Hallo ihr Lieben,
momentan läuft es alles andere als rosig..
Ich befinde mich nun schon in dem zweiten Winter, seit dem ich die Ausbildung angefangen habe. Ich bedenke immer, dass man ja sagt: Lehrjahre sind keine Herrenjahre!
Ich steh jeden Morgen nur sehr unmotiviert auf, um 9.00 fängt meine Arbeit an, ich arbeite auf einem Gestüt. Ende ist meistens um 19 Uhr. Oft aber arbeiten wir auch länger. Wir sind hier zwei Azubis und haben einen Chef.
Die Arbeiten sind natürlich jeden Tag fast gleich ablaufend. Meine Kollegin und ich befinden uns nun seit "Winteranfang", wo die Pferde drin sind, im Akkord. Quantität und Qualität zählen- wie in jeder Arbeit auch. Wir haben nun von unserem Chef Zeitvorgaben bekommen, in denen wir dieses und jenes zu erfüllen haben. Es ist nicht so ganz einfach, unter so hohen Anforderungen zu arbeiten. Noch dazu: Ich strebe nach Perfektion und versuche nicht nur die Zeit, sondern auch die Ordnung einzuhalten. Und natürlich schleichen sich mal Fehler ein, wir zwei sind ja noch nicht fertig ausgebildet.
Meine Kollegin und ich sind die meiste Zeit auf uns allein gestellt. Wir haben die Verantwortung für den Hof, die Pferde und die sonstigen Sachen rund 4 Tage in der Woche. Wir arbeiten sieben Tage in der Woche. Wir haben 5 Tage frei im Monat. Abzüglich sind dies dann 46 STunden in der Woche ohne Bedenken der Überstunden.
Viele nennen es Ausbeutung. Wir werden sehr schlecht bezahlt.
Abends nach der Arbeit wenn wir um 19/20 Uhr reinkommen, sind wir einfach nur noch müde. Der Haushalt in unserer WG wird gerade noch so bewältigt. Freizeitaktivitäten oder einen Ausgleich gibt es nur selten, weil die Motivation fehlt.
Die Arbeit überlastet mich momentan sehr, ich habe seit ein paar Monaten ein Leberproblem diagnostiziert bekommen, da ich bemerkt habe, dass ich kaum mehr die Berge hochkomme. Ich leide oftmals an extremer Kurzatmigkeit. Gerade diese schlaucht noch zusätzlich meinen Tagesablauf, meine Arbeit. Vor allem da wir bis zu 20km am Tag "rennen"/ gehen.
Krankschreiben lassen in jeglicher Hinsicht wird hier nicht "geduldet". In der letzten Zeit sind wir häufig alleine. Also z.b ab nächster Woche darf ich dann zwei Wochen den Betrieb alleine "managen", da meine Kollegin eine OP hat. Mein Chef sorgt sich nicht für Ersatz, "weil wir ja schon groß sind". Aber auch er ist oftmals weg oder mit anderen Dingen beschäftigt, als das er mir helfen könnte/wollte.
Nach drei Tagen alleine auf dem Hof geht man zunehmend am Stock. Auch meine Kollegin hat Probleme, sie leidet an Schwindelanfällen etc.
Außerdem wird uns nur wenig beigebracht, da wir schon zu Anfang viel wussten. Ich mache mir nun seit längerem etwas Sorgen um die praktische Prüfung. Ich habe schon ab und an mit meinem Chef drüber geredet, ob er uns nicht noch mehr zeigen kann. Wir sollten uns nicht verrückt machen, so der Kommentar.
Desweiteren leide ich an Heimweh. Mir fehlt meine Familie sehr. An meinen freien Tagen fahre ich immer nach Hause. Allerdings wird meist sehr lange dann geschlafen, man weiß nicht, was man mit der "freien" Zeit so anstellen kann, auch zuhause helfe ich auf dem Betrieb, um meine Mutter zu entlasten.
Kaum habe ich Freunde die diese Situation verstehen. Ich habe nun schon mehere kurzzeitige Beziehungen hinter mir, weil sie dem Druck nicht standhalten.
Abends ist meist mein Zimmer abgedunkelt, ich schließe mich ein, kauer auf dem Boden und surfe im Internet. Manchmal fange ich an zu weinen, grundlos. Manchmal weine ich auch um meinen Hund, der Weihnachten dieses Jahr vllt nicht mehr erleben wird.
Nachts hab ich manchmal Alpträume oder sehe mein Pferd was vor mir eingeschläfert wurde, als ich 12 war.
Ich schätze, dass die Situation auszuhalten ist, ich jediglich nur ein Weichei bin, ich nur noch härter arbeiten muss, mich noch stärker mache...
Ich musste diese Situation auch einfach mal loswerden, einfach mal aufschreiben.
Vielen Dank!


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren


Lesezeichen