
Zitat von
gemeingefährlich
Bedauerlicherweise ist "Ich liebe Dich nicht mehr" ein Trennungsgrund - viele Leute laufen mit dem Gedanken längere Zeit herum, sagen nichts, verharren in den typischen Beziehungsritualen - und dann wirkt es plötzlich, weil man eventuell vorhandene non-verbale Zeichen nicht richtig gedeutet hat.
Das Problem ist, daß man am Ende fassungslos, vielleicht auch verbittert, zurückblickt auf eine Zeit, einen Menschen (scheinbar), der einem so viel bedeutet hat - und daß all dies plötzlich in der Bedeutungslosigkeit verschwindet, die vertrauliche Ebene in sich zusammenbricht wie eine Glasscheibe, die man einschlägt, und sich reduziert auf ein Gefühl, eine biochemische Empfindung, die kommt und verschwindet, man gewissermaßen zu einem Konsumgegenstand degradiert wird, dessen Initialbefriedigung alles andere "geopfert" wird, hinter dem alles vorherige zurückbleibt und wenn die Initialbefriedigung eben nicht mehr gegeben ist, dann ist der Gegenstand wertlos und kann verworfen werden.
Ich muß gestehen, ich habe kein Verständnis dafür - vielleicht habe ich in diesem konkreten Falle auch geliebt, und die betreffende Person war nur "verliebt". Vielleicht liegt's auch daran, daß ich selten zu Leuten eine Vertrauensebene aufbaue - aber offenbar scheint das ein Teil des Deals zu sein.
Auch dieser Begriff "vergessen" - ich werde die Zahnbürste vergessen, die ich heute Morgen weggeschmissen habe. Ich werde die Pizza vergessen, die ich gestern bestellt habe. Aber ich kann niemanden vergessen, mit dem ich eine Beziehung hatte - selbst jene Personen, die ich, wie ich heute weiß, nicht geliebt habe. Das funktioniert nicht. Du kannst keinen Wert aufbauen, um ihn dann einfach so in die Wertlosigkeit zu schleudern.
Man kann versuchen, sich mit einer Trennung zu arrangieren - aber etwas bleibt immer. In den meisten Fällen allerdings bleibt nach Jahren nicht mehr viel. Je weniger Du Leute wirklich an Dich heran läßt und je zögerlicher Du Vertrauen aufbaust, desto unangenehmer ist es natürlich.
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