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Thema: Wie geht es weiter ???

  1. #1
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    Standard Wie geht es weiter ???

    Hallo liebe Community,

    in meiner Kindheit wurde ich oft beschämt, sei es durch Großeltern, gleichaltrige Kinder oder andere Personen. Meine Eltern haben mich geliebt und lieben mich immer noch, jedoch war ich nie in der Lage ihnen das Gefühl zurück zu geben. Im Gegenteil, manchmal habe ich sogar einen richtigen Hass auf sie, weil ich ihnen die einen großen Teil der Schuld zu schiebe für das was in meiner Kindheit schiefgelaufen ist und die daraus resultierenden Probleme mit denen ich heue zu kämpfen habe. Andererseits ist mir auch bewusst, das sie es damals einfach nicht besser machen konnten und auch selber mit ihren eigenen Problemen zu tun hatten, wobei du Schuldzuweisungen in der Regel überwiegen. Durch die ganzen Beschämungen und anderen Sachen konnte ich nie ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln und darunter leide ich sehr. Auch wenn mir gesagt wird ich habe etwas (sehr) gut gemacht, negativiere ich es gleich wieder und kann es nicht wertschätzen. Ich mache mich praktisch selber schlecht. Außerdem hatte ich nie das Gefühl wirkliche Freunde zu haben. Oft habe ich von Leute zu viel erwartet und war blind um zu erkennen das es sich bloß um Bekanntschaften handelt. Mit der Zeit verlor ich die Hoffnung, wirkliche Freunde zu finden, da ich doch immer wieder enttäuscht wurde. Ich zog mich zurück und begann meinen Kontakt zu Gleichaltrigen immer weiter zu minimieren. In den vergangen Jahren war ich zweimal über einen längeren Zeitraum in einer Klinik und habe auch im Moment einen sehr guten Therapeuten. Ich komme nach außen hin sehr gut im Leben zu recht, innerlich sieht es leider ganz anders aus. Ich fühle mich oft allein, obwohl ich normalen Leben gut mit anderen Menschen zu recht komme. In der Uni habe ich einen guten Draht zu meinen Kommilitonen, jedoch sind dies nur Bekanntschaften die sich innerhalb des Campus abspielen. Ich habe zwar ein paar Leute mit denen ich ab und an etwas unternehme und die zum Teil auch von meinen Problemen wissen, aber handelt es sich dabei oft nur um Treffen zu zweit. Ich sehe oft Leute die einen Bekanntenkreis haben, mit denen sie jedes Wochenende etwas unternehmen, zusammen in Urlaub fahren oder sonstige Aktivitäten zusammen machen. Ich hatte so etwas nie und habe deshalb trotz meines Alters das ich im Leben schon sehr viel verpasst habe. Ich höre nun immer wieder das z.B. ein geringes Selbstwertgefühl, Bindungsprobleme zu anderen Menschen oder die Fähigkeit Nähe zu zulassen mit einem in der Kindheit nicht ausgebildeten Urvertrauen einhergeht. Als ich das gehört habe, war ich ziemlich verzweifelt da ich das Gefühl hatte, das ich für den Rest meines Lebens mit den oben geschilderten Problemen zu recht kommen muss und niemals wissen werde wie es ist einen Menschen von ganzem Herzen zu lieben oder wahre Freunde zu finden. Ist es denn wirklich so? Ist der Zug schon abgefahren oder habe ich noch alle Hoffnung vor mir? Ich würde gerne viel aus meinem Leben machen und es selber gestalten.

    Wenn ihr euch das durchgelesen habt würde ich mich über Antworten jeglicher Art, egal ob Meinung, Ratschlag, eigene Erfahrungen, sehr freuen, da ich hoffe hier ein paar neue Impulse zu bekommen.
    Grüße yip yip

  2. #2
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    Hallo yipyip,

    vieles von dem was du schreibst kommt mir bekannt vor. Allerdings finde ich es sehr gut, dass du trotz deinen Problemen immerhin Bekannte hast und einen guten Therapeuten - also immerhin mit dem Leben gut zurecht kommst, wie du schreibst.

    Ich glaube man muss seinen Eltern vergeben können, denn von Schuldzuweisungen hat ja keiner etwas und man muss ja auch irgendwann erwachsen werden und selbst für sich verantwortlich sein. Ich halte es manchmal für eine Ausrede, sich nicht ändern zu wollen, so nach dem Motto: "meine Eltern haben mich zu wohlbehütet aufgezogen, ich habe nie gelernt selbstständig mein Leben zu organisieren, deshalb kann ich es jetzt nicht und fertig".

    Dass das im Einzelfall sehr schwierig sein kann, wenn einem seine Eltern etwas Schlimmes angetan oder einen vernachlässigt haben, kann ich nur erahnen. Aber ich dachte so etwas wird in der Therapie aufgearbeitet? Nimm das bitte nicht persönlich yip yip, das waren nur Gedanken, die mir dazu einfielen, ich habe das nicht auf dich bezogen, du änderst ja etwas und hast ja geschrieben, dass du auch siehst, dass deine Eltern halt nicht anders konnten. Ich hoffe das wirkt nicht missverständlich; kann ich heute nicht so gut ausdrücken.

    Die Sache mit dem Urvertrauen fiel mir vor ein paar Jahren auch mal auf. Ich denke aber nicht, dass alles zu spät ist, sondern, dass mann, wenn man es weiß, irgendwie daran arbieten kann (frag' mich bitte nicht wie) um trotzdem selbstbewusst durchs Leben zu gehen und "sich zu finden".

    Leider habe ich da kein Patentrezept, ich dachte schon mal ich wäre am Ziel, aber das war nur ein Trugschluss. Spezielle Techniken kenne ich da auch nicht.

    Ich habe versucht, mir dann selbst gut zuzureden, also quasi das zu ersetzen, was die Eltern früher gemacht hätten und was man jetzt nicht automatisch so empfindet. Also, wenn du ein Erfolgserlebnis hast, dich dann auch dafür loben und wenn du Angst hast dir gut zureden oder so ähnlich. Als wenn man sein "inneres Kind" anspricht oder so. Diesen Teil, der innerlich noch so klein und ängstlich ist; ich weiß nicht wie ich es sagen soll.

    Viele reden ja auch von einer inneren Stimme, die negativ ist. Ich kann dazu nichts sagen, da ich im Moment meist gar keine habe. Also ich denke halt diese Stimme, die aus Ansichten besteht, die man durch seine Eltern und Umwelt über sich selbst aufgebaut hat, muss man irgendwie ins Positive verändern.

    Manche schwören darauf, dass man selbstbewusster wird, wenn man sich jeden Tag vor den Spiegel stellt und 10 mal einen positiven Satz zur Selbstwahrnehmung, wie z. B. "Ich bin gut ich kann xxx" usw. sagt oder sich seine Stärken aufschreibt, die man sich in schlechten Zeiten vor Augen führt.
    Ich halte das alles für Humbug und wäre für andere Tipps auch dankbar, falls es welche geben sollte.

    Was ich mich noch frage: eigentlich sollte eine Therapie doch selbstbewusst(er) machen und das Problem eigentlich zum Teil lösen, oder? Wenn du einen guten Therapeuten hast, warum kommt das dann nicht von alleine?

    Ich denke das mit dem Urvertrauen ist einfach so ein inneres Gefühl, dass man selbst und die Welt in Ordnung ist und alles gut gehen wird, auch wenn es zwischendurch ein paar Stolpersteine gibt.

    Hast du dich noch nie so gefühlt? Ich mich schon ab und zu, aber nie dauerhaft - deshalb denke ich es gibt nicht ein entweder/oder sondern es kann sich in allen möglichen Abstufungen entwickeln.

    Sorry, etwas Besseres fällt mir leider im Moment nicht dazu ein. Wenn doch, dann melde ich mich noch mal.
    Geändert von mino (12.05.2011 um 15:19 Uhr)

  3. #3
    Neuling
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    Hallo yipyip,
    nein,der Zug ist deshalb nicht abgefahren,auch wenn du kein Urvertrauen gelernt hast.
    Ich wundere mich auch ein bissl,was du denn in all diesen Therapien bisher gemacht hast,daß das noch nie "so richtig" Thema war und bearbeitet wurde...
    Minderwertigkeitsgefühle sind ja meistens mit dabei,wenn man in Therapie geht - und dann auch recht schnell Thema.War jedenfalls bei mir so...

    Was du machen kannst:
    Dich erstmal aus deiner Kindheit "entlassen",heißt aus dem Verantwortungs- und damit Einflußbereich deiner Eltern.Dich sozusagen "emanzipieren".
    Das heißt auch,die Schuld und Verantwortung nicht mehr bei anderen suchen - die sie sicher mal hatten,aber jetzt bist du selber erwachsen und damit die einzige Verantwortliche dafür,was du aus dem machst,was man dir mitgegeben hat.

    Dann empfehle ich dir ne ordentliche Portion Trotz - hat mir selber viel geholfen.Dem Leben ab und zu die Zunge rausstrecken und "Bäääääh!" sagen und trotz aller Widrigkeiten drangehen,das vermeintlich "Unmögliche" zu versuchen.

    Was ich auch gemacht habe : mir selbst/meinem "inneren Kind" ne gute "Mutter" zu sein.Dazu gehört neben Respekt und Liebe,Zuwendung und Trost etc. aber eben auch ne gute Portion Erziehung.Nachgeben und Einfordern sollte sich halt die Waage halten.

    Um all die Defizite und die entsprechenden Gefühle dazu mal loslassen zu können,gehört auch ein Stück "Verabschiedung" und "Abtrauern".Und aber auch selber drangehen und die Defizite versuchen auszugleichen.

    Wenn du mal wieder dich dabei "erwischst",wie du dich nach ner Sache,die du gut hingekriegt hast,innerlich entwertest bis runtermachst,dann überleg dir doch erstmal,wie würdest du dasselbe bei nem Menschen sehen und bewerten,der dir nahesteht und den du magst?
    Warum also dann nicht auch bei dir selber es so bewerten?

    Und wenn du dich nicht mögen kannst,dann such wenigstens ein faires Auskommen mit dir selber - du bist der einzige Mensch auf der Welt,mit dem du in dieser kompletten Nähe 24 Std. am Tag,jeden Tag für den Rest deines Lebens,wirst auskommen müssen.
    Bei so jemanden ist es besser,sich mehr aufs Positive an ihm zu konzentrieren,dann erträgt man ihn leichter...
    Mal bist du die Taube,mal bist du das Denkmal...

  4. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Silvi für den sinnvollen Beitrag:

    mino (12.05.2011)

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