass er herein darf, sich aber erst einmal still in den Sessel setzen soll - Du siehst ihn, läßt seine Anwesenheit zu und gibst ihm das Gefühl, dass Du ihn nicht vergessen, sondern Dich ihm zuwenden wirst, sobald Du auch wirklich Zeit für ihn hast?
Manchmal glaube ich, dass die Trauer nur um so härter auf einen zurückfällt, je mehr man sie ausblenden will - aus welchen Motiven auch immer. Sie wird dann ungeduldig.
Kannst Du Dich ihr, wenn sie sich zu laut räuspert, auch mal kurz zuwenden? Mal etwas den Druck rausnehmen, indem Du sie ein Stück näher an Dich heran lässt? Dich hinsetzen, Musik hören, spazierengehen oder sein Grab besuchen (kurz nur, um ihm/Dir zu zeigen, dass Du zurückkommen wirst, sobald die Zeit hierfür da ist)?
In ähnlichen Situationen hab ich mich oft hingesetzt und angefangen, mir die Gedanken aus dem Kopf zu schreiben - nicht stundenlang, nur, bis ich mit ihnen wieder "vernünftig" umgehen konnte. Es hat mehr Ruhe gebracht und weiniger Zeit gekostet, dies zu tun, als gegen sie anzukämpfen.
Kämpfen lenkt doch nur von den eigentlichen Aufgaben ab, kostet Zeit und Energie, die dann später fehlt.
Mal ne Frage: hast Du ein schlechtes Gewissen, wenn Du Dich jetzt erst mal auf die Klausuren konzentrierst?
Wie gehst Du momentan mit ihm um?
Schickst Du ihn weg, mit der Aufforderung, dass er später noch einmal kommen soll/darf?
Oder sagst Du ihm, dass er herein darf, sich aber erst einmal still in den Sessel setzen soll - Du siehst ihn, läßt seine Anwesenheit zu und gibst ihm das Gefühl, dass Du ihn nicht vergessen, sondern Dich ihm zuwenden wirst, sobald Du auch wirklich Zeit für ihn hast?
Kannst Du Dich ihr, wenn sie sich zu laut räuspert, auch mal kurz zuwenden? Mal etwas den Druck rausnehmen, indem Du sie ein Stück näher an Dich heran lässt? Dich hinsetzen, Musik hören, spazierengehen oder sein Grab besuchen (kurz nur, um ihm/Dir zu zeigen, dass Du zurückkommen wirst, sobald die Zeit hierfür da ist)?
Mal ne Frage: hast Du ein schlechtes Gewissen, wenn Du Dich jetzt erst mal auf die Klausuren konzentrierst?
Schlechtes Gewissen habe ich auch bzw. Schuldgefühle, weil ich ihn nicht mehr besuchen war, als er noch lebte. Aber das ist ein anderes Thema, welches ich noch rausschieben muss.
An sein Grab gehen kann ich noch nicht. Die Beerdigung ist erst kommenden Freitag. Ich habe auch ein wenig Angst davor, gerade, weil es die erste Beerdigung für mich ist innerhalb meiner eigenen Familie.
Zulassen tu ich es schon. Manchmal teilweise... Es ist ja nicht so, dass ich mit normaler Laune rumlaufe, wie vor seinem Tod.
Ich fühle mich doch auch sehr traurig und niedergeschlagen. Die ersten 2 Tage war es schwer dies unter Kontrolle zu kriegen, da ich da oft weinen musste. Das ist gleichzeitig noch eine Herausforderung für mich selbst, da ich sehr, sehr selten weine, weil ich es sonst nicht konnte oder nicht zulassen wollte.
Deswegen macht es alles ein wenig kompliziert. Wenn ich mich dieser Trauer zu sehr zuwenden würde, dann könnte ich mich nicht auf andere Sachen konzentrieren, da ich nebenbei noch Baustellen an mit selbst hab und mich um diese kümmern müsste.
Ich hab nur einfach Angst, dass dann der "große Knall" kommt.
wow, das klingt nach großer anstrengung und arbeit, das alles unter kontrolle zu halten.
ich weiß nicht welcher art deine anderen probleme sind, die du erwähnt hast, aber ich wünsche dir, das du einen weg findest das für dich richtig zu lösen.
Weinen heilt und ist ein ventil der seele.
Zum Thema beerdigung kann ich dir aus eigener erfahrung berichten, daß man sich nie daran gewöhnen wird. aber man kann mit einer gewissen haltung hingehen. Ich habe versucht möglichst offen da ran zu gehen, auch was die dann kommenden gefühle und emotionen betrifft. Ich saß heulend zwischen hunderten fremden menschen und es war egal. ich betrauerte den verlust eines menschen aus meiner familie, warum sollte ich da stark sein. Für die anderen? nein. und es tat einfach nur gut, in gedanken wirklich bei der Person zu sein und abschied zu nehmen. auf meine weise.
Ich kann dir nur raten, bewusst zu dieser beerdigung zu gehen.Offen für alles, verständisvoll für dich selbst. Zulassen was kommt, denn nur so geht es auch wieder.
meiner Meinung nach kann es nicht gut sein immer
alles zu Verdrängen und das Trauern auf später, wenn Du
mal Zeit dazu hast, zu verschieben.
Als vor 2 Jahren meine Oma verstarb, da hat es mir quasi
den Boden unter den Füssen weggerissen, ich hätte die
Trauer niemals "verschieben" können....
Es war damals so, als bliebe die Welt für Tage stehen,
alles war unwichtig und ich hab fast nur geweint.
Natürlich trauert jeder anders, aber die Trauer zu verschieben,
da bin ich ehrlich gesagt sehr skeptisch, ob das gutgehen
kann. Du selbst befürchtest ja schon das der "grosse Knall"
früher oder später kommen könnte, und ich befürchte auch das der
kommt...
Kein Mensch kann sich so permanent unter
Kontrolle halten, das klingt für mich fast schon unmenschlich....
wow, das klingt nach großer anstrengung und arbeit, das alles unter kontrolle zu halten.
Ich kann dir nur raten, bewusst zu dieser beerdigung zu gehen.Offen für alles, verständisvoll für dich selbst. Zulassen was kommt, denn nur so geht es auch wieder.
Ja, es ist auch große Anstrengung. Aber man "gewöhnt" sich ein wenig daran, bzw. mich tröstet der Gedanke, dass ich weiß, dass es nicht ewig so weitergeht.
Zulassen was kommt, ist ja dann auch so ein Problem.
Mir fällt es sehr schwer vor anderen Menschen "Schwäche" zu zeigen, auch zu weinen. Und dann ist diese Beerdigung für mich eine große Herausforderung.
Ich fühle mich einfach unwohl, wenn ich in Umgebung anderer weine. Auch wenn ich weiß, dass es nichts Schlimmes ist und sie mir nichts Böses wollen. Das ist eher etwas unbewusstes, glaub ich.
Deine Angst ist okay, Du musst Dich nicht vor ihr fürchten oder Dich wegen ihr "schämen". Sie ist ein Zeichen dafür, dass Du Dich mit etwas beschäftigst, das Dir nicht leicht fällt - mehr aber auch nicht.
Nimm sie als das, was sie ist: ein Zeichen.
Die Situation einer Beerdigung ist neu für Dich - auch die Vorstellung, dass Du Deine Gefühle zeigen könntest? Dass sie dann jeder sehen könnte? Du bist ein Mensch, der fühlt, auch wenn Du damit vielleich in der Vergangenheit nicht immer so umgehen konntest, wie Du es Dir für Dich selbst vorgestellt hast.
Was Du fühlst, auch Deine Trauer und Deine Enttäuschung, einen Schritt zu spät gekommen zu sein - es sind Deine Gefühle. Sie sind echt, ehrlich und authentisch. Wenn Du sie zeigst, dann ist das gut so; da hat sich keiner einzumischen und zu urteilen.
Wie viele Menschen stehen an einem Grab und weinen - Krokodilstränen ...
Wenn Du weinst, weil die Trauer Dich weinen lässt, dann sind das echte Tränen.
Jemand hat mal gesagt: Tränen sind der Regen, der den Staub von der Seele wäscht.
Wie nahe Du die Trauer an Dich herankommen lässt: da darf Dir niemand reinreden. Kommt sie zu nahe und der Druck wird zu groß, dann schiebe sie ein Stück zurück; wenn Du Dich ihr weiter nähern kannst, dann lass sie auf Dich zukommen - und sage Stop, wenn Deine Grenze erreicht ist. Du darfst sie sogar in die Ecke stellen, wenn sie sich nicht an die Spielregeln hält
Du nimmst sie ja an - und zwar so, dass Du mit ihr umgehen kannst.
Alles andere ist unwichtig.
Wie Du trauerst, wann Du es machst und wie lange - es ist alleine Deine Sache, darüber zu entscheiden.
Höre auf Deinen Bauch, ohne vor dem Angst zu haben, was er Dir sagt. Er sagt Dir auch (rechtzeitig), ob die große Trauer kommen wird. Der große Knall - wenn Du weiter so offen zu Deinen Gefühlen stehst, wird er gar nicht mal so laut