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Thema: Urvertrauen ? Was ist dran ?

  1. #1
    Neuling
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    Standard Urvertrauen ? Was ist dran ?

    Hallo Community,

    mich beschäftig seit geraumer Zeit der Begriff "Urvertrauen". Es wird ja häufig gesagt, dass das Urvertrauen sich durch positive Beziehungen zu engen Bezugspersonen (Eltern usw...)in frühster Kindheit bildet und falls man es nicht erworben hat, es nicht möglich ist, diesen Makel auszugleichen. Nun würde ich von mir behaupten das ich nur ein sehr geringes Urvertrauen bezitze, da ich keine leichte Kindheit/Jugend gehabt habe. Ich finde es jedoch ziemlich schlimm, wenn Leute sagen das man diese Defizite nicht ausgleichen kann, da es ja nicht an einem selber lag, das man es nicht bekommen hat. Wie seht ihr das ? Ist der Zug abgefahren, wenn man es nie erworben hat oder hat man noch Möglichkeiten? Mir macht das alles sehr traurig, da ich das Gefühl habe nur auf Grund der Tatsache das ich kaum Urvetrauen nicht aktiv mein Leben gestalten bzw. teilhaben zu können. Ich hoffe ihr könnt mir helfen.

    Liebe Grüße

    YipYip

  2. #2
    Neuling
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    hallo,

    ich denke
    in frühster Kindheit bildet
    NEIN, es bildet sich nicht, sondern es ist da.

    Jeder hat es - aber wielange man es behält ist die Kardinalfrage!

    LG
    ND

  3. #3
    Neuling Avatar von schwarze_rose
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    Hallo,

    dass sich das Urvertrauen nicht mehr herstellen lässt; ich kann mir das nicht vorstellen. Wobei jeder auch unter Urvertrauen etwas anderes versteht (zu wem oder was soll man dieses Vertrauen haben?). Ich habe früher auch kein Vertrauen gehabt, von Ur-Vertrauen ganz zu schweigen, aufgrund negativer Erlebnisse in Kindheit und Jugend. Hast du dir denn schon mal irgendwo Hilfe gesucht?

    LG
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  4. #4
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    yipyip schreibt

    es nicht möglich ist, diesen Makel auszugleichen.

    Wenn Du zurückblickst, nachdenkst über Deine damaligen Gefühle, Deine Sicht der Welt, woran Du Freude hattest, Deine Mutter, Deinen Vater, diese beiden, die Dir das Glück eines Urvertrauens in den ersten Jahren hätten geben können....Deine jetzigen Empfindungen über die längst vergangene Zeit...Du wirst nicht so empfinden, nicht so denken können wie damals...manche sind darüber glücklich, andere traurig. Aber wie dem auch sein. Wenn Deine Mutter und/oder Vater es Dir in diesen für Dich so wichtigen Jahren nicht gegeben haben, wie wolltest Du es reproduzieren können? Das Zeitfenster dafür ist für immer geschlossen.


    Wenn Du meinst, wenigstens etwas davon, wenigstens einen Abglanz dessen von damals verinnerlichen zu müssen, was Du Dir unter einem Urvertrauen vorstellst, dann gibt es sicherlich Wege dafür. Wofür könnte es gut sein? Wenn Du an das Urvertrauen denkst, dann sollte der Gedanke daran Dir ein Gefühl der Ruhe und der Beschütztheit geben.

    Mir fehlte auch das Urvertrauen. Aber R. Dypka hat mir etwas davon zurückgegeben in einer 1.1/2 stündigen Hypnositzung. In meiner Trance sah ich einen riesigen belaubten Baum. Ich stand unter ihm, fühlte mich von seinen weit überhängenden Ästen beschützt. Mit meinen Armen versuchte ich den Stamm zu umfassen, In meinem inneren Bild sehe ich meinen Rücken, links und rechts die Arme soweit wie möglich ausgebreitet, aber der Umfang des Baumes ist so groß, sodass ich nur einen kleinen Teil umgreifen kann. Wenn ich also das Bild "sehe", fühle ich mich dort aufgehoben. Es ist meine Welt, zu der nur ich Zutritt habe.
    Geändert von Bertrand (14.11.2011 um 01:13 Uhr)

  5. #5
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    Natürlich kann ein gewisser Grad an Urvertrauen aufgebaut werden, egal von woher man kommt.

    Ich sage "ein gewisser Grad", weil ich Urvertrauen auf einem Spektrum von 0% bis 100% sehe und 100%iges Urvertrauen dann doch etwas viel für den alltäglichen Menschen ist. Das wäre dann eher etwas für spirituelle Gurus.

    Ich persönlich unterscheide zwischen drei Stufen des Vertrauens:
    1. Stufe: Kein Vertrauen in sich selbst oder die Welt.
    2. Stufe: Vertrauen in sich selbst und seine eigenen Fähigkeiten ("Ich kann alles schaffen was ich mir vornehme!", "Aus vergangenen Erfahrungen weiß ich, dass ich es durch jede Situation IRGENDWIE schaffe!").
    3. Stufe: Vertrauen in sich selbst UND die "Realität", was auch immer das für einen bedeuten mag ("Egal was passiert, es ist genau richtig so, auch wenn meine eigenen Fähigkeiten mich nicht da durchbringen.").

    Auf der dritten Stufe hat man sich dann auch mit seinem eigenen Tod auseinandergesetzt.

    Jeder startet mit seinem Level an Urvertrauen aufgrund seiner bio-psycho-sozialen Umstände woanders. Dennoch sehe ich, außer neurologischen oder anderen physiologischen Ursachen, keinen Grund, warum man nicht an seinem Selbstvertrauen und eventuell sogar dem wahren Urvertrauen arbeiten können sollte.


    Grüße,
    Mephisto

  6. #6
    Nachwuchs Autor
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    Mephisto schreibt

    warum man nicht an seinem Selbstvertrauen und eventuell sogar dem wahren Urvertrauen arbeiten können sollte.



    Dass ist wohl unstrittig, dass man an seinem Selbstvertrauen und Urvertrauen arbeiten kann. Wie allgemein bekannt ist, ist aber prinzipiell ein elterliches Urvertrauen die Voraussetzung für ein möglichst gesundes Selbstvertrauen.

  7. #7
    Ste
    Gast

    Standard

    Ich meine, dass man dieses Urvertrauen nicht nachholen oder "recovern" kann, wenn es durch eine schlechte Kindheit nicht angelegt wurde, oder verloren ging.

    Was man durch Therapie wiederherstellen kann, ist nicht vergleichbar mit dem Ur-Zustand.

    Damit muss man sich abfinden, das glaube ich.

    Grüße

    Ste

  8. #8
    Neuling
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    Zitat Zitat von Ste Beitrag anzeigen
    Ich meine, dass man dieses Urvertrauen nicht nachholen oder "recovern" kann, wenn es durch eine schlechte Kindheit nicht angelegt wurde, oder verloren ging.

    Was man durch Therapie wiederherstellen kann, ist nicht vergleichbar mit dem Ur-Zustand.

    Damit muss man sich abfinden, das glaube ich.

    Grüße

    Ste
    Hallo Ste,

    #1: Früher habe ich mal gedacht, dass jeder alles erreichen und schaffen könnte. Lebenserfahrung hat mich gelehrt, dass Menschen nun aber doch Grenzen haben, bzw. immer nur innerhalb gewisser Grenzen arbeiten können. Jeder hat ein gewisses Potential, dass er/sie bis zu einem gewissen Grad ausloten kann.

    Die Metapher lässt sich auch ganz gut auf unsere Gene übertragen: Wir haben kein Gen, dass uns sagt "Du bist 1,84m groß", sondern eher eine mögliche Spannweite, also z.B. "Du wirst zwischen 1,76m und 1,90m groß." Nun kommt es auf die weitere bio-psycho-soziale Faktoren an um zu bestimmen, wie groß ein Mensch denn nun wirklich wird. Bei falscher Ernährung im kritischen Alter kann man daran später auch nicht mehr viel ändern. Das wäre ein Beispiel, wo ich dir recht geben würde.

    Unter den falschen bio-psycho-sozialen Bedingungen kann nun nicht nur die Körpergröße eines Menschen, sondern auch seine kognitive Entwicklung eingeschränkt sein. Zum Beispiel kann Unterernährung in früher Kindheit zu einem verkleinertem Neokortex im späteren Leben führen. WIE UNFAIR! Aber gut, so funktionieren wir nun mal.


    Ich glaube von einem Professor mal von einer Studie an Ratten gelesen zu haben, die, wenn ich mich richtig erinnere, wie folgt war: Es gibt Rattenmütter, die bessere Mütter sind als andere. Anhand welcher Indikatoren haben die Forscher festgemacht, was eine "gute Rattenmutter" ist und was eine schlechte? Ich glaube da waren vor allem zwei Indikatoren ausschlaggebend: (1) Wie oft leckt die Rattenmutter ihr Kind? (2) Wie viel Aggression zeigt die Mutter ihrem Kind?

    Das Ergebnis der Studie war, dass, überspitzt formuliert, Rattenkinder ohne Liebe einen deutlich kleineren Neocortex hatten als ihre geliebten Gegenparts.

    UNGLAUBLICH! WIE DEPRIMIEREND! Mangel an Liebe kann Einfluss auf meine Gehirnentwicklung nehmen?!


    Soweit so gut. Ich stimme dir also darin überein, dass es viele Gründe gibt, warum wir nicht mehr ausgleichen können, was wir in der Kindheit erlebt haben bzw. was uns da gefehlt hat.


    #2: Lass uns nun eine eher kognitiv-psychologische Perspektive einnehmen. Der Mensch ist ein informationsverarbeitendes System, die offensichtliche Metapher ist der Geist als Computer. An dieser Metapher kann man zwar viel kritisieren, aber die Grundlegenden Ideen sind für uns hier ausreichend: Der Computer verarbeitet Informationen von Außen, das RAM ist das Arbeitsgedächtnis, die Festplatte das Langzeitgedächtnis. Es kommt ein Input rein, dieser wird verarbeitet und ein Output wird generiert. Wichtige Schlüsse die wir aus dem Input oder den Folgen des Outputs ziehen werden gespeichert und für die zukünftige Bewertung verfügbar gemacht.

    Wir Menschen laufen herum mit einem Weltbild ("Das ist die Welt.") und einem Selbstbild ("Das bin ich."). Ich hatte schon in meinem letzten Post die Annahme gemacht, dass Urvertrauen nicht etwas ist, das man hat oder nicht hat, sondern auf einer Skala von 1% bis 100% verfügbar ist, und zwar von Mensch zu Mensch verschieden und auch von Situation zu Situation verschieden (manchmal ist man eben gestresst und die Hormone spielen verrückt oder die Neurotransmitter "ticken aus" und man hat eben nicht soviel Urvertrauen wie an anderen Tagen. Das ist völlig normal.).

    Unser Weltbild, unser Selbstbild und damit unser Level an Urvertrauen hat sich aus bestimmten Erfahrungen gebildet. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich (metaphorisch gesehen) nicht "gehalten" wurde, deswegen habe ich das Vertrauen in die Realität verloren. Mit der Zeit ging dann auch noch das Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten verloren (oder es hat sich gar nicht erst aufgebaut, wie Bertrand angesprochen hat) und ich werde mich in Zukunft dementsprechend verhalten.

    Desto jünger ich war als mir diese Dinge passiert sind, desto tiefer sitzen diese Überzeugungen und dieses Mangelgefühl.

    Was spricht nun aber dagegen, dass wir, als informationsverarbeitendes System, neue Erfahrungen machen, die unser aktuelles Welt- und Selbstbild widerlegen? Sollten wir in eine Situation kommen, wo wir immer und immer wieder lernen, dass wir geliebt und gehalten werden, wo wir immer und immer wieder merken, dass wir doch gar nicht so schlecht sind wie wir glauben, warum sollten wir nicht über längere Zeiträume hinweg unser Welt- und Selbstbild und damit auch den Grad an Urvertrauen ändern können?

    Mit den richtigen Menschen um einen herum, und wenn das "nur" ein Therapeut ist, kann man beachtliche Fortschritte erzielen. Aber natürlich muss ich daran glauben, ich will ja selbst Therapeut werden.

    Ich bin mir außerdem der Tatsache bewusst, dass es SEHR schwer ist, ein einmal verlorenes Urvertrauen bzw. ein niemals gehabtes wiederzufinden bzw. aufzubauen. Selektive Wahrnehmung lässt uns nur das wahrnehmen, was wir sehen wollen. Der Rosenthal-Effekt, also das Gesetz der selbsterfüllenden Prophezeihung, lässt das wahr werden, von dem wir glauben, dass es wahr ist. ("Ich bin ein böser Mensch. Naja, wenn ich böse bin, dann kann ich ja auch klauen gehen. Oh, ich wurde erwischt und bin im Gefängnis. Siehst du, ich habe doch gesagt ich bin ein böser Mensch.")

    Trotzdem glaube ich, dass man mit den richtigen bio-psycho-sozialen Einflüssen (vor allem die sozialen als Startpunkt) enormen Fortschritt machen kann.


    Meine persönliche Erfahrung mit mir selbst und den Menschen um mich herum ist in drei Stufen verlaufen:
    1.) Ich kann alles erreichen und ich kann andere Menschen davon überzeugen, dass sie alles erreichen können. Ich habe absolutes Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten und weiß, dass andere Menschen das auch erreichen können.

    2.) Es gab Menschen und Situationen, da wurde 1.) widerlegt. Ich habe angefangen zu glauben, dass niemand an seinem Selbst-/Urvertrauen arbeiten kann, jedenfalls nicht wirklich. Ich habe versucht zu rekonstruieren, wo mein Urvertrauen herkommt und habe keinen Ansatz gefunden, dass an andere weiterzugeben. Andere Menschen als auch ich haben ihre Begrenzungen und wenn diese einmal aufgestellt worden sind, dann kann man daran nicht mehr viel ändern.

    3.) Ich habe "bahnbrechende Fortschritte" mit mir selbst und bei anderen gemacht. Menschen KÖNNEN sich verändern, sie KÖNNEN Urvertrauen aufbauen, sie KÖNNEN alte Muster ablegen. Der Unterschied zu 1.) ist aber, dass ich viel mehr Geduld und viel mehr Liebe habe.

    Bei 1.) dachte ich, man müsste nur einen Tritt in den Hintern kriegen und für ein "größeres Ziel" inspiriert werden und schon würde jeder alle seine Probleme im Leben vergessen und ein produktives, glückliches Leben führen. Heute weiß ich, dass sich jeder Mensch mit seiner eigenen Geschwindigkeit entwickelt. Für andere mag das zwar normal erscheinen, aber für mich war das eine bahnbrechende Erkenntnis, weil ich nun nicht mehr erwarte, dass Leute, denen ich zu helfen versuche, sich von heute auf morgen ändere (ich tue das ja auch nicht). Ein Baby wächst auch nicht alleine durch Willen, Inspiration und Liebe von heute auf morgen auf komplette Erwachsenengröße aus. Das Baby braucht mind. 18 Jahre Zeit um zu wachsen und zu gedeihen. Die ganze Zeit müssen die Eltern dabei sein und das Kind unterstützen. Eltern werden ja auch nicht ungeduldig, wenn ihr Kind mit fünf Jahren noch nicht erwachsen genug ist auf sich selbst aufzupassen. Der Prozess braucht Zeit und Liebe.



    Wenn ein Mensch mit wenig Urvertrauen konstant mit Geduld, Verständnis und Liebe "genährt" wird, dann wird sich sein Weltbild mit der Zeit ändern. Als informationsverarbeitendes System kann er gar nicht anders. Das ist zwar VIEL einfacher dargestellt als es in Wirklichkeit ist (siehe oben: selektive Wahrnehmung und Rosenthal-Effekt, sowie Dinge wie Abhängig vom eigenen Leiden sein, etc.), aber du, Ste, hast es auch viel zu eindimensional dargestellt, von daher nehme ich mir die Freiheit, dass nicht NOCH weiter ausführen zu müssen.

    Es ist wichtig, dass wir gerade den Menschen, denen das Schicksal nicht so gut mitgespielt hat, nicht die Hoffnung nehmen. Ich finde es wichtig, dass wir gerade solchen Menschen eine realistisch-optimistische Perspektive mitgeben. Außerdem ist es ja nicht nur eine optimistische Perspektive, sondern es ist Fakt, dass bio-psycho-soziale Einflussfaktoren einen Menschen immer und immer wieder ändern.


    Eine tiefgründige Sache hast du da aber eingebaut: "Damit muss man sich abfinden." Wenn wir aufhören gegen unsere Vergangenheit zu kämpfen oder uns andauernd zu wünschen, dass wir anders wären, dann haben wir den ersten Schritt getan. Wenn wir akzeptieren, dass wir so sind wie wir sind, und dass das auch gut so ist, dann können wir mit der inneren Ruhe, die diese Akzeptanz bringt, ganz langsam den nächsten Schritt planen... und ihn gehen.


    Liebe Grüße,

    Mephisto

  9. Die folgenden 4 Benutzer bedankten sich bei Mephisto für den sinnvollen Beitrag:

    fee78 (14.11.2011),honeymoon (14.11.2011),Maeggie (14.11.2011),schwarze_rose (14.11.2011)

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