Hiho.
Also, zunächst die Hintergrundgeschichte: Ich bin Autistin, deshalb sehr unsicher was alles soziale angeht, verschlossen, komme angeblich arrogant und abweisend rüber. Außerdem habe ich völlig verschiedene Interessen im Vergleich mit den meisten Mitmenschen und fühle mich, als lebte ich in einer ganz anderen Gefühlswelt. Deshalb (und weil mein Aussehen mir früher recht egal war- ich war nicht hässlich oder so, aber halt äußerlich "unangepasst") wurde ich seit ich in die erste Klasse gekommen bin bis durch zur 10. Klasse ständig gemobbt. Nicht so, dass ich verprügelt oder öffentlich vorgeführt wurde, aber ich hatte nie wirklich Freunde, wurde immer außen vorgelassen (die Geschichte mit "als letzter in die Mannschaft gewählt werden".) Niemand wollte freiwillig mit mir Gruppenarbeit machen, und dann halt das Gelästere hinter dem Rücken.
Ich habe mir dafür immer selbst die Schuld gegeben und gedacht, ich wäre halt nicht "cool" genug oder müsste mir einfach mehr Mühe geben. Ich habe meinen Eltern mehrmals erzählt, dass ich darunter leide, aber da ja nichts wirklich vorgefallen war (also ich nicht verprügelt wurde oder so), meinten die nur ich würde mir das alles einbilden oder das wäre eben einfach so.
Als ich dann zum Beginn der elften Klasse auf eine andere Schule wechselte, war ich eigentlich psychisch ein Wrack (vor allem durch einen Todesfall in der Familie eine Woche vorher), habe es aber trotzdem irgendwie recht schnell geschafft, Freunde zu finden und hatte auch insgesamt zu allen in der Klasse einen sehr guten Draht. Früher war es manchmal so, dass ich mit manchen Leuten in der Klasse noch nie ein Wort gewechselt hatte, aber nun wurde ich allgemein als zwar wohl etwas "seltsam", aber liebenswürdig akzeptiert. Obwohl ich auch diesmal keine wirklich engen Freunde bekam, konnte ich ganz ungezwungen mit allen plaudern und wurde allgemein gemocht, was für mich so unerwartet und schön war, dass ich zu Hause manchmal vor Freude weinen musste. Leider war die Zeit mit diesen Leuten dann nach 3 Jahren durch das Abitur wieder beendet. Ich kann tatsächlich sagen, dass diese Zeit mein Selbstwertgefühl ein klein Bisschen erhöht hat- weil ich jetzt halt weiß, dass ich durchaus sozial akzeptiert werden kann- aber wenn ich daran denke, dass ich Anfang Oktober wieder in ein neues Schulumfeld komme durch ein Studium wird mir manchmal fast schlecht vor Angst. Ich glaube, gerade durch diese sehr positiven 3 Jahre könnte ich es nicht ertragen, wenn ich wieder gemobbt bzw. ausgegrenzt werden würde. Auch sonst bin ich in sozialen Situationen noch sehr unsicher. Seltsamerweise gilt das nicht so sehr für Situationen wie zB. fremden Menschen vorgestellt zu werden, sondern eher für sowas, wenn ich zB mit dem Fahrrad fahre und fremden Menschen dabei entgegenkomme. Ich kann kaum Augenkontakt halten, weiß nicht ob ich grüßen soll oder nicht, muss ständig prüfen ob Klamotten und Haare noch "richtig sitzen" und ob eventuell irgendwas an mir komisch aussehen könnte. Ich habe ständig Angst, dass jemand mich wegen meines Verhaltens oder Aussehens auslachen oder auch nur komisch angucken könnte. Wenn ich telefonieren soll, bricht mir der kalte Schweiß aus. Wenn es geht drücke ich mich darum, indem ich emails schreibe oder nicht unbedingt nötige Anrufe halt nicht tätige, aber wenn nicht kann ich das ganze nur durch gutes Zureden oder vorher aufgeschriebene Notizen schaffen und selbst dann stottere ich teilweise oder antworte auf unerwartete Fragen viel zu langsam und oft auch falsch. Ich mache mir sogar Gedanken darum, ob jemand am Telefon meine Begrüßung vielleicht irgendwie seltsam finden könnte.
Das klingt jetzt alles sehr dramatisch und so, als hätte ich im normalen Leben ständig Angstanfälle. So schlimm ist es nicht. Aber ich wünsche mir trotzdem ein gesundes Selbstbewusstsein und die Fähigkeit, auf soziale Situationen einfach mal ganz gelassen zu reagieren. Zu oft habe ich durch meine Zurückhaltung schon Chancen verpasst, Freunde verloren oder schlicht und einfach einen unbeholfenen Eindruck gemacht. Leider habe ich so die Ahnung, dass man das ganze nur mit einer umfassenden Therapie richten könnte, da müsste ich es allerdings meiner Mutter beichten... versteht mich nicht falsch, ich verstehe mich manchmal richtig gut mit ihr und sie versucht wohl auch im Prinzip mich zu unterstützen. Allerdings hat sie die emotionale Einfühlungsfähigkeit eines Schaufelbaggers und sieht solche sozialen Ängste als Einbildung oder persönliches Versagen meinerseits und hat dann auch kein Problem damit, darauf immer wieder rumzureiten. Sie versteht mich was viele Sachen angeht einfach tatsächlich nicht und weiß dann auch nicht, welche Reaktion ich jetzt von ihr erwarte.
Also. Ich bin für alle Antworten offen. Hattet ihr soetwas selbst und habt es geschafft, eure Schüchternheit zu überwinden? Oder was schlagt ihr mir vor?


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren

Lesezeichen