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Thema: Wie wird es mir egal, was andere von mir denken?

  1. #1
    Neuling
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    Standard Wie wird es mir egal, was andere von mir denken?

    Hallo,

    ich hab mich hier mal angemeldet, um evtl. ein paar neue Gedankenanstöße zu bekommen. Ich stecke gerade in einem echten Stimmungstief und weiß nicht mehr raus. =o(

    Mein Problem ist, dass ich mir immer riesige Gedanken mache, was andere Leute von mir denken. Ich fange sogar schon an zu grübeln, wenn mich die Bäckersfrau beim Wechselgeld rausgeben etwas zu lange anschaut.

    Ich wurde früher in der Schule wegen meiner großen Nase gemobbt. Ein ganzes Schuljahr hab ich das in mich reingefressen, mit niemandem drüber geredet, weils mir peinlich war. Erst als ich eines Tages am Mittagstisch über meiner Suppe weinend zusammen gebrochen bin, rückte ich raus mit der Sprache. Ab diesem Zeitpunkt gings bergauf, ich bekam von zu Hause Unterstützung und die Mobberei hörte auf, weil ich mir nicht mehr alles gefallen ließ.
    Ich habe auch öfter draußen auf der Straße oder in Cafès und Bars oder in der Straßenbahn gehört, wie Menschen über mich lästern und mit dem Finger auf mich zeigen. Das ist ein ganz schönes ******-Gefühl, wenn man in der überfüllten Straßenbahn zum Gespött wird.

    Meine Nase habe ich mir mittlerweile vor 4 Jahren (bin jetzt 25) operieren lassen, hat die Krankenkasse gezahlt, weil ich auch eine schiefe Nasenscheidewand hatte. Sonst hätte ich sie wohl heute noch…

    Eigentlich dachte ich, dass damit meine Probleme gelöst wären. Aber dem ist nicht so. Ich zeige noch das gleiche alte Verhalten wie früher. Ich kann mit keinem Fremden reden, auch kein belangloses Zeug. Ich verkriech mich innerlich in mein Schneckenhaus, steh dann da und bring keine geraden Sätze raus. Erst letztens wieder so gewesen... Dann reagieren die Leute natürlich abweisend und stempeln mich (meiner Meinung nach) als komisch und redefaul ab. Und sobald ich anfange, darüber nach zu denken, komm ich gedanklich in eine Spirale, die mich wahnsinnig macht, ich bekomme Herzklopfen, ein Stechen im Kopf, ich werde rot im Gesicht usw. Ich schau den Leuten dann nicht in die Augen, werde körpersprachlich abweisend...

    Wie kann ich denn daran arbeiten? Ich habe nicht viele innige Freunde, aber bei den wenigen weiß ich, dass sie mit mir durch die Hölle gehen würden. Und das reicht mir auch, ich möchte nicht viele oberflächliche Bekanntschaften, aber ich möchte auch einfach mal unbefangen mit den Leuten reden können, nicht immer ein griesgrämiges Gesicht aufsetzen müssen und vor lauter Panik die Beine in die Hand nehmen.

    Ich arbeite gerade daran, mir einen Wunschtraum zu erfüllen und eine kleine Hundeschule zu eröffnen. Da muss ich ja auch mit Leuten reden können und evtl. auch vor einer Gruppe. Mir graut jetzt schon, wenn ich daran denke...

    Vor allem: Ich finde mich selbst ja eigentlich wirklich ok, ich mag meine Art – bis auf diese bescheuerte Unart und dass ich mich nie gut genug für irgendwas finde – eigentlich ganz gern, ich bin humorvoll, sehr loyal usw. Ich finde auch, dass ich mittlerweile bis auf Kleinigkeiten (aber wer hat nix an sich zu meckern?) ganz passabel aussehe. Also daran liegts nicht. Aber an was dann? Ich mach mir jetzt sogar wieder Gedanken, was ihr wohl über mich denkt...

    Ich hab gerade so ein Tief, dass ich mir abends immer „Fünf Freunde“ auf Video anschaue, weil ich einen Geborgenheitsschub brauche, der mich an die Zeit ohne Sorgen und Griesgrämigkeit erinnert… ;o)

    Wem geht es denn genauso? Kann ich es schaffen, so zu werden, wie ich will und komm ich um einen Psychologenbesuch herum? Ohje….

    Danke fürs Lesen. ;o)

    LG
    Moni

  2. #2
    Gast784
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    hallo Moni,

    du nennst es ja selbst schon beim Namen, was Dir gut tut und hilft: Geborgenheit. Du hast ein paar gute Freunde, das ist wesentlich besser und wichtiger als großartig "beliebt" zu sein. Du magst Dich selbst, hast also eine Basis, um Dir selbst Geborgenheit geben zu können.

    Ansonsten ist das Forum voll mit Tipps und Tricks zu dem Thema: was denken andere Leute von mir. Geh einfach mal schmöckern.

    Mir fiel nur gerade spontan ein ganz anderer Ansatz ein, den Du mal ausprobieren kannst. WAS DENKST DU ÜBER ANDERE LEUTE?

    Denkst und bewertest Du so, wie Du das den Anderen unterstellst? Wenn nicht, warum unterstellst Du das dann anderen? Nimm das mal als Deine eigene Bewertung von Dir selbst und frag Dich, warum Du mit Dir selbst nicht so freundlich umgehen kannst/willst, wie mit anderen.

    Das nur mal so als Denkansetze für die nächste Stunde

    LG Gaby

  3. #3
    Neuling
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    Hallo Gaby,

    danke für deine Antwort. Ja, ich weiß meine Freunde auch sehr zu schätzen, nur bin ich mir selbst da manchmal nicht sicher, wie sie gewisse Bemerkungen meinen. Man muss mich wirklich nicht in Watte packen, aber bei kritischen Bemerkungen muss ich selbst bei ihnen schlucken und fang an, mich einzuigeln, anstatt zu fragen, hey, wie haste das denn gemeint... dann meide ich den Kontakt und warte, bis für mich Gras über die Sache gewachsen ist...

    Bei dem anderen Punkt hast du auch recht. Ich schaue mir gern andere Menschen an und ich bin ein sehr kritischer Mensch. Ich würde zwar nie über andere Menschen offen lästern, weil ich nach dem Motto handle, Was du nicht willst, das man dir tut...
    Ich bin bei sowas aber immer ehrlich. Klar, denkt man sich mal, urgh, die sieht aber nicht so toll aus, manchmal ist man neidisch, die Beine hätt ich aber auch gern...
    Ich kann aber auch offen zugeben, wenn mir etwas an jemandem gefällt, die Figur, die Haare und sag das dann auch. Nur kann ich mir halt nicht vorstellen, dass sowas jemand über mich sagt. Über mich sagen die Leute immer nur was schlechtes. Verzwickt...

  4. #4
    Verleger Avatar von Natz
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    Oft ist es tatsächlich so, das man sein eigenes Verhalten auf andere überträgt oder so über andere denkt, wie über sich selbst. Wer immer im Spiegel nur das sieht, was nicht perfekt ist, sieht das bei anderen natürlich auch (spreche das aus Erfahrung-).
    Glaube schon, das man sich eine andere Sichtweise aneigen kann, ist aber nicht so leicht und klappt, wenn es wirklich schwerwiegend ist und einen so behindert, vielleicht besser mit einer Therapeutin.
    Und was ich mir auch immer wieder sagen muss: Vergleicht man sich mit anderern, kommt man IMMMER schlecht weg, da es immer jemanden gibt, der schönere Beine, Hintern, Haare, Füße, ect. hat-
    Man muss einfach lernen, die positiven Sachen mehr hervorzuheben-ich weiß, ist nicht leicht aber mit der Zeit geht man netter und liebevoller mit sich um.
    Und im Beruf ist es dann auch nochmal ganz anders. Gut möglich, das Du mit Kunden prima umgehen kannst, denen ist es nämlich ganz egal, wie Du aussiehst, hauptsache, den Hunden gehts gut. Und oft baut man dann auch über diese Schiene mehr Selbstbewusstsein auf.
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

  5. #5
    Gast784
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    Im Beruf kommts dann drauf an, wieviel Ahnung Du hast, wie Du mit den Hunden kannst und wie sympatisch im Sinne von Gleichgesinnt Du rüber kommst. Die wollen da sicher keine perfekte Barbiepuppe vor sich stehen haben.

    Ich persönlich finde den Ausstieg aus dieser Vergleichstretmühle immer am leichtesten durch schlichte Wahrnehmung. Allerdings habe ich das auch jahrelang geübt in der Tanztherapieausbildung und bei der Theaterarbeit. Da wird nicht nur Körper- Stimm- und Atemarbeit gemacht, sondern auch Rollen erarbeitet, für die es natürlich auch eine bestimmte Beobachtungsgabe braucht. Das gute an diesem ganzen Wahrnehmungszeugs ist, dass es wertneutral ist. Man kann mit diesem Blick sich und die anderen einfach leben lassen

    Wie alt bist du denn? Ich denke auch, dass es mit steigendem Alter leichter wird, weil man sich schon mehr erarbeitet hat und dementsprechend selbstsicherer wird. Aber man muss dafür schon wach bleiben, damit man nicht als Projektor mit Füßen endet, der seine eigene Unzufriedenheit ständig unreflektiert auf andere projeziert.

    LG Gaby

  6. #6
    Neuling Avatar von smile
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    Hey,
    so wie ich das sehe, hast Du eigentlich eine super Basis, um an Dir selbst zu arbeiten. Ich habe den Eindruck, dass Du selbst bemüht bist, Dich sehr realistisch zu sehen, und es auch gut hinbekommst. Nur an der Einschätzung der Wahrnehmung von anderen Menschen hapert es ein bisschen, aber das kriegst Du hin, keine Sorge. Ich glaube, Du bist auf dem besten Weg.

    Erstmal: Ich bin so ein bisschen über den Satz gestolpert, ob Du um einen Psychologenbesuch rumkommst. Als ob das sowas grauenhaftes wäre Du solltest jedenfalls nicht das Gefühl haben, dass Du dann eine "Durchgeknallte" wärst oder so...

    Ich glaube, das, was Du brauchst, ist eigentlich nur Mut. Denn wenn Du Dich ein paar Mal getraut hast, mit Menschen zu reden, Vorträge zu halten oder so, wird es Dir beim nächsten Mal leichter fallen. Versuch ruhig mal, diese Situationen, die Dir Unwohlsein bereiten, herauszufordern. Ich weiß, das ist verdammt schwierig und kostet viel selbstüberwindung. Aber versuch z.B. Folgendes: Fußgängerzone oder Straße entlaggehen und entgegenkommenden Menschen bewusst in die Augen sehen - egal, ob sie zurücksehen oder nicht. Nicht den Blick abwenden! Wenn, dann sollen sie es als erstes tun - und das werden sie auch, glaub mir Das ist ein ungewohntes Training, aber es hilft oft, denn Du kennst die Menschen ja nicht und begegnest ihnen vermutlich nie wieder.
    Dann fällt mir noch die Option Rollenspiele ein, obwohl ich nciht weiß, wie einfach das für Dich zu realisieren wäre - ich meine damit, Szenarios nachzustellen im Kreise der Freunde oder Familie, wobei die anderen halt Fremde spielen. Oder Vorträge / Referate halten vor Leuten, denen man vertraut, oder Sketche / Theaterstücke aufführen. Hilft ganz sicher. Und sich immer mehr zutrauen.

    Hey, ich bin mir ganz sicher, dass Du das schaffen kannst. Ganz egal wird Dir vermutlich nie sein, was andere denken - das ist es mir auch nicht und es komtm auch vor, dass ich das Gefühl habe, da lästert bestimmt wer über mich oder wer weiß was die jetzt wieder denken... aber wichtig ist, dass es Dich nicht belastet und einschränkt in Deinem Alltag.

    Ich wünsche Dir viel Glück, Entschlossenheit und vor allem Erfolg!

    Viele liebe Grüße, smile
    Betrachte immer die helle Seite der Dinge! Und wenn sie keine haben, dann reibe die dunkle, bis sie glänzt.

  7. #7
    Gast784
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    Zitat Zitat von smile Beitrag anzeigen
    . Ganz egal wird Dir vermutlich nie sein, was andere denken -
    stimmt!
    Aber ich denke mir dann: was geht mich das an, was andere in mich reinprojezieren. Das ist doch deren Thema, nicht meines!

  8. #8
    Neuling
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    Hallöchen,

    dankeschön für eure Antworten. Es geht mir jetzt auch wieder besser, hatte gestern ein langes Gespräch mit meiner besten Freundin, die mich da sehr unterstützt. Das hilft schon mal viel.

    Ich versteh halt nur meine Gedankengänge nicht. Eigentlich ist es mir logisch, dass einem die Gedanken (!!) der anderen schnurzpiepegal sein sollten. Seit meiner OP habe ich nie mehr was böses oder lästerhaftes von anderen gehört. Ich komm eigentlich - wenn der erste schwere Schritt des Kennenlernens mal geschafft ist - mit jedem gut aus, wenn nicht, wird sich halt gemieden, aber immer noch freundlich und respektvoll.
    Ich bin mir halt selbst nie gut genug und strahle das auch aus. Aber dann wird man von anderen natürlich nicht ernst genommen, wenn man sich selbst schon nicht ernst nimmt.

    Ich bin auch opitimistisch, dass ich das im Laufe meines Lebens noch mehr oder weniger hinkriege, aber es nervt trotzdem unglaublich, wie man sich verkopfen kann und sich somit selbst im Weg steht.

    Das mit der Psychologin sollte übrigens nicht abwertend gemeint sein. Wer diese Hilfe in Anspruch nimmt, hat mein vollstes Verständnis. Ich war selbst schon bei zwei verschiedenen und bin mit beiden auf die Nase gefallen. Bei der ersten war ich wegen meiner Nase, die saß mir nur gegenüber: "Ja was haben Sie denn??? Ihre Nase ist doch nicht groß!!! Ich sehe ihr Problem nicht...." Hallo? Von einem Psychologen erhofft man sich etwas mehr Verständnis, oder?
    Und die zweite - ein paar Jahre nach der OP - hat mich dann ebenfalls hingestellt, als hätte ich wohl sonst keine Sorgen. Sie hat so getan, als würden sich andere Patientin fast von der Brücke stürzen und ich sollte ja wohl froh sein, dass ich nur "sowas" hab. Grrr...

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