psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Ergebnis 1 bis 5 von 5

Thema: Werde ich je den Richtigen finden?

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    18.02.2010
    Ort
    Essen
    Beiträge
    9
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard Werde ich je den Richtigen finden?

    Ich bin gerade total fertig...das liegt daran, dass ich gerade meinen Ex an der Straßenbahnhaltestelle gesehen habe. Das hat sehr schmerzliche Erinnerungen in mir wach gerufen. Alles hatte vor fünf Jahren begonnen, als ich ihn in einer hessischen Kleinstadt kennenlernte, in der wir beide damals wohnten. Wir passten gut zusammen, konnten uns sehr gut unterhalten, befanden uns beide in Ausbildung und hatten noch eine weitere Gemeinsamkeit: Wir waren beide Halbwaisen. Bei ihm war die Mutter gestorben, bei mir der Vater. Wir waren drei Monate glücklich zusammen, bis er sich plötzlich von mir trennte. Das kam, als er auf einem Fest zwei weibliche alte Bekannte traf und nur noch Zeit mit Ihnen verbrachte. Ich war sehr unglücklich darüber. Doch als dann im gleichen Jahr mein geliebter Großvater starb, half er mir über den Schmerz in langen Telefongesprächen etwas hinweg und wir kamen uns wieder näher. Ein halbes Jahr später waren wir wieder zusammen und das sehr glücklich. Die Beziehung hielt ab da noch zweieinhalb Jahre. Als ich mit der Ausbildung fertig war und wieder in meine alte Heimat, das Ruhrgebiet, ging, zog er sogar mit und verließ damit seine Heimat für mich.
    Doch hier hatte er nicht viele Freunde, nur meinen Freundeskreis, was ihn auf Dauer etwas einsam und traurig machte. Ich half ihm daher dabei, Kontaktanzeigen ins Internet zu stellen, um so neue Leute kennenzulernen. Doch bei dieser Gelegenheit lernte er eine Frau kennen, mit der er sich immer besser verstand. Nach einigen Monaten küssten sie sich hinter meinem Rücken, beichteten das Ganze aber immerhin, worauf ich wutentbrannt Schluss machte. Eigentlich hing ich aber immer noch an ihm und hoffte, dass er sich ernsthaft bei mir entschuldigen und zu mir zurückkommen würde. So kam es dann aber leider nicht und ich wurde immer wütender auf ihn. Ich empfand beides - Liebe und Hass.
    Um über meinen Schmerz hinwegzukommen, begann ich, mich im Internet mit vielen Männern zu verabreden um hoffentlich den passenden und Richtigen für mich zu finden. Insgesamt hatte ich so in den nächsten anderthalb Jahren 26 Dates, von denen mir aber die meisten nicht passten, vielleicht weil ich von einer Beziehung immer eine ähnliche "Seelenverwandtschaft" erwartete, wie das mit meinem Ex der Fall war oder zumindest aus meiner Perspektive der Fall zu sein schien. In sechs Fällen entwickelte sich aus diesen Dates etwas "Ernsteres", also eine "Beziehung" die wenige Wochen hielt. In fünf von sechs Fällen beendete ich diese Kurzbeziehungen jedoch wieder, weil ich unzufrieden war, weil die Männer zwar gut aussahen und nett waren, aber eben so etwas wie wirkliche Nähe und wirkliches "sich-aussprechen-können" fehlte und ich mir jedesmal dachte "Mit dem willst du nicht dein Leben verbringen". So richtig begann das mit dem "Männerverschleiß" aber erst bei mir, als ich ein halbes Jahr nach der Trennung jemanden kennenlernte, in den ich mich total verliebte. Er schien auch erst sehr begeistert von mir zu sein, schrieb mir jeden Tag eine Mail und nahm großen Anteil an meinem Leben. Er beteuerte mir immer wieder, was es für ein Glück sei, mich gefunden zu haben und wie gut er sich mit mir unterhalten könne, das ich hübsch aussehe, etc...
    und ich empfand ebenso. Bevor er mich zu seinem Geburtstag einlud rief er mich an und sagte, dass er gerne mit mir zusammensein würde und ich freute mich sehr darüber. Doch auf seiner Feier war die Stimmung nicht so toll und seine Eltern, denen er mich vorstellte, waren von unserer Beziehung nicht so begeistert. Nachdem wir etwas Alkohol getrunken hatten, landeten wir schließlich doch im Bett, was ich wirklich nicht bereute, er aber am nächsten morgen schon. Und so endete die Geschichte, noch ehe sie richtig begonnen hatte. Das hat mir dann nach der ersten gescheiterten Beziehung dann quasi den finalen Schlag versetzt. Von beidem habe ich mich bisher leider nicht richtig erholt. In beide bin ich noch verliebt und denke oft an sie. Wen ich einmal wirklich geliebt habe, kann ich nunmal nicht vergessen. Diese "innere Störung" hat sich dann über ein Jahr lang in den oben schon beschriebenen zahlreichen und häufig wechselnden Beziehungen geäußert, als hätte ich dort etwas gesucht, was mir verlorengegangen ist. Eigentlich bin ich überhaupt gar kein Fan von Kurzbeziehungen und suche nur den einen und wahren Mann fürs Leben. Aber dadurch, dass ich die anderen beiden noch im Herzen trage, und mich enttäuscht und gedemütigt fühle, wird das wohl nichts werden. Immerhin habe ich jetzt damit aufgehört, wechselhafte Beziehungen einzugehen. Ich bin jetzt seit einem halben Jahr mit jemandem zusammen, der sehr attraktiv und auch nett ist, gegen den man keinerlei äußere Einwände haben kann, der sich gut benimmt, etc... und ich bin mit ihm zufrieden. Trotzdem ist es nicht mehr als ein Arrangement, um nicht allein sein zu müssen. Ich mag ihn, aber mehr ist da eigentlich nicht. Ich war auch nie verliebt in ihn und habe auch nicht das Gefühl, ihm mein "Innenleben" offenbaren zu können. Deshalb tue ich das hier. Es ist bitter, sich das eingestehen zu müssen, aber auch mit ihm kann ich mir kein Leben "auf ewig zu zweit" vorstellen. Dabei will ich doch nur meinen Eltern nacheifern, die ihr Leben lang zusammenblieben und nur durch den Tod meines Vaters getrennt wurden. Ich will jemanden, der mich im tiefsten Inneren verstehen kann und dem ich vertrauen kann. Mit dem ich eine gemeinsame Zukunft aufbauen kann. Doch ich finde ihn nicht. War das früher alles einfacher?
    Vielleicht muss ich, bevor ich ihn finden kann, erst meine Vergangenheit aufarbeiten. Ein erster Schritt dazu könnte es sein, dass ich hier alles niederschreibe. Daher danke ich jedem, der meine Geschichte bis hier hin gelesen hat und so an meinem Schicksal Anteil nimmt.... :-) DANKE!

  2. #2
    Bestseller Autor Avatar von glasheuler
    Registriert seit
    01.03.2009
    Beiträge
    1.510
    Danke
    95
    144 mal in 111 Beiträgen bedankt

    Standard Hi Astranama,

    kann man verstehen dass Dein Gefühlskarussell wieder mächtig in Fahrt kam als Du Deinen Ex gesehen hast. Alle schönen Erinnerungen sind plötzlich wieder da und man sehnt sich wieder ohne Ende nur nach dem einen Menschen.

    Im ersten Moment hört sich 26 Dates nach viel an, berücksichtigt man jedoch was Deine unerfüllten Erwartungen anbelangt sind es eher wenige
    (welche dem genügen könnten).

    Wusstes Du denn schon vor diesen Treffen in etwa was auf Dich zukam?


    Liebe Grüße
    glasi
    Das Wort "Glück" würde seine Bedeutung verlieren hätte es nicht
    den Widerpart in der Traurigkeit.
    C.G.Jung

  3. #3
    Neuling
    Registriert seit
    18.02.2010
    Ort
    Essen
    Beiträge
    9
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Na ja, für diese Treffen, habe ich Menschen im Internet gewählt, die nett und interessant klangen und, auch wenn das oberflächlich ist, ein hübsches Foto von sich hatten. Ich habe mir nicht bei jedem erhofft, dass es der Richtige sein wird, aber ich habe gedacht, dass man ja vielleicht auch positiv überrascht werden kann und man ruhig mal Leute kennenlernen sollte, wo dann der Passende dabei ist.
    Aber 26 Dates waren schon echter Stress. Nicht nur zeitlich, vor allem auch emotional. Diese Phase möchte ich nicht unbedingt wiederholen...
    Aber vielen Dank für deine Antwort und daher, dass du meine Gefühlslage anscheinend etwas nachvollziehen kannst....:-)

  4. #4
    Bestseller Autor Avatar von glasheuler
    Registriert seit
    01.03.2009
    Beiträge
    1.510
    Danke
    95
    144 mal in 111 Beiträgen bedankt

    Standard Morgen Astranama,

    dass Du Dich bei der Suche nach einem Mann zum grössten Teil von äusseren Attributen
    leiten liesst ist menschlich verständlich und natürlich auch eher die Regel.
    Frau /Mann handelt dann getreu dem Prinzip "In einem schönem Körper wohnt auch ein schöner Geist" wobei die Feststellung "was ist ein schöner
    Geist ?" eine unermessliche Bandbreite zulässt. Da Du jedoch nicht die
    Absicht hast eine philosophische Diskussion in gang zu setzen sondern
    Deine derzeitige Situation ehr als gefühlsbeladen empfindest möchte ich
    zum wiederholten male das schönste Zitat wiedergeben was ich kenne:

    "Liebe ist wie ein Schmetterling, jagst Du ihn , wird er Dir entfliehen. Bist Du ruhig und gelassen lässt er sich auf Dir nieder"


    Liebe Grüße
    glasi
    Das Wort "Glück" würde seine Bedeutung verlieren hätte es nicht
    den Widerpart in der Traurigkeit.
    C.G.Jung

  5. #5
    Schreiberling Avatar von Finja
    Registriert seit
    12.11.2009
    Ort
    Berlin
    Beiträge
    347
    Danke
    49
    43 mal in 36 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Astranama,
    Du bist jung und machst Deine Erfahrungen. Dazu gehören leider eben auch meist die schlechten, die Dich widerum die guten schätzen lehren.
    Außerdem weißt Du ja genau was Du willst. Das ist doch klasse.

    Ich sehe es genauso wie glasi, erzwingen kannst Du nichts.
    Erst wenn Du selbst wirklich bereit bist und loslassen kannst, wirst Du den Richtigen auch erkennen.
    Die Vergleiche, die Du mit den Verflossenen ziehst sind zwar aus Deiner Sicht absolut berechtigt, aber schränken vielleicht eher Deinen Blick ein.
    Du richtest Dein Augenmerk dabei mehr auf Dir bekannte liebgewonnene Eigenschaften, die Du von Deinen Partnern kennst, aber erkennst dadurch nicht, dass jeder Mensch individuell viele Eigenschaften auf sich vereint, die Dir ebenso wichtig werden/sein könnten.

    Jedes partnerorientierte Kennenlernen hat immer mit Hoffen, Bangen und Ausprobieren zu tun. Wenn Du auf der Suche nach dem Richtigen bist, musst Du Dich wohl auf ein mögliches Gefühlschaos einlassen. Allerdings erst, wenn Du wirklich bereit dafür bist.

    Aus meiner Sicht sind 26 Treffen nicht gerade viel, wie glasi schon sagte.
    Was hältst Du denn von langen Telefonaten, bevor man sich trifft.
    Stell Dein Telefon auf Inkognito und ruf die Jungs an!
    Wenn sie Dir am Telefon schon nicht so sehr gefallen, kannst Du ja von einem Treffen noch rechtzeitig absehen.
    Lange nette Telefonate sind immer ein ganz gutes Zeichen dafür, dass man sich evtl. gut verstehen könnte.

    Vielleicht knüpfst Du auch nur immer zu viele Hoffnungen an diese Treffen, statt ganz locker einfach einen schönen Abend haben zu wollen? Dann kann es auch Spaß machen, ohn dass Du gleich den Richtigen gefunden hättest.

    Meinen Schatz habe ich übrigens auch durch das Internet kennengelernt. Unsere Telefonate dauerten jeweils 9 Stunden - zum Teil auch die ganze Nacht hindurch. Und wir sind jetzt seit einigen Jahren glücklich miteinander.

    Hab Geduld und den Mut sich alles entwickeln zu lassen!
    Vielleicht legst Du ja auch erst einmal eine Suchpause ein, in der Du zur Ruhe kommen kannst. Und wer weiß, vielleicht läufst Du ja Mr. Right einfach so über den Weg, wenn Du am aller wenigsten daran denkst.

    LG, Finja

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!