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Thema: Wie kann ich ihr Selbstbewusstsein stärken?

  1. #1
    Neuling
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    Standard Wie kann ich ihr Selbstbewusstsein stärken?

    Hallo zusammen!

    Seit 4 Monaten wohnt die 15 jährige Tochter meines Mannes aus seiner ersten Ehe bei uns.
    Sie kam innerhalb der letzten 2 Jahre schon öfter nach Streitigkeiten mit Mutter und Stiefvater zu uns – aber innerhalb von Tagen und Wochen haben sie sich immer wieder vertragen.
    Nach dem letzten Streit ist sie nun endgültig zu uns gezogen! Und es läuft auch alles super bei uns. Wir verstehen uns gut, sie ist ein liebes, gut erzogenes Mädchen. Und ihr gefällt es auch gut bei uns.
    Sie sagte erst letzte Woche, dass sie schon gar nicht mehr weiß, wie das ist wenn man Stress mit den Erwachsenen hat!
    Sie ist eigentlich schon richtig gut aufgeblüht bei uns.

    Problem ist nur ihr mangelndes Selbstbewusstsein. Besonders wenn sie mal ein paar Tage bei der Mutter ist – dann kommt sie wieder nach Hause und ist total am Boden und redet solche Sachen wie „…ich bin so kacke!“ oder „…ich krieg ja sowieso keine Lehrstelle…“, „ich bin hässlich!“
    Ihre Mutter hat scheinbar panische Angst, dass sie keine Lehrstelle findet, das redet sie dem Kind dann auch ein und das Kind nimmt es dann an! (Klar, ist ja die Mutter ;-))
    Dann hatte sie kürzlich auch Stress mit einem Jungen, der sie abblitzen ließ – das war dann auch wieder ein schwerer Schlag für ihr Selbstvertrauen.

    Sie ist wirklich ein hübsches, nettes Mädchen aber scheinbar nimmt sie das nicht wahr! Wir reden auf sie ein – sie ist toll, wir finden ne gute Lehrstelle für sie, sie hat nen besseren Freund verdient,… Sie fängt sich dann auch immer wieder recht schnell, aber so dieses Grund-Selbstbewusstsein das fehlt ihr!

    Was kann ich für sie tun – mir tut so was weh (ich bin nämlich das personifizierte Selbstbewusstsein!) Glaubt ihr, dass Bücher helfen würden? Z. B. Sorge dich nicht – lebe oder ähnliche Ratgeber?

    Vielen Dank schon mal
    Hatschepsut

  2. #2
    Schreibkraft Avatar von monkey
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    Hallo,

    mir fällt einiges zum Schreiben ein, obwohl ich keine Erfahrungen durch eigene Kindererziehung habe. Es ist nur so, daß ich recht gut mit Jugendlichen bisher klar kam. Im Kontakt mit diesen ist es, als wäre ich selbst wieder in diesem Alter, nur ohne die ganze Scheu. Und an sich war die Jugendzeit auch toll für mich,- ich war oft so neugierig und ausgelassen.

    Und ich glaube, daß ist es was du bei diesem Mädchen wecken kannst, wenn du es selbst in dir trägst. Von Büchern halte ich in dem Alter mal gar nichts. Überlege doch mal zurück, als du in diesem Alter warst. Was hast du für Träume gehabt, was für Gedanken oder besser gesagt Albernheiten

    Und wenn die Zeit gekommen ist, kann dann auch die Beziehung zu ihrer Mutter in eine bessere Bahn gebracht werden. Ich stelle mir vor, daß es bestimmt hilfreich für sie wäre, wenn sie jetzt noch einen geschützten Platz bekommt, in dem sie ihrem Alter entsprechende Eigenheiten leben darf. Nicht alle Menschen sind von klein auf selbstbewußt. Ich glaube grad in der Jugendzeit können die Zweifel an der eigenen Person groß sein, oder? Selbstbewußtsein wird keinem in die Wiege gelegt. Manche haben es evtl leichter, weil sie von ihren Eltern und Freunden angenommen und unterstützt werden. Doch anstonsten glaub ich, daß diese innere Sicherheit im Laufe des Lebens erarbeitet wird, oder evtl auch bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt ist.

    Und dann würde ich noch sagen, mach ihr keinen Druck oder behandel sie wie einen Alien. Das konnte ich in diesem Alter überhaupt nicht leiden.

    Hast du selbst auch Kinder?

    Grüßle
    monkey
    Geändert von monkey (06.08.2011 um 23:59 Uhr)

  3. #3
    Gast784
    Gast

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    Wir reden auf sie ein – sie ist toll, wir finden ne gute Lehrstelle für sie, sie hat nen besseren Freund verdient,… Sie fängt sich dann auch immer wieder recht schnell, aber so dieses Grund-Selbstbewusstsein das fehlt ihr!
    hallo,

    es ist toll, dass sie bei euch so einen schönen warmen Platz gefunden hat. Jedoch lese ich das Zitierte mit einiger Skepsis. Denn es kommt mir vor, als würdet ihr nur die 2. Seite der selben Medaillie bedienen, wie ihre Mutter.

    Sie redet auf sie ein, ihr redet auf sie ein

    Ich glaube nicht, dass es das GRUND-SELBST-bewusstsein stärkt, wenn man dem Mädel Dinge prophezeiht, für die man gar nicht garantieren kann (Lehrstelle); abgesehen davon, dass SIE die Lehrstelle finden muss, evtl mit eurer Unterstützung, aber keinesfalls findet IHR die Lehrstelle für sie , sowenig wie ich es für sinnig halte, jemanden aufwerten zu wollen, indem man andere abwertet (du hast was besseres verdient)

    Sie muss sich niemanden verdienen und die Jungs müssen sich auch ihre Liebe nicht verdienen. Was ist das eigentlich für ein Liebes- und Menschenbild?

    Ich bin da vll einfach anders gestrickt. Meine Tochter ist auch mit sehr unterschiedlichen Werten aufgewachsen, da in 2 Haushalten. Ich habe aber nicht auf sie eingeredet (hoffe ich zumindest), sondern ich hab lieber geschaut, dass ich zu mir selber steh und für sie darin auch wahrnehmbar bleibe. Dadurch konnte sie selbst für sich das beste aus beiden Welten nehmen und begreifen. Natürlich nicht, ohne auch die Schattenseiten abzukriegen. Aber sie konnte zum Glück ein gesundes Selbstbewusstsein aufbauen, um so mit den Schattenseiten umgehen zu können. Denn ersparen kann man die Kehrseite dieser Situation den Kindern leider nicht.

    Sicher hat zu der positiven Entwicklung meines Kindes auch das schulische Umfeld beigetragen (Waldorfschule). Denn da hatte sie trotz aller Brüchigkeit im Familiensystem immer eine feste Anlaufstelle und einen guten Platz. Also allein das Elternhaus ist es in dem Alter nicht mehr.

    praktisch würde ich an Deiner Stelle wohl so vorgehen: anstatt auf sie einzureden und Versprechungen einer glorreichen Zukunft zu machen, lieber eine Art "Coaching": Forschen nach Stärken, Schwächen, Interessen, falls sie noch unsicher ist in der Wahl des Berufs, Bewerbungen und Rollenspiele fürs Auftreten bzw. mit ihr Informationen sammeln, wo sie dafür professionelle Unterstützung bekommt (manchmal haben auch die Schulen da mehr oder weniger gute Angebote).Lieber aktiv zuhören, was ihre Unsicherheiten und Ängste angeht, anstatt sie vom Tisch zu wischen von wegen: du bist so toll, du hast was besseres verdient und wirst es bekommen.

    So wird die Unsicherheit nur größer, weil das Leben auch mit tollen Menschen nicht immer gnädig ist.

    Es ist auch eine Lernaufgabe für Eltern, die Unsicherheit und Orientierungslosigkeit ihrer Kinder auszuhalten. Wichtig finde ich es, ehrlich zu sein. Ihr könnt ihr nicht die Sterne vom Himmel holen, also versprecht sie ihr auch nicht. Gesundes Selbstbewusstsein kriegt man, indem man sich durch die eigenen Ängste hindurch arbeitet und durch diese EIGENARBEIT Erfolge hat. Ihr könnt ihr dabei helfen, Erfolge auch als Erolge zu erkennen. Ohne dabei aber etwas schön zu reden. Auch eine gesunde Kritik und Eigenreflektion sollte man lernen (und das kommt in dem Alter jetzt erst). Und auch das stärkt das Selbstbewusstsein, weil man durch diese Fähigkeiten nicht den Eigenwert als Mensch in Frage stellen muss, sondern differenzieren kann.

    Durch dieses "coaching" oder einfach nur durch die vorbehalts- und erwartungslose Präsenz eurerseits kann sie lernen, dass sie alles ihr Mögliche gemacht hat, sich also nix vorzuwerfen hat, aber dass es eben auch Faktoren gibt, die sie nicht in der Hand hat. Aber dass all das eben nix über ihre Wertigkeit als Mensch aussagt. Und genauso wenig ist jemand als Mensch nix wert, nur weil er ihr nicht gut tut. Deshalb kann sie auch NEIN sagen lernen, wenn ihr was nicht gut tut, ohne sich schlecht fühlen zu müssen, weil sie den Menschen an sich ja nicht abwerten will. Das ist doch diese unheilvolle Verknüpfung, die vor allem Mädchen daran hindert, selbstbewusst und verantwortungsvoll für sich zu sorgen.
    Geändert von Gast784 (07.08.2011 um 10:31 Uhr)

  4. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Gast784 für den sinnvollen Beitrag:

    Lib (07.08.2011),Vermilion (08.08.2011)

  5. #4
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    Zitat Zitat von Hatschepsut Beitrag anzeigen
    Hallo zusammen!

    mir tut so was weh (ich bin nämlich das personifizierte Selbstbewusstsein!)
    wie meinst Du das ?

    Zitat Zitat von Hatschepsut Beitrag anzeigen
    Glaubt ihr, dass Bücher helfen würden? Z. B. Sorge dich nicht – lebe oder ähnliche Ratgeber?
    dazu müsste sie eine Leseratte sein und eher Intelektuell gestrickt, das gibts, ist aber eher selten in diesem Alter.

    Bei fehlendem Selbstwertgefühl ist das hervorheben und fördern der bestehenden Talente wichtig, damit sie neben ihrem Versagergefühl das Gegengewicht bekommt, jeder Mensch hat Schwächen und jeder hat seine Stärken, sie gehören zu unserem Leben dazu, dürfen sein und das muss sie verstehen lernen, dass keiner sich dafür zu schämen braucht, dass man dann einfach intensiv nach den Stärken sucht, sie findet und fördert.

    abgesehen davon, dass ich auch finde, dass die Lösung mit ihrer Mutter nicht unbedingt die ist einfach auszuziehen, sondern die Mutter mit ein zu beziehen, weil wahrscheinlich hat auch diese ihren Selbstwert am Boden, da sie ja Alleinerziehend ist und ihr Mann mit Dir zusammen.

    Und um das ganze dann mal realistisch zu betrachten muss man auch hinsehen wie die Trennung der Eltern war, denn das spiegelt sich oft in den Kindern wieder und es kann gut sein, dass die Probleme sich bald widerholen in Deiner Familie.

  6. #5
    Neuling
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    Hallo und danke für Eure Antworten!

    Monkey: ich kann mich schon in sie reindenken! Allerdings war ich nie so pessimistisch. Aber ich hatte ja auch ein intaktes Elternhaus.
    In meiner Familie ist sie sehr nett und herzlich aufgenommen worden und hat sich auch gut entwickelt. Wir versuchen Probleme von ihr fernzuhalten - sie hat ja schon genug mitgemacht: Scheidung, Stress mit dem Stiefvater und ihre Mutter ist dann meist auf seiner Seite.

    Selbst habe ich leider keine Kinder.

    Gabiannarele: das mit den "Dinge prophezeihen, die man nicht garantieren kann" ist schon klar, aber wenn jemand sooo pesimistisch ist und an gar nichts glaubt muss man doch optimistisch sein! Und die Lehrstelle suchen wir schon alle zusammen.
    Und was soll man einem Mädel sagen, dass dasitzt und herzzerreißend weint, weil der Kerl schlussgemacht hat?! Natürlich sagt man ihr dann, daß er doof ist und sie garnicht verdient hat, oder?! (Soll ich ihr sagen "Du hättest seine Liebe verdienen müssen"???) Das hat doch in dem Moment nichts mit Menschen abwerten zu tun.
    Ansonsten finde ich schon gut, was Du schreibst, Suchen nach Stärken, Interessen, auch in Bezug auf die berufliche Zukunft.
    Auch die Erfolge erkennen, das müssen wir auf jeden Fall "üben".
    Danke!

    Erikson: "mir tut so was weh (ich bin nämlich das personifizierte Selbstbewusstsein!)" - wie meinst Du das ?
    Naja, ich bin halt selber sehr Selbstbewusst!

    Ihre Mutter ist auch wieder verheiratet und hat mit diesem Mann 2 Kinder! Sie war dort immer eher das 5. Rad am Wagen, auf ihr wurde immer rumgehackt!

    Wir werden auf jeden Fall versuchen ihr ihre guten Seiten aufzuzeigen!
    Danke für Eurere Antworten.
    Viele Grüße
    Hatschepsut

  7. #6
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    Wir reden auf sie ein – sie ist toll, wir finden ne gute Lehrstelle für sie, sie hat nen besseren Freund verdient,
    im Grunde sehe ich das wie Gaby - möchte dazu noch "aus dem Nähkästchen" plaudern.

    Mein Freund war in der Jugendzeit schüchtern und still und seine Ma wollte sein Selbstbewusstsein stärken. Eben auch, dass sie ihm sagte, er sehe gut aus etc.
    Als er eine Brille bekam, die er nicht mochte, sagte sie, wie hübsch das sei.
    Als eine Frau ihn nicht wollte, sagte sie, dass es bessere gäbe, eben das Gleiche, wie Du versuchst.

    Und er sagt heute (mit 22), dass ihn das immer genervt hat.
    Denn er fand sich nicht ernstgenommen!
    Er sagt heute: Wenn alles immer gut ist, heißt das, dass derjenige gar nicht richtig hinsieht.
    Und ich kann es verstehen.
    Der Freund macht Schluss: Dann sagt nicht, es gibt bessere, denn in dem MOment will sie keinen anderen! Für SIE ist es der beste! Erzählt vielleicht von Eurem 1. Liebeskummer, oder lenkt sie ab.

    Sie findet sich hässlich? Sagt nicht "Du bist doch schön", sondern fragt sie, was sie an sich nciht mag... mir hats damals totaaaaal gutgetan, als meine Mum mir einen "Beautynachmittag" geschenkt hat und ich von einer Frau schminken lernen durfte, um meine positiven Merkmale zu unterstreichen.
    Sie hat Angst, keine Lehrstelle zu finden? Sucht mit ihr zusammen und sucht auch "Plan B". Gibts eine Schule, die sie ansonsten besuchen könnte, besondere Maßnahmen...was weiß ich.
    Damit sie weiß, was sie machen kann, wenn es nicht klappt.

    Jemand, der sich selber nicht gut findet, wird es auch nciht finden, wenn es ihm gesagt wird. Er muss aus sich selber merken, was an ihm toll ist, und das kann er nur, wenn er erstgenommen wird.

    LG, Kaja

    Edit
    Wir versuchen Probleme von ihr fernzuhalten - sie hat ja schon genug mitgemacht: Scheidung, Stress mit dem Stiefvater und ihre Mutter ist dann meist auf seiner Seite.
    Probleme gehören aber zum Leben und man lernt nicht, mit ihnen umzugehen, wenn sie versucht werden, fernzuhalten...
    Jeder hat gesagt "das geht nicht", bis einer kam, der das nicht wusste und es einfach gemacht hat.

  8. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Kaja für den sinnvollen Beitrag:

    Vermilion (08.08.2011)

  9. #7
    Gast784
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    Und die Lehrstelle suchen wir schon alle zusammen.
    da muss ich jetzt mal aus dem Nähkästchen plaudern: als ich mal eine leitende Stelle intus hatte, hab ichs hin und wieder erlebt, dass Eltern angerufen haben, weil ihr Kind sich bewerben wollte. Das kommt einfach nicht gut, und ich glaube, ich bin da nicht die einzige. Ich erwarte schon, wenn ein junger Mensch sich für einen Beruf interessiert, in dem er ständig mit Menschen zu tun hat, es schafft, selbst zum Hörer zu greifen, um mit mir das Telefonat zu führen. Das muss absolut nicht perfekt sein und die Schüchternheit oder Holprigkeit ist bei einem Jugendlichen auch ok. Aber Eltern vorschicken, bzw Eltern, die dem "Kind" alles abnehmen wollen, das geht gar nicht in dem Fall. Das macht einfach einen schlechten Eindruck.

    Natürlich sagt man ihr dann, daß er doof ist und sie garnicht verdient hat, oder?!
    ich sage nur, dass der doof ist, und mach dann lieber auf Mama-Kind-Tröstung (knuddeln, Händchenhalten, massieren etc), weil es so ist, wie Kaja schreibt. Der Schmerz ist da und das nimmt uns Mütter auch oft sehr mit. Darum hab ich manchmal den Verdacht, solche Sprüche haben eher den Zweck, dass die Erwachsenen ihre eigene Hilflosigkeit nicht zulassen müssen.

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