Hi,
Wo soll ich anfangen, ich glaube der Beitrag könnte etwas länger werden. Ich bin 22 Jahre alt, Männlich, Studiere mit zufriedenstellendem Erfolg.
Ich hab mein Studium vor einem Jahr angefangen und bin dann auch kurz darauf, um nicht zu meiner Uni zu pendeln mit meiner Freundin, mit der ich nun 6 Jahre Zusammen bin in eine WG gezogen. Wir sind also im Alter 16(ich) und 15 Jahren zusammen gekommen.
Ich selber hatte zuvor schon eine Beziehung die über 2 Jahre anhielt in der ich unter anderem meinen ersten Sex hatte, also schon ziemlich früh, aber nichts was ich bereuen würde.
Wir (die aktuelle Freundin) sind nicht zusammen zur Schule gegangen, haben aber nur 10 min. voneinander entfernt gewohnt und auch vom Elternhaus beiderseits gab es keine Probleme das wir uns sehen.
Im Rahmen der 12 Klasse, also vor ca. 4 Jahren hatte ich dann, wie ich es persönlich einordnen würde Depressive Verstimmung, sprich, ich bin nicht zur Schule gegangen, habe Freizeitangebote nicht mehr regelmäßig wahrgenommen und bin oft in einer Virtuelle Welt abgedriftet (WoW sei Dank...). Das Alles hat meine Freundin mit mir Durchgestanden und sie hat mir geholfen diese Phase meines Lebens zu überwinden.
Allerdings ist während dieser Phase noch mehr mit mir passiert, was unmittelbar mit meinem Problem zu tun hat. Meine Eltern sind geschieden seit ich denken kann und ich bin mit meinem Großen Bruder (4,5 Jahre älter) bei meiner Mutter aufgewachsen. Im Alter von ca. 10 Jahren sind wir dann aus meiner alten Heimatstadt weggezogen und somit auch von meinem Vater, der dort mit einer neuen Ehefrau lebt (inzwischen nach 18 Jahren ehe wieder getrennt) und auch noch meinen Halbbruder (7 Jahre jünger), welcher auch noch dort lebt.
Mein Vater hat sich in der Folgezeit nie richtig für mich interessiert. Wenn ich ihn besuchen kam, hat er mich meistens vor den Fernseher/Computer gesetzt oder als Babysitter für meinen Halbbruder benutzt (nicht dass ich mich nicht gerne mit ihm beschäftigt hätte, aber dann musste sich mein Vater mit keinem von uns beschäftigen..). Ansonsten fragt er warum ich mich denn nicht bei ihm melden würde, er wollte nicht bei meiner Mutter anrufen, da die beiden keinen Kontakt haben wollen (also zusammen als Eltern funktionieren die beiden nicht so klasse...). Mein Vater selber hat seinen Vater im Kindesalter verloren, hat deswegen dementsprechend selber keine Bindung zu seinem Vater. Inzwischen hab ich gelernt insofern damit umzugehen, dass ich nur diesen einen Vater habe und auch wenn er mir nicht das bieten kann was ich will, bringt es mir nichts ihm nur mit Ablehnung gegenüber zu stehen, auch wenn ich nicht glaube dass sich da noch eine Tiefgründige (die bisherige ist nur oberflächlich, er weißt nicht einmal den Namen von meinem Fußballverein...) Beziehung bildet.
Alternativ konnten der neue Freund meiner Mutter oder mein Großvater die Rolle des Männlichen Vorbilds auch nicht ausfüllen. Anfangs habe ich mich noch an Meinem großen Bruder orientiert, habe auch im Teenager alter viel mit ihm und seinen Freunden unternommen, zu diesem Freundeskreis gehöre ich heute immer noch. Mein Bruder allerdings ist noch viel weiter in eine Depression gerutscht als ich. Er selber hat die Trennung von meinen Eltern noch aktiv miterlebt und war dazu der Erstgeborene. Nach seinem Abitur ist er ca. 2 Jahre bei der Bundeswehr gewesen und hat anschließend ein Studium aufgenommen, welches er aber nie ernsthaft betrieben hat und saß stattdessen zu Hause vor dem Computer und hat sich auch in die Virtuelle Welt geflüchtet, pflegt keine Sozial Kontakte und dass liegt in der Regel auch an seinen Freunden und nicht an ihm (…). Erst als er dann eine Panik Attacke bekommen hat ist meine Mutter auf dieses Problem richtig aufmerksam geworden und inzwischen macht er eine Therapie, dass spielen hat er allerdings nicht aufgegeben. Inzwischen hat er allerdings mit 27 eine Ausbildung angefangen, auch hier waren meine Eltern nur bedingt involviert, dass haben meine Freundin und ich mit Hilfe meiner Tante ins Rollen gebracht (Bewerbung geschrieben, betriebe rausgesucht etc.).
Ich komme nun also auf meine Mutter zu sprechen. Wie schon oben beschrieben hat sie Probleme innerhalb der Familie in der Regel erfolgreich Verdrängt. Ich liebe sie und sie ist eigentlich auch immer für mich da, nur habe ich inzwischen das Problem, dass ich sie nicht als Souveräne Person mit Vorbild Funktion wahrnehmen kann. Sie ist erfolgreich in ihrem Job, führt eine Beziehung und pflegt Kontakt mit alten Bekannten. Dennoch scheint sie mir auch sehr einsam, hat ein Problem neue Menschen kennen zu lernen und neue Freundschaften aufzubauen (soweit ich das beurteilen kann). Aber Probleme, wie meine eigene depressive Phase oder die Depressionen meines Bruders hat sie für mich nicht ausreichend erkannt und anschließend bewältigt, sondern vor diesem Problemen resigniert.
Wie habe ich selber diese Phase überwunden? Wie schon beschrieben hat meine Freundin mir dabei sehr geholfen, ihre Mutter ist Sozialarbeiterin und Psychotherapeutin. Ich war ziemlich viel bei ihrer Familie, was mir eigentlich gezeigt hat, dass Familien sehr wohl funktionieren können. Hier habe ich meines Erachtens auch gelernt mein Eigenes Verhalten und dass meines Umfeldes einigermaßen zu reflektieren, auch wenn mir die Lösung vieler Probleme nicht immer leicht fällt.
Inzwischen sind wir aber umgezogen und wohnen zusammen mit 2 anderen in einer WG. Wir haben beide unserer eigenes Zimmer, schlafen aber zusammen in einem Bett.
Ihr ist es gelungen sehr schnell im Studium Anschluss zu finden und hat sich inzwischen nach einiger Zeit von ihrem Elternhaus abgenabelt. Mir persönlich fällt es schwerer Anschluss zu finden. Dass hat dazu geführt, dass sie mich auch öfters mal mit zu ihren Freunden genommen hat und wir somit anfangs ziemlich viel zusammen unternommen haben und anschließend uns in der Wohnung noch die ganze Zeit gesehen haben. Wir haben also sehr viel Zeit miteinander verbracht. Doch vor ca. 2-3 Monaten kam dann der Bruch. Wir haben bemerkt, dass wir weniger Interesse füreinander haben und unsere Gefühle füreinander nicht mehr Sexuelle Natur waren sondern eher ein Familiäres Verhältnis hat sich eingestellt. Für mich war sie aufgrund meines Umfeldes natürlich eine Person an der ich mich orientieren konnte, da sie es Geschafft hat ihr Leben zu organisieren, wie ich es mir auch gewünscht hätte. Sie selbst beschrieb als hätte sie eher mütterliche Gefühle mir gegenüber, Sexuell hätte sie kein Interesse mehr an mir. Im Bett läuft es also schon länger nicht mehr und wir vielen in eine Muster der gewöhnung. Wir funktionierten meistens, haben uns aber nicht immer das gegeben war wir brauchten. Wir wollten uns trennen, was wir dann auch kurzzeitig getan haben (in dem Wissen, dass wir unter demselben Dach wohnen). Wir hatten beide die Möglichkeit uns zurückzuziehen und nochmal über unsere Beziehung nachzudenken.
Ich begann mich vollkommen neu zu entwerfen, ein Leben ohne sie, was für mich in gewisser Weise auch ein Leben ohne Orientierung bedeutet hat.
Nachdem wir uns 4 Tage nach der Trennung wieder gesehen haben haben wir beide das Gespräch gesucht und uns ausgesprochen. Sie hat festgestellt, dass sie mit mir über alles reden konnte und wir die Selbe Vorstellung vom Leben haben, und dass wir eigentlich immer eine Tiefgründige Beziehung zueinander haben, frei von Oberflächlichkeit. Sie hat eine tiefe Traurigkeit empfunden bei dem Gedanken dass aufzugeben. Mir ging es natürlich ähnlich, uns war beiden Bewusst, dass wir aber auch nicht ohne die Entsprechenden Gefühle füreinander diese Beziehung weiterführen wollten, Geliebt haben wir uns beide eigentlich immer (ich unterscheide also zwischen der Liebe und den erotischen Gefühlen füreinander (womit ich nicht nur stumpf gesagt Sex meine…)). Wir wollten versuchen einen Perspektiv Wechsel zu vollziehen und die Form der Familiären Beziehung zu überwinden um wieder Attraktiv füreinander zu erscheinen. Anfangs gelang uns das auch, aber je mehr wir wieder in den Alltag verfallen umso mehr merken wir wie wir wieder in alte Muster zurückfallen. Die mütterlichen Gefühle sind zwar weites gehend weg, aber die erotischen Gefühle füreinander haben sich immer noch nicht eingestellt. Wir sehen uns jeden Tag und schlafen immer noch im selben Bett, ohne irgendeine Erregung zu spüren.
Wir haben nun beschlossen auseinander zu ziehen, dass wir uns bewusst zeit für den anderen nehmen.
Sie sagt selber, dass ich zur Zeit nur eine Nebenrolle in ihrem Leben spiele, sie ist viel mehr fixiert darauf was zu erleben und möchte dabei weitestgehend auf mich verzichten. Diese Freiheit muss ich ihr auch lassen. Nur gibt mir das keine Sicherheit. Sie sagt selber wie sie sich andere erotische Gefühle wünscht (was auch grundsätzlich für mich ok ist) und ich weiß, dass sie mich auch nicht verletzen möchte. Aber genau hier bemerke ich mein Problem. Ich bin teilweise viel zu fixiert auf sie und kann nicht aufhören über uns nachzudenken. Ich weiß, dass wenn diese Beziehung je wieder Erfolg haben soll wir uns Freiräume geben müssen, nur fällt es mir schwer mich selbst zu orientieren.
Ich habe Angst wieder in eine Depression zu rutschen in der mir alles Trivial erscheint. Ich würde gerne in die Welt hinausgehen und leben, aber ich weiß nicht ob mir das gelingt. Mir fällt es schwer meine Gefühle zu sortieren und solange wir noch unter einem Dach leben fällt es mir umso schwerer sie loszulassen.
Ich kann mir keine neue Beziehung die in weiter Ferne liegt vorstellen, sie erscheint mir vor meinem geistigen Auge als trivial.
Was kann ich also machen um nicht wieder in eine Depression zu rutschen?
Was kann ich tun, was der Beziehung am besten hilft ohne meine Partnerin zu bedrängen? (Ich will natürlich keine Beziehung führen, in der die Gefühle füreinander nicht auf Gegenseitigkeit beruhen)
Danke für diejenigen die sich meine Geschichte angehört haben und versuchen mir zu helfen.
L.S.


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