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Thema: Verstrickt und ratlos - Etwas langer Text

  1. #1
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    Standard Verstrickt und ratlos - Etwas langer Text

    Hallo liebes Forum,

    ich weiss nicht mehr weiter und bevor ich wieder etwas Dummes mache und es hinterher bereue, schreibe ich mal mein Problem auf, vielleicht hilft mir das Feedback.

    Zu meinem Weg bisher:
    Meine Eltern sind geschieden, und ich hab bis etwa meinem 13.Lebensjahr bei meiner Mutter gewohnt.
    Diese wollte dann eines Tages in eine andere Stadt ziehen und auf ihre Frage, ob ich mitwollte habe ich verneint um bei meinen Freunden bleiben zu können.
    Bin dann zu meinem Vater und seiner neuen Frau gezogen. Es gab sehr oft Streit, weil ich meine Stiefmutter nicht aktzeptieren konnte.

    Mit 17 bin ich nach einem Streit von zuhause ausgezogen
    wurde onlinesüchtig, brach die Schule ab, der Kontakt zu meinen Freunden nahm immer mehr ab.
    In der Familie einer Freundin fand ich Halt und arbeitet auch in deren Betrieb mit.
    In dieser Familie habe ich auch immer mehr Zeit verbracht und mich immer wohler gefühlt.

    1 Jahr später sind in einem gemeinsamen Urlaub, der Sohn (mein bester Freund, die Tochter (eine langjährige Schulfreundin) und die Mutter der Familie ums Leben gekommen.
    Meine Welt hatte sich (gefühlt) ganz aufgelöst.
    Ich hab mich dann fangen können, arbeitete in einem Kino, holte die Schule nach und machte mit 23 mein Abitur.

    Anschliessend beschäftigte mich tagelang damit, welches Studium ich jetzt machen wollte und kam schlussendlich ohne bewusst aussprechbaren, oder im Nachhinein überzeugenden Grund zu einem etwas speziellen Studiengang.
    Ich zog um, studierte 2 Semester, war unglücklich und redete mir dann so große Zweifel ein, dass ich das Studium abbrach.
    Wieder ging es los mit der Suche nach einem geeigneten Studiumsfach, der Druck den ich fühlte war sehr groß.
    Ich war recht orientierungslos.

    Ich entschied mich dann wieder für ein Studium und habe jetzt wieder 2 Semester studiert.
    Nach einem Semster hatte ich jedoch mit meinem Hauptfach Zweifel und wechselte hochschulintern unter größerem Aufwand in ein passenderes. Die Prüfung die ich mitschrieb war dann auch sehr gut.
    Im Nachhinein kann ich die Wahl dieses Studiums (Lehramt, Grund und Hauptschule) nur begründen indem ich keine Alternative wusste, mein Bruder das selbe Fach schoneinmal studiert hat und ich Geschwister im Grundschulalter habe)

    Wenn ich jetzt bis zum Abschluss weiterstudiere, bin ich 30 und muss dann noch 1,5 Jahre ins Ref. Dann kann ich mit 32 den Beruf ausüben.
    Ich frage mich ob ich mir nicht lieber eine Ausbildungsstelle in meiner Heimat suchen soll.
    Meine Mutter kann mir nicht helfen, weil sie mit ihrer eigenen Welt zu kämpfen hat.
    Mein Vater versucht es soweit es geht.

    Jetzt sind Semesterferien, ich bin 26.
    Meine Freunde sind bis auf wenige mit ihrem Studium schon fertig und der Kontakt hat fast ganz aufgehört.
    Ich fühle mich total minderwertig, weil ich nicht mithalten kann. Der Altersunterschied zu meinen Komilitonen ist ein Problem für mich, den ich versuche nicht zu beachten und mich wie einer von ihnen zu fühlen.
    Ich versuche alles perfekt zu machen, aber habe immer mehr das Gefühl das ich mich von mir selbst sehr weit entfernt habe und ich etwas falsches lebe und dies ändern sollte.
    Manchmal denke ich, dass wenn ein Problem auftaucht, dass ich dann eher mich verändere und nicht das Problem angehe.
    In ganz normalen Gesprächen reagiere ich total unerfahren, verkrampft und habe Probleme mir Dinge merken zu können.
    Habe das Gefühl mein Unterbewusstsein ist überlastet.
    Mit Frauen habe ich seit 8 Jahren nur freundschaftlichen Kontakt und bin zu viel alleine.
    In der Stadt in der ich wohne fühle ich mich nicht zuhause und kann mich mit ihr nicht identifizieren.
    Ich kann aber auch nicht wirklich sagen, wo mein Problem liegt oder ob ich mir alles nur einrede.
    Ich weiss nur dass ich mich oft hilflos fühle, mir oft der Mut fehlt und ich nicht weiss was das Beste für mich wäre.

    Heute habe ich die Nummer einer psychologischen Beratungsstelle besorgt und werde mir da einen Termin geben lassen.
    Vielen Dank fürs Lesen diese chaotischen Texts und vielleicht weiss jemand einen Rat für mich.

    Bus

  2. #2
    Neuling
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    Pfeil

    Zu allererst muss ich dir sagen, dass ich schon mal grundsätzlich den Hut vor Dir ziehe, wie du deine ganze Vergangenheit "rübergebogen" hast. Dir ist einiges passiert, die Umstände waren nicht gerade die besten, und trotzdem hast du weitergemacht. Auch wenn du diesen Umstand nicht erkennen kannst, oder er dir nicht bewusst ist, aber das ist alleine schon eine jahrelange, respektable Leistung.

    Vielleicht hilft es Dir, wenn du dir einfach einmal bewusst machst, dass du eigentlich für deine Vergangenheit nichts kannst. Du hast nicht deiner Mutter gesagt, das sie sich trennen soll und wegziehen soll. Du hast auch der Familie, in welcher du dich so sehr wohl gefühlt hast nicht gesagt, dass die Hälfte davon sterben soll. Du hast nur das getan, was man in dieser Sitution richtigerweise machen kann. Lernen, damit umzugehen.

    Was ich damit sagen will ist, mach dir doch mal im ersten Step bewusst, wie grenzenlos stark du eigentlich bist, wie sehr du Kraft investieren kannst, wenn es darauf ankommt. --> es gibt nicht viele, die nach diesen ganzen Ereignissen noch die Kraft aufbringen können und die Schule abschließen können geschweige dem wollen.

    Zu Deiner innerlichen Zerrissenheit... wenn ich das so nennen darf. Ich denke, dass es wichtig ist, dass du mit deiner Vergangenheit abschließt und dir - wie bereits geschrieben - klar machst, dass du nichts dafür kannst wie deine Geschichte geschrieben wurde. Jedem blühen im Leben Situationen, die weh tun, dich zerreissen, dir den Boden unter den Füßen wegziehen. Aber dafür kannst du nichts. Du hast versucht den besten Weg zu gehen, und tust das auch gerade.

    Und das man mit 26 (die ich übrigens auch bin, und ich kenne das Gefühl und bin bereits in Therapie) nicht unbedingt genau weiß was man will, das ist auch ganz normal. Insbesondere dann, wenn man einfach, wie soll ich sagen, "keine Zeit hatte" um sich in seiner Jugend Gedanken darüber zu machen, was "man werden will". Und du hattest bei Gott andere Sorgen!

    Das mit Deinem Alter kann ich durchaus verstehen, aber das darf nicht der Grund sein, dass du dir einen Kopf machst. Das sind Kleinigkeiten. Ich habe selbst ein berufsbegleitendes Studium gemacht, und bei mir waren Kollegen im Studium, die teilweise kurz vor der Pension standen.

    Überdenke vielleicht woher deine Ansprüche auf "das perfekte Studium" und den "idealen Lebensverlaufsweg" kommen, worin die begründet sind. Wer sagt, dass ein Studium, welches mit 31 abgeschlossen wird "schlecht" ist?

    Eine Freundin hat mit 25 beschlossen, dass sie ein Studium zur Medizinerin macht - rechne dir aus, bis wann sie "fertig" sein wird und praktizieren "darf". Das ist alles vollkommen irrelevant. Du gehst DEINEN Weg, und der ist dann "richtig", wenn du dich damit wohl fühlst. Willst du also Lehrer werden, dann werde es. Hinterfrage aber zuerst, ob es nicht vielleicht wirklich ein bisschen mit Vergangenheitsbewältigung zutun hat..
    "Ist es dein inneres Kind, dem du Zuneigung schenken solltest..?" ... ?

    Das kannst nur du herausfinden. Also mein Tipp, Zähne zusammenbeißen, weitermachen und Prio 1, herausfinden was dich glücklich macht und die Vergangenheit abhaken. (Klingt leicht, ist es aber nicht, das weiß ich...aber du bist ja ein starker Charakter. Kümmere Dich um Dich! :-) )

    ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen!

    lg, 85 Elfen!

  3. #3
    Neuling
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    Standard

    Hallo 85Elfen,

    und erstmal Danke für deine Antwort, hat gut getan deine verständnisvollen Worte zu lesen.
    Ich habs mir mal ausgedruckt und werd zuhause drüber nachdenken, habe gerade nur hier in der Bibliothek einen Internetanschluss.

    Wünsche dir einen schönen Tag!
    Bus

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