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Thema: Verlust des Vaters

  1. #1
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    Frage Verlust des Vaters

    Hallo!

    Vor 7 Jahren haben meine Eltern sich getrennt (ich bin jetzt 19). Seitdem besteht kaum Kontakt zu meinem Vater und aufgrund verschiedener, durch ihn verursachten, Faktoren ist er nicht mehr derjenige, den ich als "Vater" bezeichnen würde.
    Ich war mehr ein "Vaterkind", als ein "Mutterkind" und der "Verlust" meines Vaters stellt(e) für mich daher einen besonders tiefen Einschnitt dar.
    Nun ist es auch nach 7 Jahren so, dass ich mir einen Vater wünsche, (Meine Mutter hat keinen neuen Lebensgefährten) was ich prinzipiell auch als normal empfinde, aber zunehmend schwieriger wird.
    Die Vaterfigur fehlt mir einfach in meiner Entwicklung (mit 14,16 orientierte ich mich an Filmfiguren), ich träume manchmal sogar davon von einem Mann (Vaterfigur) in die Arme genommen zu werden.
    Das ist in der Realität aber nicht möglich, auch deshalb nicht, weil ich in meinem Alter nicht so auf einem Mann zugehen kann, ohne dass er sich gleich von mir "auserwählt" fühlt. Diese Erfahrung habe ich schon mehrmals gemacht.

    Was also kann ich tun, um über den "Verlust" hinweg zukommen, bzw. nicht ständig damit beschäftigt zu sein einen "Vater" zu finden?

  2. #2
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    Hallo Amica,

    das Thema empfinde ich als ein recht schwieriges und "so richtig" traue ich mich da auch gar nicht 'ran.
    Was ich aber sagen kann ist, dass ich selbst eine problematische Beziehung zu meinem Vater hatte und mir (mehr oder weniger unbewusst) auch eine Vaterfigur "erwählt" habe, die auch so etwas wie eine grössere Mentorenrolle in meinem Leben hatte.

    Ich habe diesen "Ersatzvater" im Ausland kennengelernt, er hätte altersmäßig schon fast mein Großvater sein können und hat bei mir die tiefsten Bedürfnisse abgedeckt (ich war in meiner Kindheit und Jugend schon stark sozial/politisch orientiert und interessiert und diese "Vaterfigur" kam letztendlich mehr oder weniger genau aus der "Politszene" in Kombination mit Menschen- und Bürgerrechtsengagement). Das war ein unbeschreiblicher Glücksfall.
    Dieser "Ersatzvater", den ich erst in meinen 20ern kennengelernt habe, hat jedenfalls einen ganz entscheidenden Anteil zu meiner Entwicklung beigetragen und als er gestorben ist war es schlimmer für mich als der Tod meines "richtigen" Vaters.



    Von daher kann ich das Bedürfnis sehr, sehr gut nachvollziehen und ich finde auch überhaupt nichts Verwerfliches dabei oder etwas, das man unterdrücken oder sogar negieren muss.

    Ich wünsche Dir sogar, dass Du vielleicht dasselbe Glück hast, das ich damals hatte und dass Du noch einiges für Dich "nachholen" kannst.

    Vielleicht ergibt sich ja noch etwas? Forcieren kann man es nicht, aber vielleicht gibt es einmal in Deinem Leben so etwas wie die "Gunst der Stunde".

    Alles Gute für Dich!
    Viele Grüße

    "Klee"



  3. #3
    mad
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    Hi Amica,

    oh ja, das kenne ich ... meine Eltern haben sich zwar nicht scheiden lassen, aber erstens war mein Vater nie wirklich anwesend und zweitens hat er sich die Jahre über (wegen eigener Probleme) sehr in sich zurückgezogen.

    "Was also kann ich tun, um über den "Verlust" hinweg zukommen, bzw. nicht ständig damit beschäftigt zu sein einen "Vater" zu finden?"

    - Meine gefundene (ich betone "meine") Antwort: Akzeptanz, dass es so eine Person, wie man sie sich vorstellt, nicht gibt. Selbst wenn Du wen anders findest, bliebe jener stets "Ersatz"vater.
    Es ist so, und ich denke, das problematisiert diese Sache noch mehr: Da Du nie einen richtigen Vater hattest, blieb Raum für Spekulationen: Er könnte so und so sein, er wäre sicherlich sehr liebevoll und interessiert etc. Aber das ist eine Traumvorstellung.

    Klee hat "Glück" gehabt, wenn man das so sagen kann, aber darauf kann man sich nicht verlassen. Die Geheimformel ist bei vielen Problemen: Loslassen. Sonst läuft man einer Sehnsucht hinterher, die sich nicht erfüllt. Und Du kreierst Dir ja bereits eine Person, die augenscheinlich gar nicht existiert.

    Ich denke, jedes Kind hat etwas an seinen Eltern auszusetzen, irgendetwas ist immer, und dann muss man als Kind irgendwann aufhören, eine Illusion zu leben.
    Die reine Konzentration auf mein eigenes Selbst, der Aufbau von Selbstvertrauen und nicht das Versteifen auf das Urvertrauen, das hat mich persönlich weiter gebracht.

    LG

  4. #4
    Neuling
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    Guten Morgen,

    erst einmal ein großes DANKESCHÖN an Euch zwei!!

    Ja Klee, da hast Du wirklich großes Glück gehabt. Es ist wirklich selten, dass jemand, in dem Fall der Erwachsene, das versteht.
    Das was ich bisher kenne, ist, dass derjenige, dem ich versucht habe, mein Problem mal darzulegen, er das leider nicht verstanden hat und sich in mich verliebt hat. Das ist aber, wie Du sicher nachvollziehen kannst, nicht das was ich suche.
    Das ging mir nun schon drei mal so.

    Mad, Du hast recht mit dem was Du zum Schluss gesagt hast.
    Aber die irreale Vaterfigur habe ich mir mit 14,16 erschaffen, nur der Wunsch ist halt noch immer da, ich lebe in keiner Illusion.
    Das eigene Selbstvertrauen zu finden ist wichtig und nicht mein eigentliches Problem.
    Mein Problem ist er das, nicht zu wissen, wie ich Männern eigentlich wirklich gegenüber treten kann ohne etwas "falsch" zu machen.
    Also natürlich mache ich das ganz normal, ohne das überhaupt jemand mitkriegt, das ich mir gerade große Gedanken mache, ob es "richtig" ist was ich sage, was ich tue, wie ich stehe.
    Mir fehlt einfach der "Vater", der mir das bis zu meinem 13. Gburtstag alles "beibrachte".
    Blöd formuliert, aber weißt du, was ich meine?

    Selbst ein "Ersatzvater" wäre einfach nicht nur schön, sondern auch eine enorme Hilfe.
    Ich glaube Klee weiß, was ich meine, oder?
    Es fehlt einfach was, gut das brauche ich dir sicher nicht zu erklären, aber, Mad, wie hast du dich denn NUR auf dich konzentriert?

    Liebe Grüße an Euch beide!

  5. #5
    Schreibkraft
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    Hallo Amica und auch alle anderen,

    ich kann einfach mal ein bisschen berichten, wie sich das zwischen meinem "Vaterersatz" und mir damals ergeben hat.
    Mir war bis zu dem Zeitpunkt, als "es" passiert ist nicht einmal bewusst, dass ich gerne einen hätte.
    Hätte mir jemand gesagt, ich hätte Sehnsucht nach einem Vaterersatz, hätte ich mich vermutlich mit Händen und Füßen und den Worten: "Nee danke, ich brauche bestimmt keinen zweiten Vater, mir reicht schon das, was ich mit meinem einen Vater erlebt habe...." abgewehrt.

    Ich habe meinen "Ersatzvater" in (m)einer Zeit der zunehmenden, persönlichen Freiheit kennengelernt und habe den Begriff "Vater" bis dahin immer mit einem unangenehmen, zwingenden Abhängigkeit in Verbindung gebracht.


    Ich war also nicht auf der bewussten Suche.

    Mein "Ersatzvater" und ich haben uns wirklich durch einen unbeschreiblichen Glücksfall kennengelernt. Er hatte ein Buch (so eine Art "Memoiren") über die Zeit geschrieben, in der er in seinem Heimatland politisch aktiv war.

    Ich hatte ihm ---tausende von Kilometern weit entfernt--- einfach mal auf das Buch angeschrieben und es hat "Bing" gemacht.
    Er hatte damals postwendend persönlich geantwortet, bei meinem nächsten Besuch im Ausland haben wir uns verabredet, getroffen, angesehen....und das unbeschreibliche ist "einfach so passiert".

    Ein gegenseitiger Blick in die Augen und wir hatten uns praktisch gegenseitig "adoptiert".


    Dass er für mich wie ein Vater war, den ich mir vermutlich immer gewunschen hatte und ich diesen Wunsch aber über Jahre hinweg völlig unterdrückt habe, hat sich im Laufe der gemeinsamen Zeit herausgestellt und durch ihn wurde mir erst klar, was "Vater" wirklich bedeuten kann.

    Für mich war bis dahin der Begriff "Vater" mit "Erwartung, Besitz, Gebundensein, Hörigkeit...." verbunden, weit weg von einer Person, die "eigentlich" die Tochter oder den Sohn dabei unterstützt, erwachsen und eigenständig zu werden.

    Erst durch meinen "Vaterersatz" bin ich auf meine tiefsten Bedürfnisse aufmerksam geworden, von denen ich nicht mal wusste, dass ich sie habe.

    Ich denke, das Bedürfnis zu spüren, Amica, ist ein Ansatz, mit dem Du arbeiten kannst :-) --- wie auch immer.

    Wichtig finde ich, dass man weiss, was einem fehlt - und wie man mit dem Mangel umgeht.
    Ich hatte tatsächlich unbeschreibliches Glück, aber ich glaube auch, dass man einen Umgang mit etwas lernt, das sich nicht erfüllen lässt, wenn man erst mal erkennt, welchen Mangel man empfindet (und Du erkennst das ja sehr gut) und sich ansieht, was man mit diesem Empfinden für sich (!) machen kann.

    Sprich: dieses Mangelempfinden als "Trainer" hernehmen, gucken, wie man für sich selbst diesen Mangel ausgleichen kann, wenn ihn ein anderer nicht erfüllen kann.


    Ich hoffe, es kommt einigermassen verständlich 'rüber, was ich meine - es ist ein schwieriges Thema.
    Geändert von Klee (28.04.2011 um 20:12 Uhr)
    Viele Grüße

    "Klee"



  6. #6
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    Hey Klee,

    ja ich weiß, was Du meinst, keine Sorge.

    Weißt Du, ich sitz hier herum, muss eigentlich fürs ABI lernen und fang auf einmal an über mein Leben nach zu denken und wie es wäre, wenn er nicht gegangen wäre.
    Ob es besser wäre, weiß ich nicht, weil ich ähnliches wie Du mit ihm in Verbindung bringe. Deshalb war es wohl besser.
    Aber dann ist da plötzlich dieses Verlangen nach einem und es ist schlimmer als das Verlangen nach Liebe.
    Ich glaube Du verstehst mich und das fühlt sich gut an, danke.

    Ja der Mangel als Trainer, klar.
    Damit arbeite ich schon lange und an sich gut, aber dieses plötzliche Verlangen, verstehst Du, was ich meine?
    Ich kanns nicht mal richtig beschreiben.
    Kann das denn so schwierig sein, diese letzte "Stufe" zu überwinden?
    Ich hab das Gefühl auf einmal wieder am Anfang zu stehen.

    Danke, dass Du dich trotzdem an dieses Thema herantraust und ich freu mich für Dich, dass Du dieses Glück hattest.

    Grüße!

  7. #7
    Schreibkraft Avatar von Freygeist Libertin
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    Ich gebe hier einfach einmal einen Hinweis auf Projekte wie: Väteraufbruch und dem Dokumetationsfilm: Douglas Wolfsperger - "Der entsorgte Vater" . Es gibt ein Interwiev unter Väteradio.

  8. #8
    Neuling
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    Hallo
    Ich möchte dir empfehlen:
    1.
    auditorium-netzwerk.de Dr. Norbert Mayer
    Ich habe bei ihm mal einen Kursus gemacht: Abschied vom Vater


    und 2. (Geheimtip)
    Unsere Unsichtbaren Partner / Sanford / Ansata-Verlag isbn 3-7157-0085-8
    möglicherweise nur noch über Antiquariat.

    mfg
    Dankwart

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