Hallo an alle,
ich muss mir einfach mal alles von der Seele schreiben.. und hoffe, auf Menschen zu treffen, die sich auch schon einmal so gefühlt haben.

Ich war seit meinem 7. Lebensjahr in Therapie (ursprünglich wegen ADS und Gesichtszuckungen), habe viel durchgemacht: Mobbing, Essstörung, kaputte Familie, viele falsche Freunde, die mich früher oder später im Regen stehen ließen.. irgendwann fing ich an zu schwänzen und statt zu essen, zu klauen. Ich war ziemlich depressiv, lag in meinem Zimmer und starrte die Wand an.. sah keinen Sinn mehr im Leben. Fühlte nichts mehr, nur Lethargie und Leere. Ich schluckte auch einmal alle Tabletten, die wir im Schrank hatten.. aber da waren keine Schlaftabletten dabei, ich schadete höchstens meiner Leber damit. Nach einem riesigen Streit, indem ich Selbstmordgedanken äußerte, wies meine Mutter mich auf die geschlossene Station ein. Dort verliebte ich mich in einen anderen Jungen, der allerdings nach einiger Zeit anfing, mich zu mobben. Wie sollte es auch anders sein. Selbst dort war ich einfach nur falsch. Dazu kam noch, dass mein Opa während der Zeit einen Herzinfarkt hatte und im künstlichen Koma lag.. er überlebte, aber es war hart, ihn nicht besuchen zu können, weil ich noch keinen Ausgang hatte. Mit der Therapeutin im Krankenhaus redete ich zwar, aber ganz öffnen konnte ich mich auch dort nicht. Ich rede nicht gerne über mich selbst. Ich schweife mal wieder ab.. ich blieb dort auf jeden Fall 6 Wochen in Behandlung, wurde dann entlassen. Mobbing und meine Essstörung blieben mein Begleiter, wegen dem Diebstahl durfte ich Sozialstunden machen, aber die geringste Anzahl, weil es eben auf eine psychische Störung zurückzuführen war. Ich fing auch nicht wieder an zu klauen. Es ging mir besser, aber nachdem mein Opa dem Tod haarknapp entkommen ist, habe ich Probleme ihn und andere Menschen an mich heranzulassen.
Vor gut einem Jahr begann ich, mein Leben wieder ganz im Griff zu haben. Ich war lebensfroh, voller Hoffnung. Machte meinen Erweiterten Realabschluss, wurde an einem Gymnasium angenommen.. und nahm mir vor, abzunehmen. Meine Essstörung bekam ich auch tatsächlich in den Griff und nahm bis heute 23 Kilo ab. Sport wurde zu meiner größten Leidenschaft, oft 6 Tage die Woche und an dem einen Ruhetag musste ich mich zwingen, keinen zu betreiben. Ich fand Freunde, lernte, den Mund aufzumachen.. Mobben tut mich niemand mehr, jeder akzeptiert mich so, wie ich bin. Meine Noten blieben gut, ich hatte zeitweise 'nen Schnitt von 1,9.. in letzter Zeit ließ ich dann wieder etwas nach, aber es bleibt immerhin bei 2,3.
Aber jetzt sitze ich hier und würde mich am liebsten wieder vor ein Auto werfen, hab rund 5000 Kalorien in mich gestopft und fühle wieder nichts mehr. Kann nicht mal weinen. Ich wäre so gerne sauer.. aber da ist nur Leere. Ich habe innerhalb der letzten Wochen wieder 3 Kilo zu genommen und weiß nicht, wie ich aufhören soll, zu essen. Ich weiß nicht, wofür ich eigentlich noch lebe.. ich ende immer wieder nur damit, falsch zu sein. Anders. Ich kann mich anderen immer noch nicht öffnen, wenn ich zu lange mit einem Menschen Zeit verbringe, macht er mich krank. Ich kann Umarmungen und andere körperliche Nähe nicht gut haben, meine Mutter umarme ich vielleicht einmal im Monat. Zum Sport quäle ich mich, wenns hochkommt vielleicht 3 mal die Woche.. ich hab einfach keine Kraft. Wofür nehme ich eigentlich ab? Wofür lebe ich? Wofür strenge ich mich in der Schule an? Ich sehe einfach keinen Sinn in meinem Dasein. Wenn ich über eine Straße gehe, wünsche ich mir fast, ein Auto würde mich überfahren.. es wäre mir zumindest egal. Ich würde nicht rennen. Ich hasse mich, und wirklich lieben tun mich nicht einmal meine Eltern.. meine Mutter lässt die meiste Zeit über ihre Laune an mir aus und mein Vater hat seine Arbeit immer mehr geliebt, kennt mich nicht mal wirklich. kein Kerl interessiert sich für mich, ich verliebe mich sowieso nur in welche, die mich wie Dreck behandeln. Wochenlang hinhalten.. und ich will sie trotzdem. Warum? Manchmal glaube ich fast, ich liebe es zu leiden.. ich kann nicht damit umgehen, wenn einmal alles okay ist.
Ich will einfach nur FÜHLEN. aber .. da ist nichts. mir ist alles egal, ich bin wie ein Robotor. Tue alles, weil ich weiß, dass ich es sollte. Muss. Aber da ist keine Lebensfreude mehr hinter. Und ich bezweifle auch, dass da irgendeine Therapie etwas bringen würde. Ich war 7 Jahre in Therapie und es hat nichts gebracht. Und wozu? Wenn ich doch wieder irgendwann an diesem Punkt ankomme? Wozu noch kämpfen? ich bin so müde.. und meine Vergangenheit verfolgt mich, Freitag habe ich einen meiner alten Mobber wiedergetroffen und natürlich hat er erst einmal wieder einen Spruch ablassen müssen. Ich dachte, ich wäre wütend.. aber da war wieder nur Leere, zu Hause hab ich 3 Toasts in mich reingestopft und mich dann in mein Bett gelegt, die Decke angestarrt.. konnte nichts fühlen. War nur müde. Das ist doch nicht normal! ich will WÜTEND sein.. will allen endlich einmal ins Gesicht sagen, was ich von ihnen halte.. wieso bin ich nicht wütend? das ist doch nicht normal.. ich habe noch nicht alle Hoffnung verloren, aber ich weiß, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis ich wieder kurz davor sein werde, mir die Pulsadern aufzuschneiden. Und vielleicht bin ich dieses Mal nicht mehr nur kurz davor.. ich bin wieder depressiv, oder? Was kann ich dagegen machen? Hat jemand auch lange Zeit nichts mehr empfunden und es geschafft, wieder etwas zu fühlen? Wenn ja, wie? Und wie kann man nach all den Jahren Mobbing anfangen zu glauben, dass man nicht hässlich ist? Mir kann noch so oft jemand sagen, dass ich nicht hässlich und nicht mehr dick bin.. ich fühle mich trotzdem so. will manchmal gar nicht in den Spiegel schauen.

Was für ein Roman, danke an alle, die sich das durchgelesen haben!