Hallo, das mit dem "zwinker" ist meine Art nicht alles immer so bierernst zu nehmen
So und jetzt zum Thema,
auch wenn es bei mir viel besser geworden ist leide ich immer noch unter Verlustangst. Auch wenn ich sie heute so tagsüber gar nicht wirklich spüre, zeigen mir meine Träume ab und zu dass sie nach wie vor da sind. Zwar nicht mehr so greifbar oder mich lähmend, aber eben da.
Ich weiß woher meine Verlustangst kommt, sie hat ihre Berechtigung und vielleicht ist es genau das was mir heute hilft sie im "gesunden Rahmen" zu lassen.
Ich habe viele Menschen, Freunde verloren...meine Urgroßmutter an der ich sehr gehangen habe, da war ich ungefähr sechs Jahre alt. Da war der Knackpunkt wo ich lernen musste das "Erwachsene" nie über den Tod reden würden. Damals war mir natürlich nicht klar das es andere Erwachsene gab die natürlich darüber geredet hätten, dafür war ich noch zu jung. So lernte ich nur der Tod/der Verlust ist ein Tabu.
Ich verlor meinen Vater (durch Scheidung der Eltern, da war ich 11), verlor immer wieder meine Mutter (durch ihre Alkoholsucht) und meine Geschwister (dafür sorgte meine Mutter in ihrer Alkoholsucht). Mein erster Freund beging Selbstmord, ein Freund kam bei einem Motorradunfall ums Leben. Und nie wurde darüber wirklich geredet...
(Meinen Vater habe ich in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder getroffen...gilt auch für meine Mutter, heute haben wir wieder einigermaßen guten Kontakt)
Am schlimmsten für mich war der Tod meines Sohnes...aber auch da schwieg ich, ich hatte es ja nicht anders gelernt (mein Mann übrigens auch nicht)
Bis ich zusammenbrach...meine Ängste lähmten mich, ich hatte so ziemlich alle körperlichen Symptome, nahm zu dem Zeitpunkt schon zwei Jahre Herztropfen gegen Herzstiche und Rhythmusstörungen.
(dazu muss ich sagen ich habe auch Missbrauch in meiner Kindheit erlebt, welchen will ich hier jetzt nicht erwähnen).
10/11 Wochen stationäre und zwei Jahre ambulante Therapie folgten...und viele Jahre im Internet wo ich Menschen fand die mir zuhörten, die mich reden ließen, die mir halfen damit leben zu lernen. Einige kenne ich heute auch persönlich, sie sind Freunde geworden.
Also ich denke mal wenn ich sage "genug ist genug" habe ich jedes Recht der Welt dazu das zu sagen...nur es wird mich nicht vor weiterem Verlust schützen. Das lernen zu müssen, akzeptieren zu müssen was grausam für mich.
Die Angst vor der Angst, was wäre wenn...quälte mich eigentlich mein ganzes Leben lang, lähmte mich immer mehr...ungefähr ab dem Zeitpunkt wo mein Sohn starb, sperrte sie mich auch ein....sperrte ich mich ein....die Angst besiegte mich.
Ich baute mir eine sichere Schutzhülle um mich herum, schloss die Tür und schmiss den Schlüssel weg...erst viel später begriff ich das ich nicht nur "die da draußen alle" ausgesperrt hatte, damit mir keiner mehr was tun konnte (auch wenn jemand starb tat er mir ja damit weh) ich begriff ich hatte mich eingesperrt, aber fand den Weg nicht mehr alleine raus.
Meine Kinder durften eigentlich nichts wo ich nicht dabei war, und wenn ich nicht dabei sein konnte ging ich durch die Hölle (auch meine Kinder gingen durch die Hölle zu der Zeit), ich konnte es kaum ertragen wenn sie nicht in meiner Nähe waren, gleichzeitig konnte ich aber auch ihre Nähe nicht ertragen ...bis ich eben wie gesagt zusammenbrach und Therapie gemacht habe…machen musste.
Die Angst vor der Angst, was wäre wenn...geistert auch heute noch durch meinen Kopf. Manchmal wenn mein Mann nicht pünktlich nach hause kommt, spüre ich wie die Lähmung hoch kriecht in meinem Körper. Manchmal wenn ich meinen Kater ansehe und spüre das seine Zeit langsam abläuft (er ist 15 Jahre alt und hat gutartige Tumore, noch gutartige, am Rücken) kriecht die Angst meinen Körper hoch.
Ja ich habe Angst...ja und? Wenn man jemanden liebt hat man automatisch Angst denjenigen zu verlieren, das ist normal. Aber es ist auch normal das sie bei manchen stärker / größer ist, auch das ist dann normal. Was ich gelernt habe in der Therapie ist „wie gehe ich damit um“, nicht um sie zu bekämpfen, um sie loszuwerden, sondern mit ihr leben zu können.
Was ich auch lernen musste war, es ist „meine“ Angst und nichts und niemand gibt mir das Recht andere damit einsperren, einengen zu dürfen…die schwerste Übung für mich war es dann auch meine Töchter und meinen Mann „loszulassen“, sie ihr Leben erleben zu lassen.
Was ist normal, wo ist die Grenze? Für mich ist meine Angst normal, sie ist berechtigt, aber ich darf mich nicht von meiner Angst leiten lassen, ich muss sie leiten…nur dann ist sie konstruktiv. Nicht gegen die Angst ankämpfen, sondern sie „sehen – spüren - zulassen“ denn eigentlich ist die Angst nur ein uraltes Gefühl das uns vor Gefahr schützen soll, mehr nicht.
Als ich mal zu meiner damaligen Therapeutin sagte „ich habe angst meine Tochter zu verlieren“ … meinte sie ganz brutal „na und“. Pause … Ich war total geschockt (was sie auch gewollt provoziert hat) „Na und…die Angst hat jede Mutter, nur nicht jede Mutter lässt sich davon beherrschen“. Und sollte ihrer Tochter mal irgendwann etwas passieren haben sie immer noch genug zeit sich der Angst und dem Schmerz hinzugeben…aber jetzt sollten sie ihrer Tochter und sich erlauben zu leben.
(ganz ehrlich ich hätte die Therapeutin in dem Moment erschlagen können) … aber sie hatte ja recht.
Als vor ein paar Jahren mein Schwiegervater starb, konnte ich darüber rede, Als Schwiemu starb…oder Filis, unsere Katze. Ich habe verdammt viele Menschen verloren, eigentlich genug für mein restliches Leben…aber ich weiß das ichs es nicht verhindern kann, also mache ich das beste daraus….ich lebe und lasse leben![]()
Was ich damit sagen will ist…Verlustangst zu haben ist normal, nur man sollte nicht versuchen sie „loszuwerden“ sondern mit ihr leben zu lernen. Mir zu erlauben Verlustangst haben zu dürfen, ermöglicht mir auch mir zu erlauben sie nicht haben zu müssen. Offen zu seiner Angst zu stehen, nimmt ihr schon viel von seinem Schrecken.
Lg,
Carla…


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