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Thema: Vergeben Pro & Contra

  1. #1
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    Ausrufezeichen Vergeben Pro & Contra

    Hallo zusammen;
    Ich habe eine bitte an euch mit der ich völlig überfordert bin. Ich werde seit 6 Monaten auf einem Burn Out Therapiert. Ein Knackpunkt in der Therapie ist das Wort Vergeben. Wenn Menschen mich sehr verletzen, sind sie für mich nicht mehr existent. Sie Interessieren mich einfach nicht mehr und ich breche den Kontakt 100% ab. Meine Therapeutin meinte ich solle meiner ehemaligen besten Freundin vergeben...... Das kann ich nicht....Das will ich nicht. Ich kann so Stur sein. Wenn ich Ihr vergebe müßte ich wieder mit Ihr in Kontakt treten und dann wüßte ich auch, das sie die Freundschaft wieder aufleben lassen möchte und das geht gar nicht. Ich hätte nie wieder vertrauen zu Ihr. Wenn man einmal schwer verletzt wurde von einem Menschen besteht immer das Risiko das es noch einmal passiert und genau davor möchte ich mich schützen. Jetzt soll ich eine Liste erstellen mit Vergeben mit kurzem Termin, was spricht dafür und was dagegen.
    Vergeben auf langer Sicht, Was spricht dafür und was dagegen. Mir fällt wirklich nichts ein, ich habe eine totale Blockade. Bitte helft mir, ich möchte mich doch verstehen. LG

  2. #2
    Gast784
    Gast

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    hallo,

    Wenn ich Ihr vergebe müßte ich wieder mit Ihr in Kontakt treten ..
    warum das denn?

    Das eine hat doch mit dem anderen nichts zu tun.

    Ich mag das Wort vergeben ein kleines bißchen mehr als das Wort verzeihen. Verzeihen mag ich deshalb nicht, weil ich mich damit über jemanden stelle, und weil ich dann wieder meine Energie in diese Sache/Person gebe, die ich abschließen will.

    im Vergeben steckt immerhin der Gedanke drin: ich vergeb mir doch nix dabei, wenn ich mit der Person oder Sache meinen Frieden mache.


    Und um mit etwas meinen Frieden zu machen, muss ich es nicht wieder beleben. Mein innerer Frieden, oder Seelenfrieden ist für mich aber ein Argument auf der Plusseite der Liste.

    Eine weitere, die damit zusammen hängt, ist: Loslassen.
    Wenn ich "vergebe", dann kann ich aufhören mit dieser Person oder Sache zu hadern und kann sie energetisch loslassen. Ich habe dann die Energie für was Neues, was Anderes zur Verfügung.

    d.h. ich hab etwas, das mich belastet und mir Energie und damit Kraft raubt, los.

    Was will ich mehr?

    Darum habe ich, so wie ich Vergebung verstehe, nichts auf der Contraseite der Liste.

    Das einzig wichtige dabei allerdings ist: es darf nicht aufgesetzt sein, sondern kann nur vorm Herzen kommen, wenn es denn entsprechend wirken soll.

    Wenn Du Vergebung rein energetisch betrachtest, dann wird es neutraler und es ist etwas, was in Dir abläuft und unabhängig von Deinem Gegenüber ist.

    Ich habs mir übrigens angewöhnt zu sagen: ich lass diesen Menschen oder diese Sache jetzt sein. Ich drehe mich dann innerlich um und wende mich anderen Dingen/Menschen zu. Das entspannende dabei: ich muss nichts und niemanden weder schlecht- noch schönreden. Ich muss die Sache/den Menschen nicht mal verstehen. Es ist dann eben, wie es ist. Manchmal muss ich aber erst ziemlich lange damit hadern, bis ich an diesen Punkt komme.

    Aber da hab ich inzwischen auch so meine Trickse gelernt: z.B. den Konflikt von der Person, mit der man ihn hat, entkoppeln. Dann kann ich mit meinen Eigenanteilen hadern, ohne mich ständig immer wieder mit der Person verstricken zu müssen.

    Vergebung hat sicher viele Gesichter. Vll musst Du die für Dich stimmige Form erst finden?
    Geändert von Gast784 (29.03.2011 um 19:36 Uhr)

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Gast784 für den sinnvollen Beitrag:

    So Ham (30.03.2011)

  4. #3
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    Hallo 180865,

    persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass "echtes" Vergeben aus dem Innersten heraus, eine wahre Befreiung sein kann.

    Nun aber das "aber":
    ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass in einer psychologisch/therapeutischen Beziehung sehr gerne als Ideal vorgegeben wird und der Klient dadurch unter immensen Druck geraten kann, etwas vergeben zu "müssen", weil er es dem Therapeuten Recht machen will oder davon ausgeht, dass er kein "guter Mensch" ist, wenn er nicht vergeben kann.

    Meine (subjektive) Ansicht zu dem Thema ist:
    ich finde es erst mal wichtig zu akzeptieren, wenn man "mal eben schnell" etwas nicht vergeben kann und sich dann erst mal selbst vergeben, dass das nicht geht.



    Die sehr gute Erfahrung, die ich mit "Vergebung" gemacht habe:
    die Opferrolle ist komplett aufgelöst (keine Fremdbestimmung über die Gefühlswelt mehr), Entwicklung von Gleichmut und Gelassenheit .... Akzeptanz, dass passiert ist, was passiert ist und die Erkenntnis: ab jetzt spaziere ich ohne den "Rucksack des Täters" durch die Welt.


    Und jetzt wieder das "aber":
    Vergebung darf meiner Meinung nicht damit verwechselt werden, dass man praktisch "vor dem Täter" in die Knie geht, aus lauter Not (und Druck) heraus sagt: "Ich vergebe Dir.", nur dass man ein Ziel erreicht, das einem der Therapeut hochsteckt.

    Wenn Du jetzt eine Blockade hast, würde ich auch gar nicht versuchen, die zwanghaft aufzubrechen.
    Du bist kein Schüler, der seine Hausaufgabe zur Zufriedenheit eines Therapeuten erledigen muss (der verdient ordentlich Geld mit Dir ;-) ) - wenn das bis zum nächsten Termin nicht klappt, dann sag' dem Therapeuten, dass es "so" bei Dir nicht geht und dass Du momentan das Gefühl hast, den Selbstschutz zu brauchen.
    Viele Grüße

    "Klee"



  5. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Klee für den sinnvollen Beitrag:

    Lib (30.03.2011)

  6. #4
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    Nach meinem Abschicken habe ich die Antwort von Gabiannarele gelesen:

    Ich habs mir übrigens angewöhnt zu sagen: ich lass diesen Menschen oder diese Sache jetzt sein. Ich drehe mich dann innerlich um und wende mich anderen Dingen/Menschen zu. Das entspannende dabei: ich muss nichts und niemanden weder schlecht- noch schönreden. Ich muss die Sache/den Menschen nicht mal verstehen. Es ist dann eben, wie es ist. Manchmal muss ich aber erst ziemlich lange damit hadern, bis ich an diesen Punkt komme.

    Die bringt es richtig gut auf den Punkt!
    Viele Grüße

    "Klee"



  7. #5
    Gast784
    Gast

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    Ach Klee, Du hast es mal wieder viel professioneller und neutraler ausgedrückt

    ich finde es erst mal wichtig zu akzeptieren, wenn man "mal eben schnell" etwas nicht vergeben kann und sich dann erst mal selbst vergeben, dass das nicht geht.
    Genau. Und der zweite Teil des Satzes, den finde ich auch immens wichtig.

    Sich selbst vergeben, das ermöglicht nämlich, dass die Dinge so wahrgenommen werden dürfen, wie sie gerade sind. Und das wiederum ist die Voraussetzung dafür, dass sie sich irgenwann mal ändern können.

  8. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Gast784 für den sinnvollen Beitrag:

    Klee (29.03.2011)

  9. #6
    Schreibkraft Avatar von monkey
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    Hallo,

    mich würde interessieren, wie deine Freundin denn darauf reagiert, wenn du ihr verzeihst.

    Ich denke, es geht nicht wirklich darum, ob du ihr jetzt vergeben willst oder nicht, sondern es einfach mal zu tun. Hast du deine Wut denn entsprechend gelebt? Ich denke, daß jedes Gefühl berechtigt ist, wenn es denn schon mal da ist. Eine gute Möglichkeit um seiner Wut und Enttäuschung Ausdruck zu verschaffen ist, einen Brief an diese Person zu schreiben (der jedoch nicht abgeschickt wird).

    Und wegen dem Pro und Contra...
    Ich selber habe es halt so gemacht, daß ich mich innerlich über die Situation und die andere Person gestellt habe und sozusagen gnädig vergeben habe... und das hat mir ein gutes Gefühl gegeben, besser als den Groll in mir zu nähren. Ich weiß, wird nicht als Ideal angesehen, steht aber bei mir eindeutig auf der Pro-Seite... Und schaden tut es niemanden. Klar sollte das nur die Notlösung bzw. für den Anfang sein. Nach dem Motto "So tun also ob".

    Mittlerweile kann ich schon oft vor der Wut stoppen, wobei ich an der Enttäuschung noch zu kauen habe.

    Vergeben hat für mich auch nichts mit wieder hergestelltem Vertrauen zu tun. Das also evtl auf die Contra-Seite? Das Vertrauen muß diese Person sich dann schon wieder erarbeiten, wenn es überhaupt möglich ist. Aber erst nach dem Vergeben, besteht die Möglichkeit für neu zu erlangendes Vertrauen.

    Dafür sehe ich den Punkt der Aussprache (Entschuldigung+Vergebung) wie einen Neuanfang. Vorausgesetzt eben, daß eine ernstgemeinte Entschuldigung kam. Dann kannst du auch mal eine neue Verhaltensweise (das Vergeben) ausprobieren und erfahren, wie es sich anfühlt und ob es sich evtl doch lohnt.

    Ist es diese Freundin denn wert? (Wenn du das Fehlverhalten von ihr ausblendest.) Das könnte dann auch ein Punkt auf der Pro-Seite sein.

    Ich muß aber auch gestehen, daß ich es so ähnlich handhabe wie du. Von Menschen die mich verletzt haben, ziehe ich mich zurück und möchte auch keinen weiteren Kontakt mehr mit ihnen haben... Nach dem ich ihnen (innerlich) vergeben habe und mir die Freundschaft auch sowieso nicht viel bedeutet hat. Bei Menschen die mir nahe stehen, kann ich aus "Liebe" vergeben... mit der Zeit.

    Das mit dem Selbstschutz find ich persönlich kein guten Contra-Punkt. Du wirst immer wieder nahestehende Menschen in deinem Leben haben, die dich enttäuschen werden. Da heißt es doch dann eher, irgendwann einmal damit klar zu kommen und nicht ständig zu fliehen.

    Evtl lebst du all deine bisher erfahrenen Verletzungen und den Schmerz davon in deinen jetzigen Konflikten? Was ist es denn wirklich, was du nicht vergeben/vergessen willst? Aber evtl eher was für die Arbeit mit dem Therapeuten.

    Wünsch dir alles Gute und viel Erfolg

    Grüße
    monkey
    Geändert von monkey (29.03.2011 um 22:38 Uhr)

  10. #7
    Schreibkraft Avatar von Rhett66
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    Hallo,

    ich stimme mit meinen Vorrednern darin überein, daß Du wegen Deines Therapeuten überhaupt nichts mußt. Andererseits finde ich es bemerkenswert, daß in einer Burn-Out-Therapie das Thema Vergeben überhaupt zur Sprache kommt. Vielleicht kostet es ja tatsächlich Energie, an Deiner Unversöhnlichkeit festzuhalten ... , wie Gaby es andeutet?

    Ich muß auch Monkey beipflichten, daß jedes Gefühl berechtigt ist. Gedanken können richtig oder falsch sein, Gefühle dagegen sind einfach da. Daher glaube ich aber auch nicht, daß so eine schein-logische Begründung den Kern trifft: "Wenn mich jemand verletzt hat, kann das ja jederzeit wieder passieren, und davor möchte ich mich schützen." - Nö.

    Denn erstens kannst Du auch von jemand verletzt werden, der es bis dahin noch nie getan hat. Dann müßtest Du ja jeglichen engeren Kontakt vermeiden.

    Und zweitens wird jemand, der Dich um Vergebung bittet und es auch so meint, nicht ausgerechnet dasselbe wieder tun. Es wird ihm u.U. eine "Lehre" sein, in Zukunft vorsichtiger mit Dir umzugehen, ganz besonders, was das spezielle Thema betrifft, um das es ging.

    Drittens liegt es in der Natur der Sache, daß uns nahestehende Personen eher verletzen können als solche, die uns nicht wichtig sind. Nur wer mir wichtig ist, mit dem streite ich auch. Dabei ist natürlich immer auch die Gefahr gegeben, sich mal zu nahe zu treten. Meistens unbeabsichtigt.

    Vielmehr willst Du nicht vergeben. Punkt. Das gibst Du ja auch zu. Du hast es Dir zum Prinzip gemacht, Menschen, die Dich verletzt haben, aus Deinem Leben zu streichen, und dieses Prinzip ist Dir wichtig, weil es Dir Halt gibt. Prinzipien gibt man ja nicht einfach auf, und seien sie noch so unsinnig. Daneben kannst Du Deiner ehemals besten Freundin mit jedem Tag, den Du sie wie Luft behandelst, zeigen, wie schlimm das war. (Und verletzt sie damit natürlich ebenfalls, was ja nicht unbeabsichtigt sein muß ...) Womöglich könnte sie ja sonst denken, so schlimm wäre es gar nicht gewesen. Und schließlich gibt Dir Deine Unversöhnlichkeit auch permanent das Gefühl, im Recht zu sein. Und das ist ja ein "gutes" Gefühl, nicht?

    Wie siehts denn bei Dir aus? Hast Du noch nie jemanden verletzt? Hat Dir noch nie etwas leidgetan, was Du einem andern gesagt oder getan hast? Ist Dir noch nie vergeben worden? Oder hast Du Dir noch nie gewünscht, jemand würde Dir vergeben? Aus Deinem Text geht nicht hervor, ob Deine Freundin Dich je um Verzeihung gebeten hat. Nur Dein Therapeut bittet Dich darum. Aber sie wäre es, die die Freundschaft wieder aufleben lassen würde. Dann bist Du dieser Frau also einigermaßen wichtig. Bedeutet Dir das nichts? Wie ist sie denn zu Deiner "besten Freundin" geworden? Habt Ihr nicht schon viel miteinander erlebt und geteilt? Ist das alles plötzlich nichts mehr wert?

    Wir sind alle nur Menschen. Wir machen Fehler und wir tun uns manchmal gegenseitig weh. Manchmal merken wir es gleich und können es sofort korrigieren, manchmal aber auch erst später. Meiner Meinung nach ist es leichter, zu vergeben, als um Vergebung zu bitten. Wenn Deine Freundin das getan hat, ist es ihr sicher nicht leicht gefallen. Und jetzt bist Du dran! -> Du solltest vergeben, weil auch Du nur ein Mensch bist.

    Gruß Rhett

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