Hallo zusammen,
ich schreibe hier ins Forum Zwänge, weil es sich fast schon so anfühlt, man könnte es vielleicht auch als Sucht bezeichnen - eine Sucht nach, ja nach was eigentlich?
Es kommt jetzt ein langer Text. Wer nicht so viel lesen mag, die Kurzfassung ist wohl, dass ich immer etwas Neues brauche, ein neues Ziel, auf das ich mich freuen kann. Aber nichts hält lange an. Wie in dem Lied "Unstillbare Gier", dessen Titel dieser Thread trägt: "Gäb's nur einen Augenblick des Glücks für mich, nähm ich ewiges Leid in Kauf. Doch alle Hoffnung ist vergebens, denn der Hunger hört nie auf."
Wie kann ich das beschreiben? Ich habe Depressionen. Glaube ich. Habe schon Verhaltenstherapie gemacht, aber eigentlich hat noch nie jemand zu mir gesagt "Ja, Sie haben Depressionen". Was aber feststeht ist, dass ich oft niedergeschlagen und sehr sehr antriebslos bin. Was mir dann hilft, sind Ziele. Etwas, worauf ich mich freuen kann.
So habe ich mit dem Klavierspielen angefangen. Ich finde Klaviermusik toll und wünschte mir nichts mehr, als selber so tolle Sachen spielen zu können. Und obwohl ich gar nicht schlecht war und die Lehrerin eine der liebsten Personen, die ich je kennen gelernt habe, musste ich mich schon bald zwingen, überhaupt hinzufahren. Oft verbunden mit viel Weinen vorher. Oft habe ich abgesagt und trotzdem geweint. Wenn ich hingefahren bin, hat es mir immer gut getan und ich kam gut gelaunt nach Hause.
Dann dachte ich, der Chor, in dem mein bester Freund ist, das wäre doch was. Dann käme ich auch mal ein bisschen unter Leute (bin Freiberuflerin und arbeite von zu Hause aus). Also da angefangen. Nach kurzer Zeit dasselbe Spiel: Nur durch viel Überzeugungskraft meines Freundes (heute mein Mann) bin ich halbwegs regelmäßig hingegangen. Die Leute dort mochte ich, hab mich auch wohlgefühlt.
Irgendwann wurde ein Herzenswunsch, den ich schon habe, seit ich denken kann, übermächtig stark: Ich wollte eine Katze haben. Mein Freund war anfangs dagegen, aber ich habe ihn überzeugen können und so kam unser Großer zu uns. Nach einiger Zeit erfuhr ich, dass man Katzen nicht alleine halten soll, also kam eine zweite. Die beiden sind mein Ein und Alles, wirklich.
Mittlerweile sind wir verheiratet und planen, nächstes Jahr zu bauen. Dann möchte ich mir einen Traum verwirklichen: Ich möchte Pflegekatzen aufnehmen, sie aufpäppeln, weitervermitteln und vielleicht auch mal eine behalten. Mein Mann sagt, bei vier Katzen ist seine Schmerzgrenze erreicht. Statt mich darüber zu freuen, habe ich jetzt schon Angst, dass das mir irgendwann nicht mehr reichen wird.
Dasselbe gilt für das Haus. Ich freue mich so dermaßen darauf, mache mir aber jetzt schon Sorgen, wie es dann sein wird - dass ich dann kein Ziel mehr habe.
So geht das ständig und ich merke, dass es anfängt, unsere Beziehung zu belasten. Ich kenne es nicht anders von mir, deshalb habe ich es bisher nicht als Problem angesehen. Aber wo kommt das denn her? Wieso kann ich nicht auf Dauer mit etwas zufrieden sein?
Ich danke allen, die bis hierher gelesen haben. Vielleicht hat ja jemand einen Rat für mich?
Fellina


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