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Thema: Zu nah am Wasser gebaut

  1. #1
    Neuling Avatar von emmy-nancy
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    Böse Zu nah am Wasser gebaut

    Seit meiner Jugend kämpfe ich mit dem Problem, daß mir zu schnell die Tränen kommen. Vor allem, wenn ich wütend bin oder mich ungerecht behandelt fühle. Ansonsten bin ich "recht hart im Nehmen".

    Wie kann ich an mir arbeiten, daß dieses dämliche Geheule, welches im Grunde gar nicht der jeweiligen Stimmung entspricht, gar nicht erst entsteht?
    Jeht nich jibs nich!

  2. #2
    Neuling
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    Hallo emmy-nancy,

    Dass dem einen Menschen in solchen Drucksituationen schneller die Tränen kommen und dem anderen nicht, ist ganz normal. Eigentlich ist es nicht sehr einfach, was dagegen zu machen, denn du müsstest quasi die Situationen einüben, in denen dir leicht die Tränen kommen, also einen Streit oder das gefühl des ungerecht behandelt werdens. Das ist dann so als wenn ein Schauspieler mit der Zeit lernt, wenn er mehr und mehr auf der Bühne steht, sein Lampenfieber in den Griff zu bekommen und sich davon nicht beeinflussen zu lassen. Also kannst du dich eigentlich nur immer wieder mit den Situationen konfrontieren, indem du drüber redest wie du dich dabei fühlst, und dabei versuchen, die Tränen zu unterdrücken. Andererseits könntest du auch versuchen, das Weinen zu benutzen, um das zu erreichen, was du willst. Also wenn du dich ungerecht gehandelt fühlst von jemandem und du deshalb dann vor dem heulst, wird dem vlt. eher der Fehler bewusst als wenn du zeigst, wie wütend du bist etc.
    Ist zwar kein sehr guter Ratschlag, aber ich hoffe ich konnte dir irgendwie weiterhelfen

    Schöne Grüße
    Oamin
    Der Sinn des Lebens liegt im Auge des Betrachters

    Der Wert des Menschen bemisst sich nicht nach dem, was sein Aussehen über ihn sagt, sondern nach dem, was er tut!

  3. #3
    Neuling Avatar von emmy-nancy
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    Böse

    Hallo, Oamin, ich danke Dir für Deine Antwort. Zum "Üben" habe ich eigentlich schon lange genug Zeit gehabt (ich bin bereits 62 und es stört mich immer noch!!). Es ist im Laufe der Jahre ja auch schon besser geworden, aber leider sieht man es mir sofort an, wenn mir die Tränen in die Augen steigen. Was ich nie gewollt habe, ist "zweckweinen"! Im Gegenteil, ich finde es fürchterlich, wenn man den anderen auf diese Weise "erpressen" will. Oder auch nur der Eindruck entsteht, man wolle etwas damit erreichen. Deshalb will ich das ja weghaben. Aus dem Alter, wo mich die rote Heulnase störte und die verlaufene Wimperntusche, bin ich zum Glück raus. Am schlimmsten finde ich die "Wuttränen"... wenn ich so richtig in Fahrt bin und gerade meinen Gegner roh fressen möchte, schwächen die Tränen meine Position erheblich...
    Jeht nich jibs nich!

  4. #4
    Neuling
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    Naja "Zweckweinen" ist auch nicht gerade die feine englische Art
    War ja auch nur eine Idee...aber ehrlich gesagt, wenn sich dieses Problem schon so lange durch dein Leben zieht und dabei nur ein wenig besser geworden ist über die ganze Zeit hinweg, dann lässt sich nun leider schwer etwas dagegen tun. Aber gegen die "Wuttränen" könnte man vlt. noch was tun: Wenn du einer Person gegenübersitzt, auf die du total wütend bist, dann versuche, dieser Person ganz ruhig und ohne überhaupt deiner Wut Ausdruck verleihen zu wollen (vlt. bleiben dann auch die Tränen aus) alles zu sagen, was dich so wütend macht. Diese Kritik, die ganz in Ruhe vorgetragen wird, ist zumeist noch wesentlich effektiver als dem Gegenüber seine ganze Wut entgegenzuschleudern. Hab schon miterlebt, dass Leute, die man dermaßen wegen ihren Fehlern zusammengeschrien hat oder bestraft, nichts daraus gelernt haben. Aber wenn man ihnen das alles dann ganz in Ruhe gesagt hat, dann kamen sie plötzlich zum Nachdenken. Diese Taktik hast du vlt. schon mal versucht, aber ich kann sie nur empfehlen, es hilft mir selbst eigentlich auch, meine Anschuldigungen so rüberzubringen, dass das Gegenüber sie aufnimmt.

    lg
    Oamin
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  5. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Oamin93 für den sinnvollen Beitrag:

    emmy-nancy (10.08.2010)

  6. #5
    Neuling Avatar von emmy-nancy
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    Das mit dem Ganz-ruhig-rüberbringen... schön wärs ja. Ich war als junger Mensch ziemlich jähzornig, das habe ich erfolgreich runtergedimmt. Aber was da dann immer noch so brodelt in mir, scheint genau auf die Tränendrüsen zu drücken.

    Ich danke Dir für Deine Antworten. Scheint ein schwieriges Thema zu sein. Ich war ganz erstaunt, daß ich dazu noch nichts Wesentliches in diesem Forum hier gefunden habe.
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  7. #6
    Verleger Avatar von Darkstar
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    Hallo Emmy,

    Ich war als junger Mensch ziemlich jähzornig, das habe ich erfolgreich runtergedimmt.
    Was verstehst Du unter "runterdimmen"? Es klingt für mich jetzt so, als ob Du da ein Verhalten als solches gedeckelt hast, dessen Wurzeln aber immer noch unverändert vorhanden sind.
    Das Husten unterdrücken, aber die Grippe unbeachtet lassen ?

    Wenn das, was da in Dir damals gewühlt hat, immer noch vorhanden ist und sich jetzt nur ein anderes Ventil/Ausdrucksmittel gesucht hat: statt rumtoben (darste ja nicht mehr) jetzt eben heulen?

    So, wie Du es beschrieben hast, tritt dies ja in der Regel dann auf, wenn Du Dich in einer Konfliktsituation befindest, die Du nicht wirklich auflösen kannst, oder?
    Das "hart im Nehmen sein": unterscheiden sich die Situationen, in denen Du etwas wegstecken kannst, von denen, in denen Dir die Tränen kommen? Unterscheiden im Sinne von: es funktioniert dann, wenn es um Konflikte geht, die Dich weniger im Kern treffen - wird dieser berührt, steigt das Wasser über die Überlaufkante?
    Und nicht nur das Wasser: auch die Emotionen ...


    lg

  8. #7
    Neuling Avatar von emmy-nancy
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    Ausrufezeichen

    als ob Du da ein Verhalten als solches gedeckelt hast, dessen Wurzeln aber immer noch unverändert vorhanden sind.
    Hmm, ja, Darkstar, so siehts aus. Aber ehrlich gesagt, hab ich Jähzorn immer für eine Charaktereigenschaft gehalten, die man mäßigen kann, aber nicht beseitigen?

    Den Zusammenhang mit den Tränen seh ich da auch durchaus, aber es ist ja nicht nur bei unterdrücktem Jähzorn. Ich krame jetzt mal nach ein paar Beispielen:

    Hart im Nehmen bin ich bei Schmerzen, Schicksalsschlägen, Liebeskummer, Krankheit, Tod, ... da kann ich traurig sein, aber ich muß nicht weinen.

    Heulsusig werde ich bei empfundener Ungerechtigkeit mir gegenüber, Emphatie, bei Kränkung in Verbindung mit empfundener Wut, wenn ich mich angegriffen fühle und nicht zurückschlagen kann, wie ich will...

    Kann man da sagen, das eine berührt mich weniger als das andere? Eigentlich doch nicht. Es muß irgendwie mit dem "machen" zu tun haben. Ich hasse es, Opfer zu sein. Ich muß das Gefühl haben, etwas TUN zu können, um das Heft in der Hand zu behalten. Oder umgekehrt, wenn ich mich hilflos und/oder ausgeliefert fühle, ist Tränenzeit.

    Konnte ich es so etwas besser schildern?
    Jeht nich jibs nich!

  9. #8
    Neuling Avatar von emmy-nancy
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    Ausrufezeichen

    QUOTE]als ob Du da ein Verhalten als solches gedeckelt hast, dessen Wurzeln aber immer noch unverändert vorhanden sind.
    [/QUOTE]
    Hmm, ja, Darkstar, so siehts aus. Aber ehrlich gesagt, hab ich Jähzorn immer für eine Charaktereigenschaft gehalten, die man mäßigen kann, aber nicht beseitigen?

    Den Zusammenhang mit den Tränen seh ich da auch durchaus, aber es ist ja nicht nur bei unterdrücktem Jähzorn. Ich krame jetzt mal nach ein paar Beispielen:

    Hart im Nehmen bin ich bei Schmerzen, Schicksalsschlägen, Liebeskummer, Krankheit, Tod, ... da kann ich traurig sein, aber ich muß nicht weinen.

    Heulsusig werde ich bei empfundener Ungerechtigkeit mir gegenüber, Emphatie, bei Kränkung in Verbindung mit empfundener Wut, wenn ich mich angegriffen fühle und nicht zurückschlagen kann, wie ich will...

    Kann man da sagen, das eine berührt mich weniger als das andere? Eigentlich doch nicht. Es muß irgendwie mit dem "machen" zu tun haben. Ich hasse es, Opfer zu sein. Ich muß das Gefühl haben, etwas TUN zu können, um das Heft in der Hand zu behalten. Oder umgekehrt, wenn ich mich hilflos und/oder ausgeliefert fühle, ist Tränenzeit.

    Konnte ich es so etwas besser schildern?
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