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Thema: Winterdepression des Partners =(

  1. #9
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    Hallo Herzmensch,

    ich möchte hier einfach meine Gedanken zu Deiner Geschichte niederschreiben.
    Also wenn man einige Jahre eine gute Beziehung führt und dann ein Partner an Depressionen erkrankt, kann ich nachvollziehen, dass man helfen möchte, ihm zur Seite steht etc.

    Wenn ich das richtig verstehe, hat sich Dein Freund doch ziemlich schnell so verhalten. Ihr seit auch erst 1 Jahr zusammen. Wenn ich das lese, wie er sich Dir gegenüber verhält und dann sehe, dass Du das alles Dir gefallen lässt, dann denke ich, wird es höchste Zeit, dass Du Dein Augenmerk auf Dich richtest und schaust, wo das bei Dir herkommt. Was er macht, würde ich ihn alleine entscheiden und machen lassen.
    Aber was Du tun kannst, ist auf Dich zu achten und für Dich was zu tun.
    Hier geht es meiner Meinung nach nämlich nicht vordergründig nur um eine Depression des Freundes. Er behandelt Dich absolut resektlos, missachtet Dich in ganz übler Weise, versucht emotionalen Druck auszuübern und Dich hierüber zu manipulieren, missbraucht Dich als seine Putzfrau, Ersatzmutter und hat noch die Frechheit, Dich wie eine Kirchenmaus auszunehmen. Und hier stelt sich die Frage, warum Du sowas mitmachst. Der Kerl macht sich auf Deine Kosten ein lockeres Leben und das kann er nur, weil Du es ihm bietest, anbietest und das gilt es zu ergründen.
    Das ist zumindest meine Meinung zu dem, was ich hier lese.
    Ganz schrecklich, was Dein Freund da mit Dir macht. Und bitte verfalle nicht weiter und suche Entschuldigungen für sein menschenverachtendes Verhalten, welches er Dir gegenüber an den Tag legt.
    Depression heißt doch nicht, dass ich den anderen niedermache, emotional erpresse, ihn 12 Std. arbeiten schicke, mich auf seine Kosten ausruhe, missachte, wenn der Partner darum bittet auf das Geld zu achten (er macht provokativ das Gegenteil und Du lässt sowas sogar noch zu) und Dich als Ersatzmutter und Putzfrau missbraucht. Sorry, aber das hat mit Depression ja erst einmal nichts zu tun. Das ist in meinen Augen erst mal ein charakterloser Schmarotzer, der anscheinend demütigen will und hier sadistische Züge auslebt ohne mit der Wimper zu zucken.

    Wenn Du ihm echt helfen willst, setze ihn vor die Tür, damit er gezwungen ist, sich seiner angeblichen Depression zu stellen, seine Schulden zu bezahlen, endlich seinen Hintern zu heben und zu arbeiten, er seinen Haushalt selber finanzieren und sauber halten muß (dann lernt er auch, was das heißt und weiß es zu schätzen, was andere da tun). Da wirst Du sehen, ob er das überhaupt will od. nicht nur einen sucht, den er für sich zum Depp machen kann.
    Wie Du einen Mann, der Dich so behandelt noch Schatzi nennen kannst, ist mir ein vollkommenes Rätsel. Tue Dir bitte den Gefallen und suche Dir professionelle Hilfe, den ich vermute sehr stark, dass bei Dir da was im Argen liegt. Wäre dem nicht so, würdest Du Dir keine 2 Wochen so ein Verhalten bieten lassen und erst recht nicht dafür auch noch Ausreden suchen.

    Selbst wenn er an Depressionen leidet so ist das kein Grund, Dich so zu behandeln und all das zu tun, was Du hier beschreibst. Er leidet nicht, ihm geht es doch blendend. Der einzige, der hier kaputt gemacht wird bist Du.
    Würde er leiden, der wäre schon lange in Therapie ggf. sogar stationär. Aber daran siehst Du, wie egal Du ihm bist und es ihm nur um sich geht und seine Charaktersauereien an Dir auszuleben.
    Entschuldige bitte die direkten Worte, aber ich war entsetzt, als ich las, wie er Dich behandelt und wie Du versuchst hierfür Erklärungen und Entschuldigungen zu finden.

    LG und ich wünsche Dir echt, dass Du den Mut findest da mal hinzuschauen
    Thessa


    PS: Ich denke, er wird nur was ändern, wenn er Leidensdruck hat, den ER nicht mehr aushält. Solange Du ihm das Leben abnimmst, hat er doch keinerlei Grund was zu ändern. Gut, dass wenigsten die Eltern anscheinend nicht mehr ständig darauf eingehen für ihn zu zahlen. Auch Du solltest sofort damit aufhören. Wenn er nicht arbeitet, muß er halt hungern. Ganz einfach.
    Er ist ein erwachsener Mann, also soll er sich so verhalten. Willst Du einen Partner od. einen Patienten? Wenn Du einen Patienten wünschst und ein Helfersyndrom hast, welches Du ausleben mußt weil Du hieraus Nutzen ziehst, dann mache genau so weiter wie bisher. Dann scheint es sich hier um eine Symbiose zu handeln, wo Ihr beide, jeder für sich Euren Nutzen darauszieht. Wenn Du einen Partner möchtest, solltest Du sofort aufhören damit, all das unmenschliche und absolut resektlose und widerliche Verhalten dieses Mannes wortlos zu ertragen. Ich würde einmal klare Ansage machen und sobald er einen mm darüber geht, war es das. Im Moment nimmt er Dich für keine Sek. ernst und Du bist für ihn nur eine Witzfigur, die er ausnehmen und benutzen kann. Woher sollte auch der Respekt kommen? Kein gesunder Mensch würde sich so ein Verhalten so lange bieten lassen.
    Geändert von Thessa (10.12.2011 um 15:33 Uhr)

  2. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Thessa für den sinnvollen Beitrag:

    So Ham (10.12.2011)

  3. #10
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    Hallo Herzmensch,

    ich habe noch eine Frage an Dich. Was arbeitet er denn von zuhause und weißt Du woher er seine Schulden hat bzw. wie die entstanden sind?

    Wenn er Dir das große Geld als vorhersagt und nur Kleckerbeträge kommen................die Kopfschmerzen, der Stimmungswechsel, das skrupellose Manipulieren Deiner Person, seine Schulden, seine Gewissenlosigkeit sich auf Deine Kosten ein schönes Leben und machen.........da würde für mich Spielsucht viel eher passen, wie eine Depression.

    LG und Du solltest sehr auf Dich achtgeben und Dich schützen, ganz egal was hinter seinem Verhalten nun steckt.
    Thessa
    Geändert von Thessa (10.12.2011 um 15:33 Uhr)

  4. #11
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    Hallo Herzmensch,

    ich habe nochmal in Deinen Beiträgen nachgelesen. Gerade den Absatz, wo Du schreibst, dass er seiner Mutter für alles die Schuld gibt, auch dafür, dass er Schulden hat weil sie ihm früher alles gegeben habe.

    Er ist 31 Jahre alt, seit 13 Jahren also Volljährig und in absolut keinster Weise erwachsen. Er verhält sich wie ein Kind, welches nichts machen will und alles sollen Mama od. die Freundin für ihn erledigen. Er übernimmt keinerlei Verantwortung für sich selber. Ich denke, das die wenigsten Menschen eine absolut intakte und einwandfreie Kindheit bzw. Elternhaus hatten. Heißt, dass viele Menschen in welcher Weise auch immer geprägt sind und Dinge zu verarbeiten haben, die ggf. durch das Elternhaus herrühren.
    Einen erwachsenen Menschen erkennt man daran, dass er die Verantwortung selber übernimmt. Heißt auch, dass man sich mit sich auseinandersetzt und hinschaut wo was herkommt und was dagegen macht, wenn man bemerkt, dass hier Dinge im Argen liegen. Sich hinzustellen und mit 31 Jahren Mama und Freundin machen zu lassen und sich als armes Opfer zu präsentieren ist in meinen Augen ein darauf beharren, weiterhin in der Kinderrolle bleiben zu können und jegliche Verantwortung für sich selber abzulehnen.

    Allein das Beispiel, dass er weder seinen Teil an der Hausarbeit übernimmt, seine Schulden anderen aufbürdet, statt sie selber abzutragen, da nur ER allein dafür verantwortlich ist und ich vermute auch stark, dass er nicht die Hälfte der Lebenshaltungskosten trägt, zeigt mir das auch.

    Du könntest ihn besser Dein Kind od. sogar Sorgenkind nennen, statt Dein Freund. Ich glaube, das würde besser passen.

    Vielleicht magst Du mal darüber nachdenken. Ich glaube, dass Deine anfänglichen Gefühle und Reaktionen noch ganz normal waren. Aus welchen Gründen auch immer hast Du sie Dir ausreden lassen und lebst nun gegen Dich selber, statt dass Du den von Dir am Anfang ganz normalen und gesunden Reaktionen auf sein Verhalten vertraut hast. Da waren sehr schnell alle Anzeichen für sein Verhalten, Deine Reaktionen normal. Nur hättest Du in meinen Augen dann irgendwann konsequent die Reißleine ziehen müssen od. mit ihm Klartext reden, dass es so nicht geht, Du das nicht akzeptierst.

    LG
    Thessa
    Geändert von Thessa (10.12.2011 um 16:39 Uhr)

  5. #12
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    DAnke erstmal für deine ehrliche Antwort! Ich habe anfangs wie du richtig sagst total dagegen gebollert und Gespräche gesucht und Theater auch wirklich zugelassen!Ich bin eigentlich sehr frech und selbstbewusst ich bin nicht abhängig.Ich hab dann zu viel gekriegt und mit meiner Freundin gesprochen.Sie war natürlich sauer auf ihn aber meinte auch,dass man das emotionslos immer einfach sagen kann.

    Ich muss das natürlich nicht machen und ich hätte als Single weniger Probleme....aber ich habe angefangen online das Thema Depression quasi einzusaugen....
    Dort steht u.a. Dass Depressiven Alltagsarbeiten wie Haushalt,Einkäufen etc schwer fallen
    Dass die nicht richtig fühlen können
    Dass die sich zurückziehen
    Dass die immer traurig aussehen etc pp und das alles passt

    Und da fing ich an zu denken:kannst du jmd. Durch Trennung oder Vorwürfe bestrafen,der wegen einer psychischen Krankheit gar nicht anders kann?
    Ich habe angefangen zu denken,dass er mich nicht ernst nimmt im Reden weil er auch nie ernst genommen wurde.Von seinen Eltern.Der kennt das Reden gar nicht.die haben ihm nie zugehört,er hat dafür materielles bekommen und heute hält immer und immer wieder Geld.Aber reden tun die nie.

    Ich tue mich schwer so konsequent zu handeln,weil ich nicht weiß "ist er krank oder ein *****"
    Weisst du was ich meine? Du hast von dem selbstbewussten Denken völlig Recht!Aber ich weiß nicht ob es fair ist wenn jemand krank ist!

    Weißt du was ich meine? da spinnt mein Gewissen total :/

  6. #13
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    Hallo Herzmensch,

    ich weiß sehr gut was Du meinst und kann das auch nachvollziehen. Aber dazu müßte er zum einen erst einmal die Diagnose vom Arzt haben.
    Dann kommt aber immer noch, ob Du Dir das tatsächlich antun willst. Auch wenn ich Deine Einstellung im prinzip gut und ehrenvoll finde. Aber Du bist schon tief dabei Dich komplett selber aufzugeben und Dir unwürdige Dinge bieten zu lassen. Und das halte ich für gefährlich und auch falsch.
    Es ist ja nicht so, dass ihr seit 5 od. 10 Jahren eine glückliche Beziehung habt und er nun von heute auf morgen an Depressionen erkrankt ist. Da würde ich auch sagen, versuche für ihn da zu sein und schaut, wie ihr Hilfe bekommt. Da würde ich auch raten zu ihm zu stehen. Aber auch da würde ich auf die Zeit schauen und wie bereit er ist was für die Krankheit zu tun. Wenn da nach Monaten auch nichts passieren würde und Du anfangen würdest daran zu zerbrechen würde ich auch hier raten was zu ändern. Das muß ja nicht immer eine komplette Trennung sein.
    Es kann ja auch z.B. so gehandhabt werden, dass einer auszieht und man getrennt wohnt. So dass die andere Person gezwungen ist sich um sich selber zu kümmern, die Verantwortung für sich selber zu übernehmen und nicht auf den Partner abzuwälzen, der dadurch dann selber krank wird. Dadurch ist keinem geholfen und dem Depressiven schon gar nicht.

    Wenn Dein Freund z.B. alleine wohnen müßte, müßte er sich um seine Dinge kümmern und Du um Deine. Er würde nicht mehr auf Deine Kosten leben sowohl was die Hausarbeit anbelangt, noch was das Geld anbelangt und wenn er unverschämt werden würde, könntest Du sagen: nicht in so einem Ton und die Situation verlassen und in Deine Wohnung gehen. Verstehst Du was ich meine?

    Hier sehe ich die Gefahr, dass Du in eine Co-Abhängigkeit gerätst od. da ggf. schon drin bist. Weiterhin dass er keinerlei Grund hat sein Verhalten zu ändern. Und ich bin nach wie vor der Meinung, dass vieles von dem was Du schreibst "nicht" sein muß. Er kann sich bequem hinsetzen und sagen er sei depressiv. Er sieht ja, Du liest (er kennt die Symptome sicher auch) und glaubst es ihm einfach und lässt Dir die Dinge gefallen obwohl es keinerlei ärztliche Diagnose dafür gibt.
    Siehe auch seine Schuldzuweisungen an die Mutter. Selbst wenn sie viele Fehler gemacht hat. Es gibt keinen einzigen Grund, dass er sich darauf ausruht. Warum ändert er nichts? Warum arbeitet er es nicht auf? Warum ist er nicht schon Jahre bei Beratungen, Therapie od. sonsigem, was ihm da hilft?
    Weil er bequem ist und Kind bleiben will. Ganz einfach. Und nun hat er Dich und Du übernimmst freiwillig Verantwortung.
    Ich glaube ganz ehrlich, dass Du ihm nur hilfst, wenn Du ihn auf ihn selbst zurückwirfst, so dass er gezwungen ist, sich ganz allein um sich selber zu kümmern.
    Ich kann ja nur von mir sprechen, aber ich würde keine Lust haben, mich von einem Mann derart demütigen zu lassen. Ich würde Achtung, Liebe und Respekt verlieren. Und für sowas wäre ich mir zu schade und erst recht, wenn keinerlei Hinweis und Antrieb von ihm zu sehen ist, was gegen seine Krankheit zu machen. Außer dämlichem Gefasel, wie ich von Dir lesen konnte. Daran siehst Du doch, das Du ihn gar nicht für ernst nehmen kannst und er Dir einen vorlabert.

    LG
    Thessa

    PS: Gehe mal davon aus, dass einem Depressiven das Einkaufen, der Haushalt schwerfällt. Und? Wo ist das Problem? Nach Deinem 12 Std. Tag fällt es Dir auch schwer, oder? Wo ist der Grund gemein, abfällig zu werden und dass er Dich als seine Putze missbraucht? Verstehst Du was ich meine? Schwerfallen ist eine Sache, nichts tun, unverschämt werden ist was vollkommen anderes.
    Geändert von Thessa (10.12.2011 um 20:38 Uhr)

  7. #14
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    Zitat Zitat von Herzmensch11 Beitrag anzeigen

    Und da fing ich an zu denken:kannst du jmd. Durch Trennung oder Vorwürfe bestrafen,der wegen einer psychischen Krankheit gar nicht anders kann?
    Ich habe angefangen zu denken,dass er mich nicht ernst nimmt im Reden weil er auch nie ernst genommen wurde.Von seinen Eltern.Der kennt das Reden gar nicht.

    :/
    Warum denkt er nicht: ich darf sie nicht für meine Krankheit bestrafen und muß endlich was für mich tun?
    Wenn er nie ernst genommen wurde, weiß er auch wie schmerzlich das ist. Ein Grund mehr, dass er das anderen dann gerade nicht antut, da er ja weiß, wie weh das tut. Wenn nie mit ihm gesprochen wurde, auch das ein Grund mehr doch froh zu sein, endlich jemanden gefunden zu haben, mit dem er reden kann.

    LG Thessa

  8. #15
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    Hallo Herzmensch,

    es ist hier schon so einiges angeklungen, das diese Situation gut beschreibt und auch eine Richtung zeigt, wie Du Dich selbst aus Deiner Verstrickung lösen kannst.

    Ich mache (mal wieder) einen Umweg - dann wird auch das Stichwort, das ich Dir die Tage mal gegeben habe, vielleicht etwas verständlicher.
    In anderer Form ist es hier auch schon angesprochen worden.

    Auch wenn ich mich normalerweise zurückhalte, wenn es ums "beurteilen" eines Menschen geht, über den nur Beschreibungen aus Dritter Hand vorliegen (gerade dann, wenn sie Werturteile transportieren):
    Auch auf mich macht er den Eindruck, als ob er im Bereich der sozialen Kompetenzen große Defizite hätte. So, wie Du ihn und sein Verhalten insgesamt beschreibst, liest es sich eher wie die Darstellung eines groß gewordenen Kindes, das nie wirklich aus den kindlichen Mustern herausgekommen ist und nicht gelernt hat, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen.

    Mit wertenden Aussagen würde ich mich aber dennoch zurückhalten - sie ändern an Deiner Situation ja nichts.
    Außerdem hat auch ein solches Verhalten seine Wurzeln, seine "Ursachen".
    Es geht jetzt auch nicht darum, "Verständnis" für ihn zu haben - nicht, wenn "Verständnis" im Sinne von "ich werde es dann tolerieren oder durchgehen lassen, weil er ja krank ist" gebraucht wird.
    Was manchmal aber dennoch helfen kann, sich selbst aus einer Situation zu befreien, in der man zum Teil des Geschehens geworden ist: grob verstehen lernen, was auf der Gegenseite an Prozessen am Laufen ist - neutral, als sachlich-nüchterne Bestandsaufnahme.
    So findet man vielleicht auch die Punkte in einem selbst leichter, an denen dieses Verhalten in einem selbst ansetzt - denn diesen Ansatz gibt es ja, sonst würdest Du Dich nicht so sehr davon beeinflussen und in alles hineinziehen lassen.

    Es ist leicht zu sagen "warum lässt Du das mit Dir eigentlich machen". Diese Frage ist ja auch wichtig und absolut berechtigt, denn Du lässt ihn ja immer wieder Deine Grenzen übertreten und stellst Deine eigenen Bedürfnisse hintenan.
    Beantwortet dies aber, wenn es so alleine im Raum steht, die Fragen, die Du Dir dann selbst stellst? Führt dies alleine aus der Zwickmühle raus?
    Dass Du unter seinem Verhalten leidest, weißt (oder fühlst) Du ja selbst - und hängst dennoch weiter an dieser Leine fest

    Ob er (inzwischen oder schon lange) unter Depressionen leidet
    So von außen lässt sich das nicht unbedingt sicher sagen: es muss nicht so sein - es spricht aber auch so einiges dafür.
    Wirklich feststellen kann dies letztendlich nur ein Profi.

    Zitat Zitat von Thessa
    Warum denkt er nicht: ich darf sie nicht für meine Krankheit bestrafen und muß endlich was für mich tun?
    Weil er es nicht kann
    Für das, was an Verhalten und "Weltbild" am Ende eines solchen Prozesses herauskommt, ist es erst einmal nebensächlich, ob er die für das Erkennen nötigen Fähigkeiten nie vermittelt bekommen hat (dann kann er es wirklich nicht) oder ob er sie jetzt ausblendet, weil er sich so selbst schützt (dann kann er es de facto ebenfalls nicht).
    Diese Fragen spielen erst dann eine Rolle, wenn es darum geht, diese Prozesse zu durchbrechen und die Fähigkeiten zu erlernen.

    Es ist eine Frage von außerhalb seines persönlichen Hamsterrades - in seiner Welt existiert sie u.U. ebenso wenig, wie seine Gedanken in der Welt außen existieren.
    Wenn er, nur mal so spekuliert, für sich selbst und das eigene Leben keine Verantwortung übernehmen kann - warum sollte er es dann für das anderer können?
    Das ist ja das Perfide an depressiven Mustern: man fällt ab einem gewissen Punkt in sich selbst zusammen. Der "Horizont" verengt sich immer mehr auf die eigene Person und das eigene Leid, bis alle Gedanken nur noch darum kreisen, wie man ihm aus dem Weg gehen kann - wenn man schon nicht in der Lage ist, es aufzulösen.
    Dies verstärkt sich gegenseitig immer mehr, bis man u.U. nur noch in einer Vermeidungsstrategie festhängt: es fühlt sich alles als Bedrohung oder Druck an - entsprechend wehrt man sich dagegen.
    (Wie gesagt: es geht ums Verstehen - nicht um grenzenlos nachgebendes Verständnis)

    Auch hier wieder: letztendlich hilft das alleine der TE auch nicht weiter - es sein denn, es trägt dazu bei, die jeweiligen Anteile an und in der Problematik besser trennen zu können.
    Letztendlich liegt es alleine in seiner Verantwortung, aus seinem Kreislauf herauszukommen. Du kannst ihn dabei unterstützen, ihn begleiten, aber wollen muss er es selbst, ebenso das Gehen.
    Wenn er diese Erkenntnis nicht bekommt, dann wirst Du da nichts machen können: er muss es für sich selbst machen, nicht für andere, weil er erkannt hat, dass er sich und sein Leben ändern muss, um auch wieder Lebensqualität zu bekommen.
    Es ist etwas, das man ihm weder abnehmen kann, noch, in seinem Interesse, abnehmen darf. (Wie will ich eigenständig werden können, wenn mir immer alles abgenommen wird?)

    Solange man als Partner versucht, ihm generell Leiden zu ersparen ("es ihm leichter zu machen") wird sich diese Erkenntnis nicht einstellen können: als Depri bekomme ich so ja auch einen Teil der Notwendigkeit der Änderung (ab)genommen. Ich spüre die Konsequenzen meines Verhaltens nicht mehr (oder zumindest nur noch in einem erträglichen Rahmen) und werde dadurch in meiner "Strategie" u.U. auch noch bestätigt.
    Grenzen setzen ist da viel sinnvoller - und dann aber auch die angekündigten Konsequenzen bei Überschreitung durchziehen.

    Das, was er mit in die Beziehung gebracht hat, all die Probleme oder Defizite, die ihn jetzt bestimmen: es ist sein Anteil an der ganzen Situation. Um seine Anteile kann nur er sich kümmern: da etwas zu verändern ist seine Aufgabe, seine Verantwortung.
    Auch Du wirst da Anteile haben (und wenn es auch nur diejenigen sind, die es Dir so schwer machen, ihm Deine Grenzen aufzuzeigen und sie durchzusetzen) - hier wäre es dann Deine Aufgabe und Deine Verantwortung, daran etwas zu verändern.

    Das ist das, worum es beim Thema Abgrenzung geht: das Auseinanderdröseln der jeweiligen Anteile. Seine Anteile - seine Aufgabe; Deine Anteile - Deine Aufgabe. Mit dieser Basis kann es dann an die gemeinsamen Anteile gehen - als Eure gemeinsame Aufgabe.

    Dem Partner dessen Anteile "abnehmen" zu wollen (so verständlich das auch ist): bringt nichts, im Gegenteil. Man kann sie nicht lösen und verliert zu schnell den Blick auf sich selbst und auf die eigenen Bedürfnisse - so fängt Coabhängigkeit an
    Ich lebe die Krankheit (oder die Defizite) des Partners, ohne etwas wirklich machen zu können.
    Das Abgrenzen findet ja nicht gegenüber der Person oder dem Menschen statt, sondern bezieht sich nur auf die Krankheit und ihre Auswirkungen - auf Dich!

    Sowas ist dann auch nicht "herzlos", hat nichts mit "fehlender Liebe" zu tun. Egoistisch ist es schon gar nicht. Also: kein Grund für irgendwelche Schuldgefühle, die man sich so gerne selbst macht (oder auch durch das Umfeld machen lässt)
    Sorge für Dich selbst, indem Du mal in Dich hineinhörst und Dich fragst, welche Bedürfnisse Du eigentlich selbst hast.
    Was brauchst Du, um Dich wohlfühlen zu können? Was brauchst Du in einer Beziehung vom Partner (und: warum brauchst Du das)?
    Wo kannst Du Kompromisse eingehen, wo darfst Du dies nicht?

    Vielleicht kannst Du dann auf diese Weise spüren, wo Du welche Grenzen setzen musst, um Dich nicht wieder in den Probs des Anderen zu verlieren.
    Vielleicht fällt es dann auch leichter, das Einhalten dieser Grenzen einzufordern - selbst wenn dies, auf den ersten Blick, den Partner mehr leiden zu lassen scheint.

    Warum sich dann noch mit seinen Prozessen beschäftigen? Na ja: es geht auch darum, dass das, was Du dann machst, auch wirklich greifen kann.
    Die zu setzenden Grenzen sollen ja nicht mit Gewalt als bloßer Angriff einer verständnislosen Person ankommen - dann würden sie sogar eher noch das Gegenteil bewirken und die Dinge verschärfen, weil dies sein aufgebautes Weltbild bestätigen würde.
    [Meine Frau hat sehr spät damit angefangen, mir konsequent Grenzen zu ziehen. Erst als sie klar zu erkennen waren und ich trotzdem dabei das Gefühl vermittelt bekam, dass dies nichts mit fehlendem Verständnis für mich oder Abwertung meiner Person zu tun hatte, konnte ich beginnen, mich selbst zu hinterfragen. Es hat geholfen, meine üblichen Flucht- und Verteidigungsreflexe gar nicht erst aufkommen, zumindest aber ins Leere laufen zu lassen. Mit klaren Sanktionen belegte Grenzen und gleichzeitig das Gefül der weiterhin vorhandenen menschlichen Wertschätzung - das hat meinen Angstkreislauf und die Mauer, die ich um mich errichtet hatte, durchbrochen: ich konnte meine eigene Verantwortung nicht mehr vor mir selbst verleugnen ...]


    BTW: Selbst wenn sich dann etwas ändern sollte - am Ball bleiben. Sich zu ändern ist ein langer Weg - sobald die Grenzen zu früh wieder weich werden ist das wie eine Einladung dazu, nichts mehr weiter machen zu müssen: die Tür geht wieder auf, durch die man sich verdrücken kann.


    "Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand."
    (mongolisch)
    -----------------------------
    Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
    (Immanuel Kant, 1724 - 1804)

  9. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Darkstar für den sinnvollen Beitrag:

    So Ham (11.12.2011),Thessa (11.12.2011)

  10. #16
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    Die Gesamtthematik ist ja von vielen Schreibern hier schon von allen Seiten Beleuchtet worden (gutes Stichwort) ;-)

    Ich möchte auf die Vermutung es handele sich um eine Winterdepression eingehen.

    Als Winterdepression bezeichnet man eine duch Lichtmangel ausgelöste Depression, im Englischsprachigen Raum werden leichte Formen auch als SAD oder Winterblues bezeichnet.

    Zwar sind die vergangenen depressiven Phasen Deines Freundes ein Hinweis darauf, dass die dunkele Jahreszeit nicht der Hauptgrund für sein "Leiden" sein dürfte, aber das Verhalten, was Du beschreibst ist natürlich für den Aspekt des Lichtmangels pures Gift. Er sitzt den ganzen Tag zu Hause.

    Die beste Lichtquelle für uns Menschen ist und bleibt die Sonne. Sie gibt auch in den Wintermonaten mehr Licht, als wir so einfach mit Lampen herbeischaffen können. Es ist also wichtig sich gezielt im Freien aufzuhalten wenn es draußen Hell ist. Vielleicht könnt Ihr vereinbaren, dass Dein Freund die Einkäufe erledigt, so bald es hell wird. Auch körperliche Betätigung bei hellem Licht ist gut. z.B. morgens Joggen, natürlich auch erst wenn es hell ist.

    Unterstützen kann man den Aufenthalt im Freien durch Sitzungen vor einem Lichttherapiegerät. Siehe z.B. www.medilight-onlienshop.de allerdings werden solche Geräte meines Wissens nicht von den Krankenkassen bezahlt.

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