Ich weiß nicht genau, auf was ich hinaus will, ich weiß nur, dass ich etwas ändern muss.
Ich fange am besten vorne an...
Vor 20 Jahren wurde ich geboren. Meine Eltern waren privat versichert, wurden in der Bank vom Filialleiter empfangen, mein Vater hatte ein Feldbett im Büro und hat nebenher noch Berichte für eine Lokalzeitung geschrieben, meine Mutter war eine glückliche Frau und wollte (und musste) nicht mehr arbeiten, als ich (durch Zufall) gezeugt wurde und entsprechend auf die Welt kam.
Sie besaßen mehrere Immobilien und eigentlich war ich der Prototyp eines Snobs, der zu viel Geld und zu viel Spaß hat.
Es gab einen geringen Makel, mein Vater hatte hat häufiger mal einen über den Durs getrunken - aber schließlich hatte er ja viel Stress, viel Arbeit, da darf er das schon mal.
3 Jahre später kam meine Schwester zur Welt und mein Großvater starb kurz davor. Mein Vater freute sich zwar über seine Tochter, hatte aber enorme Schuldgefühle wegen seines Vaters: Er hatte den Ärzten gesagt, sie sollen eine Operation durchführen, bei der er einen Schlaganfall erlitt und an den Folgen kurze Zeit später starb.
Er hat das alles nie verarbeitet und sein Wein zum Feierabend wurde Weinbrand zum Frühstück.
Die folgenden Jahre waren so rasant und höllisch, dass es mir durchaus schwer fällt, sie zu beschreiben.
Mein Vater hat in bis zu meinem 13. Geburtstag 22 Eintgiftungen und 2 Therapien "hinter sich gebracht".
Das hatte zum einen zur Folge, dass ich nie an eine wirkliche Vater-Sohn-Beziehung gewöhnt wurde. Ich habe ihn geliebt, aber wie kann ich meinen Vater als Vorbild nehmen, wenn er meiner Familie so viel Kummer bereitet?
Die Auswüchse dessen, was gemeinhin als "großartige, unbeschwerte Kindheit" betrachtet werden, war für mich eine von Angst, Hass und Schmerz geprägte Zeit.
Meine Mutter wollte für uns immer das Beste, aber leider war sie nur eine Mutter und meinen Vater habe ich nur in den Zeiten zwischen den Krankenhausaufenthalten gesehen - es war schwer für mich, ein männliches Rollenbild zu entwickeln.
Ebenso vernachlässige ich soziale Aktivitäten. Es ist beschissen, wenn diene Freunde dich fragen, warum die Polizei deinen Vater nach Hause bringt und weshalb danach der Krankenwagen kommt.
Ich hatte von meinem 8 bis zum 13 Lebensjahr praktisch keine Freunde, aber anstatt zu überdenken, ob ich vielleicht das Problem bin habe ich einen Hass auf die Gesellschaft entwickelt.
Keine Frage, ich war nicht der Schuldige, aber auch nicht das Opfer, wie ich es zu gern darstellte. ich war vielleicht zu jung, aber auch einem 12-jährigen sollte auffallen, dass auf Aktion immer Reaktion folgt und es nich förderlich ist, generell von jedem Menschen das Schelchteste zu erwarten, wenn man Freunde sucht.
Es kam, wie es eigentlich kommen musste: Mur wurde die Schule absolut egal, weil meine Familiären Probleme so sehr meinen Alltag bestimmten. Ich las Zeitung während des Unterrichts, machte aus Prinzip keine Hausuafgaben, bis ein Lehrer mir sagte, dass ich niemals auch nur einen Hauptschulabschluss bekommen werde.
Daraufhin wechselte ich auf die Realschule, tat nicht mehr und bekam dafür nicht weniger. Ich hatte damals so etwas ähnliches wie Selbstvertrauen. Bis ich Freunde fand, sollte es dennoch noch 2 Jahre dauern.
Meine Mutter schrieb mir häufig entschuldigungen, weil sie wusste, dass ich es schwer i nder Shcule hatte.
Ich war dann den ganzen Tag bei ihr und im Alltag wurde ich häufig für das Verantwortlich gemacht, was falsch lief. Immer nur indirekt, sie sagte nie, ich wäre schuld - aber wenn die eigene Mutter weinend vor einem steht und nicht will, dass man bei ihr ist, weil sie "es jetzt nicht ertragen kann", wenn die eigene Mutter sagt, man wäre schuld, dass sie den Termin verpasst, weil man den Abwasch nicht schnell genug erleidgt hat, dann fühlt man sich schuldig. Immer.
Unsere Immobilien wurden wegen des alkoholbedingten Jobverlustes meines Vaters verkauft, wir hatten nur noch unser Einfamilienhaus, in dem wir bis heute leben.
Im Sommer 2003 wurde mein Leben vom Vorhof zum Hauptgebäude der Hölle. Ein Brief von einem Arzt, der meine Mutter auf alle möglichen Krankheiten gescheckt hatte, kam hereingeflattert. Mein Vater hatte gerade die 2. Flasche Mariacron angefangen.
Sie las ihn durch und verstand nicht. Ich las ihn durch und verstand nicht viel mehr, bis auf den Satz "verdacht auch malignes karzinom".
Warum ich das verstand weiß ich bis heute nicht, aber ich wusste, dass meine Mutter Krebs hat.
Mein Vater tat das, was er immer tat, wenn es zu stressig wurde und betrank sich. Meine Mutter tat ebenfalls ihr bestes und nahm Schmerztabletten.
Man bedenke: Nach wie vor galten wir in der Nachb*****aft als Vorzeigefamile!
Das lag vor Allem an den gut erzogenen Kindern. Denn ich wurde gelehrt, dass ich meine Bedürfnisse vor denen anderer stest zurückzustellen habe. Das ich immer freundlich sein muss. Das ich immer tun muss, was man mir sagt.
Es begannen die schlimmsten Monate meines Lebens, mein Vater war nicht ansprechbar, meine Mutter schwer krank und ich sorgte den ganzen Tag nur dafür, dass meine Schwester möglichst wenig davon abbekam.
Ich habe den Haushalt praktisch allein geführt.
Der Chefarzt der Klinik, in der meine Mutter ihre Chemotherapie bekam, ist unser Nachbar und er wusste als einer der wenigen vom Problem meines Vaters.
Er ging eines Morgens im herbst auf ihn zu und sagte ihm, dass er seine Sachen packen solle, dass er jetzt die letzte Entgiftugn seines Lebens amchen würde.
Später fand ich heraus, dass der Arzt wusste, dass meine Mutter sterben würde. Er hatte meinem Vater gesagt, dass er dafür sorgen wird, dass meine Schwester und ich in ein Heim kommen, wenn er nicht aufhört, zu trinken. Und das ihm bewusst wäre, dass mein vater sich umbrignen würde, wenn er uns verlieren würde.
Im November kam dann der Anruf, mein Vater war wieder zuhause und trocken.
Er kam weinend in mein Zimmer: "Du musst aufstehen, wir müssen ins Krankenhaus, Mama liegt im sterben".
Wir waren darauf gefasst, aber ein 13-jähriger Junge ist niemals auf den Tod seiner Mutter vorbereitet.
Ich ging ins Badezimmer, zig mir etwas an und kotzte.
Meine Mutter war nicht mehr ansprechbar.
Sie starb 3 tage darauf.
Anschließend kam heraus, dass meine mutter viele Behördenbriefe unterschlagen hatte. Gegen meinen Vater war seit Wochen ein Haftbefehl wegen nicht bezahlter Rechnungen erlassen. Wir hatten 200.000€ Schulden, mein Vater war Arbeitslos.
Die Verwadnten meiner Mutter kümmerten sich fürsorglich, räumten mit auf, entwedetten den ein oder anderen Schuldschein auf ihren Namen und wurden nie wieder gesehen.
Mittlerweile bin ich 20.
Ich habe einen großen Freundeskreis. Und viele Menschen, denen ich, nach langer langer Zeit, wirklich vertraue.
Dennoch plagen mich unmengen an Problemen.
Ich habe definitiv ein Helfersyndrom, ich helfe zwar gern, aber ich tue es häufig nur, weil ich erwarte, dass mich der Gegenüber anschließend mag. und auch, weil ich schuldgefühle habe, wenn ich etwas nicht tue. Sei es nur das "kommst du mit zur Party", ein "fährst du mcih da und da hin" oder etwas größeres, ich kann nicht nein sagen und dränge mich häufig sogar auf, Dinge zu tun, die irrational sind, weil sie mir mehr nachteile als dem andere nVorteile bringen.
Leute werfen mir vor, ich wäre Selbstverliebt - was aber ausschließlich gespielt ist. Ich kenne kaum Eigenschaften an mir, die ich mag.
Ich bin zu einem perfekten Schauspieler geworden, ich täusche über unglaublich viele Dinge hinweg. Man hat mich beim Vorstellugnsgespräch gelobt, weil ich so selbstsicher wäre - was nicht der Fall ist. Ich wusste nur, welche Fähigkeiten gesucht werden und täuschte sie vor. Ich bin fast zu einer Art sozialen Chamäleon geworden, ich bin fas jedem sympathisch, weil ich eine gute Menschenkenntnis habe und - vielleicht auch, weil ich mich oft reflektiere - sehr schnell durchschaue. Das bietet Vorteile bei Gesprächen, ich kann auf den Partner eingehen und mich entsprechend anpassen.
Ich arbeite in einer Bank, es gibt bis jetzt eigentlich keinen Kunden, der nicht gekauft hat.
Nur diese Scharade kotzt mich an. Es ist sicher eine Fähigkeit, mit der ich viel anfangen kann, aber wenn ich das im Privatleben abschalten könnte, würde mir das doch sehr helfen, weil es tatsächlich so ist, dass mich verschiedene Menschen verschieden kennen. Manche halten mich für den coolen Typen, dem alles egal ist, andere als den netten Kerl, der immer hiflt. Es ist zum kotzen!
Diese ganze "ich mag mich nicht"-Geschichte nerv mich aber langsam. Ich will mnich mögen, ich will Selbstbewusst sein, ich will mcih einen Dreck kümmern, was andere von mir halten.
Ich will, dass ich endlich der Mensch bin, der mir am wichtigsten ist, zumidnest bis zu dem Tag, an dem ich jemanden finde, mit dem ich eine Familie gründe.
Nur wie soll ich das schaffen?
So lange spielen, bis es Alltag wird?
Eine Therapie? generell einmal bei einem Psychotherapeuten vorsprechen, um überhaupt einmal zu sehen, ob und was mir fehlt?
ich war noch nie und bin nciht in der lage, eine Beziehung zu führen, weil ich dann einen Menschen so unglaublich nah an mich heran lasse, dass er mich prakitsch "bricht" - mein Spiel ist zuende und sie merkt, dass ich jemand anders bin, als ich vorgebe zu sein. Das merkt sie nciht bewusst, aber intuitiv, meine Beziehungen enden fast immer dann, wenn ich beginne, ihr Einblick in mein "inneres" zu geben.
Ich bin mir sicher, dass ich "anders" bin, ich weiß nur leider nicht, wie ich... Gesellschaftsfähig werde, ohne dabei die ganze zeit so zu tun, als wäre ich jemand anderes.
Weiß jemand Rat?
Vielen Dank für das durchlesen dieses Mammutbeitrages!


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren

Lesezeichen