psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Ergebnis 1 bis 3 von 3

Thema: Zwänge nur in Klinik diagnostizierbar?

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    08.05.2009
    Beiträge
    38
    Danke
    14
    11 mal in 7 Beiträgen bedankt

    Standard Zwänge nur in Klinik diagnostizierbar?

    Hallo liebes Forum!

    Ich bin etwas irritiert nach dem Gespräch mit einem, an einer psychiatrischen Klinik arbeitenden, Sozialpädagogen über unsere zu Hause zu betreuende Mitbewohnerin.

    Ich habe die Vermutung geäußert, dass sie wohl offensichtlich unter starken Zwangsgedanken und Zwangshandlungen zu leiden scheint und ihn darauf hingewiesen, dass er dem Arzt in der Klinik mitteilen sollte, dass ich den Verdacht darauf hegte.

    Der Sozialpädagoge meint jedoch, dass es sich bei ihrer Verhaltensweise nicht um einen Zwang handeln kann, weil er "klinisch nicht feststellbar" sei.
    Kann sowas sein? Er meinte, wenn sie wirklich Zwangserkrankt sei, dann könne sie auch in der Klinik nicht anders, als diesen Zwang auszuüben. Da sie dies aber nicht täte, wenn sie in der Klinik wäre, bestünde kein Zwang.

    Ich war total irritiert. Denke mir, dass es ja logisch wäre, dass sie zB.: nicht hundert Mal in ihren Schrank gucken könne, wenn eben dieser Schrank zum kontrollieren nicht da sei... dann hat sie doch aber trotzdem diesen Zwang?

    Der Pädagoge meinte, dass es sich bei diesem Verhalten um eine erlernte Tätigkeit und um erlernte Denkmuster, die sie auch durchbrechen könne, wenn sie abgelenkt wäre, handle... Dieses "Durchbrechen" sieht dann so aus, dass sie eine Frage, die sie gefühlte tausend Mal stellt und auch gefühlte tausend Mal beantwortet bekommt, nicht thematisiert, solange sie etwas anderes macht.

    Um sie aber nicht in ihren Denkmustern zu bestätigen, gehen wir meistens überhaupt nicht auf ihre Fragen ein. Aber erst, nachdem wir ihr klipp und klar eine Antwort darauf gegeben haben und sichergestellt wurde, dass sie diese auch verstanden hat. Das fruchtet jedoch leider nicht, denn sie fragt trotzdem ohne Pause immer wieder das selbe. Auch, wenn man ein neues Thema anfängt oder sie ignoriert.

    Der Pädagoge und der Arzt meinten aber, es handle sich dabei um eine von ihr gewollte Provokation, um ihren Willen durchzusetzen. Das sehe ich nicht so, weil sie in dem Moment, indem man ihr zustimmt, wieder genau das Gegenteil einfordert, sodass eine Endlosschleife an Befehlen und Fragen entsteht. Ist nicht genau dieses Verhalten auch ein Gedankenzwang? Ein nicht Entscheidenkönnen und immer wieder drüber Nachgrübeln unabhängig von allen Versicherungen dessen, dass dem nicht so sei? Nur weil sie sich manchmal unterbrechen lässt und auf was anderes antwortet, was auch nicht immer der Fall ist, heißt das doch nich, dass man die Diagnose Zwang ausschließen kann?! Zwei Sätze weiter spricht sie nämlich dann wieder von derselben Sache...

    Ich muss dazu sagen, dass sie noch geistig behindert ist und man bei ihr paranoide Schizophrenie diagnostiziert hat. Jedoch eben nicht diese Zwänge, was für mich absolut unverständlich ist. Meines Wissens nach, ist solch ein Denkmuster kein Symptom einer Schizophrenie. Aber ich habe gelesen, dass es gar nicht so untypisch wäre, dass Zwänge eine Begleiterscheinung davon wären.

    Der Pädagoge meinte jedenfalls, dass er das schon mit dem Arzt ausdiskutiert habe und, dass man eben ganz sicher nicht zu der Diagnose "Zwangserkrankung" bei ihr kommen könnte.

    Ich bin bloß ein Leie, aber ich halte das, nach meinem, mir im Internet angelesenen Wissen, für falsch. Könnt ihr mich bestätigen oder stimmt das wirklich? Dass man den Zwang dann eben IMMER und ÜBERALL ausleben MUSS, auch wenn die Gegebenheiten nicht da sind, an denen sie ihn ausleben?

    Auch nach einigen Forumsbeiträgen hier, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das nicht sein kann...

    Als Lösungsvorschlag bat man an, dass man sie eben stationär in der Klinik behalten wolle. Für eine Woche, um dann nach ner längeren Zeit des Herausnehmens aus der Gewöhnung ihres Zuhauses, wieder ein vermindertes wiederholendes Verhalten bei ihr beobachten zu können.

    Man hat sie schon öfter in der Klinik gelassen, aber nie diese Zwänge behandelt, weil es eben keine seien. Oder ich verstehe es einfach nicht. Was einen "Zwang" wirklich ausmacht...

  2. #2
    Schreibkraft
    Registriert seit
    24.09.2010
    Ort
    Memmingerberg
    Beiträge
    142
    Danke
    59
    16 mal in 16 Beiträgen bedankt

    Standard

    Guten Morgen

    Du könntest Dich an die Deutsche Gesellschaft für Zwangserkrankungen wenden,
    die sind in Osnabrück,die geben auch eine Zeitschrift heraus und haben auch
    ein eigenes Forum!

    Was bei vielen Zwangserkrankten,auch ganz typisch ist,das Sie versuchen diese Zwänge zu-
    verheimlichen,weil ein Zwängler hat immer die Angst davor,das andere Menschen Ihn für
    verrückt halten könnte und nicht umsonst wird diese Erkrankung, als heimliche Erkrankung
    bezeichnet!

    es dauert sehr lange,bis ein zwängler von seiner Erkrankung spricht,manchmal dauert es wie
    bei mir mehrere Jahrzehntelang bis das an die Oberfläche kommt und Verständniss von anderen
    Menschen bekommt man sowieso nicht!

    da heißt es dann zB. nur wie kann man nur so sein,es können eigentlich nur andere Zwängler
    nach vollziehen was es heißt mit dieser Erkrankung bestraft zu sein!

    lg raskowitz
    Geändert von raskowitz (19.08.2011 um 12:44 Uhr)

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei raskowitz für den sinnvollen Beitrag:

    Paprika (20.08.2011)

  4. #3
    Neuling
    Registriert seit
    08.05.2009
    Beiträge
    38
    Danke
    14
    11 mal in 7 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Raskowitz!

    Danke für deinen Rat!

    Also, wir haben für unsere Mitbewohnerin auf jeden Fall Verständnis und sie hat ja auch keine Probleme damit ihre Zwänge vor uns auszuleben. Genausowenig vor den Pädagogen und Betreuern, die mit ihr umgehen. Sie bittet sogar um Hilfe... Dass wir zB. kommen sollen und sie aus einem Raum, aus dem sie vor lauter Kontrollzwang nicht mehr raus kommt, rausholen.
    Man schiebt dieses Verhalten jedoch auf ihren Stupor... den hat sie zwar auch. Aber ich erkenne doch, ob sie nun dauernd etwas kontrolliert (zB.: Kamm hochheben, Kamm hinlegen. Kamm hochlegen. Kamm hinlegen. Kamm hochlegen. Kamm hinlegen. Bis zu 50x, bis sie jemanden um Hilfe ruft.) oder ob sie nun völlig "geistlos" irgendwo gegenstarrt und sich nicht bewegt.

    Nur in der Klinik verhält sie sich angeblich anders.
    Es ist mir nur so schwer verständlich, wieso eben ihre Zwänge nicht erkannt, geschwiege denn behandelt werden, OBWOHL Mitarbeiter aus der Klinik bei uns ein und ausgehen und ihr Verhalten bei uns zu Hause sehen.

    Stattdessen verschreibt man ihr Gedächtnistraining, weil sie sich auch dauernd wiederholt und sich die Antworten nicht zu merken scheint *vor die Stirn schlag*.
    Probleme mit dem Gedächtnis hat sie aber keine. Sagt man zu ihr einen Satz, der ihr "gefällt", weiß die das auch noch Monate später.

    lgz

Ähnliche Themen

  1. Habe ich Zwänge ?
    Von Rosaa im Forum Zwänge
    Antworten: 17
    Letzter Beitrag: 20.01.2012, 15:40
  2. Zwänge mit 15 ?!
    Von Toffee im Forum Zwänge
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 06.12.2010, 01:00
  3. Was passiert in einer psychosomatischen Klinik?
    Von Angsthase im Forum Psychologie-Talk
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 09.11.2010, 16:14
  4. Zwänge oder etwas anderes?
    Von assoziationen im Forum Zwänge
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 21.05.2010, 20:50
  5. suizidversuch in klinik
    Von Jordan im Forum Ängste
    Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 15.07.2007, 21:21

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!