Guten Tag an alle,
ich wende mich an dieses Forum um Vorschläge/Hilfe zu bekommen.
Ich selbst befinde mich zurzeit in einer Therapie Aufgrund einer Essstörung (starkes Übergewicht).
Inzwischen weiß ich, dass ich kaum bis gar nicht in der Lage bin meine (vor allem) negativen Gefühle auszudrücken. Ich habe große Angst vor Ablehnung wenn ich jemanden kritisiere oder eine andere Meinung vertrete. Wut, Trauer, inner Leere versuche ich mit Essen zu kompensieren. Soviel zu mir. Ich habe inzwischen große Fortschritte gemacht und versuche gleichzeitig einen Grund für meine Verhaltensstörung (so drücke ich das jetzt mal aus) zu finden.
Im Laufe der Therapie ist mir auch erst das schlechte Verhältnis zu meiner Mutter (54 Jahre alt)richtig bewusst geworden. Viele Ereignisse aus der Vergangenheit sehe ich plötzlich mit anderen Augen...
Meine Eltern trennten sich als ich ca. 11 jahre alt war. Mein Vater war Heroinabhängig, jedoch ist das Verhältnis zu ihm auch heute noch sehr gut weil er trotz seiner Sucht ein sehr liebevoller, fürsorglicher Vater war. Auch wenn meine Sorge um ihn und seine Unzuverlässigkeit mit Sicherheit für mich als Kind auch sehr schwer war.
Meine Mutter sieht die Schuld der Trennung und meiner Essstörung ausschließlich bei meinem Vater.
Ich bin dann seit meinen 11 Lebensjahr alleine bei meiner Mutter groß geworden und habe dieses Verhältnis nie als sehr liebevoll empfunden.
Ich habe mich sehr oft unter Druck gesetzt gefühlt (besonders im Bezug auf die Schule). Oft konnte ich mir anhören was andere Kinder in meinem Alter viel besser machen als ich. Wenn ich etwas nicht tun wollte, dann wurden mir mit „Konsequenzen“ gedroht. Z.b. Wenn du das nicht machst, dann darfst du am Wochenende nicht zu deinem Papa, ect.
Besonders in Erinnerung habe ich auch die Familientreffen (Mütterlicherseits). Es gab vorher immer Streit mit meiner Mutter. Ich hatte die falschen Sachen an, es war angeblich nicht ordentlich genug. Meine Fingernägel waren nicht gut genug ect. Es entstand eine Unruhe, die für mich unerträglich war.
Egal wie hektisch und aufwühlend auch die Hinfahrt zu diesen Treffen war. Vor der Familie setzte meine Mutter ein Lächeln auf, als wäre nichts gewesen.
In Streitsituationen wurde/wird meine Mutter teilweise sehr aufbrausend und verletzend. Sie kontert jegliche Kritik ab und fällt vom einem Thema in das Nächste (oft liegen diese auch schon Wochen/Monate/Jahre) zurück. Ich kann mich erinnern, dass sie so lange auf mich einredete, bis ich entweder die Flucht ergriffen oder resigniert habe. Kritik nahm/nimmt sie grundsätzlich persönlich und versucht sich gleich zu verteidigen.
Ab und zu brach sie dann weinend zusammen und entschuldigte sich dann für ihr Verhalten. Auch mein Vater berichtete mir von solchen Auseinandersetzungen, während ihrer Beziehung. Sie beschimpfte meinen Vater sehr oft, auch unter die Gürtellinie. Mein Vater (der seine Sucht inzwischen überwunden hat) berichtete mir auch, dass sich die Leute in unserem Umfeld es oft vermieden einen Konflikt mir meiner Mutter zu beginnen, aus Angst verbal niedergemacht zu werden.
Zudem meint sie immer noch (auch heute noch, ich bin 25 Jahre alt und Studentin) zu wissen was gut für mich ist.
Sie ist der Meinung sie müsste sich ständig Sorgen um mich machen (das sagt sie mir auch oft) und versucht mir zu unterstellen das ich unglücklich wäre. Ich bin eigentlich (bis auf meine Essstörung) glücklich. Ich bin verheiratet, habe eine kleine Tochter (drei Jahre alt) und einen lieben Mann.
An meinen Freunden und Partnern hatte/hat sie immer etwas auszusetzen. Sie fand/findet immer irgendwelche Dinge, die nicht gut waren/sind. Auch an meinen Schwiegereltern die mich wirklich mit offenen Armen in die Familie aufgenommen haben, gibt es ständig etwas zu meckern. Ich habe fast das Gefühl, dass sie es nicht erträgt wenn die Dinge bei mir gut laufen.
Als ich ungewollt schwanger wurde, sprach sie mir erst ihre volle Unterstützung zu, weil sie damals noch glaubte, dass ich mich wohl gegen das Kind entscheiden würde, da ich ja noch mitten im Studium steckte.
Als ich ihr dann mitteilte, dass wir (mein Mann und ich), uns für das Kind entschieden haben, war sie sehr abgeneigt. Sie teilte mir mit, dass ich keinerlei Unterstützung von ihr erwarten bräuchte. Auch erzählte sie mir, wie belastend doch ein Kind für das Leben sei, was mich sehr kränkte. Inzwischen ist sie schon fast anormal in unsere Tochter vernarrt.
Meine Entscheidungen sind/waren immer nur dann gut, wenn sie es genauso gemacht hätte. So beende ich gerade ein Studium was mir nicht so gut gefällt, was ich aber aufgenommen habe, weil meine Mutter dieses Studium gut findet. Ursprünglich wollte ich etwas anderes machen, doch auch da vermittelte sie mir deutlich, dass es ihr nicht in den Kram passt. Sie redete ununterbrochen auf mich ein bis ich, aus Angst vor der Herausforderung die dieses Studium mit sich gebracht hätte und dem Wissen, dass meine Mutter darüber verärgert wäre, mich gegen meinen Wunschberuf entschied.
Zu meiner Mutter möchte ich noch folgende Dinge schreiben…
Sie hatte seit der Trennung mit meinem Vater mehrere sehr kurze Beziehungen. Alle zerbrachen, laut ihrer Aussage, an den Unfähigkeiten der Männer. Seit ich ausgezogen bin (ich zog sofort nach meiner Volljährigkeit aus), zieht sie sehr häufig um. Sie fühlt sich nie irgendwo wohl. Vor kurzem ist sie in eine WG mit einem Bekannten gezogen, der wiederum mit einer ihrer Freundinnen zusammen ist. In zwei Monaten zieht sie dort wieder aus, weil sie das Gefühl hat die zwei würden hinter ihrem Rücken über sie reden.
Meine Mutter hat inzwischen drei Versuche gemacht, sich zusammen mit verschiedenen Freunden beruflich selbständig zu machen. Alle Versuche sind gescheitert, auch die Freundschaften gibt es seitdem nicht mehr. Ein Fall musste sogar gerichtlich geklärt werden. Wieder liegt es, laut ihrer Aussage, an der Unfähigkeit der Anderen.
Sie sieht sich grundsätzlich als Opfer und meint, jeder wolle ihr etwas Böses. Entweder der Mensch ist Gut oder Böse... Ein Zwischending gibt es bei ihr nicht. Auch ich würde sie nur des Geldes wegen ausnutzen. Sie sucht sich oft „Zeugen“ in ihrem Bekanntenkreis, die ihre Meinungen (ihrer Aussage nach) bestätigen z.B. „Meine Freunde fragen mich auch, wie lange ich mir das noch von dem/ihr/dir gefallen lassen soll“
Meine Mutter ist ständig unterwegs… Arbeiten, Bekannte treffen, Verreisen ect. Vor kurzem sagte sie mir, dass sie nicht alleine sein kann. Das würde sie nicht ertragen. Sie steht ständig „unter Strom“, kann sich kaum mal eine Minute setzen, ständig klingelt das Telefon/Handy usw. Ich und die Leute in meinem Umfeld empfinden sie Aufgrund dessen als sehr anstrengend. Sie bringt immer eine unheimliche Unruhe mit sich.
Ich habe auch das Gefühl, dass sich dieses Verhalten mit zunehmendem Alter noch mehr verschlimmert hat.
Der Höhepunkt des Ganzen mündete in einem körperlichen Zusammenbruch, mit kurzeitigem Krampfen in den Beinen, vor ein paar Wochen. Zwei Wochen Krankenhausaufenthalt folgten in denen sie von Kopf bis Fuß untersucht wurde. Es konnten keine körperlichen Ursachen festgestellt werden. Eine Epilepsie wurde ausgeschlossen. Einen Tag nach der Entlassung ist sie(entgegen dem Ärztlichen Rat) in den Urlaub geflogen. Auch das empfohlene Autofahrverbot ignoriert sie.
Ich könnte noch vieles schreiben...
Ich habe das Gefühl, sie bringt sich mit diesem ständigen, bewussten unter Stress setzen noch um.
Ich hoffe sehr, dass mir hier vielleicht irgendjemand einen Rat geben kann, oder eine Vermutung hat, was mit meiner Mutter los sein könnte, da ich inzwischen vermute, dass psychisch etwas mit ihr nicht in Ordnung ist.
Ich danke schon einmal all denen, die sich diesen langen Bericht durchgelesen haben!![]()


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