Hallo zusammen,
bin männlich (33 J.) und lebe seit meiner Geburt in Dresden.
Seit einiger Zeit befinde ich mich in einer Situation, in der ich nicht so recht weiter weiß.
Das große Problem, was über allem steht: 'Ich weiß nicht, was ich mit dem Leben anfangen soll' bzw. schaffe ich es nicht, irgendwas zu beginnen, ohne die Frage: Will ich das? Macht mir das Spaß? Bringt mir das was? etc. - Durch die Entscheidungsunfähigkeit bleibt unterm Strich: Stagnation !
Bin zur Zeit krank geschrieben wegen einer Knieverletzung, beziehe ALG II, und sitze tgl. gelangweilt vorm PC.
Kurz zum Werdegang:
- bin Einzelkind, typischer Einzelgänger, bin typisches Sternzeichen Jungfrau
- Vater: Beamter
- Mutter: war überengagierte Lehrerin, seit 15 Jahren "berufsunfähig"
- Mutter zieht zu einem neuen Mann, als ich 18 bin - hat mit sich selbst genug Probleme
- Vater findet neue Frau, verliert sich völlig in der neuen Familie und ordnet sich dort total unter
- habe in der Reihenfolge: Realschulabschluss, Ausbildung zum Elektroniker, Umschulung zum Mediengestalter, Fachhochschule, BWL-Studium - alles abgeschlossen, zwischen den Abschlüssen jeweils kurze Berufstätigkeit
Während des Studiums entschieden meine damalige Freundin und ich uns für 1 Kind. Wir zogen in eine große Wohnung, in die viel Arbeit und Geld floß - wir dachten, wir würden es besser machen. Freundin verließ mich mit Kind, als es 1 Jahr alt war. Und ich saß in der großen familiengerechten Wohnung allein da.
Seit dieser Trennung hatte ich mich viel mit Psychologie, Gesundheit, Weltbildern, Lebenshilfe und yin/yang beschäftigt, unheimlich viel gelesen und Erkenntnisse erlangt. Meine Mutter trennte sich nach 7 jahren wieder von dem Mann, wegen dem sie mein Vater verlassen hatte. Seit meiner eigenen Trennung versuche ich mehr oder weniger zwanghaft die Verbindung zu meinen Eltern aufrechtzuerhalten. Aber Fehlanzeige: mein Vater ist so wie er ist (siehe oben), bemitleidet ich selbst und weiß nichts mit dem Leben anzufangen außer Haushalt schmeißen und Zeitung lesen. Meine Mutter rennt seit Jahren zum Psychologen und anderen "Helfern", weil sie mit sich selbst nicht klarkommt. Eine Art "Familie" oder "Bezugsperson" kann ich von meinen Eltern nicht (mehr) erwarten, dafür gab es in der Vergangenheit zu schmerzhafte Vorfälle. Ich wusste lange Zeit nicht, womit es mir schlechter ging - mit Kontakt zu den Eltern oder ohne Kontakt zu den Eltern. Ich habe mich nunmehr gegen den Kontakt (besonders zur Mutter) entschieden und fahre damit besser.
Ich habe mich schon paar Mal mit meiner Situation bei Psychologen vorgestellt. Leider bisher ohne Erfolg. Einige langweilen mich total, einige hatten selbst einen an der Klatsche und wieder andere fragten mich, was ich bei ihnen wolle, da ich doch wüsste wie Psychologenarbeit abläuft.
Ich wünsche mir zwar unheimlich ein Mädchen oder auch ein paar gute Freunde. Aber mein Hauptwunsch ist, etwas zu finden, was ich mit meinem Leben anfange - und was mich zufrieden stellt. Nicht auch zuletzt deswegen, weil ich meinem Sohn (dem es in der neuen Partnerschaft nicht schlecht geht) ein gutes Vorbild sein will.
Ich bin zumindest schon mal froh, dass ich die Frage nach meinen Interessen beantworten kann, nämlich:
Film, Fotografieren, Musik, Sport, Klavier spielen, Schreiben, Autofahren, Reisen, Psychologie, Computer, Menschen, Essen, Fliegen, Medizin, Frankreich, USA.
Talent ist bei der einen oder anderen Sache auch dabei. Aber ob man damit Geld verdienen kann, ist eine andere Frage. Hab das Gefühl, dass mich viel zu viel interessiert.
Dennoch schaffe ich es nicht, mir aus diesen was herauszugreifen, um es zu einer Lebensaufgabe zu machen. Nicht auch zuletzt deswegen, weil ich nicht erkenne, wie man mit diesen Interessen auf ehrliche Weise gutes Geld verdienen kann. Zudem bin ich überhaupt nicht für die Ellebogengesellschaft gemacht.
Aber ich finde meinen ALGII-Status peinlich und nicht gerecht ggü. denen, die nicht vom Staat leben.
Hinzukommt, dass ich total verspannt und ängstlich durch die Welt gehe. Und seitdem ich mangels Geld meinen Corsa abmelden musste und nur noch mit Bus und Bahn fahre, ist das noch schlimmer geworden. Ich sehe hauptsächlich grimmige Gesichter um mich rum. Und werde dabei das Gefühl nicht los, dass es mit unserer gegenwärtigen Zeit/Gesellschaft zu tun hat. Jedenfalls bin ich total verkrampft in der Öffentlichkeit und versuche das mit gespielter Lockerheit zu überdecken, was sehr anstrengend ist.
Ja, soweit vielleicht.
Wer hat ähnliches erlebt und kann mir einen Weg aus dieser Misere zeigen ?
Viele Grüße und TAUSEND DANK !!!!


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