psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Ergebnis 1 bis 8 von 8

Thema: Trauma durch Trennung

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    20.11.2010
    Beiträge
    5
    Danke
    0
    2 mal in 2 Beiträgen bedankt

    Unglücklich Trauma durch Trennung

    Hallo Liebe Mitleser,
    ich habe zur Zeit ein Thema was ich mich sehr belastet, Verarbeitung von traumatischen Trennungserfahrungen. Ich bin psychologisch gebildet und habe sonst einen guten Blick auf mich, diesmal zieht es mir allerdings ein wenig die Schuhe aus. Das erste mal in meinem Leben fällt mir auf, ausgelöst durch eine Trennung, wie sehr meine früheren Trennungerfahrungen mir einen "Strich durch die Rechnung" machen.
    Ich nehme mein Seelenleben als Zersplittert war, viele alte Anteile von mir, wollen gehört werden und enden in Selbstläufern, weil mich das einfach für eine objektive Betrachtung überfordert. Kann mir einer von euch einen Rat geben auf was ich jetzt am besten meine Aufmerksamkeit richten kann und wie ich die alten Gefühle integrieren und meine automatisch ablaufenden Reaktionen am besten steuern kann. Ich weiß einfach nicht wo ich anfangen soll. Abgesehen davon das ich möglichst versuche mir die Zeit gerade so angenehm wie möglich zu gestalten.

    Das Erlebnis was mich belastet und von mir noch nicht verarbeitet ist, ist kurz gefasst folgendes. Ich bin nach Kinderheim aufenthalt im Alter von 2-5 Jahren in eine Pflegefamilie gekommen, auch dort habe ich viele seelischen und körperlichen Misshandlungen und Missbrauch hinnehmen müssen. Bereits als Jugendliche war mir klar, das ich diese Einstellung zur Welt und zu sich selber nicht übernehmen kann und will. Am meinen 18. Geburtstag bin ich dann ausgezogen. Mein Bedürfnis nach Liebe seitens meiner Pflegeeltern, auch wenn ich weiß das diese nicht dazu im Stande sind, ist geblieben, was mir allerdings erst vor ein paar Tagen aufgefallen ist, und dieses Bedürfnis hat die letzten zehn Jahre mein Leben bestimmt. Der ständige Kampf nach Anerkennung, Wertschätzung anderer gegenüber meiner Person. Die Unfassbarkeit darüber das ich nicht gebraucht werde (seitens meiner Eltern)praktisch in Ihren Augen wertlos bin, was sie durch ihr Verhalten mir gegenüber zum Ausdruck gebracht haben. Die Wunde sitzt tief in mir.

    Die Realität so anzuerkennen wie sie ist und mich nicht durch diese Erfahrungen bestimmen zu lassen fällt mir schwer. Genau genommen die Abgrenzung. Ich möchte eine gesunde Haltung für mich solchen Menschen gegenüber entwickeln, so dass ich nicht mehr von diesem unerfüllten Bedürfnis nach Liebe, was früher so war, geleitet werde, bzw ich möchte erfahren das es heute anders ist, damit ich damit abschließen kann.

    uff... das war jetzt ziemlich viel...Das Schreiben hat mich schon ein wenig erleichtert.
    Ich bin für jeden noch so kleinen Hinweis von Eurer Seite aus dankbar. Und wünsche Euch das Ihr immer wieder auch bei allen Irrungen und Wirrungen des Lebens zu Euch Selbst zurückfindet.

    Lieben Gruß
    Mangola

  2. #2
    Lib
    Lib ist offline
    Schreiberling
    Registriert seit
    26.05.2010
    Beiträge
    432
    Danke
    224
    292 mal in 164 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Magnola,
    ich drück Dich erst mal und ziehe den Hut vor Dir, dass mit der Vorgeschichte so ein reifer, sich selbst reflektierender Mensch geworden ist, der sein Leben in die Hand nimmt statt aufzugeben und eine positive Lebenseinstellung in sich integriert hat. Daran können sich viele, die meinen, das allerschlimmste Schicksal zu haben, einiges abschauen...

    Ich glaube, diese Hypothek wird man nicht ganz los. Vom Verstand her kann man sich das Wissen "draufschaffen" und vieles wird sicher verarbeitbar sein. Aber letztlich sitzt der Stachel einfach. Er ist Teil Deiner Geschichte und hat Dich zu der gemacht, die Du bist. Und darauf kannst Du stolz sein.

    Trennungen sind schwer. Sie auszuhalten und gescheit zu verarbeiten, ist auch für Menschen, die keine solche Geschichte haben eine Herausforderung.

    Weißt Du denn, warum Deine Eltern Dich weggegeben haben? Vielleicht würde es Dir helfen, den Grund zu kennen? Letztlich waren sie wahrscheinlich auch irgendwelchen Zwängen ausgesetzt. Und man kann es auch als Akt der Liebe sehen, ein Kind auszutragen und es zur Adoption freizugeben, statt es abzutreiben, wenn man glaubt, sich nicht gut genug um das Menschenwesen kümmern zu können.

    Ich wünsche Dir alles Liebe!
    Lib

    Es gibt zwei Wege aus der Dunkelheit:
    Entweder Du machst Licht, dort wo Du bist,
    oder Du gehst in die Sonne.


  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Lib für den sinnvollen Beitrag:

    Darkstar (24.12.2010)

  4. #3
    Neuling
    Registriert seit
    20.11.2010
    Beiträge
    5
    Danke
    0
    2 mal in 2 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Lib,

    Danke für deine lieben Worte :-). Ja, das gedanklich zu verarbeiten ist eine Sache, das emotional und Körperlich zu verarbeiten wieder eine andere.
    Ja ich weiß wie es dazu gekommen ist, das wir (mein Bruder und meine Schwester)im Kinderheim gelandet sind, das kann ich irgendwo nachvollziehen, das als einen Akt der Liebe anzusehen - jein-. Obwohl die Umstände zu erfahren wie es dazu gekommen ist mir sehr geholfen haben , mich selbst zu verstehen. Was mich aber viel mehr wurmt, ist das was ich bei meinen Pflegeeltern erlebt/ gelernt habe. Dort habe ich 13 Jahre verbracht.

    Gestern ist mir aufgefallen, wie schnell ich dazu neige meine Gegenwart aus den Augen der Vergangenheit zu betrachten. Als wenn die Geschichte ständig nach Selbstbestätigungsucht. Automatisch ist meine Aufmerksamkeit damit beschäftigt, alles was geschieht in die alte Schublade ein zu sortieren. Das zu merken hat mich wieder ein bisschen freier gemacht.

    Ist schon komisch Samstag dachte ich noch ich werd damit nicht fertig und alles zuviel und nun fühl ich mich wieder stabil :-)

    Nochmals vielen Dank für Deine Anteilnahme.
    LG
    Mangola

  5. #4
    Verleger Avatar von Natz
    Registriert seit
    01.01.2008
    Ort
    im Süden
    Beiträge
    5.293
    Danke
    249
    296 mal in 215 Beiträgen bedankt

    Standard

    Sowas sitzt wahrscheinlich auch lebenslang. Du musst lernen, Dich selbst zu wertschätzen und das ist gar nicht so einfach. Wenn man vermittelt bekommt, man ist nichts wert oder nur, wenn man dies oder das tut, glaubt man das auch irgendwann und ist dann immer auf der Suche nach Anerkennung und Wertschätzung, was Dich dann wiederum zum leichten Opfer für Menschen macht, die das ausnützen.
    Hast Du das Ganze denn mal therapeutisch aufgearbeitet? Mein damaliger Therapeut hat gesagt, man müsse in solchen Fällen erst wieder seine "Würde" finden. Ich denke, damit ist genau das gemeint: Du musst Dich selbst schätzen lernen.
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

  6. #5
    Neuling
    Registriert seit
    20.11.2010
    Beiträge
    5
    Danke
    0
    2 mal in 2 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Natz,
    Danke für Deinen Beitrag. Ja man muss erst wieder seine Würde finden. Ich habe eine super Therapeutin gehabt die mich begleitet hat und die mir den Unterschied zwischen Selbst und Ego klar gemacht hat. Ich habe in Laufe der Therapie mich selbst wieder schätzen gelernt und zwar ganzheitlich d.h nicht nur mit dem Kopf. Wobei ich das Selbst Wert schätzen gar nicht so schwer finde, am schwersten find ich zu verstehen was das Selbst einem erzählt. Ich glaube das ist ein Lebenslanger Lernprozess. Was mich zur Zeit noch ein wenig belastet ist die Emotionale und Körperliche Bearbeitung, denn im Gegensatz zu meinem Verstand auf den ich mich verlassen kann, d. h ich kann meinem Kopf vertrauen , kann ich das auf emotionaler Ebene und körperlicher Ebene noch nicht so gut. Da hilft mir nur mich reinfallen zu lassen und nachher drüber zu staunen was die Weisheit meines Körpers mir dann wieder erzählt hat.
    Da Emotionen manchmal durch Gedanken beeinflusst werden und manchmal ein völliges Eigenleben führen, fällt es mir da noch besonders schwer. Da hab ich noch nicht den Dreh raus. Im Endeffekt läuft es auch da auf vertrauen hinaus, was ich mit meiner Geschichte besonders lernen darf. Einerseits weiß ich das, aber auf Emtionaler Ebene ....brauch ich da noch ein Stück SelbstErfahrung und dazwischen schiebt sich dann oft Ungeduld oder mangelndes Vertrauen, was es mir dann schwer macht.
    Herzliche Grüße
    Mangola

  7. #6
    Neuling
    Registriert seit
    20.11.2010
    Beiträge
    5
    Danke
    0
    2 mal in 2 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Natz,
    Der Satz:
    glaubt man das auch irgendwann und ist dann immer auf der Suche nach Anerkennung und Wertschätzung, was Dich dann wiederum zum leichten Opfer für Menschen macht, die das ausnützen.
    ist mir heute den ganzen Tag nicht aus dem Kopf gegangen...Der Satz hilft mir.
    Danke Dir nochmals.
    LG

  8. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Mangola für den sinnvollen Beitrag:

    Natz (23.11.2010)

  9. #7
    Verleger Avatar von Natz
    Registriert seit
    01.01.2008
    Ort
    im Süden
    Beiträge
    5.293
    Danke
    249
    296 mal in 215 Beiträgen bedankt

    Standard

    Danke! Sowas freut mich immer sehr zu hören
    Ich weiß leider, wie das ist-meine kindheitliche Prägung war auch teilweise eine Katastrophe und ändern kann man diese Menschen eh nicht, ob Eltern oder Pflegeeltern. Wichtig ist nur, dass Du Dir klar machst, dass Du nichts mit ihren schwachsinnigen Lebensmodellen und Ansichten gemeinsam hast. Du bist Du und viel Wert, egal, was sie Dir aus selbstbezogenen Motiven erzählt haben Ich könnte da auch Unmengen von Liedern von singen...
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

  10. #8
    Schreibkraft
    Registriert seit
    11.12.2010
    Beiträge
    208
    Danke
    53
    134 mal in 64 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Magnola,

    Dein Beitrag ist zwar schon über einen Monat alt, aber ich antworte trotzdem mal drauf - vielleicht liest Du ja noch mit.

    Mit dem Thema "Adoption/Pflege" habe ich viele persönliche Berührungspunkte:
    zum einen bin ich selbst Adoptiv- und Pflegemama, zum anderen habe ich schon einige erwachsene Adoptierte/erwachsene Pflege"kinder" im Rahmen meiner Kenntnisse und Möglichkeiten auf der Wurzelsuche ein Stück weit begleiten dürfen (ich leite seit Jahren eine ehrenamtliche Gruppe, in der wir das anbieten).


    Leider gibt es sehr viele erwachsene Adoptierte/Pflege"kinder", die Problematiken, wie Du sie beschreibst, ausgesetzt waren.
    Dazu können noch zusätzliche Schwierigkeiten kommen, wie z.B. die gesellschaftliche Erwartungshaltung, den Adoptiv- und Pflegeeltern auf ewig dankbar sein zu müssen, weil sie ja "ein Kind aufgenommen haben".

    Da wird oft und gerne übersehen, dass sich viele mit der Annahme eines Kindes einen unerfüllten Kinderwunsch erfüllt haben und es das angenommene Kind auch spüren lassen, dass es doch nicht das erwünschte leibliche Kind ist.

    Bedauerlicherweise gibt es etliche Adoptiv- und Pflegekinder, die mal eben als "Ersatzlösung" genommen wurden in der Hoffnung, dass es mit dem "besseren" leiblichen Kind noch klappt.

    Ich weiss jetzt nicht mit welcher Motivation Dich Deine Pflegeeltern aufgenommen haben.
    Es gibt sicher auch Pflegeeltern mit leiblichen Kindern, die sich einfach als "Gutmenschen" fühlen.


    Es gibt in der Fachwelt gute Psychologen/Therapeuten, die mit genau dieser Thematik bestens vertraut sind.
    Eine m.E. qualifizierte und hochkompetente Psychologin ist z.B. Frau Irmela Wiemann:

    http://www.irmelawiemann.de

    Du kannst ja mal bei Interesse in den Literaturempfehlungen stöbern, ob Dich da bestimmte Thematiken ansprechen.

    Du könntest Dich auch mal umsehen, ob es in Deiner Gegend Therapeuten gibt, die "Biographiearbeit" machen. Ideal wäre es natürlich, wenn das Therapeuten sind, die sich gerade auf Adoption und Pflege spezialisiert haben.

    Vielleicht ist es auch eine Idee, wenn Du Dich mal bei Deinem örtlichen Jugendamt schlau machst.

    Soviel mal für den Moment.
    Du kannst mich auch jederzeit anschreiben - wenn ich irgendeine hilfreiche Idee haben sollte: sehr gerne.
    Viele Grüße

    "Klee"



Ähnliche Themen

  1. Dauerdepression durch Trauma
    Von Falaan im Forum Depression
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 20.07.2010, 16:29
  2. Trauma nach Unfall
    Von joky im Forum Ängste
    Antworten: 17
    Letzter Beitrag: 20.05.2010, 10:29
  3. Trauma Kindheit
    Von Nicolaa im Forum Mein Tagebuch
    Antworten: 10
    Letzter Beitrag: 01.05.2009, 21:22
  4. Beziehungscrash und Trauma
    Von prokyon99 im Forum Liebe & Partnerschaft
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 03.03.2008, 12:52
  5. Trauma ?
    Von Gast1192 im Forum Depression
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 05.01.2008, 16:48

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!