Also mich würde mal interessieren wie man ein Traumatisches Erlebnis so überwinden könne ständig an dieses denken bis es weggeht??
oder eher doch mit einer Vertrauensperson über diese dinge reden?
Also mich würde mal interessieren wie man ein Traumatisches Erlebnis so überwinden könne ständig an dieses denken bis es weggeht??
oder eher doch mit einer Vertrauensperson über diese dinge reden?
Hallo Mainbord,
"Die Zeit heilt alle Wunden", so sagt man oft. Ich glaube, das stimmt, nur hat kein Mensch die Zeit, die es brauchen würde. Die Wunden müssen nämlich schnell heilen, denn das Leben ist kurz. Was kann man also tun?
Ich glaube, man muss sich dem Bereich, der einen traumatisiert hat, schrittweise nähern. Bildlich gesprochen gibt man seinem eigenen Leiden die Hand und betrachtet es dabei - um irgendwann vielleicht wahrlich verzeihen zu können. Das ganze nennt sich "Aufarbeitung".
Es ist dazu unumgänglich, im Buch des eigenen Lebens zurück zu blättern, sich mit den alten Dingen zu beschäftigen, zumindest mit den alten Dingen, die (möglicherweise) auch mit dem aktuellen Leben noch etws zu tun haben. Oft ist es nämlich so, dass man im Herzen und in der Seele nie zur Ruhe kommt, weil die alten Traumata, unter denen man leidet, eigentlich gar nichts Altes sind sondern nur aus alter Zeit stammen und kontinuierlich fortbestehen.
In der eigenen Ursprungsfamilie ist es oft klassisch. Auch die erwachsenen Kinder sind noch in ihrer alten Kinderrolle, wenn sie zum Beispiel zu Weihnachten oder zu sonst einem Anlass mit den Eltern oder auch unter sich zusammen treffen. Wenn man dann anfängt, in der Gegenwart etwas anders zu macht als man es immer tat, dann kann dies der Anfang der Aufarbeitung sein, denn alle (wirklich alle) werden dann erstmal kurz inne halten. Sie tun das, weil dieses veränderte Verhalten von dir für sie nur Gefahr bedeutet: "Achtung, es könnte ich etwas ändern", sagt dann ihr inneres Wahnsystem. Wenn du es ihnen ab dieser Phase nicht doch noch bequem machen willst, wenn du also anstatt zurück zu rudern mutig bleibst und die Veränderung in deinem Verhalten beibehälst, dann kommt etwas in Gang. Entweder, wenn du ohnehin immer unwichtig warst, wirst du als Folge deiner Veränderung nach ein paar Warnschüssen ausgeschlossen. Sofern du hingegen für sie wichtig bist, werden sie beginnen mit dir zu reden. Das Gespräch kommt dann auch auf das, was dich belastet (hat).
Kannst du damit etwas anfangen? Wenn ja, dann sag mir bitte was dir dazu einfällt. Hat das, was ich hier schreibe mit dem zu tun, was du meintest als du dein Ursprungsposting verfasst hast?
mfg survivor



@Mainbord:
Ich denke, der allererste Schritt ist, erst einmal zu wissen, dass man überhaupt traumatisiert ist und zu wissen, was das GAnze überhaupt bedeutet - es zu verstehen. Es könnte ja sein, dass du einfach erst einmal mitbekommst, dass mit dir etwas nicht stimmt oder dass du dich schlecht fühlst, oder dass du depressiv ist. Da gibt es etwas, du weißt nicht genau, was es ist, aber es ist da. Das muss noch lange nicht heißen, dass du weißt, dass du traumatisiert bist.
Das Ganze verhält sich so: Es gab eine Situation in deiner Vergangenheit, die dich unter Schock gesetzt hat. Der Mensch als Tier reagiert auf solche Situationen eben auch wie ein Tier. Du konntest nicht fliehen und hast dich deshalb sozusagen totgestellt. Das nennt man Schock. Normalerweise würden Tiere aus diesem Schock relativ schnell wieder aufwachen, maximal nach ein paar Stunden. Der Mensch hat aber im Gegensatz zum Tier den Verstand. Ja! Unser Verstand ist es, der solch einen Schockzustand über Jahre, ja Jahrzehnte lang hin aufrecht erhalten kann.
Was bedeutet das nun? Also....du kannst jahrelang leben, ohne dass du überhaupt weißt, wie es um dich steht. Erst, wenn ein Punkt kommt, wo du eine Veränderung in dir merkst oder wenn der Leidensdruck so groß wird, dass du es einfach nicht mehr aushälst, wirst du dir wahrscheinlich bewusst, dass du traumatisiert bist. Das Ereignis ist in deinem Körper, in deinen Zellen gespeichert, und du bist vielleicht wie ein Blitz erstarrt, oder fühlst dich einfach nur unendlich mies und wertlos, oder hast zu nichts mehr Lust. Das kann auch abwechselnd auftreten.
Wenn du dir dessen bewusst bist, kannst du dran arbeiten. Der nächste Schritt ist, erst einmal zu schauen, was dein System nährt und was dir Sicherheit gibt, und was du als bedrohlich empfindest. Du solltest dann erst einmal ein paar Schritte zurückgehen und zur Not auch Kontakte erst einmal auf Eis legen. Denn du brauchst Zeit, und vor allem deine nötige Ruhe, deine Sicherheit, um langsam wieder aus dem Trauma zu erwachen. Eigentlich ist "Trauma" ein gutes Wort, denn es hat irgendwie die Referenz zu "Traum", und ein Leben in einem traumatisierten Zustand ist halb wie im Traum, denn der Teil, der sich da abgespalten hat in dir (das traumatisierende Ereignis) wirkt betäubend und man ist mit seinem Bewusstsein nie ganz im Hier und Jetzt, eben wie träumerisch, denn ein Teil von dir beschäftigt sich ständig mit dem Trauma.
Das Erwachen kann sehr schmerzhaft und angstvoll, deprimierend etc. sein. So, wie ein Tier vielleicht anfängt, kräftig zu zittern, wenn es aus dem Schock erwacht, so wirst du emotionell "zittern", wirst das Eis langsam schmelzen. Ja, stell dir vor, deine Hände waren lange Zeit im Kalten, wie im Winter, hast ohne Handschuhe mit Schnee gespielt. Dann sind sie vielleicht schon halb betäubt. Wenn du dann wieder im Haus bist und heißes Wasser drüberlaufen lässt, dann fängst du langsam wieder an, etwas zu spüren - es ist aber sehr unangenehm und es kribbelt so komisch.
So ähnlich kann man sich wahrscheinlich den Heilungsprozess, das Erwachen, das Auftauen vorstellen.
Um nicht wieder zurückzufallen, sollte man vor allem auf seine eigenen Körpersignale hören, unser Körper ist schließlich unser Radar. Man sollte sich nicht unnötig in Situationen begeben, die so viel Stress auslösen, dass man wieder in den traumatisierenden Zustand zurückfällt. Schließlich kostet es dem Körper eine Menge Ressourcen an Energie, um die Emotionen des Traumas zu verdauen, und wir haben nur eine begrenzte Menge an Energie. Wird zu viel Energie zur Stressbewältigung verbraucht, dann gerät dein System in einen Energiemangel bezüglich der Emotionen des Traumas, und du fällst zurück und frierst wieder ein.
Hoffe, das hat erstmal geholfen.
Liebe Grüße
Hallo Jimjones,
darf ich mir deinen Beitrag kopieren und ihn in mein Therapiearbeitsbuch kleben?
Hätte ich diese Beschreibung vor 3 Jahren gehabt, wäre ich vielleicht jetzt weiter....seufz....
Hallo Mainbord,
ich finde die Idee mit den Vertrauenspersonengespräch sehr gut. Nur wäre zu bedenken, wer mit deiner Traumaerfahrung und dem Gespräch nicht überfordert ist?
Für mich sind Profis sehr wichtig geworden, weil sie einen halten können und mehr knowhow wie und wo man noch Hilfe bekommen kann und Möglichkeiten aufzeigen können sich gut zu informieren über Trauma und deren Auswirkungen.
Mir hat der Aufenthalt in der Traumatologie einer Klinik sehr gut getan. Das Trauma wurde dort nicht weggezaubert, aber alleine schon zu wissen, was körperlich so abgeht und was normal ist und wie man mit dem Traumastress umgehen kann und wie Traumatherapie funktioniert und welche Möglichkeiten es gibt macht Mut und Zuversicht. Vorallen Dingen die vielen Stabilisierungsmöglichkeiten tun gut, wenn man weiss was helfen kann, wenn es einen immer wieder einholt und wie man sich aus so Traumaschleifen rauskommt und zu sich kommt.
Wünsche dir alles Gute für den Weg aus dem Trauma
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Ein neues Leben kann man nicht anfangen, aber täglich einen neuen Tag!!!!!!!!!!!!
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