Hallo, mein Name ist Bibi und ich bin 45 Jahre alt, habe zwei Kinder im Alter von 19 und 26 Jahren und bin alleinstehend.

Ich befinde mich seit 3 Jahren in psychologischer Behandlung, war in dieser Zeit bereits 3 Mal in einer psychosomatischen Klinik und warte jetzt bereits seit Monaten auf meinen Bescheid für meine EU-Rente. Seit diesen 3 Jahren komme ich durch meine Panikattacken kaum vor die Tür, zeitweise habe ich nicht mal die paar Treppen zum Postkasten oder dem Mülleimer geschafft. Ich kämpfe aber auch immer wieder und lass mich begleiten, wenn ich zum Einkaufen gehe. Selbstverständlich klappt das nur in den späten Abendstunden, wenn die Geschäfte fast leer sind und ich versuche oft spazieren zu gehen, dies aber auch nur in Begleitung.

Momentan bin ich aber so verzweifelt über meine Situation, dass ich das erste Mal seit langem an Aufgeben denke. Es macht mich fertig, dass ich nicht wie die Leute, die ich hier die Straße langlaufen sehe, unbekümmert zum Einkaufen kann oder zu Freunden fahren kann, ins Kino, Theater, Liebe erleben, all die schönen Sachen die das Leben wirklich lebenswert machen bleiben mir verwehrt und wenn ich den Haushalt gemacht habe und alles schriftliche erledigt habe, sitze ich hier und überlege verzweifelt wie ich den Tag rumkriegen kann. Und ich habe mir wirklich schon ziemlich viel ausgedacht umd die Zeit rumzubekommen, Bücher ohne Ende gelesen, gemalt, gespielt... Mittlerweile geht das aber auch nicht mehr. Ich kann nicht immer das gleiche machen. Ich fühl mich wertlos und unfähig und so möchte ich einfach nicht mehr weiterleben. Ich kann nicht mal um meine Situation trauern, weinen, bin nur schlecht zu mir und gesteh mir nichts mehr zu. Das einzige was mich am Leben erhält ist der Gedanke, was ich meinen Kindern damit antun würde und mein Versprechen den beiden gegenüber mich nicht aus dem Leben zu schleichen...aber ansonsten wäre gestern wohl so ein Tag gewesen, wo ich mir ein oder zwei Flaschen Wein in den Kopf geklopft hätte und mich verabschiedet hätte...
und ich frag mich ob das wirklich schon mein Leben gewesen sein soll. Seid meiner Kindheit hab ich, bis ich krank geworden bin, nur geackert und ums Überleben gekämpft und das ziemlich allein und nun sind die Kinder groß und der finanzielle Druck ist nicht mehr so groß, die Wohnung ist schön eingerichtet und jetzt würde ich entweder gerne leben und erleben oder nichts mehr von alle dem. Könnst ihr das nachvollziehen?

Das ich das hier schreibe, in aller Offenheit, ist eine sehr große Überwindung für mich und es tut einfach nur gut zu wissen, dass ich mich mitteilen kann und zwar igentjemandem der mich garantiert versteht...

Ich würde jetzt am liebsten alles wieder löschen, weil ich sowieso nicht so gut über mich reden kann, aber aus einem Impuls heraus werde ich jetzt gleich das Knöpfchen senden drücken, bevor ich es mir noch anders überlege..

LG Bibi