Hallo an alle,
bin neu hier und hab mich angemeldet weil ich unbedingt ein paar Dinge loswerden muss, mir von der Seele schreiben muss und vielleicht kann mir hier irgendwer helfen... mein ganzes Leben ist innerhalb kurzer Zeit aus den Fugen geraten, ich weiß nicht mehr weiter... Ich wär so, so dankbar wenn sich jemand die Zeit nimmt meine Geschichte durchzulesen...
Ich bin gerade mal 22 Jahre alt. Bis 2008 war alles gut... da hab ich ein hervorragendes Abi gemacht (Schnitt 1,0) obwohl ich emotional total aufgewühlt war aber im positiven Sinn, ich hatte mich verliebt in einen 39-jährigen Mann. Schon damals hat mich belastet dass ich wusste, meine Eltern würden eine Beziehung mit so großem Altersunterschied nur schwer akzeptieren können... Deshalb hab ich gedacht, ich warte wie sich das entwickelt und wenn unsere Liebe hält dann erzähle ich ihnen davon. Letzten Endes hatte ich dann nicht den Mut dazu und habe ihnen erzählt, er wäre 25 Jahre alt... damit fing alles an, dass ich meine Eltern belogen habe. Wie kann man so beschissen sein und seine eigenen Eltern belügen? Sie haben mir eine wundervolle Kindheit geschenkt und sie sind einfach toll...
Aber ich war so blind vor Liebe und habe dann entschlossen von Baden-Württemberg nach Hamburg zu ziehen für diesen Mann (Karsten). Er lebte dort und hatte immer klar gemacht, keinen Nerv für eine Fernbeziehung zu haben... für ihn habe ich Freunde und Familie viele hundert km entfernt zurück gelassen, was mir sehr schwer fiel, ich wollte immer an einer Uni in BaWü studieren eigtl. Wegen Karsten und dem Umzug nach HH habe ich dann nicht mal ein Studium begonnen sondern eine Ausbildung (schulisch)...
Schon kurz nach dem Umzug fing die Hölle an... der liebe, einfühlsame Mann als den ich Karsten kannte, hat sich so verändert, hat mich bedroht, eingeschüchtert, war aber nie gewalttätig mir gegenüber, hat trotzdem genau gewusst wie er mich klein machen kann...er hat mich schließlich zur Prostitution gezwungen... und dabei klar gemacht: EIN Wort darüber zu anderen Leuten, und ich werde das mein Leben lang bereuen. Ich hätte mich nicht getraut ihn anzuzeigen, einerseits weil ich ihn so geliebt habe, andererseits einfach aus Angst...
Ich habe mit niemandem darüber gesprochen, ein Doppelleben geführt... Karsten hat mich meine Ausbildung machen lassen, untertags war ich Azubi, abends/nachts ****...
Dann kam der Tag an dem Karsten die Diagnose Lungenkrebs bekam. Es war ein Schock für mich, trotz allem was er mir antat, habe ich ihn doch so sehr geliebt, ich hatte furchtbare Angst und ich konnte damit nicht alleine umgehen. Deshalb habe ich einigen meiner Klassenkameraden von meinem Freund Karsten erzählt, dabei aber auch behauptet er wäre 25 und habe auch einen falschen Nachnamen angegeben, damit sie bloß nicht hinter Karstens Identität kommen. Ich hatte unglaubliche Angst, irgendjemand könnte etwas merken, aber gleichzeitig hatte ich das Bedürfnis, mit jemandem über meine Sorgen bezüglich Karstens Krankheit zu reden.
So hatte ich also offiziell einen netten, lieben 25-jährigen Freund Karsten, der Lungenkrebs hatte... Einige Klassenkameradinnen standen mir in dem darauf folgenden Jahr so zur Seite, ich konnte mich immer ausheulen und sie waren einfach echte Freundinnen für mich, aber ich konnte ihnen trotzdem nicht die ganze Wahrheit sagen, ich hatte so viel Angst und stand unter riesigem Druck... auch meine Eltern wussten von Karstens Lungenkrebs aber ansonsten nichts...
Am 12. September diesen Jahres ist Karsten an Lungenkrebs verstorben. Gemessen an dem, was er mir angetan hat, sollte ich froh darüber sein, nun "frei" sein zu können. Aber es hat mir das Herz gebrochen, nie habe ich jemanden so geliebt wie Karsten, und nun ist er weg, er hatte seine guten Seiten und ich werde ihn einfach nie mehr sehen, hören, spüren... es tut so weh...
Ich konnte diesen Schmerz nicht einfach wegstecken, ich habe o.g. Klassenkameradinnen, meinen Eltern und meiner Schulleiterin von Karstens Tod erzählt, weil ich eine Auszeit brauchte und außerdem konnte ich damit alleine nicht umgehen...
Alle waren für mich da, meine WG-Mitbewohner auch, das sind so wundervolle Menschen... und ich habe sie belogen.
Meine Klassenkameradinnen Anika und Kathrin und meine WG Mitbewohnerin sind allerdings dann dahinter gekommen, dass es Karsten so wie ich ihn beschrieben habe nicht gibt (durch einen Zufall, wie genau ist ne lange Geschichte aber nebensächlich). Sie haben die Krankenhäuser in denen er sich während der Krankheit meiner Aussage nach befunden hatte abtelefoniert (er war da wirklich), aber natürlich hieß es da war er nicht, weil sie den falschen Nachnamen von mir bekommen hatten. Ich hatte ihnen auch mal eine falsche Adresse von Karsten gegeben, weil sie gebohrt hatten und ich nicht unglaubwürdig erscheinen wollte... es war die Adresse eines Freiers von mir, auf die Schnelle fiel mir nichts besseres ein und dieser Freier hatte mir immer sehr geholfen. Jedenfalls haben sie dann als meine Lügen aufkamen, bei diesem Mann geklingelt und das war dann natürlich der endgültige Beweis dafür dass ich gelogen hatte, weil jemand die Tür öffnete wo angeblich der Bewohner grad verstorben war...
Die drei haben mich zur Rede gestellt und nach langem Zögern hab ich ihnen alles erzählt. Von der Prostitution. Ich habe mich so geschämt...Sie waren zwar sauer, aber haben auch irgendwie Verständnis gezeigt, haben mir versprochen, es würde unter uns bleiben, wem ich das sonst noch sage wäre meine Sache.
Am nächsten Tag bin ich nach BaWü zu meinen Eltern gefahren (die bis heute nicht die Wahrheit wissen, ich werde es ihnen irgendwann sagen aber im Moment habe ich nur noch Angst verachtet zu werden und NIEMANDEN mehr zu haben).
Zwei Tage später hat mir meine Mitbewohnerin (in meiner WG in HH) geschrieben, dass sie nichts mehr mit mir zu tun haben will, meine Lügen wären das allerletzte gewesen und ich solle erst zum 20. Oktober wiederkommen, bis dahin wär sie dann ausgezogen aus der WG (Auszug war schon vorher geplant gewesen). Sie will mich nie wieder auch nur sehen müssen. Das hat mich umgehauen. Sie war in dem Jahr in HH für mich sozusagen eine "Ersatzmama", sie ist 10 Jahre älter als ich und war halt immer für mich da, wir haben uns so verdammt gut verstanden und nun hasst sie mich.....
Tags darauf hab ich von einer Klassenkameradin, die eig nichts mit der Sache zu tun hatte, eine SMS bekommen: "Anika hat mir erzählt was war. Auch wenn die Geschichte mit Karsten nicht ganz stimmt, mag dich trotzdem"
- ich hatte so darauf vertraut dass die das nicht weiter erzählen, es ist doch sowas intimes, es geht immerhin um mein sexuelles Leben auch wenn es unfreiwillig war, und Anika hat trotz des Versprechens einfach erzählt... ich hatte aber das Gefühl kein recht zu haben sauer zu sein...
Zwei weitere Tage später hab ich von meiner Schulleiterin einen Brief bekommen in dem steht dass sie Informationen erhalten hat die das Vertrauensverhältnis belasten und sie eine Fortsetzung meiner Ausbildung für schwierig erachtet unter diesen Umständen... okay ich hatte sowieso überlegt das abzubrechen weil ich wohl am besten raus aus HH sollte, Abstand zu allem... aber es hat mich so sehr geschockt dass nun sogar meine SCHULLEITERIN die ja nun wirklich keine Vertrauensperson ist, von dem weiß was ich gemacht habe. Ich finde das so demütigend, es wurde überall rum erzählt, ich habe furchtbar Angst nach HH zurück zu kehren...
Ich habe Anika versucht darauf anzusprechen ob sie das so rum erzählt hat aber seit dem Tag an dem der Brief der Schulleiterin kam, reagiert sie nicht auf SMS oder Anrufe... Ein persönliches Gespräch kann ich im Moment ja nicht führen wegen der ENtfernung...
Ich habe noch nie jemanden so schnell als Freundin ins Herz geschlossen wie Anika und ich habe das Gefühl nach dem ganzen ****** hat sie mir nun noch den Rest gegeben... ich lieg am Boden und sie tritt nochmal drauf... ich weiß sie ist verletzt wegen meiner Lügen aber versteht sie denn nicht dass ich unter einem riesigen Druck war???
Mein WG Mitbewohner (wir wohnen zu dritt) hat mir gesagt dass er sich nicht mehr vorstellen kann noch mit mir zusammen zu wohnen und ich soll mir doch wenn ich zurück in HH bin ganz schnell was anderes suchen...
Meine Ausbildung muss ich abbrechen (sie hat Geld gekostet, das muss ich meinen Eltern auch erstmal beibringen), aus meiner Wohnung ausziehen, in wenigen Tagen muss ich erstmal zurück nach HH und meinem Mitbewohner gegenübertreten was mir große Angst macht, ich habe meine erste große Liebe vor nicht mal einem Monat verloren, er ist tot, und die Gefühle sind so durcheinander weil ich ihn hassen sollte, aber er hat mir auch Sicherheit gegeben und jetzt ist alles weg, mein Leben steht auf dem Kopf, HILFE ICH KANN NICHT MEHR!!!
Ich habe keine Vertrauensperson mit der ich ehrlich über die Situation reden kann. Die wenigen, die überhaupt die Wahrheit wissen, haben sich von mir abgewandt, sind sauer wegen meiner Lügen, hassen mich.......
Was soll ich bloß tun?
Im Moment kann ich meinen Eltern auf keinen Fall die Wahrheit sagen und auch sonst erstmal niemandem mehr, dazu ist die Erfahrung zu schlecht, ich habe wenigen Personen das anvertraut und sie haben sich abgewandt und es trotz ihres Versprechens herum erzählt, das ist so erniedrigend, im Grunde meine ganze Schule weiß nun dass ich eine Nutte bin und eine Lügnerin... ich komme mit dieser geballten Verachtung nicht klar...
Und Karsten fehlt mir so sehr...
Ich hasse mein Leben im Moment und bin mit allem überfordert, ich weiß nicht wie ich jemals wieder glücklich werden soll, was ist bloß passiert...
Vielleicht ist hier jemand der das alles durchgelesen hat (DANKE!) und mir einfach nur antworten würde? Das allein, wäre schon hilfreich,...
Grüße,
sorrows


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