Hallo ihr Lieben,
ich bin neu im Forum und habe mich angemeldet, weil ich mir langsam wirklich keinen Rat mehr weiß. Ich bin 19 Jahre alt, Schülerin und werde nächstes Frühjahr mein Abitur machen.
Ehrlichgesagt weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Eigentlich ist es eine lange Geschichte und ich weiß nicht, ob sie es überhaupt wert ist, erzählt zu werden. Nunja, ich fühle mich furchtbar. Auf der einen Seite kommt es mir vor, als würde ich jeden Moment platzen und auf der anderen Seite fühle ich mich vollkommen antiebslos und leer. Es fängt schon morgens an. Ich komme, wenn überhaupt, nur mit extrem viel Mühe aus dem Bett. Meistens treibt mich auch nur der Gedanke an schlechte mündliche Noten wegen übermäßiger Fehlzeiten aus den Federn.
Einschlafen kann ich gut, aber ich habe das Gefühl, ich schlafe nicht tief und wache sehr oft auf, merke deutlich, wie ich mich drehe usw.
Abends kann ich schon nur noch daran denken, wie schrecklich der nächste Tag doch werden wird. Selbst am Wochenende, wo ich eigentlich kurz durchatmen könnte, sehe ich nichts positives.
Es ist, als würde sich mein Magen krampfartig zusammenziehen und mir ist einfach nur nach weinen und schlafen zumute.
Wenn ich was mit meinen Freunden unternehme, habe ich das Gefühl, die positiven Erlebnisse erreichen mich gar nicht mehr. Ich kann mich nicht mehr wirklich darüber freuen. Irgendwie lebe ich nur noch, um zu funktionieren. Ich will nicht mehr. Es muss aufhören.
Von zu Hause bekomme ich auch keinerlei Unterstützung. Das Materielle geben mir meine Eltern zwar, aber auf menschlicher Ebene habe ich keine Beziehung zu ihnen. Im Gegenteil, sie üben eher noch Druck auf mich aus, Leistung bringen zu müssen, insbesondere mein Vater. Für ihn ist es sonnenklar, dass ich im Abischnitt eine Eins vor dem Komma haben werde. Ich kann ihm nicht sagen, dass ich das nicht schaffe. Seit Jahren teile ich ihm schon keine schlechten Noten mehr mit, sondern nur noch Einsen in Klausuren. Bei Zweien werde ich schon schief angeguckt und es kommen Sprüche wie "Und wieso hast du keine Eins?", oder es wird einfach überhört. Ich kann das nicht mehr und ich will das nicht mehr. Schluss, Aus.
Mein Bruder dagegen wird betüddelt und es wird vollstes Verständnis gezeigt, wenn er schlechte Noten hat. Klar ist mein Vater dann auch erstmal sauer, aber dann ist es auch wieder vergessen.
Bei mir war das schon immer so, dass meine Eltern den Eindruck hatten, ich kann das alles und kann das alles alleine. Also haben sie sich nicht gekümmert. Es hat nie jemand mit mir Hausaufgaben gemacht oder gefragt ob ich Probleme in der Schule hätte. Es hat niemanden interessiert. Gut, ich habe es auch nicht gebraucht, aber es geht mir um das Interesse entgegenbringen. Meine Eltern fragen nicht, wie es mir geht, sondern nur, wie die Klausurergebnisse sind, das war schon immer so.
Die Atmosphäre ist extrem kalt bei uns zu Hause. Ich schon oft versucht, mit meinen Eltern zu reden und teilweise konnten ich auch ergründen, warum das so ist (kompliziertes Verhältnis zwischen meinen Eltern, das würde jetzt zu weit führen). Aber Fakt ist, dass sich nichts ändert, egal was ich versuche. Es prallt einfach alles ab.
Meine Freunde meinen immer nur, ich solle doch abwarten, bald ist die Schule vorbei und ich bin weg von zu Hause, dann wird das alles schon.
Ich sehe aber keine Perspektive. Ich weiß nicht einmal, was ich nach der Schule studieren will. Im Endeffekt werde ich sowieso unglücklich sein mit meiner Entscheidung, oder ich werde böse auf die Nase fallen, weil ich es doch nicht schaffe, weil ich einfach nicht gut genug bin.
Ich fühle mich schrecklich leer. Und ich habe langsam das Gefühl, dass ich auch meinen Freunden nichts mehr erzählen kann, weil ich sowieso immer nur das Gleiche sage und es langsam nichts mehr zu sagen gibt.
Am Liebsten würde ich auf den Tisch hauen, alle anschreien und sagen, dass ich nicht mehr kann. Ich schaffe das alleine nicht, der Akku ist einfach völlig aufgebraucht. Ich mag nur schlafen und einfach nichts mehr tun. Ich platze, wirklich ich platze.
Langsam fange ich an, meine Freunde schlecht zu behandeln, ich bin sehr leicht reizbar und rege mich sehr schnell auf. Das endet dann aber meist wieder in einer Heulattacke und in Selbstzweifeln. Das geht nun schon seit einem knappen Jahr so, aber es wird kontinuierlich schlimmer. Vorher hatte ich soetwas auch schon mal, aber es war bei Weitem nicht so schlimm, ich habe es eher alles verdrängt. Aber jetzt fühle ich mich total hilflos und allem ausgeliefert. Habe 7 Kilo abgenommen seit dem Sommer und esse vielleicht noch halb so viel wie früher. Ich weiß wirklich nicht mehr.
Vielleicht rede ich mir auch alles nur ein und es ist gar nicht so schlimm und völlig normal.
Aber trotzdem danke fürs Lesen =)


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