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Thema: War das ein Zwangserlebnis?

  1. #1
    Schreiberling
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    Standard War das ein Zwangserlebnis?

    Ich habe heute wie seit einigen Wochen mal wieder schlecht geschlafen, ging erst gegen 8 Uhr früh ins Bett und um nicht den ganzen Tag zu verpennen, stehe ich jetzt müde da. In der Nacht habe ich eigentlich fast nur Fernsehen geschaut und eine alte Videokassette eingeschoben.

    Als ich dann wieder aufgewacht bin, dachte ich, es wäre schon Spätnachmittag. Hatte einfach dieses überzeugende Gefühl, dass der Tag schon längst läuft - nicht, weil die Sonne schon stand und mein Zimmer ganz erhellt war, sondern einfach wegen der inneren Uhr, dieses Zeitgefühl halt, obwohl ich mich noch ganz müde fühlte. Ich nahm mal einige Zeit Antidepressiva, nehme sie aber nur noch in sehr schwierigen Situationen, nahm sie aber schon seit über einen Monat erfolgreich nicht mehr ein (natürlich mit Erlaubnis des Therapeuten).

    (Für alle, die mich noch nicht kennen: ich leide sehr wahrscheinlich unter den Folgen der Trennung meiner Eltern vor zehn Jahren, also unter all den Jahren, in denen die Trennung nicht verarbeitet wurde und auch die Familie immer weiter auseinanderging. Ich neige stark zur Unterdrückung schlechter Gefühle. Meine Hauptsymptome sind Übelkeit ohne Erbrechen und Bauchschmerzen bis -krämpfe im Darmbereich, hin und wieder treten mehr oder weniger unangenehme Phasen von Depressionen und Müdigkeit auf. Schon kurz nach ihrer Trennung begannen sich bei mir Symptome zu bilden wie hin und wieder leichte Bauchschmerzen und etwas Übelkeit. Vor allem bemerkte ich an mir aber auch leichte Zwangshandlungen. Sie sind nicht schwer. Weder schränken sie mich wirklich ein, noch sind sie derart unangenehm, wie man es von einigen Fällen z. B. bei Reportagen im Fernsehen kennt. Aber auch damals waren es an mir gewisse "Macken". Einige sind gegangen, andere sind gekommen und dann kommen einige zurück. Jede einzelne "Macke" dauerte aber immer nicht lange, zwischen ein paar Minuten bis einige Stunden auf einmal, dann erstmal stunden- oder tagelang nichts mehr. Vor allem spüre ich nichts von ihnen in der Öffentlichkeit (vielleicht weil ich mich schäme und daher automatisch den Zwang unterdrücke?). Ich bin 20 Jahre alt und Abiturient.)

    Als ich also dieses Gefühl hatte, es sei schon sehr spät und höchste Zeit um aufzustehen, bekam ich auch schon schnell ein ganz komisches Gefühl im Kopf zu spüren. Zuerst war es merkwürdig komisch, als es aber einige Minuten lang anhielt, stand ich kurz davor zu heulen und hielt mich bereit, zum Arzt zu gehen, da ich das zuvor noch nie hatte. Was es genau war, weiß ich leider nicht mehr, habe den größten Teil vergessen, aber auch während ich das hatte, versuchte ich, für später passende Worte für dieses Gefühl zu finden, um es später anderen zu erzählen, aber es gab irgendwie kein richtiges Wort dafür. Auf jeden Fall hielt ich folgendes fest:

    (1) Dieses Gefühl kam nicht von mir, auch wenn es sich in meinem Gehirn abspielte. Mein Kopf war sehr voll, obwohl es sich sonst nie voll anfühlt, wenn ich geschlafen habe, sondern ganz normal. Mein Körper kribbelte auch an einigen Stellen und ich bekam, vielleicht aus Angst, etwas schlechter Luft und im Herzbereich kribbelte es, hatte Angst ohnmächtig zu werden. Jedenfalls, dieses Gefühl habe ich nicht selbst produziert. Ein Zwangsgestörter muss zwar immer wieder an dasselbe denken, diese Gedanken produziert er aber selber und er ist sich dessen bewusst. Bei mir kam alles ganz von allein. Ich fühlte mich komplett in einer passiven Rolle gefangen, als wär ich Versuchsobjekt meines Gehirns gewesen, das nun gefoltert wird. Ich wurde also kontrolliert, so war mein Gefühl.

    (2) Es waren nicht konkret Gedanken, an die ich immer wieder denken muste und die mich kontrollierten, sondern eher eine Art Bedürfnis, Handlungsbedürfnis. Wenn es im Körper eine gewisse Spannung gibt, dann entsteht ja im Gehirn ein Bedürfnis, das zu harmonisieren, auszugleichen. Obwohl ich aber keine physischen Spannungen hatte, machte mein Gehirn immer wieder automatisch, fälschlicherweise dieses Bedürfnis. Kennt ihr es, wenn ihr noch ein bisschen Flüssigkeit (Wasser) im Hals irgendwo stecken habt und es dann mit etwas Druck und Schlucken in den Magen befördern wollt? Ich meine jetzt nicht den Schleim, der mal im Hals steckt und den man hoch- oder runterhustet, sondern ganz normale trinkbare Flüssigkeit. So, dieses Gefühl hatte ich ständig, obwohl mein Hals ganz normal, ungespannt und völlig trocken war. Das hört sich vielleicht nicht so schlimm an, ist es auch nicht, wenn sich das Gehirn auch nicht irrt. Aber bei mir war diese falsche Bedürfnisentwicklung ein ganz fieses Gefühl. Eigentlich gab es noch ein anderes Gefühl, das kurz darauf entstand, ich habe es aber vergessen.

    (3) Ein gewisses Erlebnis, das man als Derealisation kennt. Früher hatte ich das auch, aber nur ganz selten und dann auch nur kurz (hauptsächlich in der Öffentlichkeit, wie in Schule, im Zug oder beim Spazierengehen. Auch dort, wo viele Menschen sind). Als ich im Bett lag, kam zuerst dieses Fehlbedürfnis, das mich steuerte, und als es verschwand, kam dann sofort dieses Derealisationserleben. Mal kam für mich alles unecht vor, dann dachte ich, ich würde vielleicht noch träumen und dann merkte ich auch, dass sich mein Bewusstsein mal stärkte und wieder schwächte, hin und her. Also ein instabiles Bewusstsein.


    Diese drei, vier Prozesse wiederholten sich immer wieder. Die Dauer einer Phase war im Sekundenbereich, nicht länger als 20 Sekunden. Aber schlimm war, dass sich das immer wieder wiederholte. Ich war wie in einer Schleife gefangen. Meinen Körper konnte ich ansonsten ganz normal bewegen, wie ich wollte, konnte jederzeit sprechen und aufstehen, keine Körperbeschwerden. Nach einem Durchgang fühlte ich mich erstmal kurz normal, wollte wieder einschlafen und dann ging das wieder los und der Kopf war zugleich voll. Ich dachte in diesen Momenten aber auch sehr viel. Wo ich diese Bedürfnisbildung nicht hatte, drückte und piekste es teilweise richtig im Kopf, so voll fühlte er sich an.

    Deswegen stand ich nach einigen Minuten auf, prüfte, ob ich Fieber habe, betrachtete mich im Spiegel und nahm erstmal eine Antidepressiva und schlief dann auch relativ schnell wieder ein. Vorher schaute ich aber noch zur Uhr und es war gerade mal erst vor 10, also nicht einmal zwei Stunden hatte ich geschlafen, 1,5 vielleicht. Fand ich auch merkwürdig, dachte, der Tag wäre schon um.

    Meine Frage ist jetzt: was war das? Kann man das dennoch in den Bereich Zwangsstörungen einordnen und habt ihr vielleicht schon einmal Ähnliches erlebt? Das war das erste Mal und ich will es nie wieder erleben. Das war gruselig, meine Hoffnung war einfach nur, jetzt nicht noch verrückt zu werden.
    Geändert von Exot (05.01.2012 um 19:13 Uhr)

  2. #2
    Schreiberling
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    Hallo.
    Da wäre jede Interpretation unseriös. Aber als Zwangwürde ich das nicht sehen. Warum besprichst Du das nicht mit deinem Therapeuten? Der kennt Dich doch sicher schon sehr gut.
    LG
    Peter

  3. #3
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    Doch, dieses Gefühl kam von DIR und allein von Dir. Woher solls auch sonst kommen als aus Deinem Gehirn. Es sind auch keine Gedanken die Dich kontrollieren, Du selbst denkst das auch wenn es sich fremd anfühlt. Das sowas passiert, also das man sich so fühlt, und diese Schleife, ist nicht schlimm. Entspann Dich dabei, beobachte es wie es wechselt und abläuft. Du wirst das vielleicht für die nächste Zeit, vielleicht Monate haben. Widme dem immer Zeit, wenn es kommt, dränge es nicht weg. Du wirst merken, daß nichts weiter mit Dir passiert. Irgendwann wird es Dir zu unwichtig um noch drüber nachzudenken.

    edit: Ja, ich habe Ähnliches erlebt als Kind. Ich hatte plötzlich Phasen wo alles verändert war, ich anders wahrgenommen, gefühlt und geschmeckt habe. Das war ein ganz seltsames, interessantes Gefühl. Mir kam halt einfach nicht in den Sinn daß es Krankhaft sei, ich habe mit niemandem darüber geredet. Daher kann ich meinen eigenen Umgang damit schildern. Es kam immer wenn ich in Ruhe war, und ich habe mich dann immer ganz aufmerksam dabei beobachtet und auf dem Bett entspannt. Am Anfang fand ich es komisch bis beängstigend, aber dann später hab ich mich sogar gefreut wenn es wieder kam. Irgendwann verschwand es, um Jahre später einmal wieder aufzutauchen.

    Ich würds nicht als Zwang einordnen, ich habs ehrlich gesagt nie irgendwie eingeordnet, mir ist egal wie man das nennt.
    Geändert von Erwin (08.01.2012 um 13:33 Uhr)

  4. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Erwin für den sinnvollen Beitrag:

    Exot (12.01.2012)

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