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Thema: Wie funktionieren Trauma?

  1. #1
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    Standard Wie funktionieren Trauma?

    Nehmen wir mal folgende Situation:

    Ein Person hat in ihrer Kindheit etwas ziemlich Schreckliches erlebt. Ich will gar nicht so spezifisch werden. Heute hat sie aber eigentlich ein schönes Leben. Sie hat Freunde, denen die Vertrauen kann, eventuell sogar einen festen Partner. Sie ist nicht blöd und hätte sogar Chancen einen guten Job zu bekommen.

    Trotzdem lässt sie sich durch die Erlebnisse in ihrer Kindheit ihr eigentliches Leben vermiesen. Sie macht sich selbst schlecht, ist traurig, obwohl sie eigentlich glücklich sein sollte, und kann nicht mal einen konkreten Grund dafür nennen. Sie kriegt auch keinen Job, aber nicht weil die Qualifikation fehlt, sondern weil sie sich einfach nicht positiv präsentieren kann. Kommt dann in Foren wie diese und sagt, wie schlecht es ihr geht und dass sie am liebsten sterben würde, obwohl, objektiv betrachtet, ihr aktuelles Leben eigentlich sehr positiv ist.

    Ich frage mich immer, wieso tun die Menschen sich das selbst an? Wieso genießen sie nicht einfach ihr jetziges Leben. Klar das was passiert war, war extrem schrecklich. Aber ist das nicht egal? Das war Vergangenheit und ist vorbei. Wieso lassen sich Menschen so stark davon beeinflussen? Ist es eine Art chemisches Problem im Körper? Also ist der Körper so defekt, dass er depressive-machende Stoffe produziert, anstatt gut-fühlende?

    Das beschäftigt mich schon eine ganze Zeit, denn ich sehe immer wieder Leute, die aus meiner Sicht ein noch viel besseres Leben haben als ich (manchmal bin ich sogar neidig), aber trotzdem total unglücklich zu scheinen, während ich eigentlich ziemlich glücklich bin. Das ist doch seltsam.

  2. #2
    Ste
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    Ist gar nicht seltsam.

    Ein Trauma ist eine schwerwiegende Verletzung der Seele und damit der Persönlichkeit eines Menschen. Da geht regelrecht was kaputt im "System Seele".

    Mit Verstand, Vernunft und Willenkraft kann man aber an dieses System Seele nicht rankommen, man könnte nur emotional und spirituell an diese Bereiche rankommen und mit Hilfe eines helfenden und heilenden Mitmenchen, also dem Psyologen bzw. Therapeuten.

    Es gibt aber natülich keine Garantie, dass sich auf diese Weise das Trauma aufheben lässt, man kann sogar noch mehr Schaden erleiden, wenn man an diesem Trauma rumdoktert. Meist heisst es ja, man solle die traumatische Situation nochmal durchleben und durchleiden, was natürlich eine extreme Belastung für das System Seele ist. Dabei kann einem endgültig alles durchbrennen, das ist das Risiko.

    Aber es kommt halt auch auf den Typ Persönlichkeit an. Der eine Mensch kommt aus Vietnam zurück und lebt sein Leben einfach weiter, null Problemo. Der andere kommt als Krüppel zurück und ist am Ende. Bei de können dasselbe erlebt haben, aber sie haben doch verschiedenes erlebt, weil sie selbst verschiedene Menschen sind. Keiner erlebt die Wirklichkeit identisch so wie ein anderer. Jeder hat seine eigene Wirklichkeit.

    Mir sagt das alles, dass der Mensch verletzlich ist und dass deswegen jeder Mensch Schutz benötigt. Jeder muss sich natürlich auch selber schützen können. Das ist sehr wichtig, weil man eben so relativ leicht schweren Schaden nehmen kann. Der Mensch braucht eim Leben viel seelische Nahrung, viel soziales Miteinander, um gesund un produktiv leben zu können und auf der anderen Seite muss man sich vor dauerhaft negativen Einflüssen gut schützen.

    Leider drehen manche das ganze um, die meiden positives und suhlen sich viel im Negativen, der depressive Neurotiker ist da das Paradebeispiel. Aber ein ernsthaft traumatisierter Mensch ist nicht einfach nur neurotisch, darum muss man ein Trauma auch ganz anders angehen als eine Neurose.

    Grüße

    Ste

  3. #3
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    Wenn man in seiner Kindheit viel Negatives erlebt hat, hinterlässt dies Spuren in der Seele des Menschen. Diese Menschen können zwar objektiv recht erfolgreich sein. Das nützt aber ziemlich wenig, wenn man den Erfolg emotional nicht wirklich spüren kann. Gefühle kann man wohl kaum mit dem Verstand und Willen erzwingen und schon gar nicht dauerhaft.

    Bei einem Trauma wird das Urvertrauen des Kindes zerstört.

    Gruß
    Geändert von kulle (31.01.2012 um 19:19 Uhr)

  4. #4
    Neuling Avatar von Vanilla
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    Ein Trauma ist ja nicht "einfach nur" irgendwas, was man mal erlebt hat. Aus dem was du schreibst, kann man entnehmen, dass du nicht weißt, wie das ist, wenn einem solche Dinge im Schlaf und an jeder Ecke verfolgen. Wenn man sowas eben einfach nicht, in den Hintergrund drängen KANN!
    Niemand sonst kann wissen, was die Person durchmacht. Annähernd, ja, aber man weiß es nicht. Und ich finde, man sollte sich dann auch nicht auf einem "hohen Ross" sehen, wenn man sich ein solches Urteil nicht erlauben kann..

    Der Mensch ist schließlich nicht einfach nur ein Stück Fleisch. Auch das was er empfindet, hat Bedeutung. Und auch ohne sichtbare Wunde blutet er.. :/

  5. #5
    Zarte_Seele
    Gast

    Frage Frage dazu

    Mich würde mal interessieren ob die Flashbacks bei Traumata eine Art Selbsttherapie vom Gehirn sind???

    Kennt sich damit jemand aus?

  6. #6
    Nachwuchs Autor Avatar von martinspin
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    Hoi zäme

    Im Prinzip sind wir alle traumatisiert und viele sind sich dieser Tatsache nicht bewusst. Das Trauma hinterlässt tiefe Spuren und setzt natürliche Grenzen im Leben jedes einzelnen.

    Flashbacks sind mehr so eine Art Anstoß, um uns zu zeigen, dass es da noch mehr gibt, als wir uns bewusst sind.

    Diese Sachen passieren jedoch erst, wenn wir als Persönlichkeit eine minimale Stabilität in der Welt erreicht haben.

    Das Trauma ist Gefahr und Chance zugleich. Die Gefahr geht davon aus, dass es uns beherrscht ohne die Ursachen zu kennen. Die Chance besteht darin, den Ursprung des Traumas zu entdecken und mit den verletzen Anteil in Sicherheit zu bringen.

    Die Verletzung bleibt zwar bestehen, aber wir können uns in der Gegenwart besser vor neuen Verletzungen schützen.

    Traumatherapie ist eine sehr realistische Angelegenheit und verhilft den Patienten zu mehr Lebensqualität und auch Autonomie.
    Liebe Grüsse, Martin

    I Psychologieforum.de

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  7. #7
    Schreiberling
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    Ich will mich gar nicht auf ein hohes Ross stellen. Mir geht es vielmehr um eine Erklärung, wie diese Trauma funktionieren. Und damit meine ich eine sinnvolle Erklärung ohne so Zauberwörter wie "Seele". Kann mir halt nur nicht vorstellen, wie das genau abläuft.

  8. #8
    Nachwuchs Autor Avatar von martinspin
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    Hi Rya

    Ich kann nur meine bescheiden Sicht zu Thema wiedergeben. Ein Fachmann könnte das sicher besser erklären.

    Die lebensbedrohliche Situation (Krieg, Gewalt, Vergewaltigung, ...) gelangt erst gar nicht erst in das Bewusstsein des Betreffenden und wird vom Stammhirn bewältigt. Der Körper reagiert blitzschnell auf die Bedrohung. Auf dieser "primitivsten" Stufe gib es nur Flucht nach vorne oder nach hinten. Ist beides nicht möglich, bildet sich der Totstellreflex als eine sehr hohe Anspannung, die aus der Unmöglichkeit von Kampf und Flucht resultiert. Es findet eine hohe Reizüberflutung in der Situation statt. Ist die lebensbedrohliche Situation irgendwann vorüber, erholt sich das System nur sehr langsam und das eigentliche Ereignis ist dissoziiert, d.h. abgespalten vom normalen Bewusstsein.

    Bei Flashbacks tauchen solche Erinnerung plötzlich wieder auf und haben wegen der hohen Reizaufnahme in der lebensbedrohlichen Situation eine grosse Detailtreue.

    Für alle am Thema interessiert kann ich www.aufrecht.net wärmstens empfehlen. Eine gewisse Vorsicht ist bei betroffenen Personen geboten, da manche Texte triggern können.
    Liebe Grüsse, Martin

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