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Thema: Wutausbrüche, weinen, Ohnmacht, Fluchtgedanken...

  1. #1
    Neuling
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    Standard Wutausbrüche, weinen, Ohnmacht, Fluchtgedanken...

    Hallo zusammen.

    Ich wende mich an euch, da ich nicht mehr weiss was mit mir los ist...
    Seit ca. einer Woche reagiere ich völlig über und habe ständig Wutausbrüche, die ich zwar versuche zu unterdrücken aber manchmal funktioniert es nicht.
    Bei der kleinsten Kleinigkeit geh ich in die Luft... Bis vor einiger Zeit hat sich Streß bei mir immer in Form von Kopfschmerzen geäussert aber ich hatte mich immer unter Kontrolle, jetzt habe ich seit rund einer Woche sobald auch nur die kleinste Kleinigkeit passiert sofort Magenschmerzen.
    Ich muss ständig heulen und hab Gedanken a la "Ich muss hier weg"... Weg aus meinem Umfeld und endlich mal zur Ruhe kommen.
    Meist handelt es sich um Kleinigkeiten die mich völlig aus der Fassung bringen und ich weiss auch, dass ich überreagiere aber ich kann nichts dagegen tun...
    Ich muss wegen Kleinigkeiten sofort weinen und das war früher nie so.

    Zur Vorgeschichte:
    Ich werde dieses Jahr 25.
    Letztes Jahr hatte ich eine Kopfoperation, da bei mir eine Gefäßfehlbildung diagnostiziert wurde. Der damit verbundene Krankenhausaufenthalt hat mich sehr mitgenommen und seit dem habe ich mich sehr verändert... Ich habe die Beziehung zu meinem Ex-Freund beendet, der Kontakt zu meinem besten Freund hat sich auch auf ein Minimum reduziert, da er leider die unangenehme Eigenschaft hatte, mich ständig anzulügen.
    Ausserdem muss noch hochdosierte Antiepileptika nehmen, darf nicht Autofahren und im Mai ist meine Abschlussprüfung der Ausbildung.
    Bisher dachte ich eigentlich ich komme gut klar, aber dem scheint nicht so.
    Innerhalb der letzten Woche hat sich dieser Zustand extrem verändert.
    Ein Familienmitglied versuchte bei meinen Eltern Unmut über meinen neuen Freund zu verbreiten (sie kennt ihn nicht mal...), mein Ex-Freund - der mir immer eine Stütze war hat sich komplett abgewendet und redet nur noch das nötigste mit mir, da er nur noch Augen für seine neue hat, den Kontakt abbrechen kann ich aber nicht, da er mir noch einen Haufen Geld schuldet und zudem auch unser gemeinsamer Hund bei mir lebt...
    Mein Freundeskreis hat sich generell verändert, Menschen die mir bis zur Operation wichtig waren gehen mir jetzt unglaublich auf die Nerven und dafür habe ich jetzt mehr Kontakt zu Leuten, mit denen es früher nur eine flüchtige Bekanntschaft war.
    Ich werde ständig von allen Seiten eingespannt und gestern nach einer Meinungsverschiedenheit stand ich wieder heulend da...
    Zudem lassen sich meine Eltern bald scheiden und da meine Mutter keinen Job hat, ist es recht ungewiss was mit unserem Haus passiert und wie dann überhaupt alles weiter geht.

    Mit meinem neuen Freund führe ich eine Fernbeziehung, so dass wir uns auch nur alle 2 Wochen sehen, aber er ist die einzige Person, bei der ich alles mal vergesse und runterkommen kann. Das passiert aber eben nur alle 2 Wochen und in den Zwischenräumen werde ich halb verrückt.

    Eben hatte ich einen kleinen Streit mit meiner Mutter und die logische Konsequenz: Ich sitze wieder heulend hier und muss mich gleich erstmal entschuldigen gehen.

    Mein Bekanntenkreis hat immer gesagt, dass ich die stärkste Person bin, die sie kennen und alle kommen mit ihren Problemen immer zu mir und erwarten eine Lösung und ich habe immer das Gefühl, dass ich diese Anforderungen erfüllen muss.

    Wie gesagt, bis zur Operation kam ich mit meinem Leben immer gut klar, aber seitdem hat sich meine emotionale Stärke auf ein Minimum reduziert und ich reagiere extrem empfindlich auf alles und jeden.
    Dieser Zustand hat sich in der letzten Woche so hochgeschaukelt, dass ich mir ernsthaft Sorgen um mich mache...

    Ich hoffe, dass jemandem von euch dazu etwas einfällt, denn mit Freunden und Familie kann und möchte ich nicht darüber reden.

    Gruß,
    Thali

  2. #2
    Lill
    Gast

    Standard

    Hallo Thali und herzlich willkommen!

    Mein Bekanntenkreis hat immer gesagt, dass ich die stärkste Person bin, die sie kennen und alle kommen mit ihren Problemen immer zu mir und erwarten eine Lösung und ich habe immer das Gefühl, dass ich diese Anforderungen erfüllen muss.
    Wenn du an eine körperliche Grenze gekommen bist und merkst, dass du nicht immer stark sein kannst, dann finde ich es verständlich, dass es schwierig ist, sich darauf einzustellen, denn erstmal verändert sich ja das ganze Selbstbild, was du auch von dir hattest. Man kann nicht dauerhaft immer nur stark sein und diese Krankheit zeigt dir nun deutlich, wo deine Grenzen sind. Das macht dich vielleicht auch wütend? ich könnte das gut verstehen.

    Ich kenne das von Krebspatienten. Erst kommt die Wut, dann die Trauer, dann die Verzweiflung, und irgendwann wird akzeptiert, dass es einen Wendepunkt gibt und damit auch eine Chance, mal was im Leben zu ändern, was Wertigkeiten angeht. So gesehen ist das etwas mit den trauerphasen vergleichbar.

    Du brauchst vielleicht noch etwas zeit, um dich umzustellen und nicht immer nur für andere da zu sein, sondern auch mal Hilfe annehmen können (und müssen). Du wirst auf Dauer nämlich nicht dafür geachtet, immer nur für andere da zu sein. Ich verstehe deine Wut und Unsicherheit im Moment sehr gut.

    Also würde ich dir den Rat geben: Lass dich nicht mehr so einspannen von anderen (die es von dir gewohnt sind), schau, wer dir wirklich gut tut und kümmere dich nicht mehr so um die Probleme der anderen Leute, sondern um dich und sieh die, die um dich sind und dir gut tun. Es sind häufig gerade die Menschen, von denen man es gar nicht so erwartet hatte.

  3. #3
    Neuling
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    Standard

    Vielen Dank für die Antwort Lill.

    Ich weiss nur nicht, wie ich das anstellen soll... Mich tangieren echt Dinge, die ich vorher nicht mal ernst genommen hab.
    Ich hab das Gefühl völlig verrückt zu werden und weiss oftmals gar nicht was ich mit mir anfangen soll und damit, dass ich ständig überreagiere, ziehe ich im Zweifelsfall auch irgendwann den Unmut meiner Mitmenschen auf mich.
    Ich habd as Gefühl, dass ich einfach mal Abstand von allem hier brauche, aber das ist derzeit gar nicht umsetzbar.
    Wenn ich meinen Freund sehe ist es jedes mal wie ein Realitätsverlust.
    Ich vergesse dann alle Probleme und bin einfach gut drauf, aber sobald ich wieder zuhause bin oder er wieder nach hause fährt, bricht es über mir zusammen wie eine Lawine.
    Diese vielen, ansich kleinen, Probleme, entwickeln sich langsam zu einem ernsthafen Problem für mich.

  4. #4
    Lill
    Gast

    Standard

    Hallo Thali,

    ich kann mir vorstellen, wie schwierig das für dich ist, denn so schnell kann man sein "Wesen" auch nicht ändern. Aber wenn dir dein Freund gut tut im Moment, dann wäre es doch schon, wenn du mal tatsächlich eine Auszeit nehmen klönntest und etwas länger bei ihm sein könntest, bis du dich wieder gefangen hast. Krankschreiben? Urlaub?

    Ich muss ständig heulen und hab Gedanken a la "Ich muss hier weg"... Weg aus meinem Umfeld und endlich mal zur Ruhe kommen.
    Vielleicht solltest du auf dein "Bauchgefühl" mehr achten und darauf horchen, das ist etwas, was du lernen solltest, rechtzeitig selbst die Notbremse zu ziehen und das zu tun, was dir gut tut. Dann geht es dir besser und dann haben auch andere wieder mehr von dir und die Konflikte können sich wieder lösen.

    Was anderes noch als Nachtrag: Hast du mal darüber nachgedacht, eine Kur anzutreten? Hier hättest du die Möglichkeit, mal von allem Abstand zu kriegen, da geht es nur um dich und du hast die Möglichkeit, dich auch mit anderen darüber auszutauschen, denen es ähnlich geht. Und nebenbei: Die Kur kann ja auch in der Nähe des Wohnortes deines Freundes sein. ;-)

  5. #5
    Neuling
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    Ja ich würde wirklich gerne mal hier raus... Aber das ist derzeit einfach nicht möglich.
    Ich hab im Mai die Abschlussprüfung, den Urlaub muss ich für die 2 Wochen davor aufsparen und ein Krankenschein wäre jetzt auch nicht mehr gut, nachdem ich letztes Jahr wegen der Op schon 2 Monate krank geschrieben war.

    Am meisten würde es mich interessieren, wieso das gerade jetzt so extrem passiert.
    Nach der Operation hatte ich schon einmal so eine Phase, aber bei weitem nicht so arg wie jetzt.

  6. #6
    Lill
    Gast

    Standard

    Hallo Thali,

    vielleicht passiert es gerade jetzt deshalb, weil du zusätzlichen Stress hast wegen der Prüfung? Früher konntest du damit besser umgehen, heute bist du etwas geschwächt, das kennst du nicht von dir und das macht dir solche Angst, kann das sein?

    Dann konzentriere dich auf das Wesentliche, deine Prüfung, und versuche, dir wenigstens solange eine "innere Insel" zu schaffen und lass alles andere etwas auflaufen in der Brandung und kümmere dich nicht so sehr darum. Kapsel dich etwas ab von den Problemen anderer, sag rechtzeitig "Stopp", wenn du merkst, du wirst in etwas anderes reingezogen und nimm dir kleine Schritte vor und nichts Großes, bis du das hinter dir hast.

  7. #7
    Neuling
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    Standard

    Die Prüfung ist da noch mein kleinstes Problem... Bis dahin ist ja noch Zeit. Ist einfach ein Problem von vielen

    Diese Insel ist derzeit mein Freund, aber der kann eben auch einfach nicht immer da sein.
    Er macht was er kann, aber manchmal reicht das auch nicht mehr.

  8. #8
    Lill
    Gast

    Standard

    Hallo Thali,

    es scheint ja so, als wenn du Stress im moment nicht so gut aushalten kannst,d eshalb versuch es doch mal mit Antistress-Maßnahmen.

    Kennst du Entspannungstechniken?

    Oder was ich mache: ich schreib ne Liste (nicht lachen!) mit den Dingen, die mich aktuell belasten, und versuche, einiges davon einfach zu "verfristen", bzw. die Prioritäten zu finden und alles andere etwas beiseite zu schieben, bis ich wieder mehr Kraft und Zeit habe.

    Fällt dir da nochwas ein?

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