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Thema: Vater-Tochter-Verhältnis (78/58 J) zerbrochen

  1. #9
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    Liebe alteskind,

    man kann wirklich nicht einfach verzeihen. Das ist ein bisschen viel verlangt. Besser ist es, wie Ricarda schrieb, sich gemeinsam mit einem Profi anzuschauen, was dich heute noch so sehr bedrückt.

    Vielleicht bist du dir irgendwo doch unsicher und denkst, du hast wirklich Schuld? Was für eine unglaubliche Wut muss in dir stecken, die du noch nie fühlen durftest. Denn alleine ist das einfach auch nicht zu schaffen, die Gefühle muss man von sich abspalten, damit man leben kann. Aber damit sind sie trotzdem nicht verschwunden. Irgendwann bricht alles wieder auf, falls man es eine zeitlang verdrängen konnte.

    Das ist schon hart, wenn man von seinen Eltern jahrzehntelang schuldig erklärt wird. Für was eigentlich? Ich denke, es gab keinen wirklichen Anlass- einfach so, damit es ihnen besser ging und geht. Einer muss der Sündenbock sein, den man strafen, anschweigen "darf".

    Auch kann man sich in solchen Verhältnissen nicht wirklich von seinen Eltern lösen, denn man fragt sich ständig, habe ich alles getan um ihnen behilflich zu sein? Haben sie recht? Habe ich recht? Durfte ich gehen? Habe ich doch etwas falsch gemacht?

    Alleine ist das kaum zu bewältigen um damit wirklich abschließen zu können, um wieder auf bessere Gedanken zu kommen und sich irgendwann denken zu können, sie haben alles getan, damit es dir gut ging. Mehr war bei ihnen nicht drin. Sie konnten es nicht besser, vielleicht wollten sie es nicht besser machen, vielleicht wuchsen sie selber ähnlich auf- im Krieg wurden sie selbst von ihren Eltern auch für deren Zwecke benutzt und auch verheizt?

    Vielleicht muss deshalb das Kind gestraft werden? Eltern geben schließlich weiter...
    Aber auch das Wissen darum, falls es ähnlich war, schmerzt fürchterlich, ist keine Entschuldigung.

    Ich wünsche dir gute Besserung!

  2. #10
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    Zitat Zitat von Ricarda66 Beitrag anzeigen
    Hallo Alteskind,

    Das ich verzeihen soll habe ich auch oft gehört, ironischerweise von meinen Eltern, das es nur für mich wichtig wäre damit es mir besser geht. Ähnlich wie ich es hier in deinem Thread auch gelesen habe.

    Alice Miller, eine bekannte Psychologin spricht von der Vergebungsfalle. Also das genaue Gegenteil von verzeihen ist notwendig.

    Vergebung ist keineswegs der einzige Weg selber wieder in Frieden mit sich zu kommen. Auch Therapie zielt nicht notwendig auf Verzeihen ab.

    Vielleicht kann es irgendwann kommen, aber es ist nicht der Weg das du deinen Frieden findest dafür ist es erstmal notwendig all deine Gefühle die solange nicht gefühlt werden konnten, zum Beispiel Wut etc., zu fühlen, dabei ist verzeihen eher störend.

    LG Ricarda

    Das mir dem Verzeihen habe ich bis jetzt nur von Menschen gehört die solche Verletzungen nicht aus eigener Erfahrung kennen oder von Menschen die davon selber profitieren wollen, sonst eher nicht, wie gesagt Psychologen sehen das anders.
    Ja, das sehe ich auch so. Zu verzeihen steht am Ende des Prozesses, vorher kommt die Erkenntnis, dass man eben nicht verantwortlich ist. Und das macht wütend, (wie ich allerdings aus eigener Erfahrung sagen kann.) Wenn ich mich mit dem Versuch zu verzeihen selber blockiert hätte, wäre ich dort nicht angelangt, es gibt immer noch einige Aspekte, die ich an meinen Eltern nicht verstehe und wütend sein lassen.. Aber als ich in meiner Wut an Verzeihen gedacht habe, konnte ich irgendwann ein Gefühl der Wärme und vielleicht auch ein gewisses Mitleid empfinden, dadurch relativierte sich emotional einiges. Ich sah mich irgendwann nicht mehr als alleiniges Opfer dieser Situation. Aber es stimmt wohl, das Verzeihen ist etwas vorgegriffen.
    Außerdem will ich meinen Blick gegenüber meinen Kindern nicht verlieren, jetzt selber meine Verantwortung zu haben. Ihnen mit den Fehlern meiner Eltern zu begegnen, will ich vermeiden. Ich mache vieles besser, hoffe ich. Zumindest bin ich offen für jede Kritik der Kinder an mich, um daraus zu lernen. Kam aber bisher nicht viel zum Glück .
    Geändert von Blase (04.01.2017 um 07:38 Uhr)

  3. #11
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    Zitat Zitat von alteskind Beitrag anzeigen
    Danke, Ricarda, deine Worte tun gut. Ich habe oft ein schlechtes Gewissen, dass ich eben nicht verzeihen kann - ein Teufelskreis eben. Hast du einen Literaturtip von Alice Miller?
    Liebe Grüße !
    Hallo Alteskind,

    Ich finde deinen Nick sehr passend er gibt gut deine aktuelle Situation wieder irgendwie spiegelt er deine Situation. Du bist älter geworden aber irgendwie immer noch in der Kindrolle gefangen das du letztendlich zu deinem Vater gefahren bist und er dich mit Missachtung gestraft hat das war das Kind in dir, das Kind das wieder auf den Vater zugeht und ein Vater der Psychoterrror betreibt seine Macht auspielt denn die Kommunikation komplett zu unterbinden ist nichts anderes, das muss sich niemand antun, Kinder allerdings schon, die können ja nicht einfach weg, ihr Überleben hängt von den Eltern ab.

    Zu Alice Miller, du kannst ja auch mal Vergebungsfalle googeln da kommt auch schon einiges gutes. Ein Einstieg in Alice Miller ist "das Drama des begabten Kindes" wobei ich nicht weis ob es da drin steht mit der Vergebungsfalle. Ich hab auch mal hier und da was gelesen von ihr. Für mich stand allerdings meine ganz persönliche Aufarbeitung in der
    Therapie im Vordergrund, etwas was auch Ringelblume ansprach.

    Du schreibst du hast eine Gespächstherapie gemacht, die meisten Therapien sind ja im Gespröch, das ist eher ein Oberbegriff mir ging es eher darum ob es eine Verhaltenstherapie war oder eine Psychotherapie die tiefer ging. Du schreibst die Therapie hat sind dazu gebracht zu deinem Vater zu fahren, magst du das erläutern? Wurde dir dazu geraten?

    Zum Vergeben alleine könnte man denke ich einen eigenen Thread aufmachen. Was heist Vergeben überhaupt? Ich denke da fängt es schon an. Für meine Eltern hies es ich soll das alte ruhen lassen, ich soll sie so weiter machen lassen und jedes mal wenn sie mich missbrauchen, dann soll ich verzeihen, weil sie können ja nicht anders. So geht das nicht.
    Ich kann mit dem Begriff sowieso nicht so viel anfangen in dem Zusammenhang, aber das ist auch meine Geschichte. Es gibt ja viele Geschichten wo es gutes und schlechtes gibt zwischen Eltern und Kindern, da ist es auch wichtig beides zu sehen. Es ist sowieso immer wichtig alles zu sehen. In meiner Therapie habe ich leider nichts gutes gefunden, immer mehr schlechtes kam hoch ohne positives ohne Gegengewicht. Da war ganz viel Leid, Wut und Trauer. Auch Verständnis für meine Eltern, ich würde auch gerne noch mehr von ihnen und ihrer Jugend hören um sie noch besser verstehen zu können, was ich nicht mehr möchte ist stellvertretend abgestraft zu werden. Das ist auch nicht der Sinn von Vergebung da immer wieder die andere Backe hinzuhalten. Ich bin mir sicher meine Eltern sind schwer traumatisiert und haben selber viel Leid erfahren das kann ich verstehen. Daraus leitet sich aber nicht das Recht ab das an mich weiterzugeben und weil ich weis so es herkommt muss ich das hinnehmen. Weil ich weis wo es herkommt kann ich es verstehen aber hinnehmen muss ich gar nichts, das musste ich als Kind.

    Denn genau das ist ja die Krux wenn ich weiter in der Kindrolle bleibe das missbrauchende Verhalten hinnehme und entschuldige mit so konnten halt nicht anders, dann ist die Gefahr sehr hoch es an meine Kinder weiter zu geben. Weil ich meine eignen Gefühle leugnen muss um das zu können.

    Ich finde Loslassen das für mich passende Wort. Die Eltern loslassen die Kindrolle loslassen.

    LG

  4. #12
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    Wenn man von Schuld spricht, finde ich es immer hilfreich, sich in Gedanken einen Gerichtssaal vorzustellen... Auf der einen Seite sitzt Person A mit vielen Anwälten, Unterstützern und Fürsprechern. Auf der anderen Seite sitzt Person B ganz alleine.

    Eine solche Verhandlung wäre (zumindest in unserem Rechtsverständnis) undenkbar. Nach unserem Rechtsverständnis müssen a) beide Parteien gehört werden b) beide Parteien eine Verteidigung haben und c) haben beide Parteien das Recht, dass bei der Verhandlung nicht nur Dinge zur Sprache kommen, die gegen sie sprechen, sondern auch Dinge, die für sie sprechen.

    Es hat seinen Grund, dass das in unserem Rechtsverständnis so geregelt ist. Nur auf diese Weise ist es möglich, sich der Schuldfrage zu nähern. Das muss gewährleistet sein, denn andernfalls wäre weder die Klärung der Schuld möglich, noch eine Ahnung der Schuld oder eine Vergebung.

    Wenn man es anders macht, ist nur die Anklage möglich und die würde niemals enden. Die Folge sieht so aus: Person B bleibt der Anklage zunehmend fern, denn er weiß schon vorher, was da gesagt wird. Die Anklage wird ihm darauf hin schriftlich zugestellt. Er liest sie aber nicht, denn er weiß ja, was drin steht.

    Es sieht so aus, als sei genau dieser Fall eingetreten.
    Geändert von Arbeiter (04.01.2017 um 12:29 Uhr)

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