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Thema: Wertloses Gefühl nach unüberlegtem Verhalten Dritter

  1. #9
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    Recht herzlichen Dank für deine Antwort und deinen Ratschlag !

    Du hast Recht - die Situationen immer wieder zu reflektieren könnte der einzige gute Weg sein. Sich der Nichtigkeiten des Anlasses zu vergegenwärtigen hilft.

    Ich habe lange nicht verstehen können, warum mein Vater derart bösartig zu seinem eigenen Sohn sein kann, bis ich erkannt habe, dass es seinerseits eine Art Selbsthass ist und das ganze auf dem Prinzip "nur wer sich selbst liebt, kann andere lieben" beruht.
    Ich bin 34 und habe leider erst vor ein paar Jahren kapiert, ich meine wirklich kapiert, das mein Vater eine arme Sau ist. Es ist eine der traurigsten Erfahrungen im Leben, dass zu erkennen. Allerdings habe ich dadurch zu mir selbst gefunden und bin unter anderem mit meinem "inneren Kind" sehr bewußt umgegangen. Die Theorie des inneren Kindes hat mir persöhnlich sehr geholfen. Es kommen zwar viele Dummheiten und irrationale Handlungen dabei zustande, aber es ist einfach herrlich zu spüren, dass man sich langfristig Zufriedenheit und innere Ausgeglichenheit und Liebe geben kann, indem man auf die verletzte Seite seiner Seele hört und versucht, ohne Rücksicht auf Verluste darauf einzugehen. Ich habe dafür zwar Kopf und Kragen riskiert, aber meiner Ansicht nach eine der wichtigsten Lektionen des Lebens gelernt.

    Diese Sache mit den Mädels hat mich mal wieder von einer ganz anderen Seite tangiert und verletzt, weshalb ich recht erschrocken war und unbedingt daran arbeiten wollte, wo ich doch in anderen Bereichen schon solche Fortschritte gemacht habe.
    Mein Vater mag selber eine verkorkste Seele, ein Opfer seiner Kindheit sein, aber was ich ihm nie verzeihen werde ist, dass er sich bewußt davor gedrückt hat, sich mir zuliebe seinen Problemen zu stellen. Ich bin wie gesagt "schon" 34 und habe meiner Ansicht nach viel Zeit meines Lebens mit schlechten Gefühlen,Depression und einfach Sinnlosigkeit vertan. Daran habe ich noch ganz schön zu kauen muß ich sagen. Ich habe das Gefühl viel verpasst zu haben.

    Jetzt ist es so, dass ich meinen Vater als diesen alten armen Mann sehe und es in Verachtung umschlägt, wenn er mal wieder so tut, als sei er der einzige, der ein Recht habe auf dieser Welt zu leben. Seine schitzophrenen Gedanken über genetische Vererbung und "asozialen Chaoten" sind oft echt grenzwertig. Wenn ich jedoch mal meine Erfahrungen und Sichtweisen zum wirklichen Leben zum besten gebe, weil er mir mal wieder eine Steilvorlage geboten hat, guckt er mich an wie ein kleiner Junge. Er ist dann immer ganz erschrocken, dass ich Potenzial habe, dass ihn sprachlos werden lässt. Er realisiert nicht, dass er keinem Kind mehr gegenüber sitzt. Das ist auch ein Gefühl, was mich oft zum Triumphieren bringt und mir persönlich wahnsinnig Rückenwind gibt.

    Dieses Gefühl der verpassten Chancen ist meine derzeitige große Baustelle, auf der zum Glück aber grundsätzlich noch nicht viel endgültig verloren ist. Sei es beruflich oder in der Liebe. Leider mußte ich feststellen, dass ich für die Liebe bisher auch keinen Platz in meinem Herzen hatte und mit einem Mädel zusammen war, die ich zwar schätze, respektiere und verehre, die ich aber leider nicht liebe. Es ging einfach auch garnicht. Als junger Kerl war ich diesen Gefühlen hilflos ausgeliefert und es hat mich eher immer belastet als bereichert, jemanden zu lieben. Da habe ich mir wohl unbewußt jemanden gesucht, der mich nicht sehr berührt, um mich emotional nicht zu belasten.
    Zum Glück habe ich immer wieder Situationen in denen mir Mädchen/Frauen zeigen, dass sie mich gut finden, was mich natürlich aufbaut. Ich versuche daher auch ganz bewußt diese Situationen zu suchen und zu genießen. Auch habe ich erst in den letzten Jahren wirkliche Freunde gewinnen können. Ich fühle mich wie ein neuer Mensch - es ist so toll !
    Ob dies alles mit den Erkenntnissen über meinen Vater zusammenhängt die ich gewonnen habe, ist fraglich.
    Geändert von Nachtmensch (18.01.2011 um 01:27 Uhr)

  2. #10
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    Ich finde deine Fortschritte wirklich schon beachtlich. Respekt dafür, dass du soweit gekommen bist.
    Ich lebe mein Kind in mir auch gerne aus. In meiner Ausbildung, ich mache gerade eine zum Erzieher, habe ich gelernt das manche Menschen die Kinder nur als kleine Erwachsene sehen und die Erziehung der Kinder früher auch so ausgerichtet war (Funktionsansatz). Ich finde, dass dies der komplett falsche Ansatz ist. Ich sehe die Erwachsenen einfach als große Kinder. Scheint am Anfang egal zu sein wie man es sieht. Wenn man Menschen beobachtet, ist der Unterschied signifikant. Mir macht es mittlerweile Spaß die Kinder im Erwachsenen zu suchen.
    Ich habe mich viel mit verhalten beschäfftigt. Am spannensten finde ich die Körpersprache mit Mimik und Gestik. Es kann sein das ich dadurch auch etwas "gewachsen" bin.
    Das Gefühl etwas verpasst zu haben, kenne ich, hält sich bei mir aber noch in Grenzen. Ich hatte das Glück, mit 18 mit meiner jetzigen Frau zusammen gekommen zu sein, die mich da etwas heraus ziehen konnte. Dennoch war mein Weg bisher hollprig.

    Ich finde auch, das du vielleicht die Verachtung zu deinem Vater überwinden solltest. Wenn du das geschafft hast und vielleicht nur noch Mitleid empfindest, hast du das Neagtive aus deiner Kindheit noch ein Stück hinter dir gelassen.
    Vielleicht war er nie so selbstbewusst wie du und hat sich seinen Problemen gestellt. Manche sind ja wie erschtarrt vor den eigenen Problemen. Solange du noch solche Emotionen hast, hast du es nicht hinter dir gelassen. (Nur meine Meinung!)

    Man sagt: "Selbsterkenntniss ist der erste Weg zur Besserung!"
    Soviel wie du schon selbst erkannt hast......
    Also ich mache mir da keine Gedanken und glaube das du auf einen sehr guten Weg bist und dein Ziel auch erreichen wirst. Da zweifel ich jetzt nicht dran.
    Gut, du hattest jetzt einen, vielleicht sogar herben, Rückschlag. Aber die Hauptsache ist, du stehst wieder auf. (Und das bist du ja wieder!)

    Thema Liebe. (Möchte ich dann doch auch nochmal aufgreifen)
    Liebe kann man nicht beschreiben. Ich bin jetzt 10 Jahre mit meiner Frau zusammen. Ich habe keine Schmetterlinge mehr im Bauch. Ich respektiere, verehre und schätze sie. Ist das nicht auch ein Stück Liebe?
    Liebe ist so Philosophisch, dass es da keine Antwort gibt. Da ich in meinem Elternhaus keine Liebe bekommen habe, beschäfftigt mich das Thema auch sehr. Zu einer guten Antwort bin bisher noch nicht gekommen.
    Aber ich habe erkannt, dass ich mich mit meiner Frau gut verstehe und wir oft auf einer Wellenlänge sind. Ich kann mir auch nicht vorstellen, ohne sie alt zu werden. Ob das Liebe ist? Ich weiß es nicht. Aber mir reicht es.
    Ich denke oft an sie. Schreibe kleine Zettel und so weiter.
    Man kann Liebe nicht suchen. Nur finden. Wie Konfuzius schon sagte: Der Weg ist das Ziel.
    Genieße die Zuwendungen der Damenwelt, halte aber die Augen offen falls eine mal ernsthaft mehr möchte. Nicht das du sie im Eifer übersiehst.

    Wenn ich jetzt in Norddeutschland leben würde, würde ich mal ein Bierchen oder so mit dir trinken gehen. Könnte ein interessantes Gespräch werden.

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