Hallo liebes Forum!
Ich bin etwas irritiert nach dem Gespräch mit einem, an einer psychiatrischen Klinik arbeitenden, Sozialpädagogen über unsere zu Hause zu betreuende Mitbewohnerin.
Ich habe die Vermutung geäußert, dass sie wohl offensichtlich unter starken Zwangsgedanken und Zwangshandlungen zu leiden scheint und ihn darauf hingewiesen, dass er dem Arzt in der Klinik mitteilen sollte, dass ich den Verdacht darauf hegte.
Der Sozialpädagoge meint jedoch, dass es sich bei ihrer Verhaltensweise nicht um einen Zwang handeln kann, weil er "klinisch nicht feststellbar" sei.
Kann sowas sein? Er meinte, wenn sie wirklich Zwangserkrankt sei, dann könne sie auch in der Klinik nicht anders, als diesen Zwang auszuüben. Da sie dies aber nicht täte, wenn sie in der Klinik wäre, bestünde kein Zwang.
Ich war total irritiert. Denke mir, dass es ja logisch wäre, dass sie zB.: nicht hundert Mal in ihren Schrank gucken könne, wenn eben dieser Schrank zum kontrollieren nicht da sei... dann hat sie doch aber trotzdem diesen Zwang?
Der Pädagoge meinte, dass es sich bei diesem Verhalten um eine erlernte Tätigkeit und um erlernte Denkmuster, die sie auch durchbrechen könne, wenn sie abgelenkt wäre, handle... Dieses "Durchbrechen" sieht dann so aus, dass sie eine Frage, die sie gefühlte tausend Mal stellt und auch gefühlte tausend Mal beantwortet bekommt, nicht thematisiert, solange sie etwas anderes macht.
Um sie aber nicht in ihren Denkmustern zu bestätigen, gehen wir meistens überhaupt nicht auf ihre Fragen ein. Aber erst, nachdem wir ihr klipp und klar eine Antwort darauf gegeben haben und sichergestellt wurde, dass sie diese auch verstanden hat. Das fruchtet jedoch leider nicht, denn sie fragt trotzdem ohne Pause immer wieder das selbe. Auch, wenn man ein neues Thema anfängt oder sie ignoriert.
Der Pädagoge und der Arzt meinten aber, es handle sich dabei um eine von ihr gewollte Provokation, um ihren Willen durchzusetzen. Das sehe ich nicht so, weil sie in dem Moment, indem man ihr zustimmt, wieder genau das Gegenteil einfordert, sodass eine Endlosschleife an Befehlen und Fragen entsteht. Ist nicht genau dieses Verhalten auch ein Gedankenzwang? Ein nicht Entscheidenkönnen und immer wieder drüber Nachgrübeln unabhängig von allen Versicherungen dessen, dass dem nicht so sei? Nur weil sie sich manchmal unterbrechen lässt und auf was anderes antwortet, was auch nicht immer der Fall ist, heißt das doch nich, dass man die Diagnose Zwang ausschließen kann?! Zwei Sätze weiter spricht sie nämlich dann wieder von derselben Sache...
Ich muss dazu sagen, dass sie noch geistig behindert ist und man bei ihr paranoide Schizophrenie diagnostiziert hat. Jedoch eben nicht diese Zwänge, was für mich absolut unverständlich ist. Meines Wissens nach, ist solch ein Denkmuster kein Symptom einer Schizophrenie. Aber ich habe gelesen, dass es gar nicht so untypisch wäre, dass Zwänge eine Begleiterscheinung davon wären.
Der Pädagoge meinte jedenfalls, dass er das schon mit dem Arzt ausdiskutiert habe und, dass man eben ganz sicher nicht zu der Diagnose "Zwangserkrankung" bei ihr kommen könnte.
Ich bin bloß ein Leie, aber ich halte das, nach meinem, mir im Internet angelesenen Wissen, für falsch. Könnt ihr mich bestätigen oder stimmt das wirklich? Dass man den Zwang dann eben IMMER und ÜBERALL ausleben MUSS, auch wenn die Gegebenheiten nicht da sind, an denen sie ihn ausleben?
Auch nach einigen Forumsbeiträgen hier, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das nicht sein kann...
Als Lösungsvorschlag bat man an, dass man sie eben stationär in der Klinik behalten wolle. Für eine Woche, um dann nach ner längeren Zeit des Herausnehmens aus der Gewöhnung ihres Zuhauses, wieder ein vermindertes wiederholendes Verhalten bei ihr beobachten zu können.
Man hat sie schon öfter in der Klinik gelassen, aber nie diese Zwänge behandelt, weil es eben keine seien. Oder ich verstehe es einfach nicht. Was einen "Zwang" wirklich ausmacht...


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