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Thema: Vater-Tochter-Verhältnis (78/58 J) zerbrochen

  1. #1
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    Standard Vater-Tochter-Verhältnis (78/58 J) zerbrochen

    Hallo,

    mich plagt schon lange unserer Familiensituation.
    Ich bin Einzelkind und 58 Jahre alt. Meine Eltern waren immer selbständig und haben sehr viel gearbeitet. Sie kommen aus den neuen Bundesländern, aber bereits vor dem Mauerbau in den Westen gegangen, um sich ein gutes Leben aufzubauen. Zur übrigen Verwandtschaft (Großeltern, Onkel, Tanten etc.) hatte ich 30 Jahre kaum Kontakt, da alle in der DDR lebten. Materiell war ich nicht besonders verwöhnt, musste aber auch nichts vermissen.

    Was ich vermisst habe, war schon von klein auf ein richtiges Familienleben. Die Arbeit ging immer vor. Schon früh war meine Mithilfe gefordert (Gastronomie), so dass meine Freizeit begrenzt war. Z.B. musste ich auf eine Klassenreise verzichten, weil ich im Familienbetrieb helfen musste. Damals fand ich das nicht so schlimm, aber es war ein kleiner Mosaikstein in meinem weiteren Leben.
    Besonders mein Vater hatte und hat genaue Vorstellungen, was zu tun ist, wie man sein muss, und er ist es, der sagt, was richtig oder falsch ist. Wenn ich - schon als Kind - mir "etwas zu Schulden" kommen ließ, reagierte er mit tage- oder wochenlangem Schweigen. Solange, bis ich es nicht mehr aushielt und Entschuldigungszettel auf sein Kopfkissen legte.
    Während meiner Ausbildung fuhr ich jedes Wochenende heim, um im Betrieb zu helfen. Als ich ihnen mitteilte, dass ich nur noch alle 2 Wochen käme, weil ich auch etwas Freizeit haben möchte, war mehr als ein Jahr Funkstille - kein Kontakt zu meinen Eltern.
    Mein Freund und späterer Mann war ihm nicht recht, er sprach kaum mit ihm. Zu unserer Hochzeit kamen meine Eltern nicht, weil sie das Lokal nicht schließen konnten.
    Viele derartige Kränkungen folgten. Als ich ihm vor 10 Jahren einmal Kontra gab, folgten wieder fast 2 Schweigejahre. Seine Enkelin schweigt er an, weil sie eine andere politische Meinung hat.
    Jedes Treffen zwischen uns wurde zu einer Tortur und endete oft im Streit.
    Im vergangenen Jahr nun habe ich mich hingesetzt und meinem Vater geschrieben (Reden geht ja nicht). Habe alles geschrieben, was mich bewegt und dass ich so nicht mehr weitermachen will. Habe mir achtsameren Umgang gewünscht und ihn gebeten, auch sein Verhalten zu reflektieren, ein Gespräch angeboten.

    Es kam, was kommen musste - er will nun gar nichts mehr von mir wissen. Ich hatte es geahnt, konnte aber nicht so weiter machen. Inzwischen telefoniere ich gelegentlich mit meiner Mutter, hab ihm zum Geburtstag gratuliert, zu Weihnachten angerufen. Ich habe nochmal geschrieben, und zu guter Letzt bin ich sogar hingefahren (700km), nachdem mir meine Mutter sagte, das sei ok.
    Nach zwei Stunden bin ich frustriert und ergebnislos wieder abgezogen - er hat mich einfach ignoriert.

    Und jetzt weiß ich nicht mehr weiter, fühle mich psychisch am Ende. Mein Mann, der mich sehr unterstützt, leidet inzwischen auch unter meinem "Trübsinn". Eine Psychotherapie habe ich übrigens bereits hinter mir und nehme seit 2008 Citalopram.

    Vielleicht hat jemand ähnliches erlebt und einen Tipp, wie ich aus dem Loch wieder rauskomme oder wie ich für mich mit der Situation weiter umgehen kann. Ich mache mir keine Hoffnungen, dass sich mein Vater auf mich zubewegt. Und ICH will mich nicht mehr bewegen, denn dazu wäre ein Schuldanerkenntnis, eine Entschuldigung erforderlich. Das habe ich nun 50 Jahre lang immer wieder gemacht, ohne "schuldig" oder zumindest ohne allein sschuldig zu sein.

    Ich freue mich über eure Meinungen!

    Danke und Grüße,

    alteskind

  2. #2
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    Hallo alteskind,

    Ich erkenne sehr sehr viel wieder, mein Vater es ganz ähnlich. Entweder es geht wie er es sagt und sieht oder eben nicht, man fliegt raus aus dem System, ist auch bei mir so. Spannend finde ich das gerne behauptet wird die Kinder haben den Kontakt abgebrochen, nur weil sie eine Meinung haben und sich nicht mehr brechen lassen, aber das ist ein anders Thema.

    Du schreibst du hast schon eine Psychotherapie gemacht, was war das für eine Art der Psychotherapie? Es gibt ja ganz unterschiedliche.

    Das Loch was du beschreibst kenne ich auch, es klingt für mich so als wenn du einfach noch nicht alles verarbeitet hast, was ja auch verständlich ist, so eine Kindheit verarbeitet sich nicht so einfach, da ist viel viel Leid.

    LG

  3. #3
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    Wichtig wäre zu erkennen, was Du noch von Deinen Eltern erwartest und das Du es wohl abschreiben musst. Deine Eltern haben in Dir ein schlechtes Gewissen ihnen gegenüber angelegt und das zu eliminieren ist nun Deine Aufgabe. Es liegt an Dir und Deine Eltern werden das Erbe nicht revidieren, noch Dir darin in anderer Weise behilflich sein. Erkenne ihre Schwäche, akzeptiere sie und vergib ihnen. Du bist erwachsener, als sie es je waren.

  4. #4
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    Hallo alteskind,

    es gibt leider so viele Menschen, die einer liebevollen Beziehung nicht trauen und vor dem eigenen Minderwertigkeitsgefühl und der damit verbundenen Angst ihr Leben lang davon laufen. Irgendwann entwickeln sie Strategien, die ein Beziehung für sie "greifbarer" macht, mit deren Hilfe sie mehr Einfluss nehmen können und sich der Illusion hingeben können, dass sie "alles im Griff" haben. Im Umgang mit Kindern ist das von Dir bei Deinem Vater beschriebene Verhalten verheerend. Dieses "Man kann Dich nur lieben, wenn Du so bist, wie ich das will" und die damit verbundene Bestrafung durch Liebesentzug führt bei einem Kind zu einer seelischen Abhängigkeit, zu einem mangelnden Selbstwert und der Erkenntnis, nie genug zu sein, nie wirklich liebenswert zu sein. Dieses Tot-Schweigen ist nichts anderes, als emotionale Erpressung, um Deine Gefolgschaft zu sichern.

    Es ist sehr schmerzhaft und manchmal auch langwierig, sich von diesem "Tropf" zu lösen. Einem verdurstenden Menschen zu sagen, dass er die letzten beiden Schluck Wasser wegschütten sollte, um neues Wasser zu finden, klingt absurd. Aber genau das ist Dein Weg. Was Dein Vater über Dich denkt oder warum er diese "Strategie" anwendet, ist für Dich im Grunde unerheblich. Ja, um dieses Dilemma aufzulösen, brauchst Du Deinen Vater nicht. Ohne ihm einen bösen Willen zu unterstellen: er hat sein Bestes gegeben. Auch wenn das entschieden zu wenig war. Sieh es, als das, was es war: er hat Dich seit Deiner Kindheit emotional am Hungertuch nagen lassen. Kinder sehnen sich nach Aufmerksamkeit und Zuneigung und verschenken diese beiden Schätze im Überfluss. Emotional gestörte Erwachsene beuten Kinder aus, in dem sie sich ihre Lebensfreude, ihr Vertrauen und ihre Aufmerksamkeit "ans Revers heften", wie ein Blume. Kinder sparen ihre Liebe nicht auf und sind einfach großzügig. Sich Deiner großzügigen Zuneigung und auch Deine Arbeitskraft zu sichern war sein Ziel, weil er selbst wahrscheinlich in seiner Kindheit das selbe erfahren hat und dadurch innerlich verarmt ist.

    Der Punkt ist: als erwachsener Mensch kannst Du erkennen, dass nur DU ihm diese Macht gibst. In dem Moment, in dem Du Deinen Hunger nach seiner Anerkennung und Zuneigung nicht mehr durch ihn stillen lassen willst, verliert er die Kontrolle. Sieh ihn als das, was er ist: ein einsamer und furchtsamer Mensch, der in seinem eigenen Denksystem gefangen ist, durch sich selbst dazu verdammt, dieser inneren Kälte nicht entfliehen zu können und andere schamlos auszunutzen.

    Nein, ich will ihn nicht entschuldigen. Du musst Deine Bedürftigkeit sehen und mit ihr umgehen lernen. Wut und Trauer über das Geschehene solltest Du nicht länger verdrängen, aber Dein Vater ist dafür nicht der richtige Ansprechpartner. Vielleicht holst Du Dir therapeutische Unterstützung, liest Artikel und Bücher zu diesem Thema, redest mit Freunden, bewegst dies alles immer wieder in Deinem Herzen. Aber Du wirst auch Deiner berechtigten und unbändigen Wut eine Ausdrucksmöglichkeit geben müssen und dabei ist es nicht mit einem halbstündigen Gespräch getan. Erkenne diese Mechanismen, damit Du sie nicht ebenfalls in nur abgewandelter Form weiter gibst. Das passiert sehr schnell.

    Und zu guter Letzt solltest Du Deinem Vater irgendwann vergeben. Nicht wegen ihm, sondern wegen Dir. Weil Du über diese schlimmen Jahre hinausgewachsen bist. Du wirst diesen Zeitpunkt erkennen, an dem Du ihn und diese Zeit von ganzem Herzen loslassen kannst.

  5. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei GrayBear für den sinnvollen Beitrag:

    Blase (02.01.2017),cats50 (30.12.2016)

  6. #5
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    Ich habe es glücklicherweise nicht erlebt, aber ich sehe mal wieder, wie groß der seelische Einfluss der Eltern auf ihr Kind ist. Vor allem, wenn die Anerkennung als Spielball oder Karte genutzt wird, um das Kind "gefügig" zu machen. Du schilderst einen Missbrauch der übelsten Art, die dein Vater mit dir betrieben hat. Er hat es nicht im geringsten verdient, deine Liebe zu bekommen. Aber wie es oft so ist, egal wie sehr die Eltern ihr Kind seelisch maltretieren, es hat doch immer eine Bindung zu den Eltern.

    Ich glaube, die einzige Möglichkeit (oder eine Möglichkeit) ist es, zu verstehen warum dein Vater so ist, wie er ist. Wie er selber groß werden musste, was er bei seinen Eltern vermissen musste. Vielleicht weisst Du das ja alles, aber das könnte dir helfen ihm zu verzeihen und ihm auch Anteile einer Unschuld zu geben (die allerdings nur die Generation vor deinem Vater trägt). Deine Mutter halte ich ebenfalls für ein Opfer dieser Beziehung mit deinem despotischem Vater.
    Ob er dir verzeiht, oder dazu überhaupt fähig ist, ist allerdings zweitrangig. Wichtiger ist es, wie es dir bei der Sache geht. Ich glaube tatsächlich, es geht in erster Linie darum ihm zu verzeihen, wie andersherum. Ob er jemals aus seinem Muster austreten kann, würde ich nicht vermuten.

  7. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Blase für den sinnvollen Beitrag:

    cats50 (02.01.2017)

  8. #6
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    Vielen Dank euch allen! Dass ich ihm verzeihen soll, sagt mir mein Mann auch immer. Leider ist das nicht leicht, wie ihr sicher wisst und versteht.
    Ich versuche mein Leben zu leben, ohne mir ständig Gedanken zu machen- das gelingt, soweit sich nicht wieder irgendetwas ereignet. An Neujahr habe ich angerufen, aber niemanden erreicht. Rückruf kam nicht, obwohl ich eine Nachricht hinterlassen hatte.
    Meine Therapie war übrigens eine Gesprächstherapie. Sie war zumindest teilweise Auslöser dafür, dass ich meinem Vater überhaupt geschrieben habe. Vielleicht war das ein Fehler.

    Danke für eure Kommentare und einen guten Start ins neue Jahr!

  9. #7
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    Hallo Alteskind,

    Das ich verzeihen soll habe ich auch oft gehört, ironischerweise von meinen Eltern, das es nur für mich wichtig wäre damit es mir besser geht. Ähnlich wie ich es hier in deinem Thread auch gelesen habe.

    Alice Miller, eine bekannte Psychologin spricht von der Vergebungsfalle. Also das genaue Gegenteil von verzeihen ist notwendig.

    Vergebung ist keineswegs der einzige Weg selber wieder in Frieden mit sich zu kommen. Auch Therapie zielt nicht notwendig auf Verzeihen ab.

    Vielleicht kann es irgendwann kommen, aber es ist nicht der Weg das du deinen Frieden findest dafür ist es erstmal notwendig all deine Gefühle die solange nicht gefühlt werden konnten, zum Beispiel Wut etc., zu fühlen, dabei ist verzeihen eher störend.

    LG Ricarda

    Das mir dem Verzeihen habe ich bis jetzt nur von Menschen gehört die solche Verletzungen nicht aus eigener Erfahrung kennen oder von Menschen die davon selber profitieren wollen, sonst eher nicht, wie gesagt Psychologen sehen das anders.

  10. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Ricarda66 für den sinnvollen Beitrag:

    Blase (04.01.2017)

  11. #8
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    Danke, Ricarda, deine Worte tun gut. Ich habe oft ein schlechtes Gewissen, dass ich eben nicht verzeihen kann - ein Teufelskreis eben. Hast du einen Literaturtip von Alice Miller?
    Liebe Grüße !

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