Recht herzlichen Dank für deine Antwort und deinen Ratschlag !
Du hast Recht - die Situationen immer wieder zu reflektieren könnte der einzige gute Weg sein. Sich der Nichtigkeiten des Anlasses zu vergegenwärtigen hilft.
Ich habe lange nicht verstehen können, warum mein Vater derart bösartig zu seinem eigenen Sohn sein kann, bis ich erkannt habe, dass es seinerseits eine Art Selbsthass ist und das ganze auf dem Prinzip "nur wer sich selbst liebt, kann andere lieben" beruht.
Ich bin 34 und habe leider erst vor ein paar Jahren kapiert, ich meine wirklich kapiert, das mein Vater eine arme Sau ist. Es ist eine der traurigsten Erfahrungen im Leben, dass zu erkennen. Allerdings habe ich dadurch zu mir selbst gefunden und bin unter anderem mit meinem "inneren Kind" sehr bewußt umgegangen. Die Theorie des inneren Kindes hat mir persöhnlich sehr geholfen. Es kommen zwar viele Dummheiten und irrationale Handlungen dabei zustande, aber es ist einfach herrlich zu spüren, dass man sich langfristig Zufriedenheit und innere Ausgeglichenheit und Liebe geben kann, indem man auf die verletzte Seite seiner Seele hört und versucht, ohne Rücksicht auf Verluste darauf einzugehen. Ich habe dafür zwar Kopf und Kragen riskiert, aber meiner Ansicht nach eine der wichtigsten Lektionen des Lebens gelernt.
Diese Sache mit den Mädels hat mich mal wieder von einer ganz anderen Seite tangiert und verletzt, weshalb ich recht erschrocken war und unbedingt daran arbeiten wollte, wo ich doch in anderen Bereichen schon solche Fortschritte gemacht habe.
Mein Vater mag selber eine verkorkste Seele, ein Opfer seiner Kindheit sein, aber was ich ihm nie verzeihen werde ist, dass er sich bewußt davor gedrückt hat, sich mir zuliebe seinen Problemen zu stellen. Ich bin wie gesagt "schon" 34 und habe meiner Ansicht nach viel Zeit meines Lebens mit schlechten Gefühlen,Depression und einfach Sinnlosigkeit vertan. Daran habe ich noch ganz schön zu kauen muß ich sagen. Ich habe das Gefühl viel verpasst zu haben.
Jetzt ist es so, dass ich meinen Vater als diesen alten armen Mann sehe und es in Verachtung umschlägt, wenn er mal wieder so tut, als sei er der einzige, der ein Recht habe auf dieser Welt zu leben. Seine schitzophrenen Gedanken über genetische Vererbung und "asozialen Chaoten" sind oft echt grenzwertig. Wenn ich jedoch mal meine Erfahrungen und Sichtweisen zum wirklichen Leben zum besten gebe, weil er mir mal wieder eine Steilvorlage geboten hat, guckt er mich an wie ein kleiner Junge. Er ist dann immer ganz erschrocken, dass ich Potenzial habe, dass ihn sprachlos werden lässt. Er realisiert nicht, dass er keinem Kind mehr gegenüber sitzt. Das ist auch ein Gefühl, was mich oft zum Triumphieren bringt und mir persönlich wahnsinnig Rückenwind gibt.
Dieses Gefühl der verpassten Chancen ist meine derzeitige große Baustelle, auf der zum Glück aber grundsätzlich noch nicht viel endgültig verloren ist. Sei es beruflich oder in der Liebe. Leider mußte ich feststellen, dass ich für die Liebe bisher auch keinen Platz in meinem Herzen hatte und mit einem Mädel zusammen war, die ich zwar schätze, respektiere und verehre, die ich aber leider nicht liebe. Es ging einfach auch garnicht. Als junger Kerl war ich diesen Gefühlen hilflos ausgeliefert und es hat mich eher immer belastet als bereichert, jemanden zu lieben. Da habe ich mir wohl unbewußt jemanden gesucht, der mich nicht sehr berührt, um mich emotional nicht zu belasten.
Zum Glück habe ich immer wieder Situationen in denen mir Mädchen/Frauen zeigen, dass sie mich gut finden, was mich natürlich aufbaut. Ich versuche daher auch ganz bewußt diese Situationen zu suchen und zu genießen. Auch habe ich erst in den letzten Jahren wirkliche Freunde gewinnen können. Ich fühle mich wie ein neuer Mensch - es ist so toll !
Ob dies alles mit den Erkenntnissen über meinen Vater zusammenhängt die ich gewonnen habe, ist fraglich.


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren
Könnte ein interessantes Gespräch werden.

Lesezeichen