psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 8 von 12

Thema: Treffpunkt: Mittelpunkt

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    30.10.2011
    Beiträge
    4
    Danke
    0
    Bedankte sich ein mal in einem Post.

    Pfeil Treffpunkt: Mittelpunkt

    Kennt ihr diese Leute, die sich zwanghaft dauernd in den Mittelpunkt rücken wollen? Leute, die mit diesem Verhalten andere dauernd in den Schatten stellen müssen? Und Leute, die unglaublicherweise trotzdem von vielen gemocht zu werden scheinen? Wenn ja, dann kennt ihr jetzt einen mehr, und wenn nein, dann kennt ihr jetzt mich.

    Fraglich ist jetzt wahrscheinlich, was das jetzt mit Minderwertigkeitskomplexen zu tun hat – aber fangen wir doch mal außen an und arbeiten uns zum Mittelpunkt vor.

    Wenn andere Leute mich beschreiben, gelte ich stets als stark extrovertiert und offen, lustig, gute-laune-verbreitend, warmherzig, gutaussehend – kurzum als der stereotype Party-Action-Mensch. Menschen, mit denen ich besser befreundet bin, wissen Tiefergehendes über mich, wie beispielsweise, dass ich es liebe, in ruhigen Situationen mit Freunden über tiefe Themen zu philosophieren, Momente zu genießen oder mich einfach der Musik hinzugeben.

    Innerlich ist das Ganze aber überhaupt kein Widerspruch für mich. Ich liebe beides und bin ein von Grund auf optimistischer Mensch, dem es wirklich überaus wichtig ist, seine negativen Emotionen unter Kontrolle zu haben. Dazu gehört zum Beispiel, klares Denken zu behalten und mich nicht von Wut überkommen zu lassen oder stur auf meinem Standpunkt stehenzubleiben, wenn andere doch logischer erscheinen. All dies liegt darin begründet, dass ich jemand sein will, der anderen Menschen positive Gefühle, Freundschaft, Wärme und Ähnliches schenkt; und so ist es für mich nur logisch, wenn es angemessen ist, über den negativen zu stehen, weil ich keine „schlechte Atmosphäre verbreiten“ möchte.

    Bisher klingt alles noch echt gut – und ich kann sagen, dass ich glücklich, rundum zufrieden bin, außerdem mit diesem „Lifestyle“ viele Freunde habe gewinnen können. Doch es gibt ein schwerwiegendes Problem, was aus meiner Einstellung resultiert: Ich will/muss dauernd im Mittelpunkt stehen. Ich will immer derjenige sein, den andere Menschen am meisten mögen, mit dem sie am meisten Spaß und Freude haben können.

    Oft klappt das auch ganz gut, beispielsweise, wenn ich mit ein paar Freundinnen und Freunden einen Spieleabend mache. So ziemlich immer bin ich der, der die meisten Witze „raushaut“, auf jeden im Gespräch eingeht und auch eher schüchterne Leute einbindet. Dabei bin ich in meinem Element und fühle mich unglaublich gut. Jedoch ist genau dies auch die kritische Stelle.

    Nehmen wir einmal an, ich bin mit 3 Freunden in der Stadt unterwegs – nennen wir sie Jonas, Justin und Josha. Ich bemühe mich, möglichst allen dreien viel „Spaß“ bieten zu können. Dann aber merke ich, dass Josha sich mit Justin irgendwie besser zu verstehen scheint und viel mehr mit ihm redet als mit mir. An dieser Stelle versuche ich aber nicht, einen Konkurrenzkampf heraufzubeschwören, sondern ich falle einfach innerlich in mir zusammen. Es ist, als würde mein kompletter Geist sich in meinen Körper zurückziehen, als lebte ich zu diesem Zeitpunkt nur noch in meinem eigenen Kopf, aber ohne viel zu denken. In der Regel sage ich dann so gut wie gar nichts mehr, schotte mich etwas von der Gruppe ab (also gehe hinter ihnen anstatt mittendrin) und reagiere auf Fragen meist einsilbig. Wenn es die Situationen erfordert, ziehe ich auch kurz meine Mundwinkel hoch – aber gespielt, so als wäre mir alles egal.

    Eine weitere aufschlussreiche Geschichte ist die, in der ich mit meinem besten Freund auf einer Party einen neuen Freund kennengelernt habe. Ganz automatisch bog ich mir für den Moment die bessere Freundschaftsebene zurecht. Als ich Wochen später davon erfuhr, dass dieser Freund meinen besten Freund besuchte, nachdem sie viel per ICQ geschrieben hatten, kollabierte wieder eine Welt in mir. Ich konnte es innerlich nicht zulassen, dass meine bester Freund sich mit ihm stärker anfreundet als ich. So schrieb ich ihn an und wir trafen uns öfter. Ziemlich schnell gelangte ich – vor allem auch durch tiefe Gespräche – auf eine fortgeschrittenere Freundschaftsebene als mein bester Freund. Wenn man so will, habe ich ihm also den Freund „weggeschnappt“.

    Um nun das letzte Teil des Puzzles zu finden, kann man sich das Ganze abstrakter vorstellen: Ich muss mit allen meinen Freunden besser befreundet sein – oder es zumindest glauben –, als irgendjemand anders, sonst zerfällt mein kleiner Mikrokosmos. Konkret kann das zum Beispiel bedeuten, dass ich mich selbst vor Eifersucht fressen könnte, wenn ich die Facebook-Seiten meiner Freunde lese.

    Obwohl ich weiß, dass ich genügend gute Freunde habe und es ausreichen würde, wenn ich mit den meisten einfach nur „gut“ und nicht „am besten“ befreundet wäre, reagiere ich nunmal so. Obwohl ich weiß, dass dieses Denken mich nicht weiterbringt und unlogisch ist, komme ich nicht daran vorbei.

    Ein weiterer interessanter Randfakt ist, dass ich zwar mit konstruktiver Kritik hervorragend umgehen kann, dafür aber kein Stück mit Beleidigungen, egal von welcher Seite. Letztens hat mir eine betrunkene Obdachlose „F*ck dich, du Penner!“ zugerufen, als ich einfach an ihr vorbeigegangen bin. Und obschon ich das Ganze als erbärmliches Verhalten gewertet habe und wusste, dass sie meine Persönlichkeit überhaupt nicht kennt, haben mich ihre Worte für ungefähr 3 Stunden ziemlich deprimiert.

    Ich bin sehr zufrieden mit mir und glücklich, ich liebe das, was ich aus mir gemacht habe, aber trotzdem tauchen oftmals diese Minderwertigkeitskomplexe auf.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir in irgendeiner Art und Weise helfen könntet – denn ich habe wirklich absolut keine Ahnung, was ich dagegen tun kann, wie ich Akzeptanz aufbauen kann, wie ich lernen kann, diese Dinge einfach hinzunehmen

    Danke im Voraus, allein schon fürs Durchlesen!

  2. Der folgende Benutzer bedankte sich bei lightspirit für den sinnvollen Beitrag:

    lu33o (12.11.2011)

  3. #2
    Neuling
    Registriert seit
    17.10.2011
    Beiträge
    98
    Danke
    35
    6 mal in 6 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo lightspirit

    Zitat Zitat von lightspirit Beitrag anzeigen
    Dazu gehört zum Beispiel, klares Denken zu behalten ...
    Ich habe in meinem Leben festgestellt, einen klaren Kopf hat man nie. Wie du schreibst, bewegen dich viele Dinge,
    wodurch dein Kopf immer in Bewegung ist.
    Hinter vielen Dingen stecken Erwartungen und wenn sie nicht erfüllt werden bist du enttäuscht, was zu Depressionen führt.

    Gruß mops

  4. #3
    Schreiberling
    Registriert seit
    12.10.2011
    Beiträge
    491
    Danke
    79
    83 mal in 71 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo
    Konkret kann das zum Beispiel bedeuten, dass ich mich selbst vor Eifersucht fressen könnte, wenn ich die Facebook-Seiten meiner Freunde lese.
    Könnte es auch Neid sein?
    Gruß Sonnenkraut

  5. #4
    Neuling
    Registriert seit
    30.10.2011
    Beiträge
    4
    Danke
    0
    Bedankte sich ein mal in einem Post.

    Standard

    @mops: Jip, ich stimme dir da zu. Meine Ausführung von einem „klaren Kopf“ beudeutet einfach nur, dass ich versuche, logisch zu denken und mich von allen Emotionen und Gefühlen (Wut, Enttäuschung, …) nicht allzu stark zu Entscheidungen/Taten motivieren zu lassen, die ich hinterher bereuen würde.

    Nur weiß ich nicht konkret, wie ich meine Erwartungen herunterschrauben kann.

    @Sonnenkraut: Jep, ich schätze, da liegst du richtig. Es sind sowohl Neid auf Freunde, die ich nicht habe als auch Eifersucht gegenüber denen, mit denen ich schon befreundet bin.

  6. #5
    Schreiberling
    Registriert seit
    12.10.2011
    Beiträge
    491
    Danke
    79
    83 mal in 71 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo
    Es sind sowohl Neid auf Freunde, die ich nicht habe als auch Eifersucht gegenüber denen, mit denen ich schon befreundet bin.
    Könnten wir das auch etwas verdrehen:
    1. Neid gegenüber meinen Freunden, weil sie sich andere mit ihnen unterhalten.
    2. Eifersucht gegenüber Freunden, weil ich die Beachtung der anderen nicht habe, meine Freunde aber schon.
    Einfach mal so spielerisch gedreht.
    Gruß Sonnenkraut

  7. #6
    Neuling
    Registriert seit
    30.10.2011
    Beiträge
    4
    Danke
    0
    Bedankte sich ein mal in einem Post.

    Standard

    @Sonnenkraut: Ja, so könnte man es durchaus auch drehen, trifft komplett zu.

  8. #7
    Schreiberling
    Registriert seit
    12.10.2011
    Beiträge
    491
    Danke
    79
    83 mal in 71 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo
    Danke für die Bestätigung. Leider kann ich Dir im Moment keine weiteren Lösungsvorschläge präsentieren. Vielleicht weiß das Forum Rat.
    Gruß Sonnenkraut

  9. #8
    Neuling
    Registriert seit
    17.10.2011
    Beiträge
    98
    Danke
    35
    6 mal in 6 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo

    Zitat Zitat von Sonnenkraut Beitrag anzeigen
    Könnten wir das auch etwas verdrehen:
    1. Neid gegenüber meinen Freunden, weil sie sich andere mit ihnen unterhalten.
    2. Eifersucht gegenüber Freunden, weil ich die Beachtung der anderen nicht habe, meine Freunde aber schon.
    Ich habe immer das Problem, dass ich durch meine fokale Epilepsie im Denken etwas langsam bin und die Konzentration nicht seht gut ist. Das führt zu Problemen Gespräche zu verfolgen, besonders, wenn der Kreis groß ist.

    Ich finde es immer besser, den Kreis an Freunden begrenzt zu halten. Irgendwie geht es darum sich gegenseitig anzupassen.
    So ist der gegenseitige Nutzen besser. Irgendwo stecken immer Erwartungen und Hoffnungen.

    Eine wichtige Rolle für mich ist die Kommunikation. "Wir reden aneinander vorbei." "Du gehst uns auf den Sack"
    Liegt es daran, das du die Beachtung der anderen nicht hast? Hinzu kommen geistige Beweglichkeit und die Frage der Interessen.

    Man sieht den Wald voller Bäume nicht.
    Irgendwie kann die Frage, wie nahe stehen mir die einzelnen Freunde, dir helfen sich besser im Freundeskreis zurecht zu finden.

    Gruß mops

Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!