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Thema: Verlustängste und Entschlusslosigkeit bedrohen die Beziehung

  1. #1
    Neuling
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    Standard Verlustängste und Entschlusslosigkeit bedrohen die Beziehung


    Guten Morgen
    Ich weiß mittlerweile einfach nicht mehr weiter.

    Mein Freund und ich lieben uns und wollen eine gemainsame Zukunft.
    Eigentlich liegen wir auf der gleichen Wellenlänge, haben die gleichen Interessen, träumen den gleichen Zukunftstraum.

    Wenn da nicht das ABER wäre...

    Mein Freund hat absolute Verlustängste, keine eigene Meinung und das Bestreben, es allen recht zu machen!
    Dazu kommt, dass er alles "vergisst" und nicht mitdenkt.

    Mittlerweile ist es soweit, dass ich ihm sein Leben planen und organisieren muss, ihm sagen muss, was er wann wie machen soll und dann auch dafür sorgen muss, dass er das auch tatsächlich macht.
    Ich muss also im wörtlichen und im übertragenen Sinn immer "hinter ihm aufräumen".
    Er macht nur das, was ich ihm sage, dann, wenn ich es ihm sage und das auch nur, nach mehrfacher Erinnerung meinerseits.
    Das führt dazu, dass ich mein eigenes Leben hinten anstellen muss und mittlerweile eigentlich gar keine Zeit mehr habe, mein eigenes Leben zu leben und meinen eigenen Wünschen nachzukommen, denn solche Dinge, wie der Haushalt machen sich ja leider auch nicht von allein.
    Freizeit für mich gibt es nicht. Und da er auch alles auf den letzten Drücker macht, habe ich auch keine Ausweichmöglichkeit mehr.

    Ich habe die Vermutung, dass das aus seiner Kindheit herrührt. Ich habe noch nie erlebt, dass er von seiner Familie für etwas gelobt wurde, egal für was. Im Gegenteil, sie haben immer etwas gefunden, was "nicht gut" ist. Das ist selbst schon anderen Aussenstehenden aufgefallen, die mich darauf angesprochen haben. Er sagt dazu nur "So sind sie halt, so waren sie schon immer", findet es aber nicht schlimm, es fällt ihm eigentlich gar nicht auf.

    Nur, wenn jemand nie irgenwas "gut genug" macht, dann hat er immer das Bestreben, den Anforderungen gerecht zu werden und es allen recht machen zu wollen. Seine eigene Meinung wird hinten angestellt aus Angst vor Ablehnung und zwar so lange, bis es keine eigene Meinung mehr gibt.

    Er hat keine eigene Meinung, egal zu welchem Thema. Ob es die Politik, die Nachrichten, das Wetter, das Mittagessen, eine Unternehmung oder die Wahl seiner Kleidung ist. Es kommt immer der Satz "Ich weiß es nicht" oder "Keine Ahnung".
    Das geht mir mittlerweile so auf den Sender, ich kann es wirklich nicht mehr hören!!!! (Wir sind jetz fast 2 Jahre zusammen).
    Das führt auch dazu, dass eine Unterhaltung nicht möglich ist. Denn wie soll man sich über etwas unterhalten, wenn einer keine Meinung hat?!
    Alle Entscheidungen bleiben auf mir sitzten. Dementsprechend ist er ja auch an nichts Schuld, denn ich treffe ja die Entscheidungen (einer muss es ja machen) und dann bin ich auch Schuld.

    Dazu kommt, dass sich seine Eltern in seiner Kindheit scheiden ließen und das Thema Scheidung in seiner ganzen Familie kein unbeschriebenes Blatt ist. Sicherheit und Gebohrgenheit kennt er nicht wirklich.
    Er sagte mir, dass er sich jetzt in unserer Wohnung zum ersten Mal richtig "zu hause" fühlt.
    Und ich finde, dass sagt schon eine Menge!

    Naja, und dann vergisst er immer alles. Meiner Meinung auch aus Angst. Telefonate (egal mit wem) will er nicht führen, denn man könnte ihm mit einem Nein begegnen. Entscheidungen will er nicht treffen, weil die ja der Meinung eines anderen entgegenstehen könnten, etc.

    Zu guter Letzt:er kann nicht unter Druck arbeiten und ohne Druck passiert auch nix. Und er hat zu allen Vorschlägen, die ich ihm gemacht habe, um diese Dinge in den Griff zu bekommen immer! irgendetwas dagegenzusetzten, weshalb der Vorschlag nicht! funktioniert. Natürlich ohne es auszuprobieren.

    Kleines Bsp:
    Ich: Kannst du nachher bitte den Brief zum Briefkasten bringen, er ist sehr wichtig und muss heute noch raus.
    Er: Ja wenn ich es nicht vergesse.
    Ich: dann schreib es dir auf.
    Er: den Zettel übersehe ich.
    Ich: dann häng ihn dir an die Tür, wenn du raus gehst, siehst du ihn.
    Er: nein, da dort wird er sicher runterfallen.
    Ich: dann kleb ihn fest.
    etc.

    Erinnert mich so ein bisschen an dieses eine Kinderlied von dem Loch im Eimer...
    Alle Vorschläge, die ich mache, egal zu welchem Problem, lehnt er ab. Er selber hat aber auch keine Ideen, wie er es ändern kann. Und wenn ich ihm mehrere Ideen gebe, dann ist er "überfordert, zuviel Input".

    Und von ihm selbst weiß ich kaum was. Er weiß nicht, was er von sich erzählen soll. Wenn ich ihm Fragen stelle, möchte er über seine Vergangenheit nicht reden. Von Problemen hat er mich auch noch nie was erzählt. Diese hier beschriebenen Probleme habe ich mit der Zeit aller selbst herrausgefunden...
    Tja, und ich bin diejenige, mit der er mehr spricht, als mit allen anderen und der er Probleme anvertraut....

    Ich weiß echt nicht mehr weiter!!!
    Ich wollte schon mit ihm zu einem Paartherapeuten, aber auch dagegen stellt er sich! Er habe kein Vertrauen zu solchen Leuten und wenn er schon nicht mit mir richtig reden kann, er könne mit fremden erst recht nicht über seine Probleme reden.

    Das Einzige, was er nicht will ist: Er will mich nicht verlieren.

    Sicherlich würde jetzt jeder normale Verstand sagen : Trenn dich von ihm!
    Aber das möchte ich nicht. Ich liebe ihn.
    Und (auch wenn das jetzt hier nicht so aussieht) er hat auch schöne Seiten. Dinge, die ich an ihm liebe und die ich nicht missen möchte.

    Auch, wenn ich von ihm noch nicht erfahren habe, was er an mir toll findet...

    Wer kann mir helfen? Ich bin über jeden Rat und jede Anregung dankbar!

    LG sternchen

  2. #2
    Verleger Avatar von Physalis
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    Zitat Zitat von sternchen13 Beitrag anzeigen

    Das Einzige, was er nicht will ist: Er will mich nicht verlieren.
    Sicher, er hat sich ja auch eine Sklavin herangezogen, die ihn rund um die Uhr bedient.

    Ich würde an Deiner Stelle nicht in seiner Kindheit danach suchen, weshalb er auf dem Entwicklungsstand eines Kleinkindes ist, sondern bei Dir selbst schauen, weshalb Du an einer Partnerschaft festhältst und überhaupt da hin gekommen bist (!), Dich zu Haushälterin und Kindermädchen in einer Person machen zu lassen.
    Das hat doch mit einer Lebenspartnerschaft nichts zu tun, das liest sich krank.

    Und Du weißt wirklich nicht, was er an Dir toll findet? Siehe nochmal den ersten Satz dieses Postings!

    Was liebst Du denn an diesem Typen? Leidest Du an einem Helfersyndrom? Hast Du ein schlechtes Selbstwertgefühl und glaubst, nur liebenswert zu sein, wenn Du für andere niedere Dienstleistungen erbringst?
    Geändert von Physalis (05.11.2011 um 08:51 Uhr)

  3. #3
    Schreiberling Avatar von Mariposa
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    Hallo Sternchen,

    deine Geschichte hab ich fast genauso schon mal gehört....das heißt ich höre sie immerfort, wenn ich mit einer meiner Freundinnen spreche....
    Leider ist sie noch nicht drauf gekommen, wie sie IHN mal dazu kriegt, sich zu "bewegen", ich auch nicht....
    Ich kann dir nur raten, zu überprüfen, wie stark du unter seinem Verhalten leidest....
    Ich weiß nicht ob das für mich ein Trennungsgrund wäre....
    Ich denke eben auch immer, je länger man sich kennt umso mehr findet man auch negative Seiten des Partners....und manchmal wird das so zu einer Art Wahn....man weiß, der Partner hat den Fehler und wartet schon förmlich drauf, dass er in entsprechender Situation eben wieder so wie wir es nicht mögen reagiert.
    Grundsätzlich solltest du aber auch mal hartnäckig bleiben. Wenn er sich mal wieder absolut nicht enscheidet dann entscheide auch du nicht und beharre: Ich will DEINE Meinung!
    Mehr fällt mir momentan nicht ein....
    LG von Mari
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  4. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Mariposa für den sinnvollen Beitrag:

    sternchen13 (05.11.2011)

  5. #4
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    Hallo

    Aus dem ganzen Text heraus scheint mir doch eine liebevolle Beziehung zu bestehen. Du hast da ein paar Aussagen gemacht, dir mir aufgefallen sind, wie Euer "Rollenspiel" abläuft.
    -Ich muss also im wörtlichen und im übertragenen Sinn immer "hinter ihm aufräumen".
    - Er macht nur das, was ich ihm sage, dann, wenn ich es ihm sage und das auch nur, nach mehrfacher Erinnerung meinerseits.

    Lief denn das in seinem Elternhaus etwa so oder ähnlich ab?

    Von seinem Elternhaus könnte da schon viel in die Beziehung mit Dir hineinwirken:
    - Entscheidungen will er nicht treffen, weil die ja der Meinung eines anderen entgegenstehen könnten, etc.
    - denn man könnte ihm mit einem Nein begegnen.
    - Ich habe die Vermutung, dass das aus seiner Kindheit herrührt. Ich habe noch nie erlebt, dass er von seiner Familie für etwas gelobt wurde, egal für was. Im Gegenteil, sie haben immer etwas gefunden, was "nicht gut" ist.
    Wie hat er das nur so ausgehalten?
    Mittlerweile ist es soweit, dass ich ihm sein Leben planen und organisieren muss, ihm sagen muss, was er wann wie machen soll und dann auch dafür sorgen muss, dass er das auch tatsächlich macht.
    Vielleicht ist er nun total auf Rückzug, um nicht noch mehr "falsch" zu machen. (das ist hier nur ein kleiner Teil dessen, was sich aus Deiner Beschreibung untergründig abspielen könnte) -nicht muss!
    LG Sonnenkraut

  6. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Sonnenkraut für den sinnvollen Beitrag:

    sternchen13 (05.11.2011)

  7. #5
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    @ Physalis: tut mir leid, aber deine Meinung kann ich ganz und gar nicht teilen.

    @ Mariposa: du hast recht, manchmal wartet man wirklich fast drauf..
    Und ich bestehe schon drauf, dass er seine Meinung sagt, aber das hilft nicht wirklich.. allerdings habe ich mir jetzt schon eine "Weiß-ich-nicht"-Kasse einfallen lassen. Immer, wenn er sagt "ich weiß nicht" o.ä., dann muss er 10 Cent in diese Spardose geben..
    Es wirkt zumindest ein bisschen.. Vielleicht wäre soetwas ähnliches auch was für deine Freundin..

    @ Sonnenkraut: ich kann dir nur in vollem Umfang zustimmen!!!
    Und ich würde dieser ganzen Problematik mal auf den Grund gehen lassen...
    aber das ist ja leider nicht so einfach...

  8. #6
    Verleger Avatar von Physalis
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    Zitat Zitat von sternchen13 Beitrag anzeigen
    @ Physalis: tut mir leid, aber deine Meinung kann ich ganz und gar nicht teilen.
    Kein Problem, hatte ich nicht anders erwartet .

  9. #7
    Schreiberling Avatar von Mariposa
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    @sternchen: gute Idee, das mit der Spardose!!! Es bringt vorallem etwas Leichtigkeit und "Fun" in die Sache und entschärft das Ganze, also die Gefahr besteht ja doch, dass aus solchen Situationen Streit entsteht....
    Den Partner meiner Freundin betreffend hatten wir auch schon die Befürchtung, dass er depressiv sein könnte, weil er eben so oft Fünfe grade sein lässt, dass er möglicherweise zu wenig Freude im Leben empfindet....bei denen hängt ja das Geschäft dran, meine Freundin muss ständig drauf achten, dass er seine Aufträge erfüllt...wie eine Mutter eben....ihn wecken, aufpassen dass er dann und dann nicht zu lang weg bleibt...
    Also nochmals Danke für den Tipp!!!
    LG von Mari
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  10. #8
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    @Mariposa: sehr gern
    Ja, das mit dem "wie eine Mutter" kenn ich..

    Und leider auch das Thema mit der Depression...
    Das ist allerdings bei mir ein Thema der Vergangenheit.
    Was ich allerdings zu diesem Thema empfehlen kann ist das Buch:

    Achterbahn der Gefühle: mit Manie und Depression leben lernen
    von Thomas Bock

    Das hat mir geholfen vieles zu verstehen und herauszufinden,ob das Verhalten mit Depression oder mit Faulheit zu tun hat..

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