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Thema: Verschleiertes Mobbing

  1. #1
    Neuling
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    Standard Verschleiertes Mobbing

    Hi,

    dieses Verhalten habe ich schon sehr häufig beobachtet und ich wollte mal eure Meinung dazu hören.
    Unter verschleiertes Mobbing verstehe ich folgendes:
    Menschen versuchen uns mit Worten zu beleidigen/mobben, indem sie eine bestimmte Technik anwenden, bei der es immer möglich ist in einer späteren Situation der Konfrontation wieder zurückzurudern und zu behaupten: "Das war doch gar nicht so gemeint/Jetzt reagier doch nicht über".
    Hier ein Beispiel (Namen sind frei erfunden):
    Stefan (24) und Mark (26) sind Brüder.
    Mark ist ein eher verschlossener Typ Mensch, hat nicht viele Freunde und verbringt seine Wochenenden eher zu Hause vorm Rechner.
    Stefan ist ein gesseliger Mensch, lädt oft Freunde ein, ist viel unterwegs.
    Mark schien immer eifersüchtig auf den schulischen und gesellschaftlichen Erfolg von Stefan zu sein.
    Mark hat seine mittlere Reife gemacht und mit 17 eine Ausbildung angefangen.
    Er wurde von seiner Firma übernommen und arbeitet nun schon seit 7 Jahren in seinem Beruf und verdient gut.
    Er hat mit seiner Freundin eine eigene Wohnung
    Stefan hat Abitur gemacht und studiert jetzt seit 5 Jahren und hat die Regelstudienzeit damit schon weit überschritten.
    Stefan ist auf finanzielle Unterstützung der Eltern angewiesen und lebt noch zu Hause.
    Mark erwähnt sehr oft in Gesprächen genau diese finanzielle Unterstützung.
    -Die ganze Familie beim Essen. Mutter und Mark haben sich in Abwesenheit von Stefan über die Finanzen unterhalten. Mark erwähnt beiläufig: "Stimmts Mama, für Stefan müsst ihr fast 500€ im Monat mehr ausgeben?"
    -Persönliches Gespräch zwischen Mark und Stefan. Mark sagt: "Unsere Eltern unterstützen dich ja"

    Beide male war die Bemerkung aus dem Zusammenhang des Gesprächs gerissen.
    Mark versucht auch manchmal das Gespräch so zu leiten, dass er die Gelegenheit bekommt genau dies anzumerken.
    Er reibt es Stefan in vielen Gelegenheiten unter die Nase.
    Spricht Stefan ihn darauf an und sagt, dass es ihn verletzt immer vorgeworfen zu bekommen, er wäre noch finanziell abhängig, kommt immer das selbe: "Was? Nein, so war das gar nicht gemeint!" oder "Jetzt reg dich mal nicht so auf"
    Manchmal glaubt Stefan, sogar, dass er überreagiert hat aber die ständigen Vorwürfe machen ihm schwer zu schaffen.
    Jedes mal, wenn Stefan den Mut aufbringt mit dem Betroffenen (z.B. Mark) über seine Sorgen zu reden bekommt er das selbe zu hören.
    Er erlebt diese Situation nicht nur mit seinem Bruder, sondern auch im Beruf oder im Freundeskreis.
    Man könnte natürlich unterstellen, Stefan sei empfindlich und sensibel.

    Wer ständig unter verschleiertem Mobbing leiden muss und in Gesprächen nichts erreicht, gerät irgendwann in eine schwierige Situation, in der ein ständiges Hin und Her entsteht zwischen "Das verletzt mich doch immer. Das kann doch nicht sein, dass die Leute, dass nie so meinen, wie sie es sagen." und "Vielleicht bin ich doch manchmal sehr empfindlich, vielleicht sollte ich einfach darüber hinwegsehen."
    Diese Pattsituation ist für die Psyche sehr schädlich und führt nicht selten zu starken Depressionen.
    Man fühlt sich verraten, ausgenutzt, belogen,...
    Zudem wird man immer offener für verschleiertes Mobbing.
    Bei den Mitmenschen entsteht der Gedanke: "Ach, mit dem kann man doch alles machen und wenn er sich später beschwert sage ich einfach, er wäre sensibel und würde überreagieren. Dann lässt er schon ab und ich kann weiter mobben."

    Moderne Gesellschaften machen sich diese Methode leider viel zu oft zu Nutzen. Doch was ist der Sinn dahinter? Warum mobbt man eigentlich verschleiert?

    Es ist denkbar einfach.
    Der Mobbende fühlt sich in der Mobbing-Situation mächtig.
    Er hat die Macht über die Gefühle des Opfers.
    Er kann über die Stimmung des Opfers entscheiden und muss keine Konsequenzen befürchten, denn das Opfer ist schwach und kann sich nicht wehren.
    Wir nehmen also für einen kurzzeitigen Push unseres Selbstbewusstsein in Kauf, dass es dem Opfer schlecht geht.
    Die geringe kurzzeitige Steigerung des Selbstwertgefühls steht allerdings in keiner Relation zu den Schäden, die wir beim Opfer verursachen.

    Warum arbeiten nicht einfach alle Menschen gut zusammen, sind ehrlich und freundlich zueinander, helfen sich gegenseitig?

    Diese eigentlich edlen Eigenschaften haben an Wert verloren.
    Wer freundlich, höflich, nett ist wird knallhart ausgenutzt.
    Darum will keiner so sein.
    Ein Teufelskreis, der unsere Gesellschaft kaputtmacht.
    Jeder denkt nur noch an sich, an sein persönliches Wohl/Reichtum.
    Die Folgen sind verherend.

    Ist es wirklich "geil ein Arschloch zu sein" ?

  2. #2
    Roman Verfasser
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    Die entscheidende Frage ist für mich, wieso lassen sich die einen mobben, die anderen nicht. Der Grund liegt in einem selbst.

    Klar hat die Welt genug Menschen, die andere aus eigener Unsicherheit fertigmachen.

    Aber es gibt genauso Leute die aus eigener Unsicherheit und schlechter Laune heraus jeden Spruch und jeden Scherz als feindlich auffassen.

    Letztlich liegt es an mir selbst, mit der Welt klarzukommen.

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Erwin für den sinnvollen Beitrag:

    BlueMoon31 (24.05.2012)

  4. #3
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    Bedankte sich ein mal in einem Post.

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    Ich glaube nicht, dass es geil ist ein Arschloch zu sein, aber wir Menschen können mit Macht nicht umgehen und neigen ständig dazu, Situationen zu unserem Vorteil auzunutzen...
    In deinem Beispiel hat Mark endlich mal die Chance, es seinem Bruder Stefan "heimzuzahlen" - Stefan besitzt die gesellschaftlich relevanteren Eigenschaften (höhere Schulbildung, soziale Kompetenz...), schöpft dieses Potential aber nicht in vollem Umfang aus (Regelstudienzeit überschritten, immernoch abhängig von den Eltern)...diesen Umstand nutzt der Bruder, um sich endlich mal ins rechte Licht zu rücken (eigene Wohnung, finanziell unabhängig).
    Leider habe ich diese Eigenschaft schon an mir selber beobachten können und war total erschrocken darüber. Ich bin bestimmt kein Arschloch...kann es aber manchmal sein!
    Ich habe eine Freundin, die für eine NGO in Kambodscha gearbeitet hat - alles Entwicklungshelfer mit den besten Absichten. Sie hat mir erzählt, dass viele Mitarbeiter angefangen haben, sich in dem Land wie "Herren" aufzuführen...Haus mit Angestellten und eine Reihe anderer Privilegien, die sie so in Deutschland nie erfahren würden. Der eigentliche Zweck - Entwicklungsarbeit - trat in den Hintergrund. Es ging nur noch um Status. Meine Freundin ist ziemlich frustriert wieder nach Deutschland gekommen - die Entwicklungshelfer mit den Angestellten sind in Kambodscha geblieben.
    Mich hat das sehr beschäftigt und ich habe mich gefragt: warum passiert sowas? Sind wir Menschen einfach schlecht? Überwiegen, wie Machiavelli sagt, unsere negativen Eigenschaften?

    Jemand, der es darauf anlegt, in allen Dingen moralisch gut zu handeln, muß unter einem Haufen, der sich daran nicht kehrt, zu Grunde gehen. Niccolo Machiavelli

  5. #4
    Schreibkraft Avatar von free 93
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    macht ist nunmal macht...
    das zitat von suzy ist gut und passend. denn wie sollte ich darauf kommen wenn man selbst immer nur ausgenutzt wird usw. das zu danken indem ich mich aufopfere immer nett bin usw. das wäre ja schon fast selbstzerstörung. mein zitat in meiner signatur beschreibt das auch...

    es ist nunmal so, dass ich nicht immer die mitmenschen als meine freunde betrachte, denen ich was gutes tun muss, nein aus frustration und neid entstehen solche situationen und dann es ist es an dem mobbingopfer es zu ignorieren und sich seinen teil zu denken oder sich fertig zu machen...und ich denke die meisten werden wissen wie schwer es ist sich dabei selbst noch treu zu bleiben...
    Der Sklave will nicht frei werden. Er will Sklavenaufseher werden.
    Gabriel Laub


    Bevor ich falle, falle ich lieber auf!!

  6. #5
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    Richtig,

    es gibt Menschen, die sich mobben lassen, die eben nichts sagen, wenn sie gemobbt werden, sich alles gefallen lassen.
    Sollte man zur Besserung der Situation nun die Menschen auffordern etwas zu ändern, die gemobbt werden?
    Sollen Teamwork, eine gute partnerschaftliche Beziehung, eben alle
    Was heißt für sie "Letztlich liegt es an mir selbst, mit der Welt klarzukommen."?
    Welchen Weg soll der Gemobbte einschlagen?
    Soll er versuchen in Gesprächen die Situation zu klären?
    Wie soll er die Situation ändern, ohne dabei selbst ein Mobber zu werden?

    Meine Erfahrungen zeigen eben, dass Gespräche mit betroffenen Mobbern zu keiner Besserung führen.

    Klar muss man sich die Frage stellen: Ist das jetzt wirklich Mobbing oder einfach nur ein Spaß unter Kollegen/Freunden?

    Aber sollte man sich dann nicht auch die Frage stellen: "Kann ich diese Art von Späße nicht einfach unterlassen, wenn der Betroffene mich schon angesprochen hat deswegen?"

    Ich beleidige Menschen nicht. Ich mache auch keine Späße auf ihre Kosten, wenn ich weiß, sie könnten es falsch verstehen und wenn doch mal die Situation kommt, dass ich einen Scherz gemacht habe, der vllt. falsch rübergekommen sein könnte, dann spreche ich die Person direkt darauf an. Ich versuche rücksichtsvoll mit meinen Menschen umzugehen und habe das Gefühl, dass diese Einstellung nicht den Stellenwert hat, den sie meiner Meinung nach haben sollte. Als Sensibelchen würde ich mich nicht beschreiben. Es gibt Menschen, mit denen ich einen respektvollen Umgang pflege. Bei denen kann ich auch mal Witze auf ihre Kosten machen ohne, dass sie sich angegriffen fühlen und denen gestatte ich auch Witze auf meine Kosten zu machen, weil ich weiß, dass sie mich nicht als Mobbingopfer sehen sondern als Freund, der den Spaß nicht falsch versteht.
    Geändert von UnterPalmen (09.01.2012 um 18:23 Uhr)

  7. #6
    Neuling
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    Zu Suzy und free 93:

    Die Argumentation gefällt mir.
    Ist es nicht traurig, dass wir uns in diese Hierarchie einordnen müssen?
    Es scheint keinen anderen Weg zu geben, sich Mobbing zu entziehen, ohne dabei selbst zum Mobber zu werden.
    Passt gut zu den beiden Zitaten.

  8. #7
    Roman Verfasser
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    Zitat Zitat von Suzy Beitrag anzeigen
    ... Entwicklungshelfer mit den besten Absichten. ... angefangen haben, sich in dem Land wie "Herren" aufzuführen...Haus mit Angestellten und eine Reihe anderer Privilegien ... warum passiert sowas? Sind wir Menschen einfach schlecht? Überwiegen, wie Machiavelli sagt, unsere negativen Eigenschaften?
    Hahaha. Ein sehr gutes Beispiel. Es zeigt sehr schön daß, nur weil wir uns selbst als hilfsbereit und edelmütig erleben, es noch längst nicht sein müssen.

    Oder nur weil man gemobbt wird, heißt das nicht daß man automatisch dagegen gefeit ist, selbst zu mobben. Man nimmt es dann selbst nicht war, wenn man mobbt, oder sieht es eben als gerechtfertigt.

    Tja, warum passiert das. Der Mensch verdrängt eben seine schlechten Seiten. Er ist darauf trainiert das Schlechte bei den Anderen, und das Gute nur bei sich zu sehen.

  9. #8
    Neuling Avatar von PolyTrauma
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    "Er ist darauf trainiert das Schlechte bei den Anderen, und das Gute nur bei sich zu sehen. "

    ist es so? passieren deshalb immer dieser "projektionen"? Neid, Hass, Gier nur in anderen zu sehen?

    Eine Kollegin von mir warf mir alldies vor, dabei würde ich das eher ihr im erhöhten Maße zuschreiben nicht zuletzt weil sie es eben mir aus heiterem Himmel vorwirft.

    Auch schnitt sie den Kontakt ab weil sie meint bei uns sind Persönlichkeiten die Mobben würden, dabei mobbte sie mich dann selber (extremes ignorieren/schneiden), weil ich sie angeblich gekränkt haben soll - was sie mir erst sehr spät sagte.

    zu dem ausgangsposting:

    ich denke es kommt immer auf die eigene sichtweise an, zieht man sich den schuh an oder nicht. stefan war wohl in sich schon nicht so einig und zufrieden damit und schämt sich, unterstützt werden zu müssen und reagiert deshalb auf mark so sensibel weil es eine wunde ist. für niemanden ist es schön noch von den eltern abhängig zu sein. das sind normale brüderliche macht rangeleien. da kann man auch drüber lachen und nen spruch entgegen bringen aber ich habe gut reden, solche sprüche habe ich auch ewig von meinem bruder und meiner mutter zusammen gehört und habe darüber auch sehr viel geweint! "immerhin habe ICH ne ausbildung!" etc. damals mit 16 wo ich aus einer ausbildung rausgeschmissen wurde (unverschuldet) war das echt gemein darauf herumzuhacken. familie ist manchmal echt böse aber ich weiß heute, dass ich einfach hypersensibel bin. besonders bei solchen themen. bei anderen themen wiederum nicht.

    also lieber an dir arbeiten andere kann man nie ändern.

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