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Thema: Weiße Wölfin - Tagtraum

  1. #1
    Neuling Avatar von RonJah
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    Standard Weiße Wölfin - Tagtraum

    Schon als kleines Kind war ich sehr kreativ, zumindest sagen alle, dass es an meiner Kreativität liegt.

    In der Grundschule, wenn mich andere geärgert und gehänselt haben, habe ich mir dann einen Geparden im Geiste herbei gezaubert.
    Der saß dann auf dem Schrank in der Klasse.
    Oder ein Adler flog durch den Raum.
    Oder ein Fuchs saß neben mir auf dem Fußboden...
    Sie haben mich irgendwie beschützt, zumindest habe ich es mir immer so vorgestellt.


    Ab der 5. Klasse wurden diese Tagträume noch intensiver.
    Wenn ich gehänselt wurde, ist der Gepard auf den ärgernden Jungen rauf gesprungen, hat ihn gekratzt, ihn gebissen.
    Der Junge hat natürlich nichts davon gemerkt, aber ich habe gelächelt und mich gefreut.

    Wenn ich im Sport gerannt bin, habe ich in mir nicht mich, sondern den Geparden gesehen, oder ein Pferd, im vollen Galopp.
    Die Kinder haben mich ausgelacht, ich laufe ja wie ein Pferd, und nicht wie ein Mensch.
    Mir fiel das nie auf, ich fühlte mich unbeschreiblich schnell.
    Obwohl ich doch durchschnittlich abschnitt.



    Schon seit einigen Jahren habe ich die Bilder im Kopf, wenn ich bei jemandem im Auto mit fahre, und aus dem Fenster gucke, dann sehe ich neben dem Auto, oder auf dem Feld, oder über die Dächer Tiere rasen.

    Ein Gepard, ein Tiger, ein Löwe, ein Adler, oft auch ein Pferd im Galopp...
    Wunderschöne Bilder, echt.


    Seit einigen Jahren sind die Tagträume extrem häufig geworden.
    Jeden Tag. Und zudem noch realer.
    Und die Tiere sind nicht mehr außerhalb von meinem Körper im Raum.
    Sondern ich bin selber das Tier.

    Eine weiße große Wölfin.


    Und wenn mich etwas reizt, - das ist das erschreckende - dann sehe ich mich, als weißen Wolf, wie ich den Leuten an die Kehle springe.
    Wie ich sie bezwinge, auf den Boden schmeiße, wie Blut spritzt, wie sie ersticken.

    Ich sehe fremde Männer, schwarze Gestalten, die an meinem Fell reißen bis ich blute.

    Sie reißen mich auf den Boden.

    Jemand zeigt mit einer Waffe auf mich.

    Und ich springe vor die Personen, die ich beschützen will, damit die Bösen nicht die verletzen, die ich lieb habe.

    Ich "beschütze" dann zur Zeit z.B. meine Therapeuten, Bekannte, andere Patienten, meinen Psychologen sehr häufig zum Beispiel...


    Ich weiß, in Wirklichkeit ist da keiner der Böses will, kein Gegner, keine schwarzen Gestalten, niemand mit einer Waffe, keiner der jemanden verletzen will....

    Aber trotzdem fühl ich mich immer so...

    Und jeden Tag denke ich: Ich muss die Leute beschützen...
    Ich habe extremen Beschützerinstinkt - aber nur in mir drin...
    Nach Außen hin bin ich still, und schweige die ganze Zeit, oder ich lache und rede ununterbrochen, bin verunsichert.



    Immer, fast durchgehend, sehe ich mich selber als Wolf...
    - Wenn ich in der Klinik bin (wenn ich mit Therapeuten spreche, dann sehe ich mich selber als Wolf wie ich mich ducke, sehe dabei immer auf den Fußboden, ihnen nie in die Augen)

    - Wenn ich durch die Stadt gehe (Ich trage meine Tasche zum Beispiel nicht auf der Schulter sondern halte sie im Maul - im geistigen Bilde natürlich nur, nicht in Wirklichkeit!)

    - Wenn ich z.B. bei einem Freund bin und mich an ihn kuschel, dann sehe ich mich selber als Wolf, der sich an ihn kuschelt

    - Wenn ich mich ins Bett lege, kringel ich mich zusammen wie ein schlafender Wolf



    Morgens und abends habe ich noch im Wachzustand so Träume, wieder, wo ich mich als Wolf sehe, und wieder diejenigen beschütze, die mir lieb sind, wo ich die Bösen bekämpfe, wo jemand eine Waffe auf ich hält, und wo ich wieder dazwischen springe, dass derjenige nicht die anderen verletzen kann.

    Und jedes Mal in diesen Träumen, sehe ich, wie ich sterbe, entweder sterbe ich als Mensch, oder als Wolf.


    Als Beispiel mein derzeitiger Traum:

    Seit meinem menschlichem Tod ist etwa ein Jahr vergangen.
    An der Tagesklinik, wo ich zur Zeit bin, gehen alle den Alltag nach, die Therapeuten machen gerade Feierabend, die Patienten sind schon gegangen. Die Therapeuten sitzen draußen und schmöken.
    Der Psychologe ist Nichtraucher und steht bei den anderen und unterhält sich mit seinen Kollegen.

    Plötzlich, klein und unauffällig, kommt die Auffahrt hoch gekrabbelt, ein kleiner Babywolf, schneeweiß.
    Der Psychologe hebt ihn hoch, schaut ihn entzückt an, und fragt, ob irgendjemand den kennt, alle verneinen, sind aber hellauf begeistert und alle wollen das kleine Etwas auf den Arm nehmen.

    Der Psychologe sagt, er hat jetzt keine Zeit mehr, und will zu seinem Auto gehen, da bemerkt eine Therapeutin einen kleinen Papieranhänger an einem schmalen Lederbändsel um den Hals vom Welpen.
    Sie weist den Psychologen darauf hin, dass "sein Hund" da eine Marke hat, er solle sich das doch mal ansehen, ist ja schließlich sein "Hund".

    Der Psychologe nimmt den Welpen und schaut sich das Band mit dem zusammengerollten kleinen Schnipsel an. Er nimmt das Paperstück ab und setzt den Welpen auf den Boden.
    Der Welpe quietscht zufrieden unten herum und springt am Beim vom Psychologen hoch. Jault ihn an.
    Der Psychologe guckt leicht genervt und liest für sich leise was auf dem Papier steht:

    "Sie müssen mich behalten Herr Prager*!
    (Ronja)"


    *Seinen Namen habe ich geändert


    Er guckt den Welpen leicht verwundert an, sagt, das kann er nicht, das geht nicht, er hat gar kein Nerv und gar keine Zeit für einen Hund, außerdem hat er seine Familie, und die wären sicher nicht damit einverstanden.

    Die anderen Therapeuten schauen ihn an und fragen ihn, was er denn habe, und was denn da im Papier steht.

    Er sagt den anderen, was er gelesen hat, die Angestellten sind ganz entzückt und sehr verwundert, wo denn dieses Tierchen herkommt.

    Der Psychologe geht einfach zu seinem Auto.
    Einen Augenblick bleibt das kleine Tierchen stehen und schweigt. Dann springt der Welpe auf, schreit und quiekt und jault laut und rennt ihm hinterher. Der Psychologe ist gerade im Auto und zündet den Motor, der Welpe kommt zu spät, und der Mann hat die Tür bereits geschlossen.
    Der Welpe quiekt wieder und jault, als hätte er seine Mama verloren, er hüpft um das Auto herum und legt sich dichter hinter den rechten hinterreifen.
    Das Auto hat jetzt den Rückwärtsgang drin.
    Der Mann tritt langsam aufs Gas und will die Kupplung kommen lassen,
    da springen einige Therapeutinnen auf, und rennen zum Auto und winken, dass er anhalten soll,
    Noch bevor er losfährt lässt er das Gas wieder weg und schaut in den Rückspiegel. Dann lässt er den Motor laufen, öffnet die Tür, und fragt, was denn jetzt noch sei?!
    Eine Frau nimmt den Welpen weg, und trägt ihn zum Psychologen.
    Der Welpe zittert jämmerlich und starrt erschrocken in die Gegend und schweigt.
    Der Mann sagt, er kann ihn nicht mitnehmen.



    Da endet mein Traum.








    Was sagt ihr zu solcher Art Tagträume???


    Endet sowas irgendwann mal?



    Die kommen irgendwie schon unkontrolliert... Ich habe keine Lust mehr, jeden Tag zig mal zu sterben, irgendwie ist das ganz schön anstrengend....



    Hilft bei so etwas eine Therapie? Oder Medikamente?





    Mit Freundlichen Grüßen, Ronja



    Ich bin um jede einzelne Antwort dankbar!!!!!


    DANKE!!!
    Geändert von RonJah (02.10.2010 um 02:03 Uhr)

  2. #2
    Gast784
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    Hallo Ronja,

    ich hab mir vorher beim lesen schon überlegt: sind das jetzt schon Tagträume oder geht das schon Richtung Zwangsgedanken? Deine letzte Aussage klingt schon nicht mehr wie Tagtraum.

    Aber warum fragst Du uns, warum redest Du darüber nicht mit Deinen Therapeuten, wenn Du schon welche hast?

  3. #3
    Verleger Avatar von Natz
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    Für mich hört sich das so an, als wärst Du gerne in einer anderen Rolle. Auf der einen Seite vom Thera verhätschelt und auf der anderen Seite der große Beschützer, die Starke, die Du im wirklichen Leben nicht bist.
    Ob diese "Phantasien" schon pathologisch sind, solltest Du, wie Gabi meinte, mit Deinem Thera klären-Du bist ja in einer Tagesklinik. Darf ich fragen, wie alt Du bist? Ich habe den Eindruck, Du bist noch ziemlich jung. Viele Kinder wünschen sich, starke Tiere zu sein. Vll. ist das bei Dir noch ein Überbleibsel aus der Kindheit, wo Du Dich schwach und hilflos gefült hast. Du wirst ja auch nicht ohne Grund Depressionen bekommen haben.
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

  4. #4
    Verleger Avatar von Darkstar
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    Hallo Ronja,

    auch hier wieder: dieser Thread und Dein erster ergeben zusammen ein gewisses Bild ...

    Spekulation erlaubt (wie immer: Korrektur erwünscht)?
    Dein Thera dürfte hierbei nicht unbedingt die gefühlt "beste" Anlaufstelle sein ... es betrifft ja schließlich ihn und Deine Gefühle für ihn, oder?
    Und damit etwas, bei dem Du eh verunsichert bist ...

    Das wäre dann das, was ich in dem anderen Thread mit "kontraproduktiv" gemeint habe: es kämen da neue Spannungsfelder und Fragen mit in die eigentliche Therapiearbeit hinein, die zu bearbeiten in dieser Konstellation problematisch sein könnte.

    Andererseits: wäre nicht gerade dies erst recht ein Grund, es mit ihm zu thematisieren? Es hat ja immerhin Einfluss auf Eure Therapiesituation ...
    Falls es Dich beruhigt: sowas kommt wirklich nicht selten vor - und auch hierfür muss er professionelles Verständnis haben.
    Klingt böse, ich weiß: es ist ein Teil seines "Berufsrisikos", mit dem umzugehen er auch gelernt hat. Und damit auch nichts, weswegen er Dich da jetzt abwertend ansehen müsste/dürfte.

    Eine Therapie lebt auch gerade davon, dass es da ein Vertrauensverhältnis zwischen den Beteiligten gibt: es sollen alle relevanten Fragen und Aspekte angesprochen werden können, ohne dass dies zu neuen Ängsten führt.
    Wie frei könntest Du noch mit ihm reden, wenn es generell zu dieser Thematik käme? Es könnte ja ein Schlüsselbereich bei Dir sein/werden ...



    lg

  5. #5
    Neuling Avatar von RonJah
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    @Gabi & Natz:
    Ich hatte meinem Psychologen schon von den Tagträumen erzählt, dass ich mich selber durchgehend als weißen Wolf sehe, dass ich oft das Gefühl habe, knurren, beißen, kratzen zu wollen, oder eben wenn ich mich freu, am liebsten rumhopsen würde.

    Er sagte dazu auch nur, dass es eine lebhafte Fantasie sei. Nicht weiter schlimm.
    Die Psychiaterin hatte ich das auch gesagt, also das Thema genauso wieder nur angschnitten, so wie ich es dem Psychologen gesagt hatte - und sie meinte das gleiche: "Lebhafte Fantasie, freuen Sie sich doch darüber, andere würden Sie vielleicht drum beneiden"


    @Gabi:
    Was meinst du mit Zwangsgedanken?


    @Natz, ja, ich bin 20, und in manchen Bereichen sehr sehr erwachsen für mein Alter, aber in den Fantasie-bereichen z.B. auch noch sehr kindlich. Mir gleichaltrigen verstehe ich mich deswegen so gut wie gar nicht.



    @Darkstar:
    Genau, mit meinem Psychologen kann ich das eben nicht soo gut besprechen, eben weil er selber ja so intensiv im Traum vorkommt.

    Das mit dem Vertrauensverhältnis ist mir schon klar, nur ist das neben meiner extremen Schüchternheit ein weiteres großes Problem bei mir, ich habe das Gefühl oder einfach die Angewohnheit und das Verhalten, dass ich absolut niemandem vertrauen kann, und nein, wie gesagt, ich habe nicht ohne Grund Depressionen, hier im Forum schneide ich ja nur kleine Ecken meiner Probleme an.
    Den Großteil bespreche ich ja eigentlich auch mit meinem Psychologen.



    Aber ich denke, ich werde das mal mit der Pflegerin/Familien-Theraputin besprechen, mit der komme ich wunderbar zurecht, aber ich denke eigentlich nicht, dass Sie das irgendwie interessieren wird, bzw. dass Sie mir einen Ratschlag dafür geben kann.....


    Was meinst du mit Schlüsselbereich?
    Geändert von RonJah (02.10.2010 um 17:45 Uhr)

  6. #6
    Verleger Avatar von Darkstar
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    Hallo Ronja,

    die möglichen "Schlüsselbereiche"?
    Die, die Du eben selbst angesprochen hast: Vertrauen und darauf aufbauend dann auch Beziehung (Beziehung jetzt mal in jeder Form. Vertraute, Freunde etc. gehören da auch dazu - einfach alles, wo man den Raum hat, sich öffnen zu können).

    ... ich habe das Gefühl oder einfach die Angewohnheit und das Verhalten, dass ich absolut niemandem vertrauen kann ...
    Und dann euphorisiert es eben, wenn man es sich plötzlich erlauben kann, ohne deswegen auch gleich wieder in die "altbekannten" Rückzugsmuster zu verfallen
    Ist dies ein neues Gefühl für Dich?


    lg

  7. #7
    Verleger Avatar von Natz
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    Na, wenn das im grünen Bereich ist, ist es doch o.k. Vll. will Dir der Traumwolf ja auch eher was sagen, z.B. einige Eigenschaften in Dein Leben übernehmen? Schließlich stellt man sich ja meistens was vor, was man sich wünscht.
    LG, Natz




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  8. #8
    Gast784
    Gast

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    @Natz, ja, ich bin 20, und in manchen Bereichen sehr sehr erwachsen für mein Alter, aber in den Fantasie-bereichen z.B. auch noch sehr kindlich
    vll ist das dann eben der Ausgleich dafür, dass Du in anderen Bereichen zu erwachsen bist bzw sein musst

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