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Thema: Vater plötzlich verstorben

  1. #9
    Neuling
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    ... auch von mir aufrichtiges Beileid.

    Die Symptome die du schilderst (drei Tage nach dem Anruf und bei der Beerdigung) klingen nach einer Panikattacke. Das ist die Reaktion deines Körpers auf das Unbegreifliche. In deiner Situation ist das kein Wunder.

    Ich kann dir nur raten alle Gefühle zuzulassen. Du wirst sehr oft durcheinander sein, traurig, wütend und ängstlich. Auch das ist vollkommen normal. Es gibt bestimmte Phasen der Trauer, die bei jedem Menschen unterschiedlich lang sind und unterschiedlich heftig sind. Lass dir Zeit. Du hast dein ganzen Leben mit deinem Papa verbracht und jetzt fehlt ein Teil von dir. So blöd das klingen mag, aber wenn man sich ein Bein bricht, dann läßt man sich auch die Zeit bis alles wieder richtig verheilt ist. Schlussendlich ist es hier nicht anders. Du hast einen Riss im Herzen und der Seele. Der muss verheilen und das wird er. Versuch mit deiner Familie gemeinsam die Erinnerungen an ihn lebendig zu halten, erinnert euch an schöne Zeiten und trauert auch gemeinsam.

    Ich wünsch dir ganz viel Kraft und Ruhe.

  2. #10
    Neuling
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    Hallo Kumumo,

    zunächst möchte ich dir meine Anteilnahme sagen. Es ist immer schlimm, wenn ein Mensch Vater oder Mutter verliert.

    Durch deine Schilderung fühle ich mich an den Tod meines eigenen Vaters erinnert. Das sind jetzt 10 Jahre her. Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis zueinander. Die Situation war ähnlich wie bei dir.
    Meine Eltern wohnen rd. 130 km entfernt, sonntags war Telefonieren angesagt. Mal rief ich an, mal sie. An diesem Sonntag, er jährte sich letzten Monat, telefonierte ich sonntags mit Zuhause. Zunächst hatte ich meine Mutter am Telefon. Sie beklagte sich, weil sie tags zuvor in die Kreisstadt habe fahren wollen. Vater aber hatte protestiert, er wolle nicht schon wieder den ganzen Tag alleine sein. Das mache sie aber auf Dauer nicht mit, so hörte ich Mutter. Ich sagte, sie solle mir mal „meinen alten Herrn“ geben. Dann sprach ich mit Vater.
    Naja, so antwortete er mir auf die Frage, was das denn solle, ich wisse doch, wenn Frauen in die Stadt führen, dann dauere das ewig. Meine Antwort: Das gehe aber nicht, er könne Mutter nicht einsperren. Und im Übrigen: Dann könne er den Tag doch gestalten, wie er das gerne habe. Dann solle er sich mal ein ordenliches Fischgericht bereiten, und müsse sich nicht das Gemeckere von Mutter anhören, weil das ganze Haus wieder nach Fisch rieche. Außerdem zähle sie ihm auch nicht die Zigaretten, die er paffe. Ich empfahl ihm noch, auch mal wieder eine seiner Volksmusik-CD`s zu hören, die Mutter gar nicht liebte. Vater zeigte sich versöhnlich. Ich habe ja Recht, und Mutter solle dann am nächsten Samstag fahren.
    Ich verkürze. Am folgenden Dienstag kam ich mittags früher aus der Schule, saß mit meinen beiden Jüngsten gerade am Mittagstisch, als sich meine Mutter meldete. Vater hatte sich morgens schlecht gefühlt, seine Hausarztin war noch gekommen, wollte ihn in die Klinik schicken. Doch bevor der Krankentransport eintraf, war mein Vater bereits verstorben.
    Sein Alter war ok. Er wurde 81. Ein erfülltes Leben also. Ich weinte erstmal, das darf ein Mann auch mit – damals – 51. Aber irgendwas wollte ich meinen Vater noch mitgeben. Auf der Goldenen Hochzeit ein Jahr zuvor hatte ich den Ortspfarrer kennen gelernt. Den rief ich an und äußerte den Wunsch, mich an der Trauerfeier zu beteiligen. Wir verständigten uns darauf, dass ich mich an der Trauerliturgie für Vater beteiligte. Ich unterrichtete viele Jahre Religion und hatte mal ordentlich Theologie studiert.
    Am Tag seiner Beerdigung fuhr ich mit meinen Kindern morgens in meinen Heimatort. Im Elternhaus hatten sich schon zahlreiche Freunde und Verwandte eingefunden. Wir fuhren zum Friedhof. Ich betrat die Trauerhalle und stand vor dem Sarg meines Vaters. Mich überkam eine unglaubliche Ruhe, ja eine große Gefasstheit. Vor meinem inneren Auge sah ich meinen alten Herrn lächeln und irgendwie hörte ich ihn in mir fragen, ob er das wohl gut gemacht habe. Mein Einsatz in der Trauerfeier war ruhig und klar. Es war alles gut so. Ich wusste ihn in guten Händen.
    Hunderte von Menschen gaben Vater das letzte Geleit, diesem einfachen und kleinen Mann, der für mich ein ganz Großer war.
    Heute hängt sein Bild über meinen Schreibtisch. Darauf lächelt er, und dann halten wir diese geheimnisvolle Zwiesprache. Und in diesen Momenten fühle ich mich ihm sehr nahe. Das ist sehr tröstlich und auch schön.
    Ich wünsche dir sehr, dass sich deine Trauer in eine solche Form liebender Erinnerung verwandeln kann. Deinen Vater hast Du so bei dir. Und Du bist bei ihm.

    Liebe Grüße

    Hans, der sich auch Paperback nennt
    Geändert von Paperback (06.12.2011 um 09:47 Uhr)

  3. #11
    Neuling
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    Bedankte sich ein mal in einem Post.

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    Lieber Kumuma,

    tut mir unheimlich leid, was und wie Du das erlebt hast.
    Mir standen die Tränen in den Augen, als ich Deinen Bericht las.
    Fühl Dich gedrückt !!!

    Vor 5 Jahren habe ich meinen allerbesten Freund mit 38 Jahren verloren. Er hat sich in seinem Haus im Partykeller neben der Discokugel erhängt. Seine Frau hatte ihn verlassen und zwei kleine Kinder aber bei ihm gelassen. Er war äußerlich ein ganz coller Typ, tätoviert, gepierct, Glatze rasiert. Aber innerlich war er ganz weich, herzlich und lieb. Niemand hätte das geahnt. Liebeskummer hatten wir doch alle mal, ist ne schwere Zeit, aber es geht immer weiter. Zum Glück hatte er die Kinder an diesem Abend zu seinen Eltern gebracht und nicht mit in den Tod genommen.
    Ich saß 2 Stunden an seinem offenen Sarg, hatte das Bedürfnis noch mal bei ihm zu sein, zu begreifen, dass er wirklich nicht mehr bei uns ist.
    Er lag da, in ganz normaler Kleidung, gepierct wie eh und je und stand aber nicht wieder auf. Ich habe ihn beschimpft, geweint, angefasst und begriffen, dass er jetzt Ruhe hat. Von da an konnte ich mit dem Begriff "Abschied nehmen" was anfangen.
    Wochenlang habe ich bei Licht geschlafen, ich sah ihn nachts an meinem Bett stehen, er war ganz unruhig. Ich habe mich irgendwann in meinem Bett hingesetzt und ihn angeschriehen...Mensch, Du warst mein bester Freund und jetzt stehst Du hier und machst mir Angst, leg Dich da hin, deck Dich zu und gib Ruhe...ungelogen, ich hatte das Gefühl, er hat das gemacht, total bescheuert, aber ich glaube, er konnte nicht so richtig seine Ruhe finden solange ich ihn nicht losgelassen habe.
    Er wollte mir sagen, zeigen, hör auf, mach Dir nicht so nen Kopf, mir geht es gut hier.
    Heute gehe ich an sein Grab, erzähle ihm in Gedanken meine Probleme und Sorgen und bitte ihn auf mich aufzupassen.
    Ich habe akzeptiert, dass er nicht mehr so da ist, wie ich ihn kenne, aber in einer anderen Weise angenommen. Er ist mein Freund.

    Ich denke, für Dich ist es auch schwer, weil Du Dir im Unterbewußtsein Vorwürfe machst, dass Du nicht in der Nähe warst, um Deiner Mutter beizustehen. Oder schnell was tuen zu können, um Deinem Vater zu helfen.
    Dann konntest Du auch nicht einfach in 5 Minuten zu Hause sein. Du kamst nach Hause und warst vor vollendete Tatsachen gestellt. Trauer dauert und man muss das zulassen und durchleben. Viel darüber sprechen, finde ich ganz wichtig. Zeige Deiner Mum, dass Du für sie da bist. Ich denke, dass ist etwas, was Dein Vater sich, der meiner Meinung nach, immer noch irgendwie bei Euch ist, wünschen wird.
    Man wird sich auch, je älter man wird, immer bewußter, wie schnell und plötzlich es vorbei sein kann und ich denke, dass man seine Lieben, irgendwann wieder um sich hat. Keine Ahnung in welcher Weise und wie das stattfinden soll, aber da ist noch irgendwas.

    Lass Gefühle zu und weine auch einfach mal, wenn Dir danach ist.
    Ich wünsche Euch trotz allem ein schönes Weihnachtsfest.

    Sei lieb gedrückt

    Susely

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