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Thema: Verlorengegangenes...

  1. #9
    Gast9159
    Gast

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    @Gutmenschen: Freut mich,das ihr auch auf Waren aus China verzichtet und das auch in eurer Signatur schreibt. So von wg. Menschenrechte.
    Amonda, ich verzichte zwar nicht auf Produkte aus China, aber du redest von Menschenrechten, und erzählst andererseits mit wohligem Schauern, wie geil du es fandst, als es noch den „Ostblock“ gab und wie abenteuerlich du die Fahrten nach Berlin erlebst hast? In einem Fred, der heißt: „Verlorengegangenes“?

    Wenn ich den Begriff „fremdschämen“ eigentlich nicht so mag – hier ist er angebracht.

    Wenn du daraufhin einige ironische Antworten bekommst und sie nicht mal verstehst, mag das ja noch deinem persönlichen „Horizont“ geschuldet sein, der hier ja auch passenderweise angesprochen wird.

    Aber hast du mal darüber nachgedacht, wie solche Beiträge auf Leute wirken, die unter den damaligen Bedingungen der DDR leben mussten und auch litten? Wie arrogant und verachtend sowas heute noch rüberkommt und wie sehr solche Ansichten immer noch dazu beitragen, einen künstlichen Graben zwischen Ost und West zu erhalten? Ich finde solche Beiträge fast „menschenverachtend“, und da muss man kein „Gutmensch“ sein, um das so aufzufassen,, meine ich.

    Man kann einem Düsenjägereis nachtrauern, und ja, das „alte“ Berlin hatte auch seinen Charme, aber doch ernsthaft nicht der Mauer oder dem „Ostblock“!

  2. #10
    Neuling Avatar von gemeingefährlich
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    Apropos China; es gibt auch einen Grenzzaun zwischen Hong Kong und China. Gutes liegt so nah, und doch so fern ... Ansonsten: Einfach mal demnächst gegen Stuttgart 21 demonstrieren. Auch für einen Schlechtmenschen ist es so schön, wenn der Schmerz nachläßt.

    Um zu diesem Thema etwas halbwegs ernsthaftes zu schreiben:
    Worum geht es überhaupt? Um das Düsenjägereis? Vielleicht, ja, wenn man ein Produkt sehr gemocht hat, mag dies eine Rolle spielen. Aber selbst wenn es noch da wäre - es wäre nicht dasselbe. Wie so viele Dinge nicht mehr dasselbe sind, weil sie alt sind. Auch ein Düsenjägereis könnte man - nach genauer Anleitung - wieder zurückbringen. Es gibt sicherlich einige Leute, die das könnten. Aber wäre es noch dasselbe? Ich denke nicht. Weil es nach einer "Zeit" schmeckt, die verlorengegangen ist. Mit ihr ist die Selbstverständlichkeit verloren gegangen, die mit einer Handlung verbunden ist. Niemand wird es als etwas "Besonderes" empfunden haben, daß man zu einer gegebenen Zeit ein solches Eis gekauft hat - es paßte zu dieser Zeit, und es hat sich für uns damit verbunden. Je seltener es ist, desto besonderer wird es. Es hat seine nicht-hinterfragende Selbstverständlichkeit verloren, und damit auch die Verbindung zu der Zeit, zu den Erinnerungen, die nie wieder Teil der Gegenwart sein können.

    Geht es wirklich "nur" um die Produkte selbst? Wenn ja - alles ist wiederherstellbar. Es gibt Foren im Internet, in denen Leute viktorianische Mode aus alten Modekatalogen nehmen und daraus Nähvorlagen zusammenstellen; oder es gibt Foren, in denen Leute sich versammeln, die dasselbe mit der Mode der 20-50er Jahre tun, und sich teilweise sogar täglich so kleiden, ihre Wohnungen im Art-Deco-Stil einrichten, etc. Aber all dies ist und bleibt ein Produkt der heutigen Zeit. Allein durch das Fehlen der Selbstverständlichkeit, d.h. des sozialen Umfelds, das diese Art des Umganges mitträgt, das Fehlen einer passenden Atmosphäre für diese Veränderung, ist all dies mehr ein Produkt unserer heutigen Prägung, als der der vergangenen Zeit.

    Wenn ich - was ich mal einige Zeit lang getan habe - mir Zeitungen für ein bestimmtes Jahr, sagen wir das Jahr 1925, drucken lasse, mich in einem Haus oder einer Wohnung einrichte, die dem nachempfunden ist, was in dieser Zeit üblich war, und jeden anderen um mich herum anhalte, sich für den Fall des Besuchs "angemessen" zu kleiden, und nicht über die Jetztzeit, sondern einzig über Tagesaktuelles im Jahr '25 zu reden, so mag sich mein Blickwinkel verändern, vielleicht ja auch dem Jahr '25 annähern - aber der Boden meiner Wahrnehmung bleibt immer noch der Gegenwart geschuldet, dem Einfluß, der mich letzthin geprägt hat.

    Wenn zwischen einem Erlebnis eine lange Zeitspanne liegt, so wird man jenes Zeitvakuum nicht rückgängig machen können - zumindest nie vollständig. Wenn ich mit dem Genuß einer Sache eine Zeit in meinem Leben verbinde, dann werden die Gefühle nicht zurückkommen, bloß weil ich mich dieser Sache wieder aussetze. Ich werde kein Kind mehr, bloß weil ich mir den Trailer einer Kinderserie anschaue - ich habe bloß das Gefühl, mich diesem Teil meiner Persönlichkeit verbunden zu fühlen, kann dies aber in den seltensten Fällen an einem konkreten Ereignis festmachen. Was gefühlsmäßig bleibt ist nur eine verklärte Form der Nostalgie in Zusammenhange mit der schmerzenden Gewißheit, irgendwie "alt" geworden zu sein.

    Aber das Bauen einer solchen Brücke zur Vergangenheit wird mir keinen Zugang zu den damals empfundenen Gefühlen ermöglichen - im Gegenteil, es verbittert sie nachträglich. Aber irgendwie war doch damals alles so schön - ohne, daß man selbst davon Notiz nahm. Man war noch so jung, so voller Leben - ohne, daß man selbst davon Notiz nahm. Konnte man auch nicht, denn es war nicht alles so schön, und man war auch nicht voller Leben, wenn man morgens um fünf Uhr Kinderserien ansah. In Wirklichkeit enthält all dies nur eine verklärte Wertung der heutigen Lebensumstände: Man hat doch so viele Probleme, ganz neue, damals nicht gekannte, und irgendwie fehlt einem die kindliche Geborgenheit und überhaupt - aber im Grunde hat diese Wertung mit der Vergangenheit nichts gemein. Denn Nostalgie ist in den meisten Fällen nichts anderes als Opium für die Jetztzeit, verbunden mit der leisen, stillen Hoffnung, daß all die verklärten und unrealistischen Sehnsüchte eines Groschenromans doch irgendwann zu verwirklichen waren, folglich auch, mit etwas Anstrengung nur, "wiederherzustellen" sind.
    Geändert von gemeingefährlich (29.07.2011 um 13:36 Uhr)

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei gemeingefährlich für den sinnvollen Beitrag:


  4. #11
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    Zitat Zitat von gemeingefährlich Beitrag anzeigen
    Ansonsten: Einfach mal demnächst gegen Stuttgart 21 demonstrieren.
    Solange die Chinesen deinen Wohlstandsmüll billig produzieren,ist das auch eine Möglichkeit,das Gewissen zu beruhigen.

    Ich hab Leute kennengelernt,die gesagt haben,das ihnen in der DDR ansich nichts gefehlt hat.Und das waren keine IM.

  5. #12
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    ich kenne auch reichlich viele leute die sagen, sie hätten in der ddr nichts vermisst. naja empfindungen sind wohl eben verschieden
    naja ich auch geboren in der ddr - aber eigentlich so gut wie nichts davon mitbekommen
    das macht mich auch ein bisschen traurig. ich wäre gerne so im jahr 89 um die 20-30 jahre alt gewesen... zum fall der mauer... das muss schon ein tolles feeling gewesen sein... ich häts gerne erlebt

    ja was ist noch verlorengegangen... ganz klar..

    Die D-Mark! Sie vermisse ich auch *g*

    Das Glück - Kein Reiter wird's erjagen, es ist nicht dort und ist nicht hier.
    Lern überwinden, lern entsagen, und ungeahnt erblüht es dir.

    Theodor Fontane

  6. #13
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    Hm, Herbst 89. Ich hab das nur noch dunkel in Erinnerung. Die D-Mark,gut, das war ja ein bisschen Nationalstolz. Mir ist das Wurst, womit ich bezahle. Der Euro hat ja auch Vorteile. Nur das die Dinge,die ich häufig kaufe,auf einmal doppelt so teuer geworden sind, stört.

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