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Thema: Wenn man jemand beerdigt, den man nicht mehr liebt

  1. #9
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    Also zuerstmal: Deine Antworten sind super. Regen auf jeden Fall zum Nachdenken an, das mag ich und das war wohl auch der Grund, dass ich in einem Forum geschrieben habe. Da trifft man Menschen, die gerade Lust haben zu diskutieren. Das ist schön.


    Zitat Zitat von uweko Beitrag anzeigen
    Und wenn es so wäre, und es beträfe beiderseitiges Geschlecht, so ist es folglich unfair, die "Testosteron-Gesteuerten" da hervorzuheben, wie oben passiert.
    Vielleicht hat es ja bei der Frau auch hormonelle Gründe, wenn sie nicht monogam ist? Zu viel Östrogen oder so. :-)


    Zitat Zitat von uweko Beitrag anzeigen
    Was kostet es Dich zu vergeben oder andersherum, was bringt es Dir es nicht zu tun ?.
    Ja vielleicht ein ganz einfaches Beispiel: Wenn ich meine Wasserkisten mitten im Sommer in den 3. Stock schleppen muss, dann bin ich mal so richtig angenervt. Und ich hab jetzt wen, auf den ich schimpfen kann. Und den störts ja nicht, weil er ja tot ist. Und er ist gleich doppelt schuld dran: 1. Ich würde ich hier nicht wohnen, wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, eine Wohnung zu suchen und 2. ist das sein Job gewesen, die Wasserkisten zu schleppen für die Familie, die er ja mit gegründet hat und die ich ohne ihn gar nicht hätte, ergo für mich alleine auch keine Wasserkisten bräuchte. Und wenn er leben würde, dann dürfte er sich das durchaus auch mal anhören.

    Jetzt würde natürlich der Jesus in der Situation sein Schicksal erdulden und mit Ruhe und Geduld diese blöden Wasserkisten durch halb Jerusalem schleppen, zumindest sagt man ihm das nach. Aber wie ich schon sagte: Ich bin nicht Jesus und ich meckere halt mal rum. Und ehrlich gesagt finde ich Menschen, die immer alles mit Ruhe und Geduld hinnehmen, etwas gruselig. Da bin ich dann vielleicht ganz Frau: Emotional und impulsiv und was raus muss, dass muss einfach mal raus.


    Zitat Zitat von uweko Beitrag anzeigen
    Was mir nicht zuteil wird, soll anderen auch auch nicht zuteil werden, heißt im Umkehrschluss nichts anderes als: Mein Vater hat mich verprügelt, also verprügle ich meine Kinder;
    Nein, so nicht. Ich muss da schon dran arbeiten, wenn ich merke, dass meine Last so groß ist, dass sie andere belastet und schädigt. Das meine ich ja. Das hätte der Herr Vati auch tun müssen. Nicht einfach umbringen und weg. So geht das nicht.


    Zitat Zitat von uweko Beitrag anzeigen
    Ein Mensch ist zum Mörder geworden, also sollte er ermordet werden etc.
    Ja, so vielleicht schon. Kommt auf die Tat an. Ich glaube, diese Ansicht teilen einige Menschen, aber nur wenige würden es zugeben und so ganz sicher bin ich mir aus humanistischer Sicht auch nicht.


    Zitat Zitat von uweko Beitrag anzeigen
    Du kommst zur Ruhe, nur wenn Du vergibst.
    Ich komme zur Ruhe, wenn man mich in Ruhe lässt. Aber darauf habe ich keinen Einfluss. Wenn ich den Briefkasten aufmache und da will schon wieder jemand Geld (was mit der Sache zu tun hat), dann komm ich nicht zur Ruhe. Und dann rege ich mich halt auch mal auf, siehe oben.


    Zitat Zitat von uweko Beitrag anzeigen
    Umso verständnisvoller, desto selbstbewusster.
    Hm... weiß nicht. Eher irgendwie verstrahlt. Man kann doch nicht für alles Verständnis aufbringen. Oder verwechseln wir Verstehen, Verständnis, Toleranz und Akzeptanz?
    Wenn das so ist: Ich verstehe, der war krank. Ich habe kein Verständnis, dass er sich nicht hat helfen lassen. Und ich toleriere nicht, was er damit angerichtet hat, muss es aber akzeptieren.


    Bist Du Christ? Klingt so. Das ist nicht meins. Vielleicht ist das der Hintergrund unserer unterschiedlichen Ansichten. Ich denke: Der Mensch ist Liebe und Hass, gut und böse, traurig und fröhlich, schwarz und weiß und alles dazwischen, manchmal auch bunt. Ich akzeptiere das. Folglich akzeptiere ich auch den Hass in mir und hasse mich dafür nicht selbst. Denn das wiederum ist eine christlich geprägte Ansicht, also dass man sich schlecht fühlt, weil man manchmal schlechte Gedanken und Gefühle hat (Tuet Buße!). Ich kann sogar jemanden für eine Eigenschaft hassen und für eine andere lieben. Und in meinem Fall kann ich die positiven und negativen Aspekte meines "neuen" Lebens durchaus erkennen (das ja eigentlich gar nicht neu ist, sondern nur weitergeht).

  2. #10
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    Ich fange mal von hinten an:

    Man kann doch nicht für alles Verständnis aufbringen. Oder verwechseln wir Verstehen, Verständnis, Toleranz und Akzeptanz?
    Verständnis kann Einfühlvermögen oder Einvernehmen bedeuten. Begrifflich ein klarer Unterschied, der auch dem Duden so zu entnehmen ist. Mein Verständnis ist ersterer Bedeutung. Das Einfühlvermögen bezieht sich darauf, wenn ich davon ausgehe, dass wenn Dein Mann psychisch schwer krank war, was Du denke ich auch einräumst, dass er nicht mehr Herr seiner Sinne gewesen sein kann. Er muss in einer Zwangslage gesteckt haben, die seinesgleichen eben nur unter Suizidalen zu finden ist, nicht in Deiner und meiner. Eine Verurteilung eines Selbstmörders verbietet sich, weil diese Ausnahmesituation keinen Vergleich zulässt.
    Was also einen Menschen dazu führt, ist das Schrecklichste, was man sich nur vorstellen kann. Du wie auch alle, die die Kraft und Liebe haben, weiter zu leben, sind begnadet. Selbstmörder versieht man nicht mit einem Fluch, auch nicht des Auferlegens der physischen Last und auch nicht ihrer Schuld wegen; Und vor allem um seiner Selbstwillen. Das verteidige ich mit aller Vehemenz. Ich bin getauft, gläubig aber nicht mehr konfessionell gebunden, da die Gemeinden von falschen Christen samt Schäfern durchsetzt sind. Ich glaube an die Liebe und die ist Gott.

    Die Unruhe, die an uns selbst zweifeln lässt und diese Zweifel müssen gehoben sein, bewusst werden, ist vielfach höher als die unbezahlter Rechnungen. Das bemerkt man erst, wenn diese alle weg blieben oder bezahlt wären. Das heißt, viele Menschen werden davon abgehalten, sich selbst zu finden, indem sie permanent in dieser existenziellen Tretmühle stecken und das eigentliche Problem dadurch in den Hintergrund gerät; Fassadenkonflikte, die nach den falschen Schuldigen suchen lassen. Das ist aber leider ein gesellschaftliches Problem. Wenn man es schafft, sich von derart Bedrohung innerlich zu distanzieren, ist man trotz der Gegenwart oberflächlich schwieriger Lage, dazu fähig sich tiefgründiger mit sich selbst auseinanderzusetzen.

  3. #11
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    Zitat Zitat von Freebee Beitrag anzeigen
    Nein, so nicht. Ich muss da schon dran arbeiten, wenn ich merke, dass meine Last so groß ist, dass sie andere belastet und schädigt. Das meine ich ja. Das hätte der Herr Vati auch tun müssen. Nicht einfach umbringen und weg. So geht das nicht.
    .
    Ich hab mal einen Bericht gesehen, über Angehörige von Selbstmördern. Da kam dieses Gefühl der Wut "wie kann der sich einfach verpieseln und mich mit dem ganzen Mist alleine lassen" auch drin vor, ich denke das ist völlig normal, in so einer speziellen Situation.

    Vielleicht schaust du mal ob du eine Selbsthilfegruppe findest wo es Menschen mit ähnlichen Erfahrungen gibt.

    Ich hab nicht alles gelesen, wie lange ist der Selbstmord her?

    Es ist ja auch alles ein Prozess in dem viele Gefühle durchlaufen werden, da gehört die Wut auch dazu.

    Die Vergebung kann wenn überhaupt irgendwann mal ganz am Ende stehen, jetzt steht sie dir denke ich nur im Weg erstmal deine eigenen Gefühle wahrnehmen zu können. Es kommt dann noch so als Forderung oben drauf, nach all dem "muss" du dann auch noch vergeben, nein musst du nicht, und schon gar nicht eh du alles verarbeitet hast, vielleicht ist dann irgendwann die Zeit gekommen für Vergebung oder eben auch nicht, es wird sich zeigen.

  4. #12
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    Zitat Zitat von Ricarda66 Beitrag anzeigen

    Vielleicht schaust du mal ob du eine Selbsthilfegruppe findest wo es Menschen mit ähnlichen Erfahrungen gibt.

    Ich hab nicht alles gelesen, wie lange ist der Selbstmord her?

    Die Vergebung kann wenn überhaupt irgendwann mal ganz am Ende stehen, jetzt steht sie dir denke ich nur im Weg erstmal deine eigenen Gefühle wahrnehmen zu können. Es kommt dann noch so als Forderung oben drauf, nach all dem "muss" du dann auch noch vergeben, nein musst du nicht, und schon gar nicht eh du alles verarbeitet hast, vielleicht ist dann irgendwann die Zeit gekommen für Vergebung oder eben auch nicht, es wird sich zeigen.
    1. Selbsthilfegruppe? Die ist nebenan in meiner Lieblingskneipe. Nicht wegen der Sauferei, sondern wegen der Musik, dem Darts, den lustigen Leuten da. Ich habe keine Lust mich in so ne Trauergruppe zu begeben, wo die Taschentücher auf dem Tisch stehen. Ist ja deprimierend.
    2. Knapp 2 Jahre, aber die Post kommt immer noch. Das nervt gewaltig, weil ich mich eigentlich schon davon distanziert fühle, keine Zeit für diese Quatsch habe und immer wieder gezwungen werde, mich um seine Probleme kümmern zu müssen (die ja so groß waren, dass er sich deswegen umgebracht hat) anstatt die Zeit für unsee Zukunft zu nutzen.
    3. Sehe ich genauso. Ich soll jetzt noch meine Wut runterschlucken, nur weil "man" auf einen Selbstmörder nicht wütend sein darf - angeblich. Komische Logik.

  5. #13
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    Zitat Zitat von Freebee Beitrag anzeigen
    1. Selbsthilfegruppe? Die ist nebenan in meiner Lieblingskneipe. Nicht wegen der Sauferei, sondern wegen der Musik, dem Darts, den lustigen Leuten da. Ich habe keine Lust mich in so ne Trauergruppe zu begeben, wo die Taschentücher auf dem Tisch stehen. Ist ja deprimierend.
    Warst du schon mal da oder denkst du dir das das es da so läuft?

  6. #14
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    Ich selber war noch nicht in einer Selbsthilfegruppe, aber drei Bekannte. Dem einen hat es gefallen, den anderen nicht. Es lief aber immer in etwa gleich ab, obwohl es unterschiedliche Themen waren. Und Taschentücher wurden in jeder Sitzung für irgendwen gebraucht.

    Man muss auch bedenken, dass ich in der Zeit ja mein Kind irgendwo unterbringen muss. Und die wenigen Möglichkeiten, wo mir das vergönnt ist, nutze ich lieber für etwas, was ich wirklich möchte. Ich würde mir z. B. eher eine Spielegruppe suchen. Muss ja jeder selber wissen, was er braucht.

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