Ich bin gerade total fertig...das liegt daran, dass ich gerade meinen Ex an der Straßenbahnhaltestelle gesehen habe. Das hat sehr schmerzliche Erinnerungen in mir wach gerufen. Alles hatte vor fünf Jahren begonnen, als ich ihn in einer hessischen Kleinstadt kennenlernte, in der wir beide damals wohnten. Wir passten gut zusammen, konnten uns sehr gut unterhalten, befanden uns beide in Ausbildung und hatten noch eine weitere Gemeinsamkeit: Wir waren beide Halbwaisen. Bei ihm war die Mutter gestorben, bei mir der Vater. Wir waren drei Monate glücklich zusammen, bis er sich plötzlich von mir trennte. Das kam, als er auf einem Fest zwei weibliche alte Bekannte traf und nur noch Zeit mit Ihnen verbrachte. Ich war sehr unglücklich darüber. Doch als dann im gleichen Jahr mein geliebter Großvater starb, half er mir über den Schmerz in langen Telefongesprächen etwas hinweg und wir kamen uns wieder näher. Ein halbes Jahr später waren wir wieder zusammen und das sehr glücklich. Die Beziehung hielt ab da noch zweieinhalb Jahre. Als ich mit der Ausbildung fertig war und wieder in meine alte Heimat, das Ruhrgebiet, ging, zog er sogar mit und verließ damit seine Heimat für mich.
Doch hier hatte er nicht viele Freunde, nur meinen Freundeskreis, was ihn auf Dauer etwas einsam und traurig machte. Ich half ihm daher dabei, Kontaktanzeigen ins Internet zu stellen, um so neue Leute kennenzulernen. Doch bei dieser Gelegenheit lernte er eine Frau kennen, mit der er sich immer besser verstand. Nach einigen Monaten küssten sie sich hinter meinem Rücken, beichteten das Ganze aber immerhin, worauf ich wutentbrannt Schluss machte. Eigentlich hing ich aber immer noch an ihm und hoffte, dass er sich ernsthaft bei mir entschuldigen und zu mir zurückkommen würde. So kam es dann aber leider nicht und ich wurde immer wütender auf ihn. Ich empfand beides - Liebe und Hass.
Um über meinen Schmerz hinwegzukommen, begann ich, mich im Internet mit vielen Männern zu verabreden um hoffentlich den passenden und Richtigen für mich zu finden. Insgesamt hatte ich so in den nächsten anderthalb Jahren 26 Dates, von denen mir aber die meisten nicht passten, vielleicht weil ich von einer Beziehung immer eine ähnliche "Seelenverwandtschaft" erwartete, wie das mit meinem Ex der Fall war oder zumindest aus meiner Perspektive der Fall zu sein schien. In sechs Fällen entwickelte sich aus diesen Dates etwas "Ernsteres", also eine "Beziehung" die wenige Wochen hielt. In fünf von sechs Fällen beendete ich diese Kurzbeziehungen jedoch wieder, weil ich unzufrieden war, weil die Männer zwar gut aussahen und nett waren, aber eben so etwas wie wirkliche Nähe und wirkliches "sich-aussprechen-können" fehlte und ich mir jedesmal dachte "Mit dem willst du nicht dein Leben verbringen". So richtig begann das mit dem "Männerverschleiß" aber erst bei mir, als ich ein halbes Jahr nach der Trennung jemanden kennenlernte, in den ich mich total verliebte. Er schien auch erst sehr begeistert von mir zu sein, schrieb mir jeden Tag eine Mail und nahm großen Anteil an meinem Leben. Er beteuerte mir immer wieder, was es für ein Glück sei, mich gefunden zu haben und wie gut er sich mit mir unterhalten könne, das ich hübsch aussehe, etc...
und ich empfand ebenso. Bevor er mich zu seinem Geburtstag einlud rief er mich an und sagte, dass er gerne mit mir zusammensein würde und ich freute mich sehr darüber. Doch auf seiner Feier war die Stimmung nicht so toll und seine Eltern, denen er mich vorstellte, waren von unserer Beziehung nicht so begeistert. Nachdem wir etwas Alkohol getrunken hatten, landeten wir schließlich doch im Bett, was ich wirklich nicht bereute, er aber am nächsten morgen schon. Und so endete die Geschichte, noch ehe sie richtig begonnen hatte. Das hat mir dann nach der ersten gescheiterten Beziehung dann quasi den finalen Schlag versetzt. Von beidem habe ich mich bisher leider nicht richtig erholt. In beide bin ich noch verliebt und denke oft an sie. Wen ich einmal wirklich geliebt habe, kann ich nunmal nicht vergessen. Diese "innere Störung" hat sich dann über ein Jahr lang in den oben schon beschriebenen zahlreichen und häufig wechselnden Beziehungen geäußert, als hätte ich dort etwas gesucht, was mir verlorengegangen ist. Eigentlich bin ich überhaupt gar kein Fan von Kurzbeziehungen und suche nur den einen und wahren Mann fürs Leben. Aber dadurch, dass ich die anderen beiden noch im Herzen trage, und mich enttäuscht und gedemütigt fühle, wird das wohl nichts werden. Immerhin habe ich jetzt damit aufgehört, wechselhafte Beziehungen einzugehen. Ich bin jetzt seit einem halben Jahr mit jemandem zusammen, der sehr attraktiv und auch nett ist, gegen den man keinerlei äußere Einwände haben kann, der sich gut benimmt, etc... und ich bin mit ihm zufrieden. Trotzdem ist es nicht mehr als ein Arrangement, um nicht allein sein zu müssen. Ich mag ihn, aber mehr ist da eigentlich nicht. Ich war auch nie verliebt in ihn und habe auch nicht das Gefühl, ihm mein "Innenleben" offenbaren zu können. Deshalb tue ich das hier. Es ist bitter, sich das eingestehen zu müssen, aber auch mit ihm kann ich mir kein Leben "auf ewig zu zweit" vorstellen. Dabei will ich doch nur meinen Eltern nacheifern, die ihr Leben lang zusammenblieben und nur durch den Tod meines Vaters getrennt wurden. Ich will jemanden, der mich im tiefsten Inneren verstehen kann und dem ich vertrauen kann. Mit dem ich eine gemeinsame Zukunft aufbauen kann. Doch ich finde ihn nicht. War das früher alles einfacher?
Vielleicht muss ich, bevor ich ihn finden kann, erst meine Vergangenheit aufarbeiten. Ein erster Schritt dazu könnte es sein, dass ich hier alles niederschreibe. Daher danke ich jedem, der meine Geschichte bis hier hin gelesen hat und so an meinem Schicksal Anteil nimmt.... :-) DANKE!


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren







Lesezeichen