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Thema: zukunftsangst - sorry lang!

  1. #1
    Gast9787
    Gast

    Standard zukunftsangst - sorry lang!

    Hallo alle zusammen,

    ich hoffe ich bin hier richtig...

    Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Es ist so: Ich habe im Mai mein Abitur gemacht und mich dann ende juni fürs studium beworben. Dann hieß es natürlich warten und nochmals warten auf eine zusage. Noch zu erwähnen ist, dass ich zurzeit nicht arbeite oder sonst irgendeine verpflichtung habe. Das warten hat mich total fertig gemacht bzw. ich hab mich total fertig gemacht. Ich bin jemand der sich selbst ständig verrückt macht und sich selbst stresst und unter druck setzt und immer das beste von sich verlangt (perfektionist). Ich hatte schon immer angst vor der zukunft, dass ich keine ausbildung finde, an der schule nicht angenommen werde etc. aber jetzt wo es ums studium geht, ist es unendlich viel schlimmer. Ich weiß, dass es bescheuert ist, sich zu sagen, wenn ich nciht zugelassen werde, geht die welt unter, aber ich machs trotzdem. Jedenfalls war ich zu dem zeitpunkt sowieso schon extrem angeschlagen und es wurde langsam wieder besser (dazu später) und so bin ich seit juli eigentlich ständig nur am heulen, krieg plötzlich so ne richtigen heulattacken, krieg schon fast ein bisschen panik und kann mit meiner angst und der ganzen situation einfach nicht mehr um. Zumal ich jetzt auch noch in den letzten tagen erfahren habe, dass ich von keiner uni im hauptverfahren eine zusage bekommen habe und jetzt aufs nachrücken hoffen muss und bis ich da bescheid bekomme dauerts noch ewig. Ich dreh hier total durch und kann einfach nicht mehr warten.

    Jetzt zu meinem angeschlagen sein. Ich weiß nicht inwieweit das wichtig ist und mit meiner jetztigen situation zusammenhängt. Anfang des jahres begann sozugagen mein fall. Ich hatte im letzten abihalbjahr super viel stress, ständig hausarbeiten, klausuren, präsentationen etc. Es war nicht mehr zu schaffen. Ich hab tag und nacht gearbeitet. Etwa anfang april war ich auf dem tiefpunkt. Ich war total kaputt, konnte nicht mehr abschalten und war so unendlich müde. Ich fing an ab und zu mittags nach der schule zu schlafen, was schnell täglich wurde. Ich war einfach so geschafft, dass ich anders den tag nicht überstanden hätte. Dann im mai gingen die prüfungsvorbereitungen los. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren, nichts mehr merken und schlief so unendlich viel (tagsüber und nachts). Ich war ruhelos und total nervös. dann kam der nächste schlag: meine schwester hatte einen schweren autounfall und verdammt glück gehabt, dass sie dabei nicht umgekommen ist. Das hat mich dann entgültig aus der bahn geworfen. Es wurde alles schlimmer. Einer std. lernen, setzte ich 3 std. schlaf entgegen. Ich brach ständig in tränen aus und weinte oft. Ich bekam migräne und magenprobleme, setzte mich aber weiter unter druck, weil ich meine noten schaffen wollte (musste).Nach den prüfungen fing alles langsam an sich zu bessern. Die anspannung lies nach und ich hoffte langsam, ich würde mich erholen. Dann kam der stress mit der unibewerbung. Ich hatte keine ahnung wofür ich mich entscheiden soll und stellte die entscheidung als DIE lebensentscheidung hin. In den tagen (ende juni wieder) gings mir richtig beschissen.

    Langsam will ich einfach nur aufhören mit dem ständigen weinen, aber ich schaff es irgendwie nicht. Das ganze belastet meinen Freund auch sehr. Er macht sich glaub ich langsam echt sorgen und überlegt sogar seinen urlaub abzusagen. Ehrlich gesagt weiß ich auch wirklich nciht wie ich nur 1 tage ohne ihn schaffen soll. Er ist der einzige der im moment für mich da ist. Ich bin den ganzen tag nur allein und hab niemanden und er ist der lichtblick im moment. ich wohne zwar noch zu hause, aber ich hab kein so inniges und gutes verhältnis zu meinen eltern, als das ich sie in meine sorgen und probleme einweihen will. Das komische ist, es gibt tage da geht es mir wirklich echt gut und dann haut es mich wieder voll um.

    Habt ihr vielleicht irgendwelche strategien für mich, wie ich aus dieser phase wieder rauskomme?
    nehme im moment ab und an mal eine baldrian tablette, wenn ich total zusammenbreche. bin aber eigentlich gegen sowas. Hab echt angst das ich da irgendwie in eine depression, burn out oder so reinrutsche.

    Was haltet ihr von meiner situation? ganz normal hinsichtlicher der ereignisse oder bedenklich? Irgendwer sowas schonmal erlebt?

    ich weiß ist lang, bin aber über jede antwort dankbar und danke fürs lesen

    lg faieth

  2. #2
    Neuling Avatar von gemeingefährlich
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    Standard

    Liebe faieth,

    das m.E. Bedenkliche ist, daß Deine Selbstdefinition allem Anschein nach mit dem schulischen bzw. beruflichen Erfolg steht oder fällt. Es scheint in Dir keinen inneren, ruhenden Kern zu geben, der unabänderlich besteht (im Grunde der Prozeß, den man umgangssprachlich als Selbstfindung bezeichnet, und der spätestens in der Pubertät beginnen sollte). Das herausstechendste Merkmal für Dich ist der schulische bzw. berufliche Erfolg - das bestimmt und steuert Dein Leben. Das wiederum bedeutet, daß Dein Leben im Grunde genommen nur von Außen gesteuert wird - Dein inneres Fundament ist so wenig stabil, daß es aufgrund einer äußeren Ablehnung in sich zusammenzufallen droht.
    Das halte ich für sehr kritisch. Denn wir leben in Zeiten - und das wird sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte sicherlich nicht bessern - da der Arbeitsmarkt nicht sehr viel hergibt. Auch Akademiker sehen sich vermehrt durch Arbeitslosigkeit bedroht, wandern sogar immer mehr ins osteuropäische Ausland ab oder versauern in zwangsverordneter Zeitarbeit. Das heißt, es besteht eine nicht geringe Chance, daß Du, ohne Dein Dazutun, irgendwann in eine Situation gerätst, in der dieser für Dich wichtige Parameter wegfällt.

    Versuche, Dich selbst außerhalb des Kontexts der Arbeit kennenzulernen. Wofür interessierst Du Dich (ganz persönlich, ohne berufliche Hintergedanken)? Was macht Dir Spaß? Welche Eigenschaften schätzt Du an Dir, welche Eigenschaften schätzt Du an anderen? Was ist Dir wichtig in Deinem Leben - außerhalb der Arbeit? Wie wichtig ist "Arbeit" überhaupt für Dein Selbstbild - mit Ausnahme monetärer Annehmlichkeiten, die den Lebensstandard heben und senken? Was möchtest Du, außerhalb Deines beruflichen Radius', erreichen? Wonach strebst Du? etc., etc.

    Beschäftige Dich mit dem Teil Deiner Persönlichkeit, der sich offenbar bisher noch nicht so stark mitteilen konnte, und suche "Werte" (damit meine ich grundsätzlich keine moralischen, sondern individuelle) in Dir selbst und in Deiner Person.
    So Du es einrichten kannst, verordne Dir Ruhe. Das heißt; kein Internet, kein Fernsehen, nicht lernen, nicht den Briefkasten nach weiteren Schreiben der Universität checken - falls notwendig (und finanziell möglich) gehe in ein Hotel oder in einen Gasthof und mache Dir Gedanken zu diesem Thema. Mach' Dir darüber Notizen. Vielleicht, im Falle daß Du keine wirkliche Orientierung hast, teilst Du sie auch in Untergruppen. Hier als Anregung:
    Partnerschaft/Beziehung;
    Lifestyle;
    Soziales Umfeld;
    "Hobbies";
    Persönliche Philosophie; etc.
    und schreibst etwas dazu auf; was Dir wichtig ist, worauf Du wert legst, wie Du Dich selbst siehst, etc. Finde Prioritäten und "Werte" in Dir selbst außerhalb Deiner Selbstwahrnehmung durch Leistung. Das gibt Dir einen besseren Überblick über Dich selbst und über Ziele, die über die pure Berufsplanung hinausgehen. Und dieses Bewußtsein wird Dir helfen, diesen Druck abzufedern, den Du Dir machst. Sicherlich wird das nicht von heute auf morgen Deine Prioritäten verschieben, aber es eröffnet Dir neue Horizonte, die es Dir ermöglichen, ein neues, größeres, stabileres Fundament zu bauen.

    Sollte Dir alle Katharsis nicht weiterhelfen und Dein innerer Druck trotz eigener Bemühungen immer größer werden, dann solltest Du eventuell auch überlegen, eine Beratungsstelle oder evtl. einen Psychologen aufzusuchen, der Dir sowohl bei der oben genannten Beschäftigung mit Dir selbst als auch bei der Vermeidung eines tatsächlichen Burn-Out-Syndroms (an dem Du ja sehr nahe dran warst) helfen kann. Aber grundsätzlich würde ich in Deiner Situation immer erst versuchen, durch eine Kombination aus Ruhe und "Selbstmeditation" - und "-reflektion" versuchen, die Probleme in eigener Regie zu lösen.

    Soviel von mir.

    Liebe Grüße,
    gemeingefährlich

  3. #3
    Roman Verfasser
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    245
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    Standard

    Hallo,

    Was Du schreibst klingt sehr nach Burnoutsyndrom.
    Ich hatte das vor einigen Jahren mal.
    Der Stress, die hohen Anforderungen - es war nicht zu schaffen.
    Angst um die Zukunft kommen noch hinzu.

    Ich kann Dir einen dringenden Rat geben: Suche dir Hilfe!! Ein Burnout ist nicht zu unterschätzen und es geht nicht einfach weg.

    Du schaffst es nicht, Dich zu entspannen, selbst jetzt nicht, wo Du keinen Stress hast. die Angst hält Dich davon ab. Aber der Körper braucht Entspannung und Phasen, in denen er ganz ruhig ist.
    Ohne die gehst Du kaputt.

    Vielleicht stellst Du Dir für Dich mal die Frage, wieso Du unbedingt super Noten brauchst?
    Strebst Du einspezielles Studium an?
    Machst Du Sport und hast somit einen Ausgleich und eine Ablenkung von der Angst?
    Was genau wäre, wenn Du jetzt kein Studium bekommst?

    Nochwas: Nimm Deinen Freund nciht in die Pflicht!! Er sollte nicht der einzige sein, der für Dich da ist, das KANN er auf Dauer nicht leisten!!! Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht, das die Beziehung belasten wird.
    Suche Dir professionelle Unterstützung. Es gibt Studienpsychologische Dienste, Beratungsstellen etc. Nimm Deinem Freund die Last und gib sie jemandem, der sie Schultern kann.

    Ach ja, ich habs damals geschafft: Entspannen gelernt und kapiert, dass ich auch mal einfach nur Durchschnitt sein kann. UNd seitdem gehts mir viiieeeel besser.

    LG, Kaja
    Jeder hat gesagt "das geht nicht", bis einer kam, der das nicht wusste und es einfach gemacht hat.

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