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Thema: Wahnsinnige Angst vor abhängigen Arbeitsverhältnissen

  1. #1
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    Standard Wahnsinnige Angst vor abhängigen Arbeitsverhältnissen

    Hallo allerseits,

    ich habe lange gezögert, mich anzumelden, weil ich enorme Probleme habe, mich bezüglich meines Problemchens zu öffnen. Ich habe hier schon einiges gelesen, aber bin trotzdem noch nicht weiter gekommen.

    Zu mir: Ich bin männlich, 42 Jahre alt und zurzeit Betreuungskraft in einer Einrichtung für dementiell veränderte Menschen. Und hier - unter anderem - liegt mein derzeitiges Problem, das offenbar eine längere Vorgeschichte hat.

    Als Kind war ich immer für meine bohrenden Fragen bekannt. Ich interessiere mich schon seit meinem ca. 3. Lebensjahr für Religion, Psychologie und auch Esoterik/Okkultismus (allerdings immer mit der gesunden Skepsis wohlgemerkt). Daneben hatte ich auch immer einen Faible für alles Unheimliche. Was anderen Menschen Angst macht, tut mir merkwürdigerweise gut. Ich war immer ein Nachtmensch, und mein Interesse am Unheimlichen ließ mich schon früh anfangen, Gruselgeschichten zu schreiben. Das mache ich auch heute noch nebenbei, und mein sehnlichster Wunsch ist es, als Schriftsteller Fuß zu fassen.

    In der Schule war ich anfangs eigentlich weniger schüchtern, doch nach und nach fingen meine Mitschüler an, mich aus Gründen, die ich nie erfahren habe, zu belächeln und nicht ernst zu nehmen. Das erzeugte mit den Jahren eine derartige Unsicherheit in mir, dass auch meine schulischen Leistungen darunter litten. Stellte der Lehrer eine Frage, die keiner beantworten konnte, gab auch ich die falsche Antwort, selbst wenn ich die richtige Antwort wusste, weil ich nicht als der Streber dastehen wollte. Kam raus, dass ich verliebt war, wurde das sofort an die entsprechende Dame weitergetratscht, was wiederum Hohn und Spott zur Folge hatte. Das ging bis zur Berufsschulzeit so und brachte mich auch zwischenzeitlich in die Behandlung bei einem Jugendpsychiater, der mir aber auch nicht helfen konnte. Kontakte zu Mädchen waren daher eher die Ausnahme, und meine erste wirkliche Freundin war eigentlich meine jetzige Frau, die ich erst 2005 kennenlernte. Ich wurde immer mehr zum Einzelgänger, und obwohl ich einen Haufen Leute kannte, waren meine wirklichen Freunde nur eine Handvoll. Ich war sehr viel allein, und irgendwie genoss ich das.

    Ich fing dann eine Lehre als Bürokaufmann an. Dies machte zunächst Spaß, doch nach einiger Zeit bekam ich zum ersten Mal diese merkwürdigen Probleme mit der Arbeit. Ich war in einem Einzelhandelsgeschäft tätig, d. h. von morgens früh bis abends spät, und mit der Zeit hatte ich regelrecht Angst, zur Arbeit zu gehen, zumal ich da mit vielen Menschen (Kunden) zu tun hatte. Jede Frage, die ich nicht beantworten konnte, brachte mich sofort aus dem Gleichgewicht und innerlich total aus der Fassung. Querelen mit Vorgesetzten rundeten die Sache schließlich noch ab. Ich kam schließlich zur Bundeswehr. Auch hier gefiel es mir zunächst ganz gut, doch nach knapp drei Monaten wurde ich aus psychischen Gründen ausgemustert. Ich hielt es einfach nicht mehr aus. Da mein alter Arbeitgeber anders disponiert hatte und das recht überraschend kam, trennten wir uns in Frieden voneinander. Ich nahm dann einen gut bezahlten Fabrikjob an, in dem ich es tatsächlich 15 Jahre aushielt. Doch ab dem ca. achten oder neunten Jahr ging die Firma allmählich den Bach runter. Das Gehupe von Maschinenstörungen machte mich krank, und allmählich stellte ich wieder diese Angst fest, zur Arbeit zu fahren. Allein die Nähe der Firma wirkte auf mich wie ein Strudel, der mich aufzusaugen drohte. Die ganze Atmosphäre im Betrieb war schon längst dahin, und irgendwann platzte mir der Kragen: Ich hinterließ eine von mir halb verwüstete Fabrikhalle. Mein Hausarzt, der mich noch am selben Tag untersuchte, stellte einen ungeheuer hohen Blutdruck fest, zog mich aus dem Verkehr und verwies mich an einen Psychiater, der mich unter anderem auf das allseits bekannte Citalopram setzte. Ferner sorgte er dafür, dass ich gefahrlos (und möglichst sofort) kündigen konnte, ohne vom Arbeitsamt eine Sperre zu bekommen.

    Dann kam die Zeit der Arbeitslosigkeit. Diese nutzte ich, um eine Selbstständigkeit aufzubauen. Finanzielle Schwierigkeiten machten es aber leider unmöglich, zumal nach bereits drei Monaten auch noch das Auto kaputtging und kein Geld für ein neues da war. Nach neun Monaten geriet ich schließlich in die Fänge der Arge. Die finanzielle Situation ging immer weiter nach unten (ich war inzwischen verheiratet), und meine Frau hatte auch schon eine kleine Stelle angenommen. Ich leistete in der Zwischenzeit einen Eineurojob in einem Altenheim, der mir wiederum zunächst Spaß machte und durch den ich mich breitschlagen ließ, einen Kurs zum Dementenbetreuer zu absolvieren. Dies brachte mich schließlich in meinen jetzigen Job, und auch hier war ich anfangs begeistert.

    Das war im November. Doch es bedurfte nur vier Monate, bis sich auch hier das alte Spiel wieder einstellte, und diesmal kam es ganz dicke: Obwohl ich mit Enthusiasmus angefangen habe und ich mit Kollegen und Vorgesetzten spitzenmäßig auskomme, habe ich eine fast schon panische, wahnsinnige Angst, zur Arbeit zu gehen. Hier kommt noch hinzu, dass sich dort allmählich Änderungen ergeben, denen ich definitiv nicht mehr gewachsen bin. Kleinste Kritik oder leichteste Unstimmigkeiten bringen mich gleich in eine innere Rage, die ich kaum noch zu verbergen imstande bin. Ich muss Samstag wieder arbeiten und verspüre jetzt schon die ersten Panikanzeichen.

    Was ist bloß los mit mir? Sozialphobie? Ergophobie? Schizoide Persönlichkeitsstörung? Ich werde mir immer mehr darüber klar, dass ich nur dann glücklich werden kann, wenn ich als freiberuflicher Schriftsteller meine Brötchen verdienen kann. Doch der Erfolg fällt nicht vom Himmel. Sicher ist für mich momentan nur: Auch aus dem momentanen Job muss ich raus, und zwar so schnell wie möglich. Dann jedoch lande ich wieder bei der Arge, und vor der habe ich dieselbe Angst (zumal wegen der meine Frau ebenfalls beim Psychiater gelandet ist, und das kann ich ihr und meinem Stiefsohn nicht noch mal antun). Krank schreiben lassen führt wiederum zu finanziellen Hypoproblemen. Ich fühle mich in eine Sackgasse gedrängt (in die ich mich vermutlich selbst hineinmanövriert habe). Und was ich nachts so träume, glaubt mir, das will keiner wissen...

    Das war jetzt nur ein grober Abriss über meine Geschichte - es gibt da sicherlich noch das eine oder andere Detail. Über Tipps und Hinweise, was mit mir los sein könnte und was ich machen kann, würde ich mich sehr freuen. So kann es jedenfalls nicht weitergehen.

    Lieben Gruß
    SS

  2. #2
    Gast784
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    Standard

    hallo Schwarzenstein,

    hast Du schon mal überlegt 2gleisig zu fahren?

    freiberuflich die Schriftstellerei, und in Teilzeit einen Job als Angestellter, damit Deine Existenz gesichert ist?

    kannst Du in Deinem Beruf vll in einem freieren Umfeld arbeiten, z.B. ambulante Dienste?

  3. #3
    Neuling
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    Genau diesen Zustand habe ich momentan. Ich arbeite eine Woche und habe dann eine Woche frei. Während dieser Zeit arbeite ich als Texter. Es sieht aber leider so aus, dass ich kurz vor der "Betreuerwoche" schon wieder diese Angst verspüre (ist jetzt gerade der Fall, weil ich ab Samstag wieder im Einsatz bin).

    Ich sollte vielleicht noch Folgendes erwähnen: Ich wurde im November mit einem befristeten Vertretungsvertrag in Vollzeit eingestellt. Nach zwei Wochen bereits sagte mir die Chefin, dass ich auf jeden Fall bleiben könne. Dann habe ich mich da natürlich auch krumm gelegt und einmal über drei Wochen am Stück gearbeitet (natürlich nicht gerade freiwillig). Dann kam sie plötzlich (im Februar) mit der Info um die Ecke, dass ich zwar fest eingestellt sei, aber nur auf Teilzeitbasis. Das hat mein Vertrauen natürlich noch zusätzlich verletzt, zumal ich ein Problem mit Autoritäten habe. Ein abhängiger Job, mit dem ich klar käme, müsste einer sein, bei dem ich völlig allein arbeiten kann.

    Die Symptome, die ich insgesamt aufbaue, lassen irgendwie auf Neurasthenie schließen. Zum Beispiel bin ich fast schon schlafkrank (schlafe zuweilen schon im Bus ein und könnte zwei Stunden nach ausgiebigem Schlaf schon wieder pennen), habe immer öfter Kopfschmerzen, Blähungen und Aufstoßen in unnatürlichem Ausmaß und leide nebenbei auch noch an erektiler Dysfunktion. Das Ganze ist aber nicht erst seit Kurzem, sondern ging schon während des Fabrikjobs los (vor ca. 6 bis 7 Jahren). Damals schob ich das allerdings auf eine einfache Überarbeitung.

  4. #4
    Gast784
    Gast

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    SS, diese ärztlichen Dinge solltest Du im RL abklären. Da bei Dir körperliche und psychische Faktoren zusammen kommen, wird das schon schwierig genug sein.

    Übers Netz lässt sich so was aber nicht wirklich klären. Hast Du diese Diagnosen Dir selber gestellt oder warst Du deshalb schon bei Ärzten?

    Diese Angst vor der Arbeit hängt wohl damit zusammen, dass Du Dich bei der Arbeit nicht wohl fühlst und sie nur widerwillig machst. Dagegen hilft erstmal nur, Dir die Vorteile immer wieder klarzumachen, z.B. dass Du durch diese Arbeit Geld und Freizeit zur Verfügung hast, um Deiner Leidenschaft Schreiben nachgehen zu können. Oder kleine schöne Dinge, die Du im Berufsalltag erlebst, z.B. mit den Menschen, die Du betreust etc.

  5. #5
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    Hallo,

    ich bin auch neu hier und habe weder von Medizin noch von Psychologie Ahnung.

    Aber als Laie finde ich Deine Symptome völlig nachvollziebar, wenn Du etwas tust, was Dir nicht liegt, oder was Du nicht möchtest.

    Ein Leben in Abhängigkeit würde mich auch unglücklich machen, das war mir ganz früh klar. Ich bin deshalb sehr bald den - oft nicht einfachen - Weg in die Selbständigkeit gegangen. Hatte jahrelang nur ein Bruchteil des Geldes im Vergleich zu anderen in angestellten Tätigkeiten, bin kein eigenes Auto gefahren und hatte keinen Urlaub.
    Der Gedanke in Anstellung zu arbeiten lässt mir fast die Haare zu Berge stehen.
    Vor dem Studium machte ich eine Lehre und das war okay so, aber gefallen hat es mir nicht. Mein Studium finanzierte ich mir durch Jobs, bei denen ich jeweils froh war, wenn sie wieder rum waren. Obwohl mir keiner was Böses wollte. Ich möchte nicht, dass jemand anderes sagt, wann ich wo sein muss und von wann bis wann. Auch will ich selbst entscheiden, welche Arbeiten ich mache und welche nicht.

    Gabys Vorschlag zu versuchen, das Gute zu sehen und ansonsten erst einmal den Weg der Zweigleisigkeit zu versuchen, finde ich sehr gut.

  6. #6
    Neuling
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    Das versuche ich tagtäglich, aber ich finde nichts Gutes mehr daran. Ursprünglich hatte ich diesen Weg ja aufgrund meines psychologischen Interesses gewählt. Ich bin aber wohl doch mehr der Theoretiker. Und alles, was meine Kollegen im Job als schön empfinden, macht mich innerlich nur noch rasend. Das ist für die Arbeit mit Menschen wohl auch nicht die passende Basis.

    Auffällig ist auch, dass gerade die Sachen, die andere unheimlich mitnehmen, bei mir überhaupt nicht anschlagen. Neulich ist eine Bewohnerin, mit der ich jeden Tag zu tun hatte, vor meinen Augen gestorben, und das hat mich völlig kalt gelassen.

    Was die Diagnosen betrifft: Die sind bislang noch auf meinem eigenen Verdacht begründet. Ich scheue mich noch, zum Arzt zu gehen, weil ich das alles nicht noch mal von vorne erleben will. Da werde ich auch nur wieder krank geschrieben. Es muss doch eine Möglichkeit geben, aus eigener Kraft da raus zu kommen. Meine schizoiden Anwandlungen belasten ja mich nicht, eher im Gegenteil.

  7. Der folgende Benutzer bedankte sich bei schwarzenstein für den sinnvollen Beitrag:

    was nun (25.03.2011)

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