Hallo,
ich bin neu hier im Forum, 23 Jahre alt, Psychologiestudent.
Dieses Forum habe ich aufgesucht in der Hoffnung hier Hilfe oder Rat zu finden. So lange ich zurück denken kann, glaube ich dass es schon immer anzeichen bei mir gab die alles andere als auf ein gesundes seelen-leben oder auf emotionale stabilität hindeuten. Beispielsweise habe ich immer schon Neigungen zu übertriebener sesibilität, abtauchen in traumwelten, tiefes nachdenken, und lebhaftes phantasieren gehabt. In letzter zeit bin ich jedoch sympthomen ausgeliefert, die glaube ich kontinuierlich schlimmer werden, und die mir das alltagsleben extrem erschweren (und ich habe angst dass sie es mir bald unmöglich machen). Ich bin nun an einen punkt angelangt an dem ich bereit bin mir professionelle Hilfe zu suchen, bin mir jedoch nicht sicher welche art von therapie oder welchen facharzt oder art von psychologen/psychater ich aufsuchen sollte.
Meine sympthome oder leiden sind sehr vielseitig und komplex, aber im allgemeinen denke ich dass ihnen die Kategorie Zwangsgedanken oder Denkstörungen (grübeln) am nächsten kommt. Im internet habe ich folgende Definition gefunden, die auf mein erleben sehr zutreffend ist:
"Zwangsgedanken sind hartnäckig sich wiederholende gedankliche Schleifen, Ideen, oder Vorstellungen, die vom Betroffenen nicht gesteuert oder kontrolliert werden können. Sie ziehen sich unbarmherzig durch die Gedankenwelt, stehen oft im krassen Gegensatz zum real Erlebten und werden zumeist quälend empfunden."
Jedoch wird im zusammenhang mit zwangsgedanken oft erwähnt dass Betroffene angst haben ihre zwanghafte vorstellungen (z.b. Suizid) irgendenwann in die tat umzusetzen, oder dass ihre vorstellungen wirklichkeit werden könnten falls sie ihre zwanghafte Gedanken oder Rituale aufgeben. Dies ist bei mir nicht der Fall.
Meine zwangsgedanken fokussieren sich auf bestimmte objekte (zb. physische dinge (zb mein Körper), soziale Interaktionen, oder sozialen Beziehungen aus der vergangenheit) manchmal wochenlang, manchmal nur ein paar stunden. Das Problem ist dass diese Gedanken unkontrollierbar für mich sind, sinnlos, und sich immer wiederholen. Es kommt mir vor als wäre ständig zu viel energie im meinem Gehirn, und dieser Überschuss mündet in krankhaftes grübeln und zwänge. Diese zwangsgedanken richten sich immer nur auf ein objekt (d h ich kann an nichts anderes denken als diese eine sache; über diese sache allerdings in vielen variationen), jedoch wechseln diese objekte (oder gegenstände meiner zwangsgedanken) sich mit der zeit ab. Ich bin mir bewusst dass es keinen sinn macht über dieses sache ohne unterbrechung nach zu denken, aber ich kann es dennoch nicht unterbinden. Manchmal gelingt es mir, diesen Wahn für ein paar minuten zu unterbrechen und an etwas anderes zu denken, aber dies ist nur für kurze zeit und die alten gedankengänge kommen wieder zurück. Es ist wie ein ständiger, zermürbender Kampf, den ich nicht gewinnen kann. Das Paradoxe ist dass durch mein Grübeln über eine bestimmte sache diese sache erst unsicher oder zweifelhaft wird. Damit meine ich dass ich so krankhaft lange und tief über ein objekt nachdenke, bis ich mir nicht mehr sicher bin was ich davon halten soll und zweifel darüber entstehen wie ich es einordnen soll. Diese Unsicherheit oder ungewissheit kann ich nicht ertragen, was wiederrum zu erneutem grübeln führt, in der vergeblichen und kontraproduktiven Hoffnung Sicherheit darüber zu erlangen (aber nur zu mehr unsicherheit führt). So gesehen ist es ein ständiger Kreislauf, den ich nicht durchbrechen kann. Es ist als wäre etwas in meinem Gehirn dass ich nicht steuern oder kontrollieren kann.
Ich bin mir nicht sicher ob ich euch meine Erfahrungen halbwegs verständlich machen konnte, es ist wirklich sehr schwer zu beschreiben. Es ist auf jeden fall ein sehr hoher leidensdruck; diese zwänge und unkontrollierbare Gedanken machen es mir unmöglich mein Leben zu genießen; oft ist es so extrem dass jede stunde zu einem Kampf wird. Oft führt dieser innere Krieg und Anspannung zu dingen wie Kettenrauchen oder ständiges auf and ab gehen.
Hat vielleicht jm von euch ähnliche Erfahrungen gemacht oder schon mal von diesen Sympthomen gehört?
Für Hilfe oder Ratschläge wäre ich ungemein dankbar,
Gisbert


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