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Thema: Unstillbare Gier

  1. #1
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    Standard Unstillbare Gier

    Hallo zusammen,

    ich schreibe hier ins Forum Zwänge, weil es sich fast schon so anfühlt, man könnte es vielleicht auch als Sucht bezeichnen - eine Sucht nach, ja nach was eigentlich?

    Es kommt jetzt ein langer Text. Wer nicht so viel lesen mag, die Kurzfassung ist wohl, dass ich immer etwas Neues brauche, ein neues Ziel, auf das ich mich freuen kann. Aber nichts hält lange an. Wie in dem Lied "Unstillbare Gier", dessen Titel dieser Thread trägt: "Gäb's nur einen Augenblick des Glücks für mich, nähm ich ewiges Leid in Kauf. Doch alle Hoffnung ist vergebens, denn der Hunger hört nie auf."

    Wie kann ich das beschreiben? Ich habe Depressionen. Glaube ich. Habe schon Verhaltenstherapie gemacht, aber eigentlich hat noch nie jemand zu mir gesagt "Ja, Sie haben Depressionen". Was aber feststeht ist, dass ich oft niedergeschlagen und sehr sehr antriebslos bin. Was mir dann hilft, sind Ziele. Etwas, worauf ich mich freuen kann.

    So habe ich mit dem Klavierspielen angefangen. Ich finde Klaviermusik toll und wünschte mir nichts mehr, als selber so tolle Sachen spielen zu können. Und obwohl ich gar nicht schlecht war und die Lehrerin eine der liebsten Personen, die ich je kennen gelernt habe, musste ich mich schon bald zwingen, überhaupt hinzufahren. Oft verbunden mit viel Weinen vorher. Oft habe ich abgesagt und trotzdem geweint. Wenn ich hingefahren bin, hat es mir immer gut getan und ich kam gut gelaunt nach Hause.

    Dann dachte ich, der Chor, in dem mein bester Freund ist, das wäre doch was. Dann käme ich auch mal ein bisschen unter Leute (bin Freiberuflerin und arbeite von zu Hause aus). Also da angefangen. Nach kurzer Zeit dasselbe Spiel: Nur durch viel Überzeugungskraft meines Freundes (heute mein Mann) bin ich halbwegs regelmäßig hingegangen. Die Leute dort mochte ich, hab mich auch wohlgefühlt.

    Irgendwann wurde ein Herzenswunsch, den ich schon habe, seit ich denken kann, übermächtig stark: Ich wollte eine Katze haben. Mein Freund war anfangs dagegen, aber ich habe ihn überzeugen können und so kam unser Großer zu uns. Nach einiger Zeit erfuhr ich, dass man Katzen nicht alleine halten soll, also kam eine zweite. Die beiden sind mein Ein und Alles, wirklich.

    Mittlerweile sind wir verheiratet und planen, nächstes Jahr zu bauen. Dann möchte ich mir einen Traum verwirklichen: Ich möchte Pflegekatzen aufnehmen, sie aufpäppeln, weitervermitteln und vielleicht auch mal eine behalten. Mein Mann sagt, bei vier Katzen ist seine Schmerzgrenze erreicht. Statt mich darüber zu freuen, habe ich jetzt schon Angst, dass das mir irgendwann nicht mehr reichen wird.

    Dasselbe gilt für das Haus. Ich freue mich so dermaßen darauf, mache mir aber jetzt schon Sorgen, wie es dann sein wird - dass ich dann kein Ziel mehr habe.

    So geht das ständig und ich merke, dass es anfängt, unsere Beziehung zu belasten. Ich kenne es nicht anders von mir, deshalb habe ich es bisher nicht als Problem angesehen. Aber wo kommt das denn her? Wieso kann ich nicht auf Dauer mit etwas zufrieden sein?

    Ich danke allen, die bis hierher gelesen haben. Vielleicht hat ja jemand einen Rat für mich?

    Fellina

  2. #2
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    Hallo Fellina,
    gut möglich, dass es sich um Depressionen handelt.
    Das mit dem alles Mögliche anfangen und dann die Lust verlieren kenne ich leider auch. Habe mich da auch schon mit einem Therapeuten drüber unterhalten und der meinte, wenn man nie in einer Sache unterstützt wurde, sondern die Eltern immer die Dinge ermöglicht hätten und aber nie daran teilgenommen haben, würde es da eben an Anerkennung fehlen und somit verliert man die Lust. Gut, bei mir war das ähnlich aber ich weiss natürlich nicht, ob das auf jeden zutrifft.
    Was die Katzen angeht, kann ich Deinen Mann schon ein Stück verstehen. Es gibt ja auch Tiermessies (damit möchte ich nicht sagen, dass Du einer bist) aber die Gefahr besteht natürlich schon, wenn man mit immer mehr KAtzen die Lücke stopft.
    Hast Du denn mal eine Therapie gemacht? Wenn nicht, würde ich Dir dringend raten um einfach mal rauszufinden, warum Du immer mit was anderem "füllen" musst. Irgendwo muss da ein Defizit sein.
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

  3. #3
    Neuling
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    Hallo Natz,

    vielen Dank für Deine Nachricht.

    Ja, ich habe schon etliche Therapien gemacht, da ging es hauptsächlich um Ängste (Panikattacken) und eben die Antriebsstörungen. Speziell zu diesem Thema des "Füllens" habe ich noch keine gemacht. Ich nehme im Moment auch noch Antidepressiva, habe aber nicht das Gefühl, dass sie helfen (wobei ich natürlich nicht weiß, wie es jetzt ohne wäre).

    Ich kann meinen Mann auch verstehen. Wirklich. Ich will auch nicht zum Tiermessie werden. Aber es ist nunmal meine Leidenschaft und die möchte ich ausleben dürfen. Dass das Grenzen hat, ist mir aber klar (allein schon finanziell muss es eine Grenze geben), und das genau ist ja mein Problem.

    Ich weiß nicht, ob das mit meiner Kindheit zu tun hat. Ich war, soweit ich mich erinnern kann, immer "überbehütet", alles wurde mir abgenommen. Natürlich wollte meine Familie mir damit immer nur helfen (ist ja meistens so), aber gleichzeitig hat sich glaube ich das Gefühl entwickelt, dass ich nichts alleine schaffen kann.

    Ich möchte doch einfach mal zufrieden sein können.

    Fellina

  4. #4
    Verleger Avatar von Natz
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    Vll. ist es gerade die Überbehütetheit, Fellina.
    Wenn einem alles abgenommen wird, muss man auch kein Durchhaltevermögen entwickeln. Ich würde Dir raten, das Thema noch mal anzugehen. Ich denke schon, dass der Hund da begraben ist.
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

  5. #5
    Neuling
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    Das will ich auch, aber wie? Welche Art von Therapie könnte da helfen? Verhaltenstherapie habe ich schon so oft gemacht...

    Und dann rufe ich beim Therapeuten an und sage - was?

  6. #6
    Verleger Avatar von Natz
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    Ich würde was Tiefenpsychologisches machen. Du musst ja nicht Dein Verhalten ändern, sondern in der Vergangeheit wühlen
    Du machst erst mal einen Termin aus, da musst Du noch gar nicht viel sagen und beim ersten Gespräch erzählst Du genau dass, was Du hier auch geschrieben hast
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

  7. #7
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    Guten Tag!

    Therapeuten sind auch nur Menschen und können sich auch irren. Natürlich sind sie ausgebildet, aber nicht immer kennen sie die Antwort.

    Ich denke, dass ein Teil des Problems in Deiner Kindheit steckt (nennt man das Tiefenpsychologie? Ich kenne die Fachbegriffe nicht. ).
    Andererseits ist diese aber schon vorbei und Du kannst daran, was damals geshehen ist, nichts mehr ändern. Die Vergangenheit bleibt.

    Oft gibt man den Eltern die Schuld, wenn etwas nicht klappt, d.h. die Kindheit wäre nicht so, wie man sie gerne hätte. Aber irgendwann muss man sich selbst im Griff haben.

    Hast Du irgendwelche Hobbies, die Du ohne bestimmte Zeiten ausüben kannst und das jederzeit? Ich kenne das, wenn man einen bestimmten Termin (sei es jetzt Training etc.) aus Lustlosigkeit versäumt. *hust* (naja, mein Trainer hat mir dann immer die Hölle heiß gemacht deswegen)

    Du solltest mit Deinem Freund über die Einnahme der Anti-Depressiva reden. Vielleicht sind diese ja auch gar nicht erforderlich. Mein Bruder hat sie aufgrund einer bestätigten Depression auch genommen, was die Lage aber nur verschlimmert hat. Es hat sich dann gelegt, als ich mich um ihn gekümmert habe.

    LG

  8. #8
    Neuling Avatar von Marko
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    Bedankte sich ein mal in einem Post.

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    Irgendwie habe ich das Gefühl, dass hier viele Antidepressiva als direkte Lösung aller Probleme sehen.

    Wir, als Depressive haben zwar meist einen Defekt in der Gehirnchemie,
    die aber die unterschiedlichsten Auslöser haben können.

    In vielen Fällen ist es wichtig einen Teil der Vergangenheit psychologisch zu bewältigen,
    was heute aber nicht unbedingt auf jeden zutreffen muss,
    da Depressionen mittlerweilen auch ohne traumatische Erlebnisse Einzug in unsere Gesellschaft genommen haben.

    Man sollte Antidepressiva niemals als alleinige Lösung betrachten,
    sie bringen oder versuchen zumindest ein gewisses Gleichgewicht in der Gerhirnchemie wieder herzustellen, aber können keine falschen Verhaltensweise, die durch Depressionen entstanden lösen. Meist ist es eher der Prozess zwischen den Antidepressiva und einer psychologischen Betreuung, die den meißten Patienten dann hilft.
    Aber ein wichtiger Faktor ist dennoch immer das eigene Verhalten, der Umgang mit der Krankheit und dem Willen den Ratschlägen von Psychologen oder anderen Helfern zu folgen.

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