Hallo,
ich habe ein Anliegen, welches mir selbst auf den ersten Blick recht abstrus erscheint. Ersteinmal möchte ich sagen, dass ich nie ein notorischer Lügner war. Notflunkern, klar, wie jeder Mensch eben. Aber viel und absichtlich gelogen? Nein.
Und zwar geht es darum, dass mich mein Gewissen zwingt, stetig die Wahrheit zu sagen bzw. teilweise auch zu entschuldigen.
Angefangen hat alles vor ca. 2 Jahren. Damals war ich mit meiner Freundin schon 7 Jahr zusammen. Am Anfang der Beziehung, also die ersten 2-3 Monate nahm ich es mit der Treue nicht allzu ernst. Ich schlief zwar nie mit anderen Frauen, machte jedoch mit ihnen "rum", wenn man es so nennen darf. Also küssen, fummeln, heimlich treffen etc. Als ich jedoch merkte, dass sich meine Beziehung manifestierte, ernster und damit wichtiger wurde, ließ ich das alles bleiben. Ich erzählte meiner Freundin nichts von meinen anderen "Bekanntschaften", sondern brach jegliche Brücken zu diesen ab, verschüttete meine "Schandtaten" tief in mir drinnen und schloss damit ab, um mich fortan emotional ganz meiner Beziehung zu widmen.
Dann, vor zwei Jahren, urplötzlich bei einer längeren Autofahrt, fiel es mir wieder ein und es machte sich das Gefühl breit, dass da ja noch ein paar Leichen im Keller liegen, die so langsam aber sicher mal herausgezerrt werden müssten. Also kotzte ich mich aus, erzählte meiner Freundin, was ich damals alles veranstaltet habe und mit wem. Sie reagierte auch recht cool und machte kein Drama daraus, sondern fand es gut, dass ich ihr das beichtete, gerade weil sie schon immer Vermutungen in diese Richtung hatte.
So, damit dachte ich, sei die Sache erledigt. Pustekuchen. Seitdem kann ich nicht mehr flunkern, ohne dass mich ein zu tiefst schlechtes Gewissen plagt. Ich war Mittags einen Burger bei McDonalds futtern, obwohl ich gesagt habe weniger Fast Food zu essen? Muss ich beichten. Ich habe auf der Straße einer Frau auf den Hintern gestarrt? Muss ich beichten. Ich habe masturbiert? Muss ich beichten, sonst denke ich an nichts anderes mehr, bis es endlich ausgesprochen ist.
So langsam habe ich das Gefühl mein Gewissen strebt die vollkommene Selbstaufgabe an. Als müsste ich mich für Dinge, die nur mich etwas angehen recht fertigen. Rational weiß ich, dass man auch in einer Beziehung seine Privatsphäre benötigt und es Dinge gibt, die nur einen selbst etwas angehen. Doch meine Emotio zwingt mich dazu mich für eben diese Dinge zu rechtfertigen.
Nun kam es dazu, dass ich nach längerer Zeit wieder Kontakt zu meiner besten Freundin aufnahm bzw. sie zu mir und wir uns am Wochenende zum Essen trafen. Wir quatschten über Gott und die Welt. Politik, Literatur, Theater. Und wir stellten einmal mehr fest, dass das jeweilige Gegenüber eigentlich genau das ist, was man sucht. Wir wissen beide, dass da mehr ist und sagten es uns auch. Doch da wir beide in Beziehungen stecken, haben wir beschlossen es für den Moment bei der Freundschaft zu belassen.
So, da ich jemanden zum quatschen über die Mädels brauchte, ging ich spät Abends nach dem Treffen noch mit einem Freund in eine Bar und wir tranken ordentlich einen. Irgendwann in einer Sufflaune (ich werde sehr anhänglich und emotional liebesbedürftig, wenn ich einen in der Krone habe) schrieb ich der besten Freundin nun etwas alá "Ok, ich liebe Dich, ich find´ mich damit ab". Hmz. So, als ich gestern erwachte und mich dunkel an die SMS erinnerte graute mir schon davor nachzusehen, ob ich das wirklich geschrieben hatte. Und ja, habe ich.
So, das wäre jetzt etwas das ich meiner Freundin beichten müsste, da es verletzend und nicht richtig war. Allerdings weiß ich genau, dass sie dann jedes mal eine Szene machen würde, wenn ich mich mit meiner besten Freundin treffen würde. Doch diese möchte ich nicht verlieren, da sie der einzige Mensch ist, mit dem ich so herrlich reden, philosophieren, träumen kann.
Eigentlich ist ja bis auf da gegenseitige Zuneigungsgeständnis, gefolgt von der Feststellung, dass wir es dabei belassen und der Suff-SMS nichts passiert. Trotzdem ist da wieder diese Zwang alles zu erklären und zu rechtfertigen. Diese Konflikt frisst mich gerade auf.
Achja, dieser "Wahrheitszwang" äußert sich nicht nur bei meiner Freundin, sondern bei allen Menschen, die mir etwas bedeuten. Meinen Eltern zum Beispiel. Sie laden uns zum Essen ein, ich habe keine Lust und sage, dass ich Kopfschmerzen habe. Am nächsten Tag muss ich sie anrufen, um zu beichten, dass ich gelogen habe und einfach keine Lust hatte.
So langsam fühle ich mich wie in diesem Jim Carrey-FilmUnd auf Dauer belastet das wirklich, weil es Konflikte schürt, die eigentlich unnütz sind. Ich will mich nicht länger für Dinge entschuldigen, für die ich nichts kann.
Danke fürs lesen...
Schmuddel


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Und auf Dauer belastet das wirklich, weil es Konflikte schürt, die eigentlich unnütz sind. Ich will mich nicht länger für Dinge entschuldigen, für die ich nichts kann.
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