Schon als kleines Kind war ich sehr kreativ, zumindest sagen alle, dass es an meiner Kreativität liegt.
In der Grundschule, wenn mich andere geärgert und gehänselt haben, habe ich mir dann einen Geparden im Geiste herbei gezaubert.
Der saß dann auf dem Schrank in der Klasse.
Oder ein Adler flog durch den Raum.
Oder ein Fuchs saß neben mir auf dem Fußboden...
Sie haben mich irgendwie beschützt, zumindest habe ich es mir immer so vorgestellt.
Ab der 5. Klasse wurden diese Tagträume noch intensiver.
Wenn ich gehänselt wurde, ist der Gepard auf den ärgernden Jungen rauf gesprungen, hat ihn gekratzt, ihn gebissen.
Der Junge hat natürlich nichts davon gemerkt, aber ich habe gelächelt und mich gefreut.
Wenn ich im Sport gerannt bin, habe ich in mir nicht mich, sondern den Geparden gesehen, oder ein Pferd, im vollen Galopp.
Die Kinder haben mich ausgelacht, ich laufe ja wie ein Pferd, und nicht wie ein Mensch.
Mir fiel das nie auf, ich fühlte mich unbeschreiblich schnell.
Obwohl ich doch durchschnittlich abschnitt.
Schon seit einigen Jahren habe ich die Bilder im Kopf, wenn ich bei jemandem im Auto mit fahre, und aus dem Fenster gucke, dann sehe ich neben dem Auto, oder auf dem Feld, oder über die Dächer Tiere rasen.
Ein Gepard, ein Tiger, ein Löwe, ein Adler, oft auch ein Pferd im Galopp...
Wunderschöne Bilder, echt.
Seit einigen Jahren sind die Tagträume extrem häufig geworden.
Jeden Tag. Und zudem noch realer.
Und die Tiere sind nicht mehr außerhalb von meinem Körper im Raum.
Sondern ich bin selber das Tier.
Eine weiße große Wölfin.
Und wenn mich etwas reizt, - das ist das erschreckende - dann sehe ich mich, als weißen Wolf, wie ich den Leuten an die Kehle springe.
Wie ich sie bezwinge, auf den Boden schmeiße, wie Blut spritzt, wie sie ersticken.
Ich sehe fremde Männer, schwarze Gestalten, die an meinem Fell reißen bis ich blute.
Sie reißen mich auf den Boden.
Jemand zeigt mit einer Waffe auf mich.
Und ich springe vor die Personen, die ich beschützen will, damit die Bösen nicht die verletzen, die ich lieb habe.
Ich "beschütze" dann zur Zeit z.B. meine Therapeuten, Bekannte, andere Patienten, meinen Psychologen sehr häufig zum Beispiel...
Ich weiß, in Wirklichkeit ist da keiner der Böses will, kein Gegner, keine schwarzen Gestalten, niemand mit einer Waffe, keiner der jemanden verletzen will....
Aber trotzdem fühl ich mich immer so...
Und jeden Tag denke ich: Ich muss die Leute beschützen...
Ich habe extremen Beschützerinstinkt - aber nur in mir drin...
Nach Außen hin bin ich still, und schweige die ganze Zeit, oder ich lache und rede ununterbrochen, bin verunsichert.
Immer, fast durchgehend, sehe ich mich selber als Wolf...
- Wenn ich in der Klinik bin (wenn ich mit Therapeuten spreche, dann sehe ich mich selber als Wolf wie ich mich ducke, sehe dabei immer auf den Fußboden, ihnen nie in die Augen)
- Wenn ich durch die Stadt gehe (Ich trage meine Tasche zum Beispiel nicht auf der Schulter sondern halte sie im Maul - im geistigen Bilde natürlich nur, nicht in Wirklichkeit!)
- Wenn ich z.B. bei einem Freund bin und mich an ihn kuschel, dann sehe ich mich selber als Wolf, der sich an ihn kuschelt
- Wenn ich mich ins Bett lege, kringel ich mich zusammen wie ein schlafender Wolf
Morgens und abends habe ich noch im Wachzustand so Träume, wieder, wo ich mich als Wolf sehe, und wieder diejenigen beschütze, die mir lieb sind, wo ich die Bösen bekämpfe, wo jemand eine Waffe auf ich hält, und wo ich wieder dazwischen springe, dass derjenige nicht die anderen verletzen kann.
Und jedes Mal in diesen Träumen, sehe ich, wie ich sterbe, entweder sterbe ich als Mensch, oder als Wolf.
Als Beispiel mein derzeitiger Traum:
Seit meinem menschlichem Tod ist etwa ein Jahr vergangen.
An der Tagesklinik, wo ich zur Zeit bin, gehen alle den Alltag nach, die Therapeuten machen gerade Feierabend, die Patienten sind schon gegangen. Die Therapeuten sitzen draußen und schmöken.
Der Psychologe ist Nichtraucher und steht bei den anderen und unterhält sich mit seinen Kollegen.
Plötzlich, klein und unauffällig, kommt die Auffahrt hoch gekrabbelt, ein kleiner Babywolf, schneeweiß.
Der Psychologe hebt ihn hoch, schaut ihn entzückt an, und fragt, ob irgendjemand den kennt, alle verneinen, sind aber hellauf begeistert und alle wollen das kleine Etwas auf den Arm nehmen.
Der Psychologe sagt, er hat jetzt keine Zeit mehr, und will zu seinem Auto gehen, da bemerkt eine Therapeutin einen kleinen Papieranhänger an einem schmalen Lederbändsel um den Hals vom Welpen.
Sie weist den Psychologen darauf hin, dass "sein Hund" da eine Marke hat, er solle sich das doch mal ansehen, ist ja schließlich sein "Hund".
Der Psychologe nimmt den Welpen und schaut sich das Band mit dem zusammengerollten kleinen Schnipsel an. Er nimmt das Paperstück ab und setzt den Welpen auf den Boden.
Der Welpe quietscht zufrieden unten herum und springt am Beim vom Psychologen hoch. Jault ihn an.
Der Psychologe guckt leicht genervt und liest für sich leise was auf dem Papier steht:
"Sie müssen mich behalten Herr Prager*!
(Ronja)"
*Seinen Namen habe ich geändert
Er guckt den Welpen leicht verwundert an, sagt, das kann er nicht, das geht nicht, er hat gar kein Nerv und gar keine Zeit für einen Hund, außerdem hat er seine Familie, und die wären sicher nicht damit einverstanden.
Die anderen Therapeuten schauen ihn an und fragen ihn, was er denn habe, und was denn da im Papier steht.
Er sagt den anderen, was er gelesen hat, die Angestellten sind ganz entzückt und sehr verwundert, wo denn dieses Tierchen herkommt.
Der Psychologe geht einfach zu seinem Auto.
Einen Augenblick bleibt das kleine Tierchen stehen und schweigt. Dann springt der Welpe auf, schreit und quiekt und jault laut und rennt ihm hinterher. Der Psychologe ist gerade im Auto und zündet den Motor, der Welpe kommt zu spät, und der Mann hat die Tür bereits geschlossen.
Der Welpe quiekt wieder und jault, als hätte er seine Mama verloren, er hüpft um das Auto herum und legt sich dichter hinter den rechten hinterreifen.
Das Auto hat jetzt den Rückwärtsgang drin.
Der Mann tritt langsam aufs Gas und will die Kupplung kommen lassen,
da springen einige Therapeutinnen auf, und rennen zum Auto und winken, dass er anhalten soll,
Noch bevor er losfährt lässt er das Gas wieder weg und schaut in den Rückspiegel. Dann lässt er den Motor laufen, öffnet die Tür, und fragt, was denn jetzt noch sei?!
Eine Frau nimmt den Welpen weg, und trägt ihn zum Psychologen.
Der Welpe zittert jämmerlich und starrt erschrocken in die Gegend und schweigt.
Der Mann sagt, er kann ihn nicht mitnehmen.
Da endet mein Traum.
Was sagt ihr zu solcher Art Tagträume???
Endet sowas irgendwann mal?
Die kommen irgendwie schon unkontrolliert... Ich habe keine Lust mehr, jeden Tag zig mal zu sterben, irgendwie ist das ganz schön anstrengend....
Hilft bei so etwas eine Therapie? Oder Medikamente?
Mit Freundlichen Grüßen, Ronja
Ich bin um jede einzelne Antwort dankbar!!!!!
DANKE!!!


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