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Thema: Wahrheitszwang

  1. #1
    Neuling
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    Standard Wahrheitszwang

    Hallo,

    ich habe ein Anliegen, welches mir selbst auf den ersten Blick recht abstrus erscheint. Ersteinmal möchte ich sagen, dass ich nie ein notorischer Lügner war. Notflunkern, klar, wie jeder Mensch eben. Aber viel und absichtlich gelogen? Nein.

    Und zwar geht es darum, dass mich mein Gewissen zwingt, stetig die Wahrheit zu sagen bzw. teilweise auch zu entschuldigen.

    Angefangen hat alles vor ca. 2 Jahren. Damals war ich mit meiner Freundin schon 7 Jahr zusammen. Am Anfang der Beziehung, also die ersten 2-3 Monate nahm ich es mit der Treue nicht allzu ernst. Ich schlief zwar nie mit anderen Frauen, machte jedoch mit ihnen "rum", wenn man es so nennen darf. Also küssen, fummeln, heimlich treffen etc. Als ich jedoch merkte, dass sich meine Beziehung manifestierte, ernster und damit wichtiger wurde, ließ ich das alles bleiben. Ich erzählte meiner Freundin nichts von meinen anderen "Bekanntschaften", sondern brach jegliche Brücken zu diesen ab, verschüttete meine "Schandtaten" tief in mir drinnen und schloss damit ab, um mich fortan emotional ganz meiner Beziehung zu widmen.

    Dann, vor zwei Jahren, urplötzlich bei einer längeren Autofahrt, fiel es mir wieder ein und es machte sich das Gefühl breit, dass da ja noch ein paar Leichen im Keller liegen, die so langsam aber sicher mal herausgezerrt werden müssten. Also kotzte ich mich aus, erzählte meiner Freundin, was ich damals alles veranstaltet habe und mit wem. Sie reagierte auch recht cool und machte kein Drama daraus, sondern fand es gut, dass ich ihr das beichtete, gerade weil sie schon immer Vermutungen in diese Richtung hatte.

    So, damit dachte ich, sei die Sache erledigt. Pustekuchen. Seitdem kann ich nicht mehr flunkern, ohne dass mich ein zu tiefst schlechtes Gewissen plagt. Ich war Mittags einen Burger bei McDonalds futtern, obwohl ich gesagt habe weniger Fast Food zu essen? Muss ich beichten. Ich habe auf der Straße einer Frau auf den Hintern gestarrt? Muss ich beichten. Ich habe masturbiert? Muss ich beichten, sonst denke ich an nichts anderes mehr, bis es endlich ausgesprochen ist.

    So langsam habe ich das Gefühl mein Gewissen strebt die vollkommene Selbstaufgabe an. Als müsste ich mich für Dinge, die nur mich etwas angehen recht fertigen. Rational weiß ich, dass man auch in einer Beziehung seine Privatsphäre benötigt und es Dinge gibt, die nur einen selbst etwas angehen. Doch meine Emotio zwingt mich dazu mich für eben diese Dinge zu rechtfertigen.

    Nun kam es dazu, dass ich nach längerer Zeit wieder Kontakt zu meiner besten Freundin aufnahm bzw. sie zu mir und wir uns am Wochenende zum Essen trafen. Wir quatschten über Gott und die Welt. Politik, Literatur, Theater. Und wir stellten einmal mehr fest, dass das jeweilige Gegenüber eigentlich genau das ist, was man sucht. Wir wissen beide, dass da mehr ist und sagten es uns auch. Doch da wir beide in Beziehungen stecken, haben wir beschlossen es für den Moment bei der Freundschaft zu belassen.

    So, da ich jemanden zum quatschen über die Mädels brauchte, ging ich spät Abends nach dem Treffen noch mit einem Freund in eine Bar und wir tranken ordentlich einen. Irgendwann in einer Sufflaune (ich werde sehr anhänglich und emotional liebesbedürftig, wenn ich einen in der Krone habe) schrieb ich der besten Freundin nun etwas alá "Ok, ich liebe Dich, ich find´ mich damit ab". Hmz. So, als ich gestern erwachte und mich dunkel an die SMS erinnerte graute mir schon davor nachzusehen, ob ich das wirklich geschrieben hatte. Und ja, habe ich.

    So, das wäre jetzt etwas das ich meiner Freundin beichten müsste, da es verletzend und nicht richtig war. Allerdings weiß ich genau, dass sie dann jedes mal eine Szene machen würde, wenn ich mich mit meiner besten Freundin treffen würde. Doch diese möchte ich nicht verlieren, da sie der einzige Mensch ist, mit dem ich so herrlich reden, philosophieren, träumen kann.

    Eigentlich ist ja bis auf da gegenseitige Zuneigungsgeständnis, gefolgt von der Feststellung, dass wir es dabei belassen und der Suff-SMS nichts passiert. Trotzdem ist da wieder diese Zwang alles zu erklären und zu rechtfertigen. Diese Konflikt frisst mich gerade auf.

    Achja, dieser "Wahrheitszwang" äußert sich nicht nur bei meiner Freundin, sondern bei allen Menschen, die mir etwas bedeuten. Meinen Eltern zum Beispiel. Sie laden uns zum Essen ein, ich habe keine Lust und sage, dass ich Kopfschmerzen habe. Am nächsten Tag muss ich sie anrufen, um zu beichten, dass ich gelogen habe und einfach keine Lust hatte.

    So langsam fühle ich mich wie in diesem Jim Carrey-Film Und auf Dauer belastet das wirklich, weil es Konflikte schürt, die eigentlich unnütz sind. Ich will mich nicht länger für Dinge entschuldigen, für die ich nichts kann.

    Danke fürs lesen...

    Schmuddel

  2. #2
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    Habe ich das richtig verstanden? Du möchtest mehr Lügen? Denkst du, dass das ein sinnvolles Ziel ist?
    LG daysleeper

    „Lasse nie zu, dass du jemandem begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glücklicher ist.“ (Mutter Teresa)

  3. #3
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    hallo erstmal,

    das was du da so eindringlich schilderst,geht mir genauso,ich habe seit etlichen jahren
    das gleiche problem,das ich ständig die wahrheit sagen muß,weil ich es sonst nicht
    ertragen kann und mein schlechtes gewissen mich schier umbringt und
    es oft auch bei mir nur um banalitäten geht,ich muß dazu allerdings auch sagen,das
    dies bei mir durch meinen extrem grübelzwang den ich schon jahrzehntelang habe,
    ausgelöst wird,weil ich ständig angst davor habe,das ich einen fehler begangen habe
    und ich es überhaupt, nicht ertragen kann,wenn jemand es anzweifelt,das ich die
    wahrheit sage.
    es ist ein riesengroßer anspruch an sich selber wo man mit sich herum trägt und das
    man immer die wahrheit sagt und dies kostet soviel energie,das man sich ständig ver-
    sucht zu rechtfertigen,dafür das man immer die wahrheit sagen muß,weil die meisten
    menschen gehen immer von sich selber aus und da gehören scheinbar lügen oder
    flunkerei zum alltag dazu,ist zwar sehr traurig ,aber vielleicht auch ab und zu notwendig
    (schau nur mal die politiker an)


    es grüsst dich raskowitz

  4. #4
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    Hallo,

    zwischen Lügen und etwas nicht erzählen oder sogar "beichten" zu müssen (wie Du es empfindest) ist ein Unterschied.

    Ich glaube Du bist zu einem Menschen sehr unehrlich, nämlich zu Dir selbst. Und das in den wichtigen Dingen, die Dich wesentlich mehr betreffen, als ein gegessener Hamburger.

    Ich glaube, dass Deine beste Freundin, bzw. die Situation in der Du jetzt mit ihr steckst, Dich ebenso in einiger Zeit wieder einholen wird, wenn Du sie jetzt hübsch sauber verpackst.

    Das Du keinen verletzen willst ist gut un richtig, aber Du sprichst nicht nur von Zuneigung oder einer gleichen Wellenlänge, sondern Du schreibst ihr im betrunkenen Zustand ( in dem einige Normen aufweichen, denen man sich sonst beugt), dass Du sie LIEBST. Es lohnt sicher, sich das mal ganz ehrlich anzuschauen und auch Deine momentane Beziehung zu betrachten.

    Was Dir da fehlen könnte, ob es daran liegt, dass dort etwas fehlt und ob Deine beste Freundin auch quasi austauschbar wäre ( nicht falsch verstehen) und Dir durch ihre Anwesenheit aufzeigt, dass in Deiner Beziehung etwas nicht stimmt oder eine falsche Richtung hat.

    LG

  5. #5
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    Grüße euch,

    ja, dass mit meine Beziehung etwas im Argen liegt, weiß ich schon seit längerer Zeit. Meine Freundin sitzt nur zu Hause rum, wenn sie nicht gerade arbeiten ist. Kein Kino, kein Essen gehen, kein Shopping (und ich bin ein Mann, der das gerne macht und auch das Kleingeld hat der Frau mal was schönes zu gönnen) - einfach nur daheim vorm PC herumhocken und spielen. Ich wollte sie im Februar auf eine Geschäftsreise nach Vorderasien mitnehmen - keine Lust. Hallo? Welche Frau hat denn keine Lust zu reisen? Außerdem möchte ich unbedingt Kinder, sie nicht. Seit ich ihr gesagt habe, dass unsere Beziehung keinen Sinn macht, wenn unsere Lebensziele dergestalt differieren, sagt sie gerne soetwas wie "Für Dich würde ich ja Kinder bekommen", aber auf so einen Mist habe ich keine Lust. Sie könnte wirklich alles von mir haben, nimmt aber nichts davon in Anspruch, ausser dem Strom aus meiner Steckdose für ihren PC.

    Dementsprechend verhalten ist es dann auch mit der Kommunikation. Ob ihres Desinteresses an allem gibt es einfach keine Themen.

    Das lebe ich eben dann anderweitig aus. Mit meiner besten Freundin kann ich stundenlang reden. Philosophieren, aber auch dummes Zeug schwätzen. Ins Theater gehen, aber mir auch mal in einer Bar einen hinter die Binde kippen.

    Die "Ich liebe Dich"-SMS kann ich selbst nicht so ganz einschätzen. Wie gesagt, ich neige zu absoluter Philanthropie, wenn ich betrunken bin. Ich sage dann jedem, dass er ganz toll ist und ich ihn ja super lieb habe. Jedem. Allerdings ist das in diesem Kontext schon etwas anderes, könnte ich mir vorstellen

    Meine Zwickmühle ist jetzt, ob und wenn ja, was ich meiner Lebenspartnerin sage. Ich meine, ich habe einer anderen Frau "gesagt", dass ich sie liebe - wie auch immer ich das jetzt zu bewerten habe. Wenn ich das allerdings erzähle, werde ich meine beste Freundin jedoch nur noch unter Dramen wiedersehen können. Das ist ein Dilemma. Auf der einen Seite meiner Freundin gegenüber ungerecht, auf der anderen mir selbst.

    @ Rasko : Schön zu hören, dass man damit nicht alleine steht.

    @ Day : Nein, ich will nicht mehr lügen, das ist Quatsch. Wenn ich mir aber einen wedele und danach ein schlechtes Gewissen meiner Freundin gegenüber habe und es ihr in meiner Welt "beichten" muss, obwohl es sie überhaupt nichts angeht und es rational mein gutes Recht ist soetwas zu tun, dann belastet das und ist nicht normal.


    Danke fürs lesen,

    Dandro

  6. #6
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    Hallo,


    warum hinterfragst Du nicht erstmal ob Du Deine jetzige Partnerin tatsächlich noch liebst? Und ob es nicht Sinn hat, über eine Trennung nachzudenken, wenn Ihr so wenig zusammen habt?

    Und das Ganze am besten, ohne eine andere Frau damit reinzubringen. Das könnte Dir einiges vereinfachen, denn die Frage ist ja auch, ob Du in 10 Jahren zurückschauen möchtest und das gleiche feedback aus Deiner jetzigen Beziehung geben möchtest wie im Moment.

    Denn glücklich wirkst Du grundsätzlich in der momentanen Lage nicht, zumindest kommt das beim Lesen hier bei mir an.

    LG

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