Hallo, ich bin hier Niklas,
ich leide an was ganz Seltsamen, was mein Leben mittlerweile derart beeinträchtigt, dass ich derzeit kein Geld in der Tasche habe, meine berufliche Zukunft so gut wie zerstört ist, ich keine Beziehungen oder Freundschaften pflege und ich doch manchmal so viel für mich will.
Zu meiner Vorgeschichte:
Ich bin über 30, Akademiker, aufgewachsen ohne Mutter, die verstarb als ich noch Kleinkind war, meine Großeltern kümmern sich dann, ein Jahr nach meiner Mutter starb mein Opa. zwei Jahre später meine Oma. Es blieb mir ein ängstlicher Vater, der mit neuer Frau an seiner Seite mir immer wieder das Gefühl des Nichtgewolltseins gab, weil er die Last der Schicksalschläge nicht allein auf seinen Schultern zu tragen vermochte und dies u.a. an mir mit ständiger Sorge, Aufforderung zu Zögerlichkeit und der Voraussicht, dass je nichts von dem funktioniere, was ich ehemals machen würde, ausließ.
Meine Schulzeit war vom Funktionsanspruch anderer an mich gekennzeichnet und wurde allzu oft von Lehrern mit schlechten Noten und Unverständnis beantwortet, für mich wollte ich nichts erreichen, nur der "Druck", den mein Vater auf mich ausübte, führte schließlich zu einem, wenn auch mäßigen Abitur.
Mein Studium war eigentlich eine schöne Zeit, ich war viel unter Menschen, weil sie mich dazu aufforderten; ich selbst habe nie bei anderen so was wie Zuneigung gesucht, sondern eher mal nach Uhrzeit oder Kursplan gefragt. Dennoch war ich bei denen, die mich kannten, beliebt. Die Angebote der Frauen schlug ich aber aus, weil ich nicht daran glaubte, dass ich es wert sei, wahrhaft geliebt zu werden. Zum Ende meines Studiums hatte ich einige extreme Phasen in Isolation erlebt, war all meinen inneren Zweifeln ausgesetzt und plante wie so oft zuvor, die Beendigung meines Daseins, das Datum teilweise feststehend, dann aber das Ganze entlarvt als dämliche Trügerichkeit, weil ich im entscheidenden Moment immer den Gedanken im Kopf hatte, "wieso willst du alles wegwerfen, bevor du überhaupt gelebt hast?"
Also blieb ich mir erstmal erhalten.
Mit dem Ende des Studiums verlor ich meinen letzten Freundeskreis, seitdem sind einige Jahre vergangen und ich war aufgrund des Fehlens von Geselligkeit wieder mehr mir selbst ausgesetzt mit der Folge, dass ich im Beruf schlecht funktionierte, psychosomatisch bedingte gesundheitliche Beschwerden bekam (wegen derer ich psychologische Hilfe in Anspruch nahm) und schließlich in Hartz IV fiel. Dies war für mich sowas wie der staatlich verordnete Stempel der zumindest Wertarmut meiner Person. Pures Gift. Gleichzeitig die ständige Funktion als Bewerber, der schlecht darin ist, sich selbst als den richtigen für eine offene Stelle anzubieten, weil er nicht nur wegen seiner manchmal arg negativen Ausstrahlung immer wieder unterschätzt wird, sondern auch weil ich einfach schwer ins Handeln komme.
Nach meiner letzten Stelle in meinem erlernten Beruf, der nach der Befristung endete, habe ich mich dann noch mehr zurückgezogen, dies war vor knapp 2 Jahren. Seitdem plane ich alle drei Monate konkret mein Ableben, hinterlasse Abschiedsbriefe in meiner Wohnung, suche nach Dächern, Brücken, geeigneten Bäumen etc. und im Moment, wenn es dann ans Tun geht, wieder der Gedanke: "wieso wirfst du alles weg, bevor du überhaupt gelebt hast?"
Heute ist wieder so ein Tag und ich bin noch da und bleibe. Ich habe jetzt noch 2 Euro in der Tasche, fliege wegen Mietrückständen wahrscheinlich sehr bald aus meiner Wohnung, an Weihnachten ist gar nicht zu denken. Ich könnte meinen Vater um Geld bitten, dann würde das Ganze nur weiter gehen bis zur nächsten Entscheidung. Ich bin es leid.
Ich schreibe euch hier, weil ich endlich meinen Teufelskreis durchbrechen muss, seit meiner Kindheit bin ich von trügerischen Ablebenssehnsüchten geplagt, die wie Seifenblasen zerplatzen, wenn es ans Handeln geht. Immer mehr mache ich mir zur Belastung, damit die Entscheidung nicht wieder fürs Bleiben ausgeht. Das einzig Gute an diesen Momenten ist die Klarheit, mit der ich hier gerade diese Zeilen schreibe, dennoch verwischt wieder alles, wenn die Nachhaltigkeit fehlt, um dieses eigentlich unerträgliche Wort mal zu verwenden.
Wisst ihr vielleicht einen Rat, wo ich heute noch sowas wie psychologische Hilfe bekommen kann? Oder könnt ihr mir aus euren Erfahrungen eine Lösungsmöglichkeit zumindest andeuten? Ich habe keine Lust mehr, unter dem, was mir von Außen zutragen wurde, weiter zu leiden. Und der Scherbenhaufen ist diesmal größer als er je war.
Niklas


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