Hallo Okula,
ist wirklich eine vertrackte Situation ...
Ich hoffe nicht, dass es jetzt wie eine Stereotype klingt, die ich in solchen Momenten gerne anbringe ...
... aber mir fällt hierbei immer wieder das Bild der verschiedenen Anteile ein, die immer dann zum Tragen kommen, wenn Menschen in Konflikte geraten:
Meine, Deine, Unsere ...
Jeder bringt seine eigene Vergangenheit, seine eigenen Erfahrungen, seine ganz persönlichen Stärken und Defizite mit ein: soetwas wie "Päckchen, die es zu tragen gilt.
Das, das das ganz persönliche ist, das nur mit einem selbst und dem zu tun hat, was in der eigenen Biographie begründet ist: dieses Päckchen muss jeder selbst tragen (das Mein trage ich, das Dein der Gegenüber).
Man kann sich ja gegenseitig helfen, sich dabei gegenseitig stützen, vielleicht sogar, dem anderen kurzzeitig (vorübergehend!) einen Teil abnehmen, damit er wieder mehr Kraft schöpfen kann - aber dann muss er es wieder selbst schultern.
Achtsamkeit für sich selbst, sich um sich selbst sorgen, sich um seine wichtigen und unverzichtbaren Bedürfnisse kümmern ... um so auch eine stabile eigene Basis finden und bewahren zu können, ohne die ein Zusammen auf gleicher Augenhöhe, als gleichberechtigt Partner, auf Dauer nicht möglich ist.
Auch wenn viele glauben, dies wäre unfair, egoistisch: ist es eben nicht!
Erst mit dieser sicheren Basis im Hintergrund kann man dann eigentlich erst an den Unser-Teil der Anteile gehen: an das, was sich an Dingen aus dem Zusammenspiel mit dem Gegenüber erst ergibt und an dem beide Seiten "beteiligt" sind.
Das wäre dann der Versuch, ihr Päckchen mit zu tragen, es zu "übernehmen" ...Für UNS würde ich eine Therapie jedoch machen.
In einer Therapie kannst Du nun mal nur Deine eigenen Anteile aufarbeiten. Dazu gehört zwar auch Deine Sicht der/auf die Anteile des Partners - aber diese für ihn (an seiner Stelle) anzugehen, ist nicht Deine Aufgabe.
Sie würde daher auch nur dann Sinn machen, wenn Du selbst durch die aktuelle Situation aus dem Ruder zu laufen beginnst - als Deine Therapie, die Du für Dich machst ...
Es geht da auch nicht um ein "entweder-oder", um ein "wenn Du das nicht machst, dann ..." oder darum, gleich über Trennung zu entscheiden.
Es geht um den Boden unter den eigenen Füßen, der es einem erst ermöglichst, über eine Sache differenziert nachdenken und sich entsprechende Gedanken darüber machen zu können, wo es Raum für "Zugeständnisse" geben könnte und wo Grenzen nicht nur gezogen, sondern auch eingehalten werden müssen.
Eine gesunde Distanz zu dem Problem selbst und zu dem, was da alles mit ihm zusammenhängt oder in es hineinspielt.
Einen Weg hast Du ja hierfür schon aufgezeigt: mache etwas, das Dir Spaß macht, das Dich "ablenkt" und Dir in diesem Moment die Chance gibt, Dich auf Dich selbst und Dein "Wohlbefinden" zu konzentrieren. Mache es für Dich, nur für Dich - und ohne Deine Freundin.
Zeit und Gelegenheit für gemeinsame Aktivitäten bleibt ja immer noch genügend - und die könnt ihr auch weiterhin nutzen.
Darf ich fragen, welche Dinge dies denn wären?Und vor manchen dingen habe ich Angst sie zu Verändern.


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