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So weit ich mich zurückerinnern kann, lebten meine Eltern in einer Streitehe.
Ich denke meine Mutter war mit ihrem Leben einfach unzufrieden und musste ihre Wut an ihrer Familie auslassen.
Mein Vater wollte schon gar nicht mehr von der Arbeit nach Hause kommen, er hat freiwillig überstunden gemacht.
Meine Mutter hat mir von ganz klein auf an schon verboten zu reden, wenn sie Besuch hatte, weil ich gestottert hab. Und wenn ich dann mal was gesagt habe wurde sie Handgreiflich.
Daraus folgte, das ich nie etwas sagte, weder zuhause, noch in der Schule. Ich hatte keine Freunde und immer wenn mich jemand angesprochen hat, hatte ich so angst das ich weggerannt bin oder geweint hatte. Als ich älter wurde bin ich jedem Gespräch aus dem Weg gegangen, ich hatte nur mein Hund, er war seit meinem 9. Lebensjahr für mich da.
In meiner Jugend dachte ich täglich an selbstmord.
Ich dachte, das Leben ist so, es wird niemals einen Grund geben zu lachen oder fröhlich zu sein.
Ich habe mir fest vorgenommen, wenn mein Hund nicht mehr da ist bring ich mich um.
Meine Mutter hat von morgens bis abends geschrien.
Sie hat ihren Küchenmülleimer auf meinem Bett ausgekippt, ich war Schuld wenn mein Vater mal wieder überstunden gemacht hat und schon morgens vor der Schule musste ich staubsaugen oder sonstige Hausarbeit machen. Das ich zu spät zur Schule kam war ihr egal.
Wenn ich krank war durfte ich nicht im Bett liegen und schlafen. Entweder sollte ich zur Schule gehen, vorher jedoch den Haushalt machen, oder ich mach den ganzen Tag den Haushalt für eine Großfamilie.
Mit 40 Grad Fieber musste ich Getränke schleppen.
Wenn meine Mutter etwas fragte musste ich immer "ja" sagen.
Bist du dumm? Ja
Wirst du immer dumm bleiben? Ja
Bist du Schuld das dein Vater auf der Arbeit Alkohol trinkt? Ja
Bedienst du mich während ich auf der Couch die Sendung im Fernsehen anschau? Ja
Diese und weitere Fragen kamen nicht als Fragen aus ihrem Mund, sie hat sie mir ins Gesicht geschrien.
Bis ich 19 war, wusste ich nicht das es ein Himmel gibt, ich bin immer nur auf den Boden guckend durch die Straßen gelaufen.
Als ich mit der Schule fertig war und mein Selbstwertgefühl so weit gesunken war, das ich nur noch "ja" gesagt habe (sogar als ein Schaffner im Zug fragte ob ich am Bahnhof xy eingestiegen bin, und ich mit der Antwort "ja" gelogen habe und mich selbst in die Sch... geritten hab), musste ich mir einen Ausbildungsplatz suchen. In meinem Zustand war das unmöglich und trotzdem bekam ich gelegentlich Einladungen zu Vorstellungsgesprächen. Jedes mal wenn ich gerade los gehen wollte kam meine Mutter an und fragte: wo gehst du hin? Zum Vorstellungsgespräch.
Dann kamen von ihr die Fragen auf die ich immer so beantwortet habe wie sie es hören wollte:
Glaubst du wirklich das die dich haben wollen? Nein
Meinst du nicht das du zu dumm für diese Firma bist? Ja
Denkst du nicht auch so wie ich das du sogar zu dumm bist um einen Job als Putze zu bekommen? Ja
Du bist ein so dummes Kind, du wirst es nie zu etwas bringen, keiner will dich, keiner mag dich, warum lebst du überhaupt? Weiß ich nicht
Einmal hat sie sich dafür entschuldigt und mir eine Handtasche geschenkt, die sie geschenkt bekam und nicht mochte.
Ich bin jedes mal heulend zu den Vorstellungsgesprächen.
Das war die schlimmste Zeit in meinem Leben, aber ich wollte nicht das mein Hund in dieser schrecklichen Welt alleine sein muss.
Ich hätte mich umgebracht wenn er nicht gewesen wäre.
Irgendwann habe ich es geschafft einen Freund zu haben und als meine Mutter davon erfahren hatte, hat sie gesagt: Entweder du holst dir die Pille, oder ich sorge dafür das ihr euch trennt.
Ich wollte kein Sex, ich war noch nicht soweit (mit 18 Jahren), ich mochte den Typ nichtmal, ich wollte nur irgendwo dazu gehören.
Ein Jahr später war es aus und ich habe jemand anderes kennengelernt.
Ab dann begann sich mein Leben grundlegend zu ändern.
Ich bin jeden Abend von zuhause abgehaun und bis morgens weg geblieben, dann schlich ich mich nach Hause und hab mich ins Bett gelegt.
Meine Mutter stand früh auf und stritt schon mit meinem Vater. Als er weg war hat sie mich aus dem Bett geschmissen und mit mir weiter gemacht.
Nachdem ich Wochenlang jeden Abend von Zuhause abgehaun bin und morgens wieder hin, ging es mir besser, mein Freund hat mich aufgebaut und gezeigt dass das Leben nicht so schlimm ist.
An einem Tag hat meine Mutter sich so heftig mit meinem Vater gestritten, das er einfach ging. Sie kam dann in mein Zimmer und sagte zu mir:
Pack deine Sachen, heute Abend komm ich wieder und dann möchte ich dich hier nicht mehr sehen, nie wieder !!!
Ich hab meinem Freund über ICQ geschrieben was gerade passierte, und er sagte: Komm her, du kannst bei mir wohnen.
Mit so was hab ich nicht gerechnet, denn wir waren gerade mal ein Monat zusammen.
Ich hab mir ein paar Sachen eingepackt, dann kam mein Vater und ich sagte ihm was passiert ist. Er sagte, bleib, ich rede mit ihr. Ich wollte das nicht, denn das war eine Chance endlich mal Leben zu lernen und aus dem Horror entfliehen zu können.
Ich habe mich von meinem Geschwistern und von meinem Hund verabschiedet.
Meine Mutter hat überall rumerzählt ich wäre weggelaufen und sie hat versucht mich aufzuhalten.
Ich bin nunmal das böse dumme Mädchen.
Mein Leben wurde besser, es hat sehr lange gedauert weil mein selbstbewusstsein total zerstört war und ich mich nicht getraut habe mit jemandem zu reden. Ich hab mich auch nicht getraut professionelle Hilfe zu holen, was ich zu der Zeit gebraucht hätte.
Dank diesem Freund entkam ich der Hölle und habe Leben gelernt. Allerdings hat die Beziehung leider nur fast 6 Jahre gehalten.
Zu meiner Mutter ist wieder Kontakt, von meiner Seite her sehr oberflächig.
Nun seit ich ein Baby habe schreibt sie mich immer an: Wann kommt IHR, ich vermisse EUCH so.
Es hat sie nie gestört das ich in ihrem Leben nicht war, ich war das schwarze Schaf. Immer hatte sie was an mir zu meckern.
Jetzt ist ihr mein Kind das wichtigste. Sie tut manchmal so als wenn ich ihr was bedeute, aber ich weiß das es nicht so ist.
Das muss ich immer wieder spüren wenn ich mal Sorgen habe und mit ihr reden möchte. Sie wechselt immer das Thema und alles dreht sich nur um sie.
Sie versucht immernoch mich einzuschüchtern mit solchen Sätzen wie:
Du hast dein Baby total verzogen.
Du musst dein Baby schreien lassen.
Lass sie da runterfallen, sie muss es lernen.
Was ich sage ist ihr egal. Ihre Stimme wird lauter und irgendwann so eindringlich, das ich wieder kein Ton raus bekomme und mich sp fühle wie früher als ich nichts sagen durfte.
Ich werde diese Vergangenheit niemals vergessen und erst seitdem mein Kind da ist lerne ich zu lachen.
Ich denke ich bin depressiv, oder war es zumindest, vor der Geburt meines Babys.
Während ich in meinem Element war (Musik) war ich total fröhlich, konnte lachen und hatte spaß (meist mit etwas) Alkohol und ansonsten war ich nur deprimiert, hab mich eingeigelt, war verschüchtert und habe jeden Kontakt vermieden. Jetzt ist das nicht mehr so, zumindest nicht mehr auffallend.
Aber wenn meine Mutter wieder meckert, kommt die ganze Vergangenheit wieder hoch
Sorry, ein bisschen lang. Ich musste das mal raus lassen
06.02.2010, 13:34
Vergangenheit und Gegenwart Beitrag #2 (permalink)
Hallo!
Ich denke, über diese Probleme reden tut Dir gut und hilft Dir auch. Reden ist der erste Schritt, um die Vergangenheit aufzuarbeiten und wieder in die richtigen Bahnen zu gelangen.
Klar, wenn Du Deine Mutter siehst kommt das ganze wieder hoch, vergessen ist auch schwer möglich. Ich denke man muss und kann lernen damit umzugehen.
Gruß
Andy
09.02.2010, 09:05
Vergangenheit und Gegenwart Beitrag #3 (permalink)
Mir ist ein Satz aufgefallen: "die Beziehung dauerte leider nur 6 Jahre". Leider nur? Das ist verdammt lange für so einen jungen Menschen. Und diese Beziehung hat dir scheinbar sehr geholfen und dir viel gegeben. Darum finde ich, solltest du sie viel positiver sehen, auch wenn sie jetzt vorbei ist. Ich finde es toll, dass du ein Baby hast, dass du liebst und mit dem du scheinbar auch gut klarkommst. Du kannst stolz auf dich sein, dass du das schaffst trotz dieser schrecklichen Kindheit!
Warum hälst du immer noch Kontakt zu deiner Mutter? Du bist erwachsen und ihr zu nichts verpflichtet. Vielleicht würde es dir besser gehen, wenn du den Kontakt zu ihr meiden würdest?
09.02.2010, 09:46
Vergangenheit und Gegenwart Beitrag #4 (permalink)
Deine Geschichte klingt unglaublich und tut beim lesen weh! Gut das es Deinen Hund gab der dir Hoffnung und Lebenswillen spendete. Warum ist die Beziehung zu Ende? Ich denke auch Du solltest Dich von Deiner Mutter fern halten wenn es Dich immer wieder nach unten drückt.
Allergrößten Respeckt und mach weiter so!
09.02.2010, 10:57
Vergangenheit und Gegenwart Beitrag #5 (permalink)
Hallo Bluerose,
es hat mich sehr berührt, was Du geschrieben hast und ich kann gut nachempfinden, wie Du Dich gefühlt hast und ungefähr wie Du Dich jetzt fühlst.
Bei mir war es auch ein Haustier, dass mich damals von meiner "Erlösung" abgebracht hat. In meinem Fall war es allerdings keines mit Fell sondern eines mit Gefieder. Es hatte voller Lebensfreude glitzernde Äuglein und meinen Vater bei jeder sich bietenden Gelegenheit gebissen (und mit mir gekuschelt). Tiere sind wirklich sehr schlau.
Ich mag Tiere übrigens immer noch lieber als Menschen...
Gut, mein Freund ist eine wundervolle Ausnahme und ein paar sehr wenige Menschen ebenso.
Du wirst ebenfalls wieder einen solchen Menschen kennenlernen, der Dich liebt und Dir gut tut. Schließlich hast Du Deine Veranlagung dazu schon in Deiner 6 jährigen Beziehung bewiesen.
Du warst immer still, dafür habe ich umso mehr geredet. Ich wollte die Dinge nie so falsch stehen lassen. Damit habe ich mir zwar auch oft Ärger eingehandelt, aber in meinen Augen mein Gesicht gewahrt.
Ich kenne genau wie Du das Gefühl unter ähnlichem Druck, wie den, den mein Vater ausgübt hat, etwas sagen zu müssen und fange dann ebenso zu stottern an wie Du. Das kommt bei mir trotz jahrelanger Selbsttherapie noch vor und stört mich sehr.
Immer wieder darüber reden, dass ist es was mir wirklich sehr geholfen hat.
Wie fühlst Du Dich, nachdem Du mal alles zu "Papier" gebracht hast?
Anfangs habe ich beim Erzählen immer gezittert.
Als sich das anfing zu legen, wusste ich, ich bin auf dem Weg der Überwindung.
Nun hieß es ständige Selbstreflektion und immer wieder an sich arbeiten.
Damals habe ich auch Tagebuch geschrieben, um den Alltag besser ertragen zu können. Wenn ich später mit Abstand darin gelesen habe, bin ich nicht sehr weit gekommen, weil in mir die Erinnerungen wieder wachgerufen wurden.
Also: Schreiben Ja, Lesen Nein!
Wenn Du Deine Erlebnisse anderen erzählst, sollten es Menschen sein, denen Du vertraust. Rechne nicht bei jedem mit Verständnis, denn manche könnten sich auch damit überfordert fühlen. Mir hat sogar mal jemand unterstellt, ich hätte mich interessant machen wollen und glaubte mir nicht, weil mein Vater zu ihr ja ach so nett war. Ich kann gar nicht beschreiben wie ich mich da gefühlt habe - ich war fassungslos.
Was Dir auch sehr gut tun wird ist Sport.
Vielleicht hast Du ja Lust an einem Karate-Kurs teil zu nehmen.
Da lernst Du an Dich und Deine innere Stärke zu glauben und wie Du sie einsetzen kannst um Dich selbst stark zu fühlen.
Für den Anfang kannst Du es ja mal mit SitUps oder Crunchs versuchen.
Je mehr Du nach einiger Übung schaffst Deine innere Mitte zu stärken, je stärker wirst Du Dich auch innerlich fühlen.
Lass dabei Deine Lieblingsmusik spielen, die Dir so am Herzen liegt.
Nimm Dir bewusst Auszeiten, in denen Du Dich Deiner Musik zuwendest und tu dabei Deiner Seele etwas gutes.
Parallel dazu könnte Dir auch eine Gesprächstherapie, vielleicht in einer Gruppe Gleichgesinnter gut tun.
Was Deine Mutter angeht, meide den Kontakt!!!
Glaube mir, es ist das Beste was Du tun kannst.
Wenn es dennoch zu einem Kontakt mit ihr kommen sollte, halte ihn kurz!
D.h. maximal einen Tag, nicht länger! Sie fällt sonst wieder in das alte Herabwürdigungsschema, wie Du es kennst, zurück.
Wenn es Dir möglich ist, lass sie zappeln so lange es geht.
Bist Du wieder bei ihr und sie äußert sich beleidigend, sag ihr, dass Du so etwas nicht mehr tolerierst, sei konsequent und geh!!!
Mach das immer so, wenn es erforderlich wird!
Ich weiß, Du sehnst Dich nach ihr, ihrer Anerkennung und Bestätigung, trotz all dem, was Du mit ihr erlebt hast. Das Verlangen danach ist trotz besseren Wissens immer da.
Was glaubst Du, kann sie Dir noch geben?
Bringt es Dir wirklich die erhoffte Befriedigung?
Wenn man so lange nach etwas gegiert hat, es dann endlich bekommt, stellt man oft fest, das es die große Mühe und Anstrengung eigentlich gar nicht wert war!!!
Ich wünsche Dir viel Kraft und alles Liebe,
Finja
09.02.2010, 12:37
Vergangenheit und Gegenwart Beitrag #6 (permalink)
Danke für die aufmunternden Worte.
Danke Finja für die lieben Tipps.
Sport mache ich nun 2-3 mal die Woche, Fitness (Ausdauer, Rückenmustulaturstärkung) und Sauna dazu wenn es Zeitlich klappt. Das tut wirklich sehr gut und da habe ich die einzige Möglichkeit Musik zu hören, wegen meinem Baby, was ich nun auch nutze.
Mit meiner Mutter habe ich ja seit einiger Zeit wieder Kontakt, als mein Baby zur Welt kam, war sie da und hat mir geholfen, das ist eine Sache wofür ich ihr Dankbar bin, aber andererseits hat sie es auch gemacht weil SIE dabei sein wollte. Das die Geburt so schlimm wurde konnte ja keiner wissen.
Ansonsten habe ich nur oberflächig mit ihr Kontakt, zu mir kommt sie nie, sie verlangt danach "uns" zu sehen, weil sie "uns" so vermisst. Aber vor der Geburt von war "ich" ihr egal.
Wenn ich da hin gehe, dann nur kurz, so das sie kaum die Möglichkeit hat zu meckern oder wieder so zu werden wie früher.
Wenn es doch mal so kommt und ich was dagegen sage, ruft sie heulend meine Schwester an und die schreit mich dann an: Wie kannst du Mama das antun?...
Ich habe früher mit meinem Ex-Freund darüber geredet, und sonst wusste kaum jemand was davon. Vor etwa 2 Jahren konnte ich endlich mit meinem Vater darüber reden. Er wurde ja von meiner Mutter von allem abgeschottet und hat nichts mitbekommen.
Als ich ihm von der ganzen Zeit mit ihr erzählt habe, war er total geschockt und hat sich entschuldigt weil er nicht für mich da war.
Als es es dann wusste, ging es mir besser. Ich fühlte mich nicht mehr so eingeengt.
Ich sehne mich eigentlich nur nach einer Mutter, mehr möchte ich ja nicht. Sie ist es auf jeden Fall nicht. Die Mutter von meinem Ex-Freund war total lieb zu mir und auch sein Vater stand immer hinter mir.
Die Beziehung hat geendet, weil er mich mehrfach betrogen hat, das habe ich nach fast 6 Jahren von einer seiner Freundinnen erfahren.
Ein Tagebuch hatte ich auch. Als ich umgezogen bin habe ich es wieder gefunden und rein geguckt. Das war ein Fehler, als ich das gelesen habe ist mir wieder hoch gekommen wie schlimm das früher eigentlich war und auf jeder Seite stand: Ich sehne mich nach dem Tod... Ist das Leben wirklich so schlimm?... Warum lebt man denn, wenn man doch nur sterben möchte?...
Das Buch habe ich vernichtet, damit das bloß keiner findet und ich möchte auch nicht wieder darin lesen, denn ich habe festgestellt das ich so viele sachen verdrängt habe und ich möchte das es auch weg bleibt.
Ich weiß, verdrängen ist nicht gut, man sollte es eher verarbeiten. Aber das was weg ist, das soll auch weg bleiben.
Tiere sind wirklich was tolles. Die sind immer für einen da und sie merken wie man sich fühlt.
Ich bin sehr froh das ich damals meinen Hund hatte. Umso schlimmer war für mich, als er in meinem Arm eingeschlafen ist.
Ich habe meine Mutter (sie hatte ihn behalten als ich weggezogen bin, weil ich zu viel gearbeitet hatte und keine Zeit für ihn) angefleht ihn einschläfern zu lassen. Er war alt und Herzkrank, er konnte sich nicht mehr bewegen und er ist immer wieder die Treppe runtergefallen. Er wog knapp 40Kg, ihn jedes mal zu tragen war nicht möglich.
An einem Abend fiel er wieder die Treppe runter weil seine Beine nicht mehr ganz wollten, meine Mutter hat mich angerufen: Er liegt auf den Boden, jault und steht nicht mehr auf.
Das war so schlimm für mich, ich bin da sofort hin. Hab da auf der Couch übernachtet, ihn neben mir liegen gehabt. Die Nacht war ich wach und bin dann morgens um 4 Uhr zur Arbeit und danach wieder dahin. An dem Abend hab ich "wieder" mit meinem Stiefvater gesprochen, das wir den Tierarzt holen sollen, damit er endlich mal Ruhe findet, er hat genug gelitten.
Meine Mutter hat sich gewehrt, sie wollte ihn mit allen Mitteln am Leben halten, damit SIE ihn nicht verliert. Zum Glück konnte mein Stiefvater sie überzeugen.
Sein Kopf lag auf meinem Schoß als er die Spritze bekam.
Ich war einerseits erleichtert, weil er wirklich sehr gelitten hat und andererseit fertig mit der Welt.
Am Tag darauf hat meine Mutter meinen kleinen Bruder gezwungen mit ihr zum Tierheim zu fahren und er sollte sich einen neuen Hund aussuchen. Ich bin mit gefahren um mein Bruder zu schützen. Ich bin immer wieder zwischen die beiden, doch es hat nichts genützt. Mein kleiner Bruder stand vor den Hundekäfigen und hat echt geweint, das hab ich seit über 10 Jahren bei ihm nicht mehr gesehen.
Zum Glück gingen wir dann ohne Tier wieder nach Hause.
Finja, das du auch so eine ähnliche Vergangenheit hast wie ich, tut mir wirklich sehr leid. Das wünsche ich wirklich niemanden. Aber zum Glück warst du nicht alleine, dein gefiedeter Freund ist bestimmt was besonderes gewesen, für dich auf jeden Fall.
Du hast geredet, das ist ein Zeichen von Stärke, das hätte ich auch gerne gekonnt. Ich war in dem Bekanntenkreis meiner Mutter diejenige die ohne Grund von zuhause weggerannt ist und ein "Grufti" geworden ist.
Ich stotter jetzt auch manchmal noch wenn ich nervös bin, das hasse ich total. Aber ich kann mich mitlerweile beherrschen, so das ich, sobald ich merke das ich wieder stotter aufhöre zu reden und nochmal anfange. Allerdings kann ich immer noch nicht vor Leuten reden die Meinermeinung nach mehr Wert sind als ich.
Also bei Vorstellungsgesprächen z.b. bekomm ich kein Ton raus und wenn ich mal jemanden sehe der aussieht wie ein Manager, dann versteck ich mich lieber als das der mich anspricht.
Das nervt, aber es bessert sich alles.
Früher hatte ich sogar vor dem Busfahrer angst, ich bin lieber schwarz gefahren als eine Fahrkarte zu kaufen
Von meiner Mutter erwarte ich nichts mehr.
Wenn irgendwas ist, z.B. Wasserschaden in der Wohnung, dann ist sie da, wenn meine Schwester nicht gerade nach ihr verlangt. Aber wenn ich mal jemanden zum reden brauche wechselt sie sofort das Thema und jammert über sich selbst und verlangt Mitleid.
So, das ist lang genug, ein paar Tränen, oder auch ein paar mehr sind eben geflossen. Wie das Sprichwort schon sagt: Tränen reinigen die Seele.
Es tut gut die Vergangenheit nieder zu schreiben. Ich danke euch sehr für eure Aufmunterungen und Tipps