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Thema: Wir überlasten uns..

  1. #1
    Neuling Avatar von LiLo
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    Standard Wir überlasten uns..

    Hallo ihr Lieben,

    momentan läuft es alles andere als rosig..

    Ich befinde mich nun schon in dem zweiten Winter, seit dem ich die Ausbildung angefangen habe. Ich bedenke immer, dass man ja sagt: Lehrjahre sind keine Herrenjahre!
    Ich steh jeden Morgen nur sehr unmotiviert auf, um 9.00 fängt meine Arbeit an, ich arbeite auf einem Gestüt. Ende ist meistens um 19 Uhr. Oft aber arbeiten wir auch länger. Wir sind hier zwei Azubis und haben einen Chef.
    Die Arbeiten sind natürlich jeden Tag fast gleich ablaufend. Meine Kollegin und ich befinden uns nun seit "Winteranfang", wo die Pferde drin sind, im Akkord. Quantität und Qualität zählen- wie in jeder Arbeit auch. Wir haben nun von unserem Chef Zeitvorgaben bekommen, in denen wir dieses und jenes zu erfüllen haben. Es ist nicht so ganz einfach, unter so hohen Anforderungen zu arbeiten. Noch dazu: Ich strebe nach Perfektion und versuche nicht nur die Zeit, sondern auch die Ordnung einzuhalten. Und natürlich schleichen sich mal Fehler ein, wir zwei sind ja noch nicht fertig ausgebildet.
    Meine Kollegin und ich sind die meiste Zeit auf uns allein gestellt. Wir haben die Verantwortung für den Hof, die Pferde und die sonstigen Sachen rund 4 Tage in der Woche. Wir arbeiten sieben Tage in der Woche. Wir haben 5 Tage frei im Monat. Abzüglich sind dies dann 46 STunden in der Woche ohne Bedenken der Überstunden.
    Viele nennen es Ausbeutung. Wir werden sehr schlecht bezahlt.

    Abends nach der Arbeit wenn wir um 19/20 Uhr reinkommen, sind wir einfach nur noch müde. Der Haushalt in unserer WG wird gerade noch so bewältigt. Freizeitaktivitäten oder einen Ausgleich gibt es nur selten, weil die Motivation fehlt.
    Die Arbeit überlastet mich momentan sehr, ich habe seit ein paar Monaten ein Leberproblem diagnostiziert bekommen, da ich bemerkt habe, dass ich kaum mehr die Berge hochkomme. Ich leide oftmals an extremer Kurzatmigkeit. Gerade diese schlaucht noch zusätzlich meinen Tagesablauf, meine Arbeit. Vor allem da wir bis zu 20km am Tag "rennen"/ gehen.

    Krankschreiben lassen in jeglicher Hinsicht wird hier nicht "geduldet". In der letzten Zeit sind wir häufig alleine. Also z.b ab nächster Woche darf ich dann zwei Wochen den Betrieb alleine "managen", da meine Kollegin eine OP hat. Mein Chef sorgt sich nicht für Ersatz, "weil wir ja schon groß sind". Aber auch er ist oftmals weg oder mit anderen Dingen beschäftigt, als das er mir helfen könnte/wollte.

    Nach drei Tagen alleine auf dem Hof geht man zunehmend am Stock. Auch meine Kollegin hat Probleme, sie leidet an Schwindelanfällen etc.
    Außerdem wird uns nur wenig beigebracht, da wir schon zu Anfang viel wussten. Ich mache mir nun seit längerem etwas Sorgen um die praktische Prüfung. Ich habe schon ab und an mit meinem Chef drüber geredet, ob er uns nicht noch mehr zeigen kann. Wir sollten uns nicht verrückt machen, so der Kommentar.

    Desweiteren leide ich an Heimweh. Mir fehlt meine Familie sehr. An meinen freien Tagen fahre ich immer nach Hause. Allerdings wird meist sehr lange dann geschlafen, man weiß nicht, was man mit der "freien" Zeit so anstellen kann, auch zuhause helfe ich auf dem Betrieb, um meine Mutter zu entlasten.

    Kaum habe ich Freunde die diese Situation verstehen. Ich habe nun schon mehere kurzzeitige Beziehungen hinter mir, weil sie dem Druck nicht standhalten.
    Abends ist meist mein Zimmer abgedunkelt, ich schließe mich ein, kauer auf dem Boden und surfe im Internet. Manchmal fange ich an zu weinen, grundlos. Manchmal weine ich auch um meinen Hund, der Weihnachten dieses Jahr vllt nicht mehr erleben wird.
    Nachts hab ich manchmal Alpträume oder sehe mein Pferd was vor mir eingeschläfert wurde, als ich 12 war.

    Ich schätze, dass die Situation auszuhalten ist, ich jediglich nur ein Weichei bin, ich nur noch härter arbeiten muss, mich noch stärker mache...

    Ich musste diese Situation auch einfach mal loswerden, einfach mal aufschreiben.
    Vielen Dank!

  2. #2
    Schreiberling
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    Hallo Lilo,

    Den Grossteil deines Textes habe ich mit grossem Nicken gelesen. Oft sprechen Menschen mich an, die in solchen Situationen festhängen.

    Was deinen dir gegenüber harten Schluss betrifft, möchte ich vorwarnen: Müssen funktioniert nicht.

    Weiterhin sind Träume, in denen Pferde weglaufen oder sterben ein Zeichen dafür, dass man zuviel Energie verliert. Hier gilt es also wirklich, abzubremsen.

    Du magst jetzt sagen, dass du keinen Krankenschein nehmen kannst, aber dein Körper wird dir sehr wohl erklären, wann es reicht. Persönlich würde ich also nach alternativen Auswegen suchen und nicht darauf hoffen, dass mein Körper glaubt, dieses 'Müssen' mitzutun, bis du ganz zusammenklappst.

    Du bist kein Weichei, aber was zuviel ist, ist zuviel.


    Gruss


    Shade

  3. #3
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    Ich befinde mich gerade in Job-Verhandlungen und kann nur sagen: es wird probiert, wie weit man mit den Leuten gehen kann.
    Was Du beschreibst, hört sich nach regelrechter Sklaverei an, es handelt sich ja wohl zusätzlich noch um harte, körperliche Arbeit. Normalerweise gibt es auch Ruhezeiten, die einzuhalten sind, und und und. Dieser Typ nützt Euch aus. Es scheint ihm auch egal zu sein, wie es Euch dabei geht.
    Gibt es die Möglichkeit, den Betrieb zu wechseln? Ich habe das Gefühl, dass das nicht mehr legal ist. So ein Drecksack gehört eigentlich vors Arbeitsgericht
    Gerade für Lehrlinge gibt es Regeln! Erkundige Dich und vorallem: wehr Dich!
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

  4. #4
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    Hallo Shade,
    das Problem ist einfach, dass es keine wirklichen alternativen Auswege gibt. Ich merke schon deutlich, dass mein Kopf immer noch will, immer noch weiter, bloß nicht stehen bleiben, so nach dem Motto: "Beweg deinen Ar*** und jammer nicht", aber mein Körper macht es schon oft nicht mehr mit. Und das ärgert mich dann schon sehr.



    Hallo Natz,
    ja es ist schon nicht mehr legal.
    Er zieht uns viel zu viel ab für die Versorgung und die Unterkunft, als sie eigentlich Wert wären. Wir arbeiten im Monat für 130 €... Mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt.
    Das mit dem Betrieb wechseln ist so eine Sache.. Zum Einen ist es in der Landwirtschaft generell so, dass man sehr ausgenutzt wird, dass weiß man auch als Lehrling. Der Job ist nunmal hart. Zum Anderen bin ich extra hier hingezogen, weil hier die Haltung für die Tiere einfach am Besten ist und das Umfeld hier auch soweit stimmt, es gibt keinen wirklich vergleichbaren Betrieb.
    Außerdem trauen wir uns auch gar nicht ihm mal die "Meinung" zu sagen, weil wir wissen, dass es evtl noch härter wird. Er lässt da auch nicht mit sich reden. Und wenn er dann mal aufm Hof ist, müssen wir uns nur anhören, was gerade schlecht gemacht wurde, wo wir unordentlich waren usw..
    Meistens wenn ich ihn sehe habe ich schon einen Kloß im Hals...

    Danke für eure Antworten,
    LG

  5. #5
    Verleger Avatar von Natz
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    Offensichtlich hat der Euch schon total eingeschüchtert und ich bleib dabei: der gehört bei der zuständigen Kammer o.ä. gemeldet.
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

  6. #6
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    hmm ja.. das stimmt schon, sowas sollte man eigentlich tun. ABER wir sitzen alle in einem Boot. Wenn er seine Zulassung verliert, verlieren wir unsere Ausbildungsstelle... Und ich brauche sie. Sie ist mein Sprungbrett für die Zukunft.. Es ist ja zum Glück nur noch ein halbes Jahr..

  7. #7
    Verleger Avatar von Natz
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    Dann Augen zu und durch. Aber lass Dich von so einem ***** nicht so runterziehen. Stell ihn Dir einfach öfters mal in Unterhosen vor-ist manchmal ganz hilfreich
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

  8. #8
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    Es macht einen nur sooo unzufrieden. Man kann abends nicht mehr viel tun, schon allein weil man so gut wie tot ist (so ein Gefühl hat man irgendwie) und meist bleibt man dann bis tief in die Nacht auf, weil man noch möglichst viel vom Tag haben will..
    Gestern habe ich mit meiner schlechten Laune und meiner Wut innerlich mehrere Menschen vor den Kopf gestoßen.
    Ich kann meine Gefühlsausbrüche schon nicht mehr kontrollieren, weil sie ja eigentlich bei den Falschen ankommen..

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