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Thema: Überfordert mit allem, ich kann nicht mehr...

  1. #17
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    Ich möchte mich Zaubermond anschließen und dafür danken, dass sich so viele User mit mir und meinen Erlebnissen auseinandergesetzt haben!

    @ chrissi21366: Ich kann dir nicht genau sagen, woran es liegt, dass ich meinen Eltern das im Moment nicht erzählen kann. Sie haben auf keinen Fall was falsch gemacht, waren mir wirklich IMMER tolle Eltern und haben mir nie das Gefühl gegeben, dass ich durch einen "Fehltritt" oder so, ihre Zuneigung verlieren könnte. Es sind halt mehrere Gefühle und Ängste, die mich zur Zeit noch so sehr davon abhalten: Natürlich die Angst, die Eltern zu enttäuschen. Ich war selbst zu meiner hochpubertären Zeit immer eine relativ "angenehme" Tochter, habe nie Probleme mit Alkohol- und Partyexzessen, Schulschwänzen oder sonst was gemacht, und ich möchte vermutlich selber nicht dieses Bild von der "guten Tochter" zerstören.
    Und dann hätte ich auch Angst, dass meine Eltern, wenn sie wüssten was mir passiert ist, mich überbehüten würden. Eine leichte Tendenz dahingehend hatten sie schon immer. Ich möchte aber unabhängig sein, und ich möchte auch dass sie mir das zutrauen.
    Ich glaube auch, dass ich überhaupt ein Problem habe, zu vertrauen. Der Mensch, dem ich mit am meisten vertraute (weil hoffnungslos verliebt), hat mir das Schlimmste angetan.
    Na ja, dass ich irgendwann auch meinen Eltern alles erzählen muss, um das Ganze "abzuhaken", ist mir klar; momentan bin ich aber sowieso noch meilenweit davon entfernt, auch nur annährend damit abzuschließen...

    Dass ich mich mit meinen Gefühlen auseinandersetzen und ergründen muss, warum ich so leicht manipulierbar war und mich zu Dingen habe hinreißen lassen, von denen ich immer behauptet habe, ich würde sie niemals tun... Damit hast du auf jeden Fall recht. Ich denke, tief in mir hat irgendetwas schon gewusst, dass mit diesem Mann etwas nicht stimmt; denn im Nachhinein erscheint es mir so lächerlich, dass ich meine Eltern allein wegen des Altersunterschieds belogen habe. Ich denke mittlerweile, dass da mehr dahinter steckt. Und dennoch habe ich nicht rechtzeitig die Notbremse gezogen...

    @ SirWiwor: Als ich deinen Beitrag gelesen habe, schoss mir als erstes die Frage in den Kopf: Inwiefern weißt du, wie es ist, sich ein Leben auf Lügen aufzubauen? Wenn du das hier nicht erzählen möchtest, übergehe meine Frage einfach, das kann ich gut verstehen. Es ist nur, dass mich dieses Thema "Lügen" nicht loslässt, obwohl Außenstehende vielleicht denken, dass meine Gedanken momentan hauptsächlich um den Tod meines Partners und die Prostitution kreisen.
    Das ist auch so, aber ich denke auch ganz, ganz viel darüber nach, was ich mit meinen Lügen angerichtet habe: ich habe viele Menschen zutiefst verletzt, und ich glaube, dass z.B. meine Freunde aus HH mir nie wieder wirklich vertrauen würden. Sie würden immer alles in Frage stellen, was ich sage, da bin ich mir sicher. Und zweitens habe ich mir damit auch selbst ein wenig die Fähigkeit genommen, anderen einfach zu glauben. Ich weiß, wie überzeugend Menschen in manchen Situationen lügen können, und wie umfangreich und wie ausdauernd, weil ich es selber getan habe...
    Das alles macht mir ziemlich Angst, ich habe durch die Prostitution schon so viel an Selbstvertrauen verloren und dass ich mir nahestehende Personen angelogen habe, das macht mein Selbstbild komplett kaputt. Ich sehe mich manchmal im Spiegel an und frage mich wirklich: WIE konnte DAS aus dir werden? Innerhalb so kurzer Zeit?

    Die Verheimlichung... du kannst mir glauben, dass das eine unglaubliche Anstrengung war. Ständig auf der Hut zu sein, dass ja niemand etwas merkt, ständig glaubwürdig sein müssen, ständig den Leuten die man gern hat ins Gesicht lügen... es war furchtbar und hat mich manchmal mehr mitgenommen als die Prostitution... bei letzterer habe ich mit der Zeit meine Strategien gefunden, gedanklich abzuschalten, mich "wegzudenken" und es halt über mich ergehen zu lassen. Diese Lügerei aber verfolgt dich auf Schritt und Tritt, macht kaputt, ist eine enorme Anstrengung allein schon für das Gedächtnis... es war wirklich zermürbend. Aber ich war, wie gesagt, wohl sehr überzeugend, die ganze Zeit. Ohne ansatzweise stolz darauf zu sein, kann ich sagen, dass ich eine verdammt gute Lügnerin war... Mit dem Gedanken im Kopf: Es kann mich das Leben kosten, wenn irgendwer irgendwas erfährt... Ganz so schlimm wäre es vermutlich nicht gekommen, aber Karsten kannte definitiv Mittel und Wege, einem das Leben zur Hölle zu machen. Und davor hätte ihn auch keine Verurteilung abbringen können, da er genügend Leute kannte, die schon dafür gesorgt hätten, dass ich meine Strafe bekomme... man, noch immer läufts mir kalt den Rücken runter wenn ich daran denke...

    Also, natürlich wollten Freunde und Familie gerne meinen Freund mal kennen lernen und es war nicht immer leicht, gute Gründe dagegen zu finden. Das letzte halbe Jahr habe ich es immer auf seinen gesundheitlich schlechten Zustand geschoben und behauptet, es wäre ihm unangenehm, wenn ihm fremde Menschen ihn so sehen würden. Anscheinend habe ich das so überzeugend rüber gebracht, dass sich alle Beteiligten letzten Endes damit zufrieden gaben...
    Rückblickend ist es wirklich unglaublich was ich mir alles zusammen gesponnen habe...


    Mittlerweile ist es so, dass ich eine richtige Wut auf meine Hamburger Freundin, Anika, entwickelt habe. Weil sie diese Lügengeschichten entlarvt hat und das Leben das ich mir neben der Prostitution aufgebaut habe, damit zusammenbrach... Sie kann ja eigentlich nichts dafür, und es ist ihr gutes Recht mich zur Rede zu stellen wenn da Ungereimtheiten auftauchen... aber ich kann da grade nichts gegen tun, dass ich richtig wütend auf sie bin, weil sie alles kaputt gemacht hat was ich mir aufgebaut habe. Privat, weil sie es allen meinen Hamburger Freunden erzählt hat... Beruflich, weil sie es meiner Schulleiterin erzählt hat... Ich habe einfach NICHTS mehr von dem, was ich mir in der Zeit in Hamburg aufgebaut habe.
    Mir ist klar, dass es wohl letzten Endes nur gut war, dass meine Lügen aufgeflogen sind. Es war ein enormer Druck, und zumindest der ist nun weg.

    So, nun hab ich mir wieder einiges von der Seele geschrieben, soo viel Text, tut mir Leid!

    Vielen Dank für alle Beiträge!

  2. Der folgende Benutzer bedankte sich bei sorrows für den sinnvollen Beitrag:

    ksaderfi (17.10.2010)

  3. #18
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    Wut zu haben die dein Vertrauen mißbraucht haben ist ein super Anfang raus aus der Abgängigkeit!!!!!!!

    Du musst jetzt niemandem was erklären..auch nicht deinen Eltern weil das was ist was sie im Moment machtlos macht. Du schreibst...sie waren und sind gute Eltern....also fühl dich dort aufgehoben, hol deine Sachen, erkläre das der Tod deines Freundes dich an den Boden bringt, bitte um etwas Zeit ...und fang neu an.

    Ich würde es meinem Kind wünschen...und eines guten Tages, wenn du soweit bist, wirst du es ihnen erzählen...oder auch nicht.

    Viel viel Glück Kleines!!

  4. #19
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    ksaderfi, hab Dank für deine Worte, es ist immer gut, wieder zu hören dass "raus aus Hamburg" jetzt wirklich das einzig richtige ist. Zwischenzeitlich kommt in mir nämlich echt das Gefühl auf, ich könnte doch in Hamburg bleiben, mir dort nur eine andere Bleibe suchen, ein Studium anfangen sobald ich wieder dazu in der Lage bin... ich weiß nicht warum, es fällt einfach schwer loszulassen, auf der einen Seite will ich da gar nicht mehr hin aber auf der anderen Seite war ich ja nunmal teilweise sehr glücklich in HH (erste eigene Wohnung, tolle Mitbewohner, gute Ausbildung auch wenn sie nicht meinen ursprünglichen Plänen entsprach, viele neue Freunde...) und nachdem ich das Leben mit Karsten so abrupt und so schmerzlich verloren habe (es war ein grausames, unwürdiges Leben für mich, aber es war auch das Leben mit meiner ersten großen Liebe...) kann ich mich im Moment glaub ich schwer damit abfinden dass auch das "andere" Leben, das in der Ausbildung, mit den Freunden, vorbei sein soll. Es liegt vermutlich in meinem doch sehr nach Sicherheit suchendem Charakter, dass ich den Gedanken, irgendwo komplett neu anfangen zu müssen, in einer fremden Stadt, mit fremden Leuten usw., als sehr angsteinflößend empfinde.

    Dabei ist es einfach Unsinn, zu glauben, ich könnte auch nur annähernd mein altes Leben in HH aufrecht erhalten. Schon allein aus der einfachen Tatsache heraus, dass meine Freunde dort, kein Wort mehr mit mir sprechen... und die Stadt, in der alles angefangen hat was so viel in mir zerstört hat, ist wohl kaum der richtige Ort für einen Neuanfang. - Wie du siehst, mein Kopf weiß das.

    Ich bin froh, dass es hier Menschen gibt, die aufgrund meiner Geschichte nicht gleich denken, dass ich ein schlechter Mensch bin.

  5. #20
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    sorrowos

    du hast geliebt,allein das zählt in deiner Seele. Er war es nicht wert, hat die Liebe benutzt...aber alles egal denn das hat der Tod beendet....

    Aber du bist wegen ihm dort nach HH oder??

    Geh zurück auf "Start" und mach dein Leben nochmal!!! Du hast dein zuhause indem du dich geborgen fühlst! Eltern fühlen viel, ohne Erklärung....komm zur Ruhe, beende alles was mit Karsten zu tun hat und erhol dich erstmal!!!

    Verurteilen würde ich nie, auch nicht für das anschaffen....neeeeee....da sind mir die Heuchler unsymphatischer....

    du hattest eine Phase in der du aus einer krankhaften und abhängigen Lieber haurraus gehandelt hast...hast hoffenlich gelernt deine Bedürfnisse über jede Liebe zu stellen und bist jung genug für einen Neuanfang

  6. #21
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    Zitat Zitat von sorrows Beitrag anzeigen
    Natürlich die Angst, die Eltern zu enttäuschen. Ich war selbst zu meiner hochpubertären Zeit immer eine relativ "angenehme" Tochter, habe nie Probleme mit Alkohol- und Partyexzessen, Schulschwänzen oder sonst was gemacht, und ich möchte vermutlich selber nicht dieses Bild von der "guten Tochter" zerstören.
    Da ist der Knackpunkt: du willst die gute Tochter sein, die gute Freundin für Karsten und die gute Freundin für deine Freunde, die gute Mitbewohnerin etc pp. Du hast so eine große Angst davor, zu enttäuschen und zu versagen, abgelehnt zu werden, dass du dafür so vieles auf dich genommen hast: Die Lügerei, die Prostitution, ziehst freiwillig aus deiner eigenen Wohnung aus, lässt dich ohne rechtlich haltbaren Grund von der Schule verweisen und verachtest dich selbst wahrscheinlich noch mehr, als es die anderen tun. Nimm dieses Chaos mal als Anlass, zu gucken, was du dir selber eigentlich wert bist und wer du üüberhaupt bist, fernab von den Erwartungen anderer.

    LG Waris
    Wenn Sie mich suchen, ich halte mich in der Nähe des Wahnsinns auf, genauer gesagt auf der schmalen Linie zwischen Wahnsinn und Panik, gleich um die Ecke von Todesangst, nicht weit weg von Irrwitz und Idiotie.

    Ich bin frei und ich l(i)ebe es!!!

  7. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Waris für den sinnvollen Beitrag:

    ksaderfi (17.10.2010)

  8. #22
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    Hallo Sorrows,

    ich denke, dass dich das Thema "Lügen" so sehr festhält, weil du es als Ausgangspunkt / Grund nimmst, dich selbst nicht zu akzeptieren - du lehnst dich selber für das Lügen ab und hast Angst, von anderen abgelehnt zu werden. Die Ironie dabei ist aber, dass du ja gerade deshalb gelogen hattest, um nicht von anderen dafür, wie du bist und was du tust, abgelehnt zu werden und um dich zu schützen.

    Ich hab den Eindruck, dass dir diese "moralische Selbstablehnung" unheimlich viel Energie raubt - verschwendete Energie, die du jetzt brauchst, um dein neues Leben aufzubauen. Was früher war (Lügen usw.), das kannst du jetzt eh nicht mehr ändern. Du kannst es dir erklären (du hast gelogen aus Angst /Unsicherheit usw.), aber was du jetzt nur ändern kannst, ist die Gegenwart, nicht die Vergangenheit.

    Ich denke, was du bräuchtest, ist mehr Verständnis für dich selbst und einen "liebevolleren Blick" auf dich selbst: du versuchst momentan, dein Leben in die Hand zu nehmen, denkst über den Umzug nach, bist in Trauer wegen deines verlorenen Freundes - da brauchst du alle Energie und vor allem positive Gedanken über dich selbst, keine Gedanken, die dich selbst "abwerten".

    Ein BEispiel: Was deine Freundin angeht - wenn sie sich wirklich von dir distanziert, dann ist sie deine Freundschaft gar nicht wert - oder würdest du das tun? Einen Freund in so einer Situation hängen lassen? Such dir wieder Leute, die dir guttun, vielleicht auch einfach welche, die viel lachen, dich Mal ablenken.

    BEzüglich deiner Eltern glaube ich auch, dass es zu früh ist, ihnen das alles zu erzählen - ihre Reaktionen könnten dich erst Mal verletzen - auch wenn ich genauso wie ksaderfi glaube, dass sie dich nicht so sehr ablehnen würden wie du befürchtest, vielleicht machen sie sich dann auch eher SOrgen - aber dafür ist es halt noch zu früh.

    Es geht in deinen BEiträgen immer wieder um Ablehnung: deshalb verheimlichst du deinen Freund, hast Angst dich zu öffnen, redest jetzt nicht mit deinen Eltern... ich glaube, wenn du dich auf die Dauer selbst akzeptierst /mehr liebst, dann wird auch die Angst vor Ablehnung durch andere geringer. Also: Ich wünsch dir viele positive Gedanken über dich selbst!

    SirW.

  9. #23
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    @ ksaderfi: Natürlich werde ich versuchen, neu anzufangen, was anderes bleibt mir ja auch gar nicht übrig. Es ist halt nicht so leicht, ich muss erstmal wieder zu mir selber finden und darüber wegkommen, dass Karsten nicht mehr da ist. Er fehlt mir manchmal schon sehr, und er hat furchtbar gelitten an seiner Krankheit, das tut mir so besonders weh, dass er die letzte Zeit seines Lebens nur noch Schmerzen hatte und sehr sehr unwürdig gelebt hat, schwer pflegebedürftig... Ich sage ja, ich hatte vorher echt ein tolles Leben, und bin bis dahin nur am Rande mit dem Thema Tod in Berührung gekommen. Karsten war der erste Mensch, der mir so nahe stand, und der verstorben ist. Die ersten Tage nach seinem Tod konnte ich überhaupt nichts essen, hab nur durchgeheult, und auch wenn es schmerzhaft war, irgendwie hat sich das richtig angefühlt, den Schmerz einfach rauszulassen. Jetzt fällt mir das immer schwerer, wahrscheinlich weil so viel anderes in meinem Kopf ist...

    @ Waris, SirWiwor: Ja, es stimmt wohl dass ich mich die ganze letzte Zeit über viel darüber definiert habe, was andere über mich denken. Ich KENNE das ganz einfach nicht, so geballte Verachtung zu spüren zu bekommen... Ich war immer zufrieden mit mir. Nicht dass ich übermäßig viel Selbstbewusstsein hatte, aber doch genug. Ich war im Gymnasium immer ziemlich beliebt gewesen und hatte gute Noten, bin mit einem für viele Menschen attraktiven Äußeren gesegnet (na ja gesegnet... Karsten hat mir irgendwann auch gesagt, dass er mich auch deshalb ausgesucht hat... weil ich insbesondere Männer eine anziehende Wirkung habe). Ich kannte sehr gut meine Stärken und hatte einfach nie etwas getan, wofür ich mich wirklich richtig, richtig schämen müsste.
    Ich habe das Gefühl, mit Karsten ist ein ganz anderer Mensch aus mir geworden. Auf der einen Seite, in der Ausbildung und mit Freunden, war ich zwar weiter der offene und lebenslustige Mensch wie vorher, es ist also nicht so als hätte man mir das angemerkt dass was nicht stimmt... aber in mir selber hat sich halt total etwas verändert, irgendwann in dieser Zeit ist mir die Achtung und der Respekt vor mir selber abhanden gekommen...

    Dabei ist es seltsamerweise gar nicht so sehr die Prostitution an sich, für die ich mich schäme. Zwar ist es erniedrigend, dass jetzt zig Leute über MEIN Sexualleben sprechen... aber auch wenn ich früher nie gedacht hätte dass ich das mal tun würde, habe ich zum Thema Prostitution immer gesagt dass das jede Frau für sich selber wissen muss und dass man sich nicht dafür schämen muss.
    Ich habe mit ein paar Ex-Prostituierten gesprochen, denen zum Teil dieses Verkaufen des eigenen Körpers ihnen jede Selbstachtung genommen hat. Bei mir ist das irgendwie nicht so. Ich finde das furchtbar, was da war, für mich ganz persönlich; aber es ist nichts, wofür ich mich selber verachte; es ist eher wie eine schmerzliche Erfahrung, wie ein Unfall zum Beispiel, wofür man sich ja zwar nicht schämen muss - trotzdem war es furchtbar. Ich hab damit ja niemandem weh getan.
    Ganz anders als mit meinen Lügen... DAS ist das, was mir am meisten leid tut, und weshalb es mir schwer fällt, Respekt vor mir selbst zu haben. Mich selbst zu mögen. Weil ich Lügen immer verachtet habe, und ich persönlich habe auch noch nie einen Menschen erlebt der in diesem Ausmaß gelogen hat wie ich. Wie soll ich mich denn da noch mögen? Das heißt nicht, dass ich finde, ich hätte überhaupt keine liebenswerten Seiten. Aber ich hab in letzter Zeit halt viele Dinge getan, die ich ziemlich schlimm finde... Vielleicht ist das eine Sache des Sich-selbst-verzeihens...


    Ich habe inzwischen erfahren, dass Anika und andere meiner HHer Freunde aus dem Grund nicht mehr mit mir sprechen, weil sie mir nicht glauben, was ich ihnen erzählt habe. Also: die wahre Geschichte. Sie sagen, dass die ganze Zeit über, die Story von dem 25-Jährigen krebskranken Freund so glaubwürdig rüber kam, dass sie nun nicht wissen, ob sie mir glauben können dass ich diesmal die ganze Wahrheit gesagt habe.
    Damit hat sich eine meiner größten Befürchtungen bewahrheitet: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.
    Verdammt, ich will kein Mensch sein, dem man nicht vertrauen kann! Aber was kann ich denn dagegen halten? Es stimmt nunmal, ich WAR in meinen Lügen immer sehr überzeugend...
    Tja, die gerechte Strafe kommt wohl immer schneller als man denkt: Meine Lügen haben mir meine Selbstachtung genommen und meine Glaubwürdigkeit...

  10. #24
    Neuling
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    ... und nun fehlt mir Karsten gerade so unglaublich, dass es im Bauch weh tut... und ich frage mich, warum tut man sich das alles an? Warum soll man sich aufrappeln wenn man mit so einer Wucht auf den Boden geworfen wird? Wofür? Geht dieses furchtbare Gefühl überhaupt irgendwann vorbei? Warum kommt es immer wieder, so unangemeldet? Warum vermisse ich einen Menschen, der mich für seine Zwecke missbraucht hat?
    Ich bin auf einen Thread gestoßen, hier, zum Thema "Glaubt ihr an die EINE wahre Liebe"? Ganz ehrlich? Als ich Karsten damals begegnete und ihn näher kennenlernte, habe ich ganz sicher gedacht, er ist es. Und noch immer bin ich mir sicher, dass ich solche Gefühle nie wieder für einen Menschen entwickeln werde... Ich glaube an die EINE große Liebe, meine war ein Arschloch...
    Wofür lohnt es sich noch zu kämpfen? Die ganzen Erniedrigungen, die Wut und die Trauer, die Scham und die Selbstverachtung zu ertragen und dagegen anzukämpfen? WOFÜR???

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